Theater Pforzheim startet mit „Don Giovanni“ in die neue Spielzeit 2021/22

Vom Rendezvous zur Henkersmahlzeit

© Sebastian Gößl from Pixabay

Zweitausendfünfundsechzig. So viele Namen enthält die Liste seiner „Eroberungen“, so viele Frauen hat „Don Giovanni“ bereits verführt. Dabei findet er Gefallen an Frauen jedes Alters und Standes. Sein treuer Diener Leporello, der für ihn auch die Liste führt, hilft ihm dabei, stets zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Doch sein Lebenswandel droht ihn früher oder später einzuholen. Als er gezwungen wird, den Vater des neusten Zielobjekts seiner Verführungskünste, der jungen Donna Anna, im Zweikampf zu töten, will ihm nichts mehr gelingen: Die von seinem nächtlichen Besuch tief verstörte Anna hat ihn noch nicht identifiziert, aber erklärt es zu ihrem Lebensziel, den Unhold, der ihren Vater auf dem Gewissen hat, gemeinsam mit ihrem verständnisvollen Verlobten Don Ottavio zu stellen. Da taucht plötzlich Donna Elvira auf, die Don Giovanni mit Eheversprechen aus dem Kloster gelockt hat, und verbündet sich mit den beiden, um Don Giovannis wahren Charakter zu entlarven. Und nicht einmal das für seine Schmeicheleien eigentlich empfängliche Bauernmädchen Zerlina, das gerade Masetto geheiratet hat, kann Giovanni der Liste seiner Eroberungen hinzufügen.

„Il dissoluto punito ossia Il Don Giovanni“ (Der bestrafte Wüstling oder Don Giovanni), wie der vollständige Titel der beliebten Oper von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte lautet, reiht sich in eine unüberschaubar lange Reihe von Schauspielen, Opern, Gedichten und Balletten um die sagenhafte Gestalt des Verführers Don Juan ein. Während der Stoff in seiner spanischen Urfassung aus dem 15. Jahrhundert eher eine moralische Botschaft mit sich trägt, erfuhr er vor allem in den italienischen Bearbeitungen ein komödiantisches Lifting. „Die Höllenfahrt im ‚Don Giovanni‘ war nur ein Zugeständnis an die herrschende Moral, an die Kirche, an die Zensur“, stellt Regisseurin Saskia Kuhlmann fest, die in Pforzheim unter vielen anderen schon die Mozart-Opern „Die Entführung aus dem Serail“ und „Die Gärtnerin aus Liebe“ inszenierte. „Unser Giovanni muss nicht mehr in die Hölle. Wir dürfen uns von ihm verführen lassen.“ Für sie ist die Ambivalenz der Gefühle das große Thema in Mozarts Opern, und die möchte sie herausarbeiten. Eine Vorverurteilung der handelnden Figuren würde ihrer Komplexität nicht gerecht, die vor allem von Mozarts feinmaschig-psychologisierender Musik abgebildet wird.

Als Mozart und Da Ponte nach dem beispiellosen Erfolg ihrer Oper „Le nozze di Figaro“ 1787 vom Prager Nationaltheater gebeten wurden, etwas Vergleichbares nachzulegen, hatte Da Ponte die richtige Mischung aus Spott und Moral, Sexappeal und Keuschheit, Adligen und Figuren aus unteren Gesellschaftsschichten zur Hand. Aber es ist Mozarts Klangsprache zu verdanken, dass „Don Giovanni“ seit über zweihundert Jahren zu den beliebtesten Opern zählt. Dafür, dass auch in Pforzheim alle Nuancen aus der Partitur hörbar werden, wird Generalmusikdirektor Robin Davis sorgen.

Zur ersten Premiere der neuen Spielzeit kann sich das Pforzheimer Publikum sowohl auf ein Wiedersehen mit beliebten Mitgliedern des Musiktheaterensembles in großen Rollen als auch auf neue Gesichter freuen. „Don Giovanni“ mag für manch treue Abonnentinnen und Abonnenten ein alter Bekannter sein, aber Saskia Kuhlmanns feinfühlige Personenführung wird auch hartgesottene Giovanni-Kennerinnen und -Kennern zu einer eigenen neuen Be- oder Verurteilung der Figuren einladen. Es gelten die jeweils aktuellen Corona-Regelungen.


Don Giovanni

Dramma giocoso in zwei Akten

Von :
Wolfgang Amadeus Mozart
Libretto: Lorenzo Da Ponte

Premiere am Theater Pforzheim: 17. September 21 (Großes Haus)

Öffentliche Probe am Samstag, 11. September um 11.30 Uhr im Großen Haus
Opernfrühstück am Sonntag, 12. September um 11 Uhr im Foyer
Weitere Vorstellungen am 19., 22. und 26. September sowie an vielen weiteren Terminen der Spielzeit, jeweils mit Einführung 20 Min. vor Beginn im Foyer

Musikalische Leitung: Robin Davis
Inszenierung: Saskia Kuhlmann
Bühnenbild und Kostüme: Thomas Mogendorf

Mit: Dorothee Böhnisch, Santiago Burgi, Jina Choi, Stamatia Gerothanasi, Patrik Horňák, Paul Jadach, Dumitru Madarasan, Elisandra Melián, Birger Radde, Lukas Schmid-Wedekind, Aleksandar Stefanoski und Helena Steiner

Chor des Theaters Pforzheim
Badische Philharmonie Pforzheim


theater-pforzheim.de