Theater Magdeburg: Uraufführung von Alexander Kühnes »Düsterbusch City Lights« am 13. April 19

Die letzte Inszenierung von Cornelia Crombholz als Magdeburger Schauspieldirektorin
Uraufführung am Sa. 13. 4. 2019, 19.30 Uhr im Schauspielhaus/Bühne

Mit »Düsterbusch City Lights« feiert Alexander Kühnes Roman in der Bearbeitung für die Bühne von Cornelia Crombholz und David Schliesing am Sa. 13. 4. 2019, 19.30 Uhr im Schauspiel-haus/Bühne seine Uraufführung. Es ist zugleich die letzte Inszenierung von Cornelia Crombholz als Schauspieldirektorin des Theaters Magdeburg mit der sich inhaltlich, nach »Spur der Steine« und »Kruso«, der Kreis ihrer Schauspieldirektion in der Beschäftigung mit DDR-Stoffen schließt.


Während »Spur der Steine« noch den Aufbruch in eine neue Gesellschaftsordnung thematisiert und eine gesellschaftliche Utopie formuliert, die an der Wirklichkeit scheitert, findet sich in »Düsterbusch City Lights«, das zeitlich eher das Ende der DDR markiert, bereits die Zersetzungserscheinungen des sozialistischen Staates. Die Jugendopposition ist desillusioniert, Gleichgültigkeit beherrscht den Alltag. Nicht so jedoch bei Anton Kummer, Alexander Kühnes Alter Ego: Unangepasst und mit viel Chuzpe träumt er den Traum von einem dekadenten Großstadtleben, aber eben nicht in Berlin oder London, sondern ausgerechnet in der Provinz, im Nirgendwo, auf dem Dorf. Seine Liebe gilt dem Dandy der Gegenwart, David Bowie. Im sozialistischen Sinne ein Loser, träumt sich Anton in die Welt der Andersartigkeit und zieht allen Widerständen zum Trotz sein Ding durch. Als Lehrling, als »Knuffer« ist Anton eine Niete, als Idealist ein Träumer, der es schafft ganze Massen an Jugendlichen nach Düsterbusch zu holen, der es schafft, die graue Alltagswelt in etwas Buntes, Queres und Anderes zu verwandeln. Denn er ist der Auffassung, dass man Großes erreichen kann, wo man ist. Flucht kommt für ihn nicht in Frage, stattdessen möchte er den Westen, das Glamouröse und Dekadente in den Osten, in die Provinz holen und damit den eigenen Ort, die Heimat, lebenswerter gestalten. Entsprechend dem Londoner Vorbild »The Blitz-Club« sucht Anton das Unangepasste zum höchsten Gut zu erklären und reißt seine Freunde mit in den euphorischen Strudel und für einen Moment wird Düsterbusch City Lights.

Alexander Kühne, der in seinem Roman die eigenen Erlebnisse schildert, suchte nach einer DDR-Auseinandersetzung jenseits von Stasi, Flucht und grauem DDR-Alltag. Cornelia Crombholz erzählt den Roman entsprechend mit viel Musik: David Bowie, New Wave und die vielfältigen Klänge der DDR-Rockmusik bilden eine Säule ihrer Inszenierung: Dank des hochmusikalischen Ensembles und der Kunst der Musiker David Schwarz und Maren Kessler wird die Inszenierung zu einem Live-Konzert der Extraklasse. Christiane Herchers kulissenhafte Bühne wird Drehort für Antons Backflash-Movie, denn der Roman wie auch der Theaterabend beginnen am Ende der Geschehnisse, ein Ende, das Anton aufgrund eines schweren Unfalls in die Vergangenheit reisen lässt und wo alles, was bis dahin geschehen ist, wie ein Film noch einmal an ihm vorbeilaufen wird. Dabei werden die Handlungen spielerisch wie filmisch erzählt, sie überschneiden sich, überlagern sich zwischen Szene und Erzählung. Immer im Vordergrund Antons Anrennen gegen die DDR-Windmühlen, zwischen seinen Freunden, seiner Familie, dem DDR-Staat und dem eigenen Wollen hin und her pendelnd. Die Inszenierung wird auch dank der abwechslungsreichen und vielfarbigen Kostüme zu der Geschichte eines Träumers im Widerstand mit der Realität.

Düsterbusch City Lights
Nach dem Roman von Alexander Kühne
Für die Bühne bearbeitet von Cornelia Crombholz und David Schliesing

Premiere/Uraufführung am Theater Magdeburg: 13. April 19 (Schauspielhaus/Bühne)

Regie: Cornelia Crombholz
Bühne: Christiane Hercher
Kostüme: Josefine Krebs
Musik: David Schwarz, Maren Kessler
Choreografie: David Williams
Dramaturgie: David Schliesing

Besetzung:

Dame von der Berufsberatung/Tante Klara/ Mutter Kummer/Hochnäsige Dame: Iris Albrecht
Junge Mutter Kummer/Maybe/Lehrerin/ Rita/Sanne Antonia: Sophie Schirmeister
Conny: Carmen Steinert
Kaugummi-Elke/Hexe: Léa Wegmann
Junger Vater Kummer/Stamm/Bürgermeister/Herr Weber/Arzt: Björn Jacobsen
Gerber/Blonder Verkäufer/Gräulich/Cosmo/Mischke/Chris: Marian Kindermann
Anton Kummer: Daniel Klausner
Streusel/Connys Vater/Baade, meist drauf/ Stasi-Schulze: Oliver Niemeier
Henryk: Ralph Opferkuch
Sprenzel: Matthias Rheinheimer
Vater Kummer/Wegert/Harry /Grenzer: Thomas Schneider
Musiker: Andreas Gentzsch

www.theater-magdeburg.de