Theater Chemnitz: Uraufführung des Musicals »Drachenherz« am 2. März 19

„Drachenherz“ als Kooperation
Das Musical „Drachenherz“ entsteht als Koproduktion der Theater Chemnitz, der Universität der Künste Berlin und der Neuköllner Oper Berlin. Autor und Regisseur Peter Lund entwickelt in seiner Funktion als Professor im Studiengang Musical/Show an der Universität der Künste mit der jeweiligen Absolventenklasse des Fachs ein Stück, welches dann in der Neuköllner Oper, einem freien Theater, das auf aktuelles Musiktheater spezialisiert ist, aufgeführt wird. So sind in den vergangenen Jahren Stücke wie „Leben ohne Chris“, „Letterland“, „Mein Avatar und ich“, „Stimmen im Kopf“, „Frau Zucker will die Weltherrschaft“, „Schwester im Geiste“ und „Grimm“ entstanden, die im Rahmen des Musicals Aspekte der gegenwärtigen Wirklichkeit aufgreifen.

Die Uraufführung des aktuellen Musicals „Drachenherz“ mit anschließender Aufführungsserie findet auf der Opernbühne des Koproduktionspartners Theater Chemnitz statt. An der Neuköllner Oper ist die Inszenierung dann ab Mitte Juni 2019 zu sehen.

Die Handlung
Günni ist der Anführer einer Jugendclique, die aus Hagen, seinem engsten Gefolgsmann, Brüning, einem Mädchen, das keins sein möchte, Tropi und Baktus besteht. Die Gruppe lebt in einer deutschen Kleinstadt, in der viele arbeitslos sind und die meisten Erwachsenen den Tag vor der Glotze verbringen. Neben kleinen Diebstählen, Mutproben und dem Bier zum Mittag prägen vor allem Langeweile und fehlende Vorbilder den Alltag der jungen Leute. Die Clique ist ein Ort des Zusammenhalts und der Orientierung.

Eines Tages taucht Woda auf, ein afrikanischer Flüchtling. Als die Clique den ungebetenen Gast aufmischen will, stößt Fred hinzu. Fred ist nicht nur der Sohn des Flüchtlingsheimleiters, sondern auch ganz anders als die anderen. Er hat was im Kopf und viele Ideen und beeindruckt mit seiner Stärke und Intelligenz, sodass Günni ihn in die Clique aufnimmt – zum Ärger von Hagen, der nicht nur seine Position in der Gruppe bedroht sieht, sondern auch seinen Anspruch auf Jenny, Günnis kleiner und hübscher Schwester. Denn irgendwie spürt man, dass da etwas ist zwischen Fred und Jenny. Aber auch Brüning bemerkt, dass sie Fred gegenüber nicht so gleichgültig sein kann wie sie es eigentlich möchte. Aber Liebe ist keine Option für sie und die anderen, denn das würde bedeuten, sich und seine Gefühle zu offenbaren und dadurch im schlimmsten Falle verletzbar zu werden.

Fred bringt neuen Wind in die Clique und weckt Utopien, die die Jugendlichen für einen kurzen Moment von einer positiven Zukunft voller Möglichkeiten träumen lassen. Doch als Fred und Jenny tatsächlich zueinander finden, kippt die Stimmung – vor allem bei Hagen, der in Fred den Kern allen Übels innerhalb der Gruppe sieht. Aber auch Nasir, Jennys bester Freund, der schon so lange in sie verliebt ist, hadert mit der Situation – nicht genug, dass er von der Clique ständig lächerlich gemacht wird. Inzwischen haben sich Günni und Brüning beim Flaschendrehen geküsst. Aber Brüning denkt nicht daran, sich von Günni unterkriegen zu lassen und für die Öffentlichkeit seine Freundin zu geben.

Um das Kräfteverhältnis innerhalb der Gruppe wieder herzustellen und Günnis Ehre auch in Sachen Frauen zu retten, soll im Sinne afrikanischer Tradition, in der durch die Tötung eines Tieres ein Mann zum Mann wird, ein Schwein aus der großen Mastanlage im Nachbarort geschlachtet werden. Gesagt, getan – doch die aufgeheizten Emotionen und verletzten Ehrgefühle der Jugendlichen lassen die Aktion auf unvorhergesehene Art und Weise außer Kontrolle geraten.

Thema des Stücks
Ehre, Verrat und Treue sind wichtige Themen in „Drachenherz“. Jene Schlagwörter scheinen veraltet zu sein, doch im sozialen Miteinander und gerade in Kreisen vieler Jugendlicher, in denen sich Persönlichkeiten innerhalb von sozialen Zusammenhängen formen und gegeneinander abgrenzen, sind sie von großer Wichtigkeit. Was man tut, wie man kämpft und vor allem wofür – das sind die großen Fragen, die jeder Jugendliche an die Gesellschaft stellt.
Peter Lund greift vor diesem Hintergrund den Stoff der Nibelungen- bzw. Siegfried-Sage auf und modifiziert sie für die Musicalbühne und die aktuellen Dynamiken innerhalb von Jungencliquen.
Bei den Nibelungen wusste noch jeder, wofür er kämpfte. Im schlimmsten Fall für sich selber. Und Siegfried musste sterben, weil es damals offensichtlich keinen Platz gab für echte Helden auf der Welt. Gibt es diesen Platz heute? Oder müssen die Guten immer noch sterben, weil die Gemeinen es einfach nicht ertragen, so klein im Geiste zu sein? Diesen Fragen will „Drachenherz“ nachgehen. Es ist nur auf den ersten Blick überraschend, wie genau die alte Sage unseren heranwachsenden Protagonisten in Herz und Hirn schaut. Der Verrat der Siegfried-Sage ist universell und passiert jeden Tag wieder – hier und heute und direkt vor unserer Haustür.

Zur Inszenierung
Peter Lund versucht in seinen Werken, mit den Mitteln des Musicals als populäre und vor allem einer jüngeren Generation vertrauten Erzählweise und einer entsprechenden musikalischen Handschrift aktuelle Themen und Problemstellungen aufzugreifen. Realistische Szenarien, alltagsnahe Sprache und teils kabarettistische Kunstgriffe bringen lebendige Geschichten auf die Bühne. Peter Lunds Stücke wurden vielfach ausgezeichnet und an anderen Theatern ins Repertoire aufgenommen. Besonders die Kinderoper „Hexe Hillary geht in die Oper“ zählt zu seinen populärsten Stücken und brachte auch über viele Jahre hinweg kleinen Zuschauern in Chemnitz das Genre Oper näher.

Auch in „Drachenherz“ orientiert sich Peter Lund an der Lebensrealität Jugendlicher in deutschen Kleinstädten. Alltagssprache findet nicht nur Eingang in den Text, sondern auch in die Struktur der Komposition, die wie bei vielen anderen Stücken Lunds aus der Feder von Wolfgang Böhmer stammt. Sprechgesang wechselt sich genauso selbstverständlich mit Balladen ab wie humorvolle Situationskomik mit sich dramatisch zuspitzenden Ereignissen. Immer wieder wird die vierte Wand aufgebrochen und die Akteure wenden sich direkt ans Publikum, das somit nicht nur über die realitätsnahen Themen, sondern auch über die Kommunikationssituation emotional in die Handlung einbezogen wird.

Berufliche Wurzeln in Chemnitz
Mit dem Musikalischen Leiter Hans-Peter Kirchberg kommt ein Dirigent nach Chemnitz, der seine berufliche Laufbahn in Chemnitz gestartet hat. Nach seinem Studium und drei Staatsexamina in Dirigieren, Korrepetition und Klavier wurde der gebürtige Leipziger 1979 als Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung am Opernhaus Karl-Marx-Stadt unter Generalintendant Gerhard Meyer und Operndirektor Carl Riha engagiert und eignete sich in dieser Zeit ein umfangreiches Repertoire an. Von Orchester-Klavier-Diensten über Nachdirigate wieder aufgenommener Inszenierungen bis hin zu eigenen Einstudierungen war Hans-Peter Kirchberg tätig und konnte wichtige Erfahrungen für seine spätere Laufbahn sammeln. Sein Weg führte ihn anschließend u. a. nach Zwickau, Leipzig, Berlin und Wuppertal. In Berlin fand er schließlich eine dauerhafte künstlerische Heimat.

Spielzeitprojekt
Unter dem Titel „Helden, Superhelden und ich – in Musik, Literatur und bildender Kunst“ bieten die Theater Chemnitz in Zusammenarbeit mit den Kunstsammlungen Chemnitz im Rahmen der Uraufführung „Drachenherz“ ein Spielzeitprojekt an, in dem sich Schülerinnen und Schüler mit dem Thema Held auseinandersetzen. Es finden Schulbesuche durch Theaterpädagogen, Musiker, Sänger und das Regieteam statt, sodass die Klassen an das Stück und die darin behandelten Themen herangeführt werden, um sich dann anschließend in einer künstlerischen Form ihrer Wahl damit auseinandersetzen können. Im Verlauf der Spielzeit besuchen die Schülerinnen und Schüler eine Vorstellung von „Drachenherz“, führen Nachgespräche und präsentieren die Ergebnisse ihrer Projekte.


Drachenherz

Musical von: Wolfgang Böhmer und Peter Lund
Koproduktion der Theater Chemnitz und der Neuköllner Oper Berlin in Zusammenarbeit mit der Universität der Künste Berlin

Premiere im Opernhaus Chemnitz: 2. März 2019

Musikalische Leitung: Hans-Peter Kirchberg / Tobias Bartholmeß
Regie und Choreografie: Peter Lund, Neva Howard, Mathias Noack
Bühne und Kostüme: Ulrike Reinhard
Dramaturgie: Christiane Dost

Besetzung:

Absolvent/innen des Studiengangs Musical/Show der Universität der Künste Berlin

Günni: Florian Heinke
Hagen: Johannes Krimmel
Fred: Denis Riffel
Brüning: Florentine Beyer
Jenny: Nicola Kripylo
Nasir: Tristan Giovanoli
Tropi: Timo Stacey
Baktus: Karim Plett
Woda: Ngako Keuni

Musik: Drachenherz-Band

Die Theater Chemnitz danken der Firma eins – energie in sachsen für ihre exklusive Unterstützung dieser Produktion.

www.theater-chemnitz.de