Theater Bielefeld bietet Mary W. Shelleys »Frankenstein« am 20. Mai im Stream

Theater Bielefeld: Stadttheater (© Sarah Jonek)

Die Bühnen und Orchester Bielefeld bringen von Mitte Mai bis Anfang Juli Theater- und Konzerterlebnisse im #Heimspiel per Stream nach Hause. Da aufgrund der aktuellen Situation die Spielstätten Stadttheater, Theater am Alten Markt und Rudolf-Oetker-Halle nicht geöffnet werden dürfen, haben das Theater und die Philharmoniker einen abwechslungsreichen digitalen Spielplan zusammengestellt. Sieben Produktionen aus Gesang, Tanz und Spiel sowie zwei Konzerte der Bielefelder Philharmoniker werden jeweils von professionellen Teams aufgezeichnet und stehen online an mehreren festen Terminen als Video- oder als Live-Stream bereit.

Am 20. Mai feiert die lang ersehnte Inszenierung von Mary Shelleys Frankenstein endlich Premiere. Das Regieduo Tuschy/Suske erzählt die Geschichte mit vier Schauspieler*innen aus der Perspektive des aufstrebenden Forschers. Die Produktion kann an den ausgewählten Terminen zwischen 18 und 24 Uhr zur Wunschuhrzeit gestartet werden.

Der ehrgeizige Medizinstudent Viktor Frankenstein weigert sich, die Grenzen der menschlichen Existenz zu akzeptieren. Mit Leichenteilen und alchemistischen Versuchen macht er sich daran, ein eigenes Wesen zu erschaffen. Und tatsächlich: In einer stürmischen Gewitternacht in Ingolstadt erwacht sein Erzeugnis zum Leben. Erschreckt vom eigenen Werk flieht der Forscher und überlässt das Monster, wie er es ob dessen groteskem Äußeren tauft, seinem Schicksal. Das verwirrte Geschöpf sucht verzweifelt nach Akzeptanz und Zuneigung, löst aber überall nur Verwüstung und Chaos aus.

Mary Shelleys Roman entsteht im verregneten Sommer 1816. Die damals gerade einmal 19-Jährige wettet mit ihren Freunden darum, wer die beste Schauergeschichte schreibt. Seitdem hat sich Frankensteins Monster tief in unserer Kulturgeschichte verankert. Vor allem sind es die mit ihm verknüpften Fragen nach Verantwortung der Wissenschaft, elterlicher Vernachlässigung, der Angst vor dem Fremden, der Natur von Gut und Böse und dem ewigen Wunsch nach Unsterblichkeit, die den Roman zeitlos aktuell machen.

Genau diesen Fragen spürt das Regie-Duo Tuschy/Suske in ihrer ersten Inszenierung am Theater Bielefeld nach. Mit vier Schauspieler*innen erzählen sie die Geschichte aus der Perspektive des aufstrebenden Forschers Frankenstein – bis Zweifel aufkommen: Welche Verantwortung trägt der Schöpfer gegenüber seiner Schöpfung? Was steckt hinter dem Monster? Und wo sind eigentlich die Mütter und Ehefrauen in der Geschichte?

Der Schauspieler Hajo Tuschy und der Musiker Jacob Suske arbeiten in ihrer Inszenierung mit einem bestechend einfachen Mittel, das großen Theaterzauber möglich macht: In einem Miniarturtheater werden Kulissen, Orte, Landschaften, Länder live aufgebaut und über eine Kamera auf die Bühne projiziert, die die Bühnenbildnerin Maria Stauch mit flexiblen Gasen und Vorhängen ausgestattet hat. So verschwimmen die Realitäten der Figuren mit der, der Erzähler*innen. Alles was auf der Bühne passiert, entsteht durch die Hände der Schauspieler*innen. Auch die von Jacob Suske komponierten Sounds und Musiken werden live vom vierköpfigen Ensemble erzeugt. Ästhetisch untermauern die Kostüme von Maria Stauch diese Setzung: Changierend zwischen Steampunk und Romantik führen Janis Kuhnt, Simon Heinle, Leona Grundig und Brit Dehler wie eine Band durch den Theaterabend, der die Schicksale Frankensteins, seiner Familie und dem Geschöpf zu einer kollektiven Erzählung der zeitlosen Geschichte von Mary Shelley verwebt.

FRANKENSTEIN

Von: Mary W. Shelley
Stream-Premiere am Theater Bielefeld:
20. Mai 21, Start zur Wunschuhrzeit zwischen 18 und 24 Uhr

Inszenierung:
Tuschy/Suske
Bühne und Kostüme:
Maria Strauch
Musik:
Jacob Suske
Dramaturgie:
Elisa Hempel

Mit:
Brit Dehler, Leona Grundig, Simon Heinle, Janis Kuhnt

Die nächsten Stream-Vorstellungen: 26.05., 28.05.; weitere Termine im Juni
Tickets ab 5 € (erhältlich ab dem 12.05.): theater-bielefeld.de

INSZENIERUNG

Hajo Tuschy wurde 1986 in Eckernförde an der Ostsee geboren. Er studierte von 2006 bis 2010 an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Ab der Spielzeit 2010/11 gehörte er zum Schauspielensemble des Luzerner Theater. 2011 wurde er in der Fachzeitschrift Theater heute als bester Nachwuchsschauspieler nominiert. 2012 erhielt er den Prix Gala für besondere schauspielerische Leistungen.

Ab der Spielzeit 2013/14 war Hajo Tuschy Ensemblemitglied am Theater Bonn. Hier arbeitete er unter anderem mit den Regisseur*innen Laura Linnenbaum, Alice Buddeberg, Thorleifur Örn Arnarsson, Jan-Christoph Gockel und Volker Lösch zusammen.
Seit der Spielzeit 2019/20 gehört Hajo Tuschy zum Ensemble des Schauspiel Hannover. Hier war er zuletzt als Marquis Posa in Schillers Don Karlos zu sehen. Neben der Arbeit als Schauspieler inszenierte Hajo Tuschy gemeinsam mit dem Musiker Jacob Suske als Regieduo Tuschy/Suske u.a. am Südpol Luzern, am Schauspielhaus Wien, am Theater Bonn sowie am Staatstheater Hannover. Frankenstein ist die erste Inszenierung des Teams am Theater Bielefeld. Jacob Suske, geboren 1980 bei Graz, ist Musiker, Komponist und Regisseur. Seine musikalischen Arbeiten zeichnen sich durch einen experimentalen Zugang zu den Genres und deren neuartiger Kombinierung aus. Zunächst studiert Suske Jazzbass in Bern und Luzern. Als Bassist spielt er mit Bonaparte, One Shot Orchestra, Julian Sartorius und Sophie Hunger. Heute komponiert, produziert und performt er elektronische Musik unter dem Künstlernamen Zachov und schreibt Musik für Film und Hörspiel. Als Komponist für Theatermusik arbeitete er mit Regisseur*innen wie Christopher Rüping, Bernadette Sonnenbichler, Lucia Bihler, Jan-Christoph Gockel, Tomas Schweigen, Sabine auf der Heyde, Marius von Mayenburg oder Christina Friedrich an den verschiedensten Bühnen wie u.a. der Berliner Schaubühne, dem Staatstheater Stuttgart, Residenztheater München, Schauspiel Köln, Schauspiel Frankfurt, dem Wiener Burgtheater, Volksbühne Berlin, Düsseldorfer Schauspielhaus, Theater Basel, Thalia Theater Hamburg. Eigene Regiearbeiten führten ihn im Regietandem Tuschy/Suske an das Theater Südpol Luzern, Theater Bonn, Staatstheater Hannover und das Schauspielhaus Wien, wo Suske 2015 bis 2018 als Dramaturg und Musiker Teil des künstlerischen Leitungsteams war.

BÜHNE UND KOSTÜME

Maria Strauch, geboren 1991 in Hamburg, studierte an der Toneelacademie Maastricht und der Mimar-Sinan Fine Arts University Istanbul Bühnen- und Kostümbild, wo sie für den Henriette-Hustinx-Preis nominiert wurde, der an vielversprechende, aufstrebende Künstler*innen vergeben wird. Nach ihrem Studium 2016 war sie drei Jahre fest als Ausstattungsassistentin am Theater Bonn engagiert. Dort entstanden ihre ersten eigenen Arbeiten unter anderem mit Jens Groß, Luise Voigt, Mark Daniel Hirsch und Dominic Friedel. Sie ist Teil des Kollektivs TheaterBlackBox, dessen Aufführung von Bilqiss 2017 mit dem Kölner Theaterpreis ausgezeichnet wurde. Seit 2019 arbeitet sie als freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin regelmäßig mit Luise Voigt, Ulrike Janssen und Evy Schubert zusammen.

theater-bielefeld.de