The Sound of Light – Teodor Currentzis und musicAeterna spielen im Festspielhaus Baden-Baden Rameau

Teodor Currentzis (©Anton Zavjyalovjpg)

Das Currentzis-Festival im Festspielhaus Baden-Baden beginnt mit einem Paukenschlag: Am 31. Oktober 2019, 20 Uhr, erklingen ausschließlich Werke des französischen Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau. Dieser gilt heute als das größte musikalische Genie Frankreichs vor dem 20. Jahrhundert. MusicAeterna spielen unter der Leitung von Teodor Currentzis, der vielen als musikalisches Genie der Gegenwart gilt.

„The Sound of Light“ nennt Currentzis seine Zusammenstellung durch Rameaus Fantasiewelt, dessen tragische, aufgeweckt tänzerische und bisweilen herrlich kunterbunten Geschichten, die mit und ohne Worte zünden und unter die Haut gehen. Aus Jean-Philippe Rameaus großem Ouvre wählte Currentzis überwiegend Orchesterstücke, aber auch Arien aus Opern, die in dem Konzert am 31. Oktober von der herausragenden Solistin Nadine Koutcher übernommen werden. Äußerst dynamisch und musikalisch-präzise wird Currentzis mit musicAeterna Rameaus Musik ans Licht bringen.

Von 1684 bis 1764 lebte der französische Komponist Jean-Philippe Rameau. Noch mit 79 Jahren komponierte er seine letzte Oper, „Les Boréades“. Man braucht daraus nur den Auftritt der Polyhymnia zu hören, um zu begreifen, was für ein Großmeister hier mit Musik zaubert. Dieser wunderschöne „Auftritt“ wird von Teodor Currentzis selbstverständlich auch in seinem Konzert im Festspielhaus vorgestellt. Mit auf dem Programm steht auch eine der zahlreichen Gewittermusiken des Komponisten, der in diesem „Fach“ gar als Spezialist gelten dürfte. Oder die Ouvertüre zu „Zaïs““, die die Erschaffung der Welt Musik werden lässt. Zwischendurch gackert dann im Orchester ein Huhn. Beenden wird Currentzis sein Konzert mit einer Trauerarie aus „Castor et Pollux“. Zum Ende bleibt die Zeit stehen und füllt sich mit Klang. Rameau entwickelte im Lauf seines Lebens sowohl in der Instrumentalmusik als auch in der Oper einen modernen, dramatischen Stil, mit dem er ‚die Seele aufwecken‘ wollte. Er war der Klangexperimentator schlechthin, der erste Orchesterkomponist im modernen Sinn. Seine musikalischen Farbschichtungen stellen eine Revolution dar im Barock, das dem Klang bis dahin kaum eine eigene Bedeutung zumaß, nach dem Motto: Trompeten für Gott oder König, ansonsten spielen die Instrumente, die gerade da sind. Ab Rameau hört die Klangfarbe auf, bloß eine Eigenschaft unter vielen zu sein, und wird zur eigenen, ja zur eigentlichen Kategorie. Von nun an muss das Fagott nicht mehr nur die Bassgruppe verstärken, sondern wird als Farbträger verwendet und z.B. als eigenständige Mittelstimme mit den Streichern gemischt – zu hören in besagter Trauerarie, wie in Polyhymnias Auftrittsmusik. Und wer je im Fach Musik mit Begriffen wie „Tonika“, „Subdominante“ oder „Sixte ajoutée“ hantieren musste, der lernt nun in Rameau deren Schöpfer kennen, einen, der die moderne Harmonielehre überhaupt erst begründete. All das wäre schon bedeutend genug, doch verblassen diese Tatsachen vor Rameaus Leistung als Komponist – vielleicht der bedeutendste französische Klangschöpfer vor Claude Debussy, der Rameau übrigens ein berühmtes Klavierstück widmete.

Der 1972 in Athen geborene Teodor Currentzis zog Anfang der 1990er-Jahre in seine jetzige Heimat Russland, wo er in St. Petersburg am Konservatorium bei Professor Ilya Musin, dem legendären Pädagogen, aus dessen Dirigentenklasse auch Semyon Bychkov und Valery Gergiev hervorgegangen sind, studierte. Seine erste Chefposition führte Currentzis 2004 an die Staatsoper Nowosibirsk, die er als Generalmusikdirektor sechs Jahre lang leitete. Von 2011 bis zum Sommer 2019 amtierte er als Musikdirektor an der Oper in Perm. Als Operndirigent war Currentzis am Moskauer Bolschoi-Theater, an der Bayerischen Staatsoper, am Zürcher Opernhaus, am Teatro Real in Madrid und beim Festival d’Aix-en-Provence zu Gast. 2017 debütierte er bei den Salzburger Festspielen mit Mozarts „La clemenza di Tito“. Diese Zusammenarbeit mit Peter Sellars sorgte weltweit für Aufsehen. 2018 dirigierte Currentzis ebenda alle neun Beethoven-Sinfonien und diesen Sommer folgte „Idomeneo“, ebenfalls von Peter Sellars inszeniert. Seit Beginn der Saison 2018/19 ist Currentzis auch Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters. In der laufenden Saison tritt er mit beiden Klangkörpern in insgesamt sechs Konzerten im Festspielhaus Baden-Baden auf. Sein Debüt im Festspielhaus gab er 2011 als Dirigent einer Neuinszenierung von Mozarts „Le nozze di Figaro“. Der Dirigent hat siebenmal den russischen Theaterpreis „Goldene Maske“ gewonnen, 2008 wurde er mit dem russischen Freundschaftsorden geehrt und 2016 wählten ihn die Kritiker des Fachmagazins „Opernwelt“ zum Dirigenten des Jahres.

MusicAeterna wurde 2004 von Teodor Currentzis in Nowosibirsk gegründet. Von 2011 bis zum Sommer 2019 waren sie am Opernhaus in Perm ansässig. Im September verlegte musicAeterna seinen Sitz nach St. Petersburg und verfolgt seitdem seinen Weg als unabhängiges, privat finanziertes Ensemble.
Das Ensemble ist unter der musikalischen Leitung von Teodor Currentzis in den großen europäischen Konzertsälen zu hören, u. a. am Wiener Konzerthaus, im Amsterdamer Concertgebouw und in der Berliner Philharmonie. 2018 gab er mit musicAeterna sein Debüt bei den BBC Proms, im Frühjahr 2019 war er mit dem Ensemble zum ersten Mal in Japan zu Gast. Neben den Salzburger Festspielen war das Ensemble beim Festival in Aix-en-Provence, bei der Ruhrtriennale und bei dem von Teodor Currentzis geleiteten Diaghilev-Festival in Perm geladen.

Das Repertoire von musicAeterna umfasst westeuropäische und russische Werke des Barock, russische Vokalmusik seit dem 18. Jahrhundert und zeitgenössische Uraufführungen. Zahlreiche Einspielungen entstanden in den letzten Jahren, darunter der vielbeachtete Mozart-Da Ponte-Zyklus. Für diese und andere CDs erhielten das Ensemble und Currentzis den Preis der deutschen Schallplattenkritik, den „Echo Klassik und den Diapason d’or.

Die in Minsk geborene Sängerin Nadine Koutcher gewann 2015 den berühmten „Cardiff Singer of the World“-Wettbewerb. Zu dieser Zeit war sie bereits im dritten Jahr im Ensemble der Oper Perm engagiert, unter der künstlerischen Leitung von Teodor Currentzis. Sie sang am Grand Théâtre de Genève, der Staatsoper Berlin als Violettta in Verdis „Traviata“, an der Staatsoper Hamburg, am Teatro Real in Madrid als Doña Isabel in Peter Sellars‘ Inszenierung von Purcells „The Indian Queen“ und in der aktuellen Spielzeit ist Nadine Koutcher u.a wieder in der Titelrolle von Donizettis „Lucia di Lammermoor“ am Opernhaus in Santiago de Chile zu hören, wo sie bereits mehrfach gastierte. An der Pariser Oper gab sie ihr Debüt als Olympia in Offenbachs „Les Contes d‘Hoffmann“. Im Konzert trat sie mit London Symphony, den St. Petersburger Philharmonikern und weiteren renommierten Orchestern auf.

Tristia“ – Teodor Currentzis II

Zu Allerheiligen: Mit Philippe Hersants „Tristia“, der Vertonung von Gedichten französischer und russischer Gefangener, stimmen Teodor Currentzis und musicAeterna am 2. November 2019, dem Tag nach Allerheiligen, um 18 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden auf den November ein.

Dass die Zisterzienser-Abtei von Clairvaux heute als Haftanstalt dient, ist von verwirrender Symbolik, steht sie damit doch sowohl für Hoffnung wie für Trostlosigkeit. Zwischen diesen Polen schwankt auch Philippe Hersants Chorwerk „Tristia“. Nachdem in der Abtei im Jahr 2004 eine Schreibwerkstatt für Gefangene eingerichtet wurde, vertonte Philippe Hersant die hier entstandenen Texte mit einer schlagkräftigen Musik, die vom Ort inspiriert mit Kirchentonarten arbeitet und bei aller kompositorischer Raffinesse stets auf das große Publikum zielt. Diese Vertonungen fielen Teodor Currentzis in die Hände, der sogleich mit Hersant in Kontakt trat und ihn bat, das Werk auf 75 Minuten auszudehnen. Der griechische Dirigent verknüpfte seinen Kompositionsauftrag mit der Bitte, die französischen Originaltexte um russische Gedichte zu erweitern, die von Dichtern stammen, die Opfer des sowjetischen Gulag-Systems wurden. So entstand schließlich im Jahr 2016 „Tristia“. Der Titel – zu deutsch Klagelieder – geht auf Ossip Mandelstams gleichnamige Gedichtsammlung zurück und zitiert gleichzeitig die „Tristia“ benannte Briefsammlung des römischen Dichters Ovid. Philippe Hersant setzt darin die Verse der französischen Gefangenen gleichberechtigt neben die Gedichte der russischen Dichter. Jeder Autor erhält eine individuelle Stimme; keiner der 33 Sätze gleicht in der Besetzung dem anderen. Als Anregung diente Hersant dazu Dantes „Göttliche Komödie“ mit ihrer berühmten Darstellung der Höllenkreise. In einem ersten Kreis mit den kurzen Miniaturen 1 bis 10 stellt Hersant die Grundthemen des Werks vor: Tristesse, Eingesperrt Sein, Hoffnungen. Nach einem Prosatext des russischen Schriftstellers und Dissidenten Warlam Schalamow folgen erste Vertonungen der Texte der Clairvaux-Häftlinge.  Der zweite Kreis von „Tristia“ ist der kargen japanischen Haiku-Poesie eines französischen Häftlings mit dem Künstlernamen Takezo gewidmet. Der dritte Kreis beginnt mit einem Gedicht von Ossip Mandelstam. Im vierten Kreis schließlich wird die instrumentale Palette um Blech und Schlagwerk zur „Bauernmusik“ erweitert. Der fünfte Kreis ist der dramatischste, bevor die letzten drei Gedichte von „Tristia“ eine Erlösung andeuten.

Der 1972 in Athen geborene Teodor Currentzis zog Anfang der 1990er-Jahre in seine jetzige Heimat Russland, wo er in St. Petersburg am Konservatorium bei Professor Ilya Musin, dem legendären Pädagogen, aus dessen Dirigentenklasse auch Semyon Bychkov und Valery Gergiev hervorgegangen sind, studierte. Seine erste Chefposition führte Currentzis 2004 an die Staatsoper Nowosibirsk, die er als Generalmusikdirektor sechs Jahre lang leitete. Von 2011 bis zum Sommer 2019 amtierte er als Musikdirektor an der Oper in Perm. Als Operndirigent war Currentzis am Moskauer Bolschoi-Theater, an der Bayerischen Staatsoper, am Zürcher Opernhaus, am Teatro Real in Madrid und beim Festival d’Aix-en-Provence zu Gast. 2017 debütierte er bei den Salzburger Festspielen mit Mozarts „La clemenza di Tito“. Diese Zusammenarbeit mit Peter Sellars sorgte weltweit für Aufsehen. 2018 dirigierte Currentzis dort alle neun Beethoven-Sinfonien und diesen Sommer folgte „Idomeneo“, ebenfalls von Peter Sellars inszeniert. Seit Beginn der Saison 2018/19 ist Currentzis auch Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters. In der laufenden Saison tritt er mit beiden Klangkörpern in insgesamt sechs Konzerten im Festspielhaus Baden-Baden auf. Sein Debüt im Festspielhaus gab er 2011 als Dirigent einer Neuinszenierung von Mozarts „Le nozze di Figaro“. Der Dirigent hat siebenmal den russischen Theaterpreis „Goldene Maske“ gewonnen, 2008 wurde er mit dem russischen Freundschaftsorden geehrt und 2016 wählten ihn die Kritiker des Fachmagazins „Opernwelt“ zum Dirigenten des Jahres.

Das Ensemble musicAeterna, das sich aus einem Orchester und einem Chor zusammensetzt, wurde 2004 von Teodor Currentzis in Nowosibirsk gegründet. Von 2011 bis zum Sommer 2019 waren sie am Opernhaus in Perm ansässig. Im September verlegte musicAeterna seinen Sitz nach St. Petersburg und verfolgt seitdem seinen Weg als unabhängiges, privat finanziertes Ensemble.

Das Ensemble ist unter der musikalischen Leitung von Teodor Currentzis in den großen europäischen Konzertsälen zu hören, u. a. am Wiener Konzerthaus, im Amsterdamer Concertgebouw und in der Berliner Philharmonie. 2018 gab er mit musicAeterna sein Debüt bei den BBC Proms, im Frühjahr 2019 war er mit dem Ensemble zum ersten Mal in Japan zu Gast. Neben den Salzburger Festspielen war das Ensemble beim Festival in Aix-en-Provence, bei der Ruhrtriennale und bei dem von Teodor Currentzis geleiteten Diaghilev-Festival in Perm geladen. Das Repertoire von musicAeterna umfasst westeuropäische und russische Werke des Barock, russische Vokalmusik seit dem 18. Jahrhundert und zeitgenössische Uraufführungen. Zahlreiche Einspielungen entstanden in den letzten Jahren, darunter der vielbeachtete Mozart-Da Ponte-Zyklus. Für diese und andere CDs erhielten das Ensemble und Currentzis den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“, den „Echo Klassik“ und den „Diapason d’or“.

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