Tanzmainz zeigt ab 14. Juni 20 Pierre Rigals »Extra Time«

Extra Time ~ tanzmainz ~ Vorabbild ~ © Andreas Etter

Pierre Rigal kennt sich in der Mainzer Neustadt schon richtig gut aus. Ein Umstand, den der bekannte Choreograf aus Toulouse Anfang Februar, als er zum Auftakt seiner tanzmainz-Kreation Welcome Everybody anreiste, wohl nicht unbedingt erwartet hätte. Aber als Mitte März angesichts der Coronakrise seine Probenarbeiten kurz vor der Premiere unterbrochen werden mussten, blieb Pierre Rigal angesichts der unübersichtlichen Lage einfach in Mainz – in der Hoffnung, seine Uraufführung für das Große Haus doch noch kurzfristig fertigstellen zu können. Derweil hielten sich die Tänzer* innen im Home Office mit Online-Trainings fit; jede* r für sich und so gut es eben ging, in der Küche, auf dem Flur oder dem Balkon. Entsprechend froh waren die Ensemblemitglieder, als sie im Mai erst einzeln und dann in kleinen Gruppen unter Wahrung strenger Hygieneregeln in den Tanzsaal zurückkehren konnten. Allerdings war an die Wiederaufnahme der Proben zu Welcome Everybody immer noch nicht zu denken, denn die aktuelle Empfehlung für den Tanz lautet: Abstand zwischen zwei Tänzer*innen sechs Meter!? Und so wurde die Idee geboren, mit dieser für den Tanz sehr radikalen Vorgabe spielerisch umzugehen und sie zur Grundlage einer neuen Produktion zu machen. Pierre Rigal, der ja immer noch in seiner Gästewohnung am Gartenfeldplatz ausharrte, war sofort Feuer und Flamme.

Seit 11. Mai entsteht unter seiner Leitung nun Extra Time, auf Deutsch „Nachspielzeit“ oder „Besondere Zeit“. Die Grundlage dieser Uraufführung bilden vier Soli, ein Duett und ein Trio, die die individuellen Fähigkeiten der tanzmainz-Tänzer* innen besonders hervorheben. Ausgehend von Alltagssituationen – zum Beispiel dem Versuch, sich nicht, wie statistisch belegt, 80 Mal am Tag ins Gesicht zu fassen, entwickelt Rigal mit viel Finesse und Humor seine Choreografie. Was sich klein anhört, ist für die Tänzer*innen eine große Herausforderung. Pierre Rigal schafft für sie intime, aber anspruchsvolle Universen, in der die Relationen von Zeit und Raum ganz neu definiert werden. Dieses Gefühl wird gut nachvollziehbar sein für ein Publikum von maximal 250 Menschen in einem vollbesetzten Großen Haus, das eigentlich für 940 gedacht ist und deren letzter Theaterbesuch gefühlsmäßig vielleicht eine Ewigkeit her ist. Schön und ein bisschen unwirklich. Extra Time wird bestimmt kein Coronastück. Aber man wird nicht leugnen können, dass es das Kind einer verrückten Zeit ist.


Extra Time

Premiere/Uraufführung von tanzmainz am Staatstheater Mainz: 14. Juni 20 (Großes Haus)

Choreografie: Pierre Rigal
Musik: Gwen Drapeau
Ausstattung: Ronja Bendel, Irina Kraft
Licht: Peter Meier
Dramaturgische Mitarbeit: Melanie Chartreux

Mit: Daria Hlinkina, Bojana Mitrović, Nora Monsecour, Amber Pansters, Marija Slavec, Milena Wiese, Zachary Chant, Finn Lakeberg, Cornelius Mickel

Kartenbuchungen sind persönlich, per Telefon unter 06131 2851-222 oder per Mail an kasse@staatstheater-mainz.de möglich.

staatstheater-mainz.de