Tanzfestival Rhein-Main 2018

STORY WATER | Emanuel Gat / Emanuel Gat Dance & Ensemble Modern © Julia Gat

(lifePR) Das Tanzfestival Rhein-Main 2017 begeisterte rund 6.500 Menschen in der Region. Für die dritte Ausgabe hat die Tanzplattform Rhein-Main erneut ein umfangreiches Bühnenprogramm zusammengestellt, das die ganze Vielfalt des Tanzes widerspiegelt: mit Tanzstücken für Kinder und Jugendliche, neuen Stücken internationaler Choreografie-Stars, Produktionen aufstrebender, regional verwurzelter Künstler*innen und der Einladung zum Tanztag Rhein-Main, der am 10. November mit rund 180 Schnupperkursen in zehn Städten die ganze Region zum Mittanzen animiert.

Das Tanzfestival Rhein-Main wächst von Ausgabe zu Ausgabe und hat sich in den drei Jahren seines Bestehens bereits als beliebtes Tanzereignis etabliert. Im dritten Jahr werden vom 2. bis 18. November 2018 im Rahmen des 17-tägigen Festivals wieder Bühnen in Darmstadt, Frankfurt und Wiesbaden zu Schauplätzen bedeutender Tanz-Ereignisse, darunter viele Uraufführungen und Deutschlandpremieren. Kuratiert haben das Festival Anna Wagner, Dramaturgin am Frankfurter Mousonturm, und Bruno Heynderickx, Kurator des Hessischen Staatsballetts. Ausgerichtet und organisiert wird es von der Tanzplattform Rhein-Main, einem Kooperationsprojekt von Künstlerhaus Mousonturm und Hessischem Staatsballett. Spielstätten sind das Staatstheater Darmstadt, das Künstlerhaus Mousonturm und das Frankfurt LAB sowie in Wiesbaden das Hessische Staatstheater Wiesbaden und die Wartburg.

Die Begegnung von Menschen ist ein wesentliches Anliegen aller Projekte der Tanzplattform Rhein-Main. Für das Festival haben deshalb nicht nur die Mitarbeiter*innen der beteiligten Theater ihre Kenntnisse und Fähigkeiten gebündelt, auch vor und insbesondere auf der Bühne kommt es immer wieder zu unerwarteten Konstellationen. In diesen Kollaboration werden Unterschiede nicht nivelliert, sondern ihre Dynamiken kreativ genutzt. Viele Stücke und Projekte des Festivals teilen diesen Gedanken und bringen unter anderem Performer*innen mit unterschiedlichen kognitiven und körperlichen Fähigkeiten zusammen oder arbeiten über Genre- und Disziplinengrenzen hinweg. Während einer Zeit, in der Abgrenzungen und die Festlegung von Normen erneut zuzunehmen scheinen, machen die Festival-Produktionen alternative Wahrnehmungsmöglichkeiten sichtbar und lassen Erfahrungsräume wachsen.

PROGRAMM
Für einen emotionalen Festivalauftakt sorgt in diesem Jahr einer der originellsten und progressivsten Choreografen, Ohad Naharin. Mit Sadeh21 gelang ihm 2011 der große Wurf für die von ihm geleitete Batsheva Dance Company. Nach weltweiten Erfolgen wird das Stück für die Darmstädter Premiere erstmals von den Tänzer*innen des Hessischen Staatsballetts aufgeführt: Zur Festivaleröffnung begibt sich das Ensemble in eine wahre Druckkammer der Gefühle und lotet in 21 Feldern (sadeh, hebräisch: Feld), mit zarten wie explosiven Bewegungen die Räume zwischenmenschlicher Beziehungen aus.

Nach dem großen Erfolg seiner Arbeit Sunny beim Tanzfestival Rhein-Main 2017 kehrt Emanuel Gat mit einem unkonventionellen und nicht minder musikalischen Projekt nach Frank-furt zurück. Auf Einladung des Ensemble Modern entwickelte er das Stück Story Water, in dem Musiker*innen des EM und Tänzer*innen seiner Kompanie auf der Bühne zusammentreffen.
Ein Teil der Choreografie basiert auf bestehenden Werken, Pierre Boulez‘ Dérive 2 und Rebecca Saunders‘ Fury II – für den dritten Part Folk Dance schaffen Tänzer*innen- und Musiker*innen eine eigene Partitur, in der die Gesten der Klangerzeugung und des Tanzes meisterhaft ineinander übergehen. Story Water wurde beim Festival d’Avignon im Ehrenhof des Papstpalastes uraufgeführt und eröffnet das Programm im Frankfurt LAB.

Besonders kann sich auf die Neuproduktion von Taulant Shehu im Rahmen des Programms Städteübergreifende Residenz der Tanzplattform Rhein-Main gefreut werden. Shehu, Tänzer des Hessischen Staatsballetts und aufstrebender Choreograf, kreierte das Stück Dua, das nach seiner Uraufführung in der Wiesbadener Wartburg an den Mousonturm zieht. Er besinnt sich darin auf seine Wurzeln und nimmt die albanische Hochzeitstradition, als Gipfel von Feierlichkeit und Freude, zum Ausgangspunkt einer Reflexion des menschlichen Zusammenlebens. Für Shehus emotionale wie energetische Choreografie legt der Komponist Arne Stevens eine musikalische Begleitung vor, die den kulturellen Ursprungsort der Arbeit auch musikalisch ins Zentrum rückt.

Für Celestial Sorrow hat sich die weltbekannte Choreografin Meg Stuart, die 2018 den Goldnen Löwen der Biennale in Venedig für ihr Lebenswerk erhielt, mit dem indonesischen Installationskünstler Jompet Kuswidananto zusammengetan und zeigt die Arbeit nun als Deutschlandpremiere am Frankfurter Mousonturm. Gemeinsam erschaffen sie darin eine vibrierende Welt aus Licht, Bewegung und Sound, die zu einer Reise durch imaginäre wie unsichtbare Erfahrungsräume einlädt. In der fragilen (Licht-)Installation Kuswidanantos bewegen sich drei Performer*innen zu den treibenden Live-Sounds der experimentellen Musiker*innen Mieko Suzuki und Ikbal Simamora Lubys.

Viele während des Festivals präsentierten Stücke vermitteln neue Perspektiven auf den Tanz und fordern konventionelle Wahrnehmungsgewohnheiten heraus. Als soziale Skulptur und sinnliche Reise für die zwei Performer*innen und ihr Publikum wirft The Way You Look (at me) Tonight von Claire Cunningham und Jess Curtis wichtige Fragen auf über die Gewohnheiten und Bräuche, wie wir unterschiedliche Körper in Bezug auf Herkunft, Alter, Geschlecht oder Fähigkeiten sehen und bewerten.

Mit einem Augenzwinkern hebelt auch Saša Asentićs Dis_Sylphide – ebenfalls eine Produktion im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main – bestehende Konventionen des (Tanz-)Körpers aus. Sein Team, das sich gleichberechtigt aus Menschen mit und ohne Behinderung zusammensetzt, lädt Zuschauer*innen dazu ein, das Theater als einen Ort des alternativen Zusammenseins zu begreifen sowie unterschiedliche körperliche Befähigungen nicht als Ausschlusskriterien zu ver-stehen, sondern als künstlerische Potenziale zu erkennen. Drei Schlüsselwerke des 20. Jahrhun-derts, die von Deutschland aus den Tanz revolutionierten (Hexentanz von Mary Wigman, Kontakthof von Pina Bausch und Self Unfinished von Xavier Le Roy) werden für Asentić und sein Team zum Material einer Aneignung, die ihre eigene Ästhetik entwickelt und ihren Platz in der Tanzgeschichte reklamiert.

Als Performancehybrid lässt sich die im Rahmen der Tanzplattform Rhein-Main entstandene Produktion Harmless Being von Ayla Pierrot Arendt bezeichnen. Das Stück, das während des Festivals zur Uraufführung kommt, bewegt sich im Spannungsfeld von Videoarbeit und Liveperformance („Videochoreografie“) und schafft eine dynamische Verbindung zwischen Publikum und Tanzenden. Zusammen mit den Tänzerinnen Su-Mi Jang und Katja Cheraneva schafft die bildende Künstlerin einen ästhetisch bestechenden fluiden Raum, in dem alternative Formen des Miteinander verhandelt werden. Ebenso genreübergreifend ist Kristin Gerwiens vielschichtiges Bühnenspiel Down Where the Trees Grow Together, das zugleich Musikkonzert und Tanzperformance ist.

Auf einer formalen Ebene überrascht auch die interaktive Performance-Installation Whist, die Kunstobjekte mit Sound und 360°-Film paart. Als AΦE haben Esteban Fourmi und Aoi Nakamura die Arbeit entwickelt und sich hierfür von der Arbeit Sigmund Freuds inspirieren lassen. An acht Festivaltagen kann die Installation zunächst im Staatstheater Darmstadt, später im Wiesbadener Theatercafé besichtigt werden.

Ein weiterer Höhepunkt im Darmstädter Programm ist Roberto Olivans Cuculand Souvenir, das am Staatstheater seine Deutschlandpremiere feiert. Das Stück ist ein wahres Gesamtkunstwerk, das den Spektakel des Zirkus mit hoch virtuosem Tanz und bildender Kunst zu einer großformatigen Performance verschmelzen lässt. Der Doppelabend Opus/Näss, den die Choreografen Christos Papadopoulos und Fouad Boussouf mit ihren Tanzkompanien Leon & The Wolf und Massala Company gestalten, präsentiert zwei grundlegend unterschiedliche Weisen des Zusammenspiels von Musik und Bewegung.

Auch das junge Tanzpublikum kommt beim diesjährigen Festival auf seine Kosten. Für Teenager präsentieren Tim Plegge und das Hessische Staatsballett das Ballett Fake, das sich tänzerisch mit all den Themen auseinandersetzt, die für Heranwachsende von Bedeutung sind: Freundschaft, Ausgrenzung, Sexualität und Liebe, aber auch das oftmals schwierige Navigieren zwischen Anpassung und Rebellion. Mit ihrem Stück Likes, dessen Deutschlandpremiere das Festivalprogramm in Wiesbaden eröffnet, erforscht die Tänzerin und Choreografin Núria Guiu Sagarra körperbezogene Social-Media-Phänomene und liefert eine erfrischende Perspektive auf die Präsenz des Körpers im digitalen Zeitalter.

Für ganz junge Besucher*innen beginnt das Tanzfestival sogar noch vor der offiziellen Eröffnung am Freitagabend. Bereits vormittags feiert das neue Stück Labyrinth der litauischen Choreografin Birutė Banevičiūtė seine Uraufführung und lädt Kinder zwischen 3 und 6 Jahren dazu ein, in einem tänzerischen Parcours gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen.

Auch nach dem Tanzfestival Rhein-Main 2018 bleibt das Stück Klasse Kinder! zugänglich, welches das Performancekollektiv LIGNA im Rahmen des Programms Ensemble Mobil der Tanzplattform Rhein-Main für Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren produziert hat. Die Performance kann für individuelle Vorstellungen von Schulen und anderen Institutionen gebucht werden.

RAHMENPROGRAMM
Ergänzend zum vielfältigen Bühnenprogramm haben Besucher*innen mit und ohne Tanzerfahrung zahlreiche Gelegenheiten, ihre Kenntnisse und Erfahrungen zu vertiefen und tanzbezogene Themenfelder zu erforschen: in Künstler*innengesprächen, Workshops und Präsentationen, Konzerten, Vorträgen sowie einer Choreografischen Werkstatt.

Der Choreograf Taulant Shehu lädt als Einführung in den Abend zum Warm-Up vor seinem Stück Dua ein, während Claire Cunningham & Jess Curtis Menschen mit Sehbehinderung auf einer Touch Tour die Möglichkeit geben, den Raum, die Objekte sowie die Darsteller*innen ihres Stücks The Way You Look (At Me) Tonight tastend kennenzulernen.

Die Festivalkünstler*innen Claire Cunningham & Jess Curtis und AΦE laden Interessierte mit und ohne Vorkenntnisse ein, neue Tanztechniken und choreografische Verfahren in ihren Workshops zu entdecken. Darüber hinaus werden Tanz- und Choreografiestudierende in Workshops im Rahmen der Hessischen Theaterakademie in die Arbeitspraxis von Emanuel Gat und Saša Asentić sowie einem Spezialisten in der von Ohad Naharin entwickelten Gaga-Technik eingeführt.

Mit Bezug auf aktuelle Debatten bietet der Workshop Whistle While You Work Tanzschaffenden eine Plattform für den Austausch über Belästigung, Diskriminierung und sexuelle Übergriffe in den Künsten. Das Forum wird angeleitet von den Gründerinnen der Initiative, Tänzerin Frances Chiaverini und Autorin Robyn Doty.

Der Tanztag Rhein-Main am 10. November bietet Tanzbegeisterten Gelegenheit, die eigene Tanzlust auszuleben. Tanzschulen, -institutionen und –lehrer*innen in der gesamten Region locken mit einem Angebot von rund 180 Schnupperkursen in die teilnehmenden zehn hessischen Städte. Beim abendlichen Tanzfest kann das Erlernte präsentiert, gemeinsam nachgetanzt und Neues ausprobiert werden.

Bewährt hat sich im letzten Jahr nicht nur die Tanzfestival-Card, mit der tanzbegeisterte Zuschauer*innen bei jeder Vorstellung Eintritt sparen, sondern auch der Shuttleservice, der Besuchende auch diesmal wieder von einer Stadt in die nächste bringt – und nebenbei noch exklusive Einführungen in den Abend bereithält.

www.tanzplattformrheinmain.de / www.staatstheater-darmstadt.de / www.staatstheater-wiesbaden.de / www.mousonturm.de