Tabu-Thema Depression auf der Bühne: Musical »Fast Normal« am Theater Magdeburg

Fast normal ~ Theater Magdeburg ~ oben v.l.n.r.: Lutz Standop, Mathias Edenborn, Karen Müller, Raphael Groß, unten v.l.n.r.: Nathan Bas, Carin Filipčić, Lukas Witzel, Tobias Ribitzki ~ Foto: Kathrin Singer

Das moderne Musical „Fast normal“ (Originaltitel: Next to Normal ) gibt einen ungeschönten Einblick in ein Familienleben mit einer psychischen Krankheit. Das eindringliche Kammerstück von Tom Kitt und Brian Yorkey erscheint im Rock-Musical-Gewand. Elf Tony-Nominierungen, mehrere Kritikerpreise und der Pulitzer-Preis 2010 beweisen, dass „Fast Normal“ zu den besten Musicals der letzten Jahrzehnte gehört. Premiere ist am Samstag, 1. Oktober um 19.30 Uhr im Opernhaus.

Die bipolare Störung, Stimmungsschwankungen und Warnvorstellungen von Mutter Diana werden schlimmer. Sie beeinträchtigen ihre gesamte Familie zunehmend. Während Vater Dan mit aller Kraft versucht, die Illusion des idyllischen Vorstadtlebens aufrecht und die Familie zusammenzuhalten, lebt Tochter Natalie das Erwachsenwerden aus. Und dann ist da noch Sohn Gabe …

Dieses Musical erregt wegen seines offenen, zum Teil sogar sarkastischen Tons viel Aufmerksamkeit. Mit einer klugen Mischung aus Ironie, Tragik und Gefühl schaffen es die Autoren – jenseits von Klischees und billigen Wohlfühl-Lösungen – das ganz alltägliche, schöne und schreckliche Leben mit Krankheit und Tod in einen packendes musikalisches Theatererlebnis zu verwandeln.

Der junge Regisseur Tobias Ribitzki inszeniert ein bewegendes Musical für Erwachsene und alle, die es werden wollen. Die eigens für dieses Rock-Musical zusammengestellte Band wird geleitet von Nathan Bas. Das Bühnenbild von Stefan Rieckhoff spiegelt in seiner Schlichtheit die beklemmende Enge des familiären Zusammenlebens. Mezzosopranistin Carin Filipčić kämpft als Diana Goodman mit Halluzinationen, Depressionen und Selbstmordgedanken. In dem Familiendrama steht ihr Mathias Edenborn als Ehemann Dan Goodman zur Seite. Lutz Standop als behandelnder Arzt gibt dank verschiedener Behandlungsmethoden die Hoffnung auf einen Therapieerfolg nicht auf. Lukas Witzel als Sohn Gabe, Karen Müller als Tochter Natalie und Raphael Groß als Freund Henry zeigen eindrücklich welche Auswirkungen die Krankheit auf Betroffene und Angehörige hat.

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