Szenisches Oratorium »Das Ende der Schöpfung« feiert Premiere am Staatstheater Augsburg

Das Ende der Schöpfung ~ Staatstheater Augsburg ~ Vorabbild mit André Bücker ~ © Eda Calisti

In der Uraufführung des szenischen Oratoriums »Das Ende der Schöpfung« verbindet André Bücker Musik, Tanz und Schauspiel zu einem komplexen Gesamtkunstwerk über die Dialektik der schöpferischen und destruktiven Kräfte der Menschheit. Am Sonntag, den 10.04.22 feiert es seine Premiere im Staatstheater Augsburg im martini-Park.

Als Joseph Haydn sein Oratorium »Die Schöpfung« schrieb, das 1798 aufgeführt wurde, beschäftigte er sich darin mit der biblischen Schöpfungsgeschichte. Staatsintendant André Bücker nimmt dieses epochale Werk zum Ausgangspunkt für seine Betrachtung der Schöpfungsgeschichte, die, nach tausenden Jahren menschlicher Zivilisationsgeschichte, auch eine Geschichte der Zerstörung ist.

In den ersten beiden Teilen von Haydns Oratorium sind die Rezitative durch Szenen für drei Schaupieler:innen von Dietmar Dath ersetzt. Dath, erst kürzlich mit seinem letzten Roman »Gentzen« auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis vertreten, versteht es wie kein anderer Gegenwartsautor, politische Philosophie und Science-Fiction zusammenzudenken und in unkonventionelle Texte zu gießen. Seine hintersinnigen Texte für »Das Ende der Schöpfung« spielen durchaus komisch mit verschiedenen Schöpfungsbegriffen. Musikalisch werden Daths Texte und Haydns Musik durch einen musikalischen Live-Elektronik-Remix von Soundkünstler Jürgen Branz verbunden.

Der dritte Teil des Oratoriums – die Geschichte von Adam und Eva – wurde vom Österreicher Bernhard Lang neu komponiert. Er machte sich, in seiner, von vielen Preisen begleiteten, internationalen Karriere mit – von unterschiedlichsten musikalischen Genres geprägten – Kompositionen und seinen innovativen Überschreibungen bestehenden Materials einen Namen.

Vertont hat er hier ein Libretto von André Bücker, nach Texten von Lord Byron und Jean Paul. Darin verwandelt sich das naive, utopische Verständnis der Haydn’schen »Schöpfung«, in der die Menschen als Krone der Schöpfung verstanden werden, in eine gegenwartsaktuelle, dystopische Betrachtung des Menschen als Schöpfer und Zerstörer unserer Welt.

Was geschieht, wenn sich der menschliche Teil der Schöpfung dem Ende zuneigt? Gehen die Kultur, die Zivilisation oder das Leben an sich zu Grunde? Wer oder was überlebt, verwandelt sich, passt sich an? Das sind Fragen, die Bücker in seiner Inszenierung Das Ende der Schöpfung aufwirft.

In der spartenübergreifenden Besetzung sind jeweils drei Künstler:innen aus dem Gesangs- und Schauspielensemble beteiligt, außerdem eine Tänzerin. Mit dabei sind darüberhinaus der Opern- und Extrachor des Staatstheater Augsburg und die Augsburger Philharmoniker, beide in großer Besetzung.

Die Uraufführung ist Teil des Klima-Schwerpunktes der Spielzeit 2021/22. Vom 19. bis 21. Mai findet am Staatstheater Augsburg das Klima-Festival »endlich!« statt, mit einem Kongress, in dem Theatermacher:innen eingeladen sind, ihre good practice-Strategien vorzustellen, Wissen zu teilen und Netzwerke zu knüpfen, um den Kulturbetrieb inhaltlich und strukturell nachhaltiger zu gestalten. Weitere Informationen unter staatstheater-augsburg.de.


»Das Ende der Schöpfung«

Szenisches Oratorium von Joseph Haydn & Bernhard Lang
Libretto
I. John Milton
II. André Bücker nach Lord Byron und Jean Paul
Dialoge: Dietmar Dath

Premiere / Uraufführung am Staatstheater Augsburg: 10. April 22 (martini-Park)

Musikalische Leitung: Ivan Demidov
Konzeption und Inszenierung: André Bücker
Bühne: Felix Weinold
Kostüme: Lili Wanner
Puppenbau: Kerstin Dathe
Video: Florian Schuster
Live-Elektronik: Jürgen Branz
Licht: Marco Vitale
Choreografie: N.N.
Dramaturgie: Vera Gertz
Einstudierung der Chöre: Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek

Besetzung: t.b.a.

staatstheater-augsburg.de