Subventionserhöhung und Weihnachtsvorverkauf beim Kunstfest Weimar

Cloud Dance Sounding Light (© LEE Chia yeh)

Das Kunstfest Weimar erhält ab dem Jahr 2025 von seinen beiden Hauptförderern Land Thüringen und Stadt Weimar insgesamt 200.000 Euro mehr Förderung. Dafür machte am Mittwochabend der Weimarer Stadtrat den Weg frei, als er mit breiter Mehrheit von 34 Simmen bei vier Gegenstimmen und einer Enthaltung der Erhöhung des städtischen Förderanteils um 55.000 auf 305.000 Euro zustimmte.

Bereits vorher hatte das Land seine Bereitschaft signalisiert, seine finanziellen Verpflichtungen im Rahmen des neuen Finanzierungsvertrages für das renommierte Festival um 145.000 Euro zu erhöhen, sofern die Stadt gemäß dem vereinbarten Finanzierungsschlüssel auch seinen Anteil anpassen würde. Damit steigt das Grundbudget des größten und wichtigsten Festivals für die zeitgenössischen Künste in Ostdeutschland um rund 22 Prozent von 900.000 auf 1,1 Millionen Euro.

Der Schritt war als überfällig betrachtet worden, da das Festival seit 2013, dem Jahr des Auslaufens der Bundesförderung für das einstige kulturelle Leuchtturmprojekt der deutschen Einheit, ein eingefrorenes Budget hat. Seitdem musste das Festival sowohl Personalkostensteigerungen als auch inflationsbedingte Teuerungen selbst ausgleichen. Dennoch sorgte das Festival, das in der Pandemie 2020 als einziges großes Festival in Deutschland vollumfänglich analog stattfinden konnte, auch in der jüngsten Vergangenheit überregional und international für Schlagzeilen. Dieses Jahr feierte hier Robert Wilson mit seiner Version von Alfred Jarrys »UBU« mit Figurinen von Joan Miró deutsche Erstaufführung. Günther Uecker verwandelte zur Eröffnung des Festivals den historischen Theaterplatz mit seinem »Steinmal« im Angedenken an die Toten von Buchenwald mit kleinen Steinhaufen symbolisch in einen jüdischen Friedhof.

Rolf C. Hemke, seit 2018 künstlerischer Leiter, zeigte sich von der Entwicklung begeistert: „Es entspricht dem besonderen Geist dieses magischen Ortes, dass in einer Zeit, in der Kulturbudgets in München und anderswo zusammengestrichen werden, Weimar ein Zeichen für die zeitgenössische Kunst und Kultur setzt und dem jahrelangen Erfolg der Arbeit dieses kleinen, effizienten Teams Rechnung trägt. Auch wenn die Anpassung dringend nötig war, wollen wir sie in dieser Zeit als Auszeichnung begreifen und als Ansporn nehmen, ein möglichst attraktives Programm für das lokale Publikum wie die überregionalen Gäste zu gestalten. Die 41.000 Zuschauer aus diesem Jahr bilden dafür einen Maßstab.“

Das Kunstfest Weimar 2024 wird vom 21. August bis 08. September 2024 stattfinden

Einen vorgezogenen Weihnachtsvorverkauf startet das Festival am 10. Dezember für das Eröffnungswochenende 24. und 25. August 2024. Dann wird die weltberühmte Tanzcompany Cloud Gate Dance Theatre of Taiwan aus Taipeh an zwei Abenden die deutsche Erstaufführung von »Sounding Light« zeigen – eine Choreografie des künstlerischen Chefs der Company Cheng Tsung-lung. Dieser hat in der Isolation der Pandemie gelernt, neu hinzuhören: Aus den Geräuschen des Waldes – den Insekten und Vögeln, dem Wind in dem Bäumen – hat er Inspiration für eine neue Arbeit gezogen. »Sounding Light« ist das Ergebnis seiner Reflektion über das (Un-)Gleichgewicht zwischen menschlicher Zivilisation und Natur. Seine Choreografie zeichnet den Verlauf eines Tages voller Sonnenlicht nach – gebrochen durch Wolken oder Blätterschatten. Die Tänzer selbst liefern den Großteil des Soundtracks als natürliches Element ihrer Performance. Während ihre Bewegungen die Natur, Vögel oder Insekten imitieren, werden ihre Körper zu Instrumenten. Die Tänzer erzeugen akustisch und visuell den Eindruck einer Brise, von Tieren des Waldes, von fallendem Regen oder fließendem Wasser. Die deutsche Erstaufführung der Produktion wird zugleich den Auftakt zu einem sechsteiligen Tanz- und Performance-Schwerpunkt mit taiwanesischen Künstler*innen im Rahmen des Kunstfest Weimar bilden.

kunstfest-weimar.de