studioNAXOS streamt GOOD ADVICE ~ Ein Chor ringt um Fassung.

GGOD ADVICE ~ Ein Chor ringt um Fassung. (Foto: Willems Kiderlen)

GOOD ADVICE ist eine Performance für einen Chor, der um seine Fassung ringt und in der das Nicht-Wissen und die Verunsicherung der Pandemie zur Ausgangslage wird, um darin zu fragen: Wie können wir in einer Krise als Gemeinschaft zu uns kommen?

Ein Unfall hat stattgefunden: dem Theaterraum ist etwas zugestoßen und nichts scheint mehr wie vorher. Auf der Bühne ist etwas Fremdes eingebrochen und in einer Ruinenlandschaft treten vereinzelt Spieler*innen auf, die allesamt unter gänzlich anderen Vorstellungen angetreten sind. Weder können sie ihrer Sehnsucht nach einer führenden Rolle in einem Musical stillen, noch ist eine anständige Fassung oder ein Plan gegeben, aus dem heraus sie überhaupt etwas anfangen könnten. So begeben sich die fassungslosen und überaus bedürftigen, führungslosen Spieler*innen als fünfköpfiger Mehrgenerationen-Chor auf die Suche nach einem Musical und damit gleichsam auf die Suche nach einer Normalität und Ganzheit, die es vielleicht so nie gegeben hat. Dabei wird keine Gelegenheit ausgelassen, um doch noch zu ihrem Auftritt als führende Rolle zu gelangen.

Sie fangen immer wieder etwas miteinander an, wittern immer wieder Chancen, ihr Begehren nach Sichtbarkeit und Selbstverwirklichung zu stillen, versuchen ihre missliche Lage detektivisch zu ergründen und reden und singen sich dabei um Kopf und Kragen – um sich dann doch wieder in etwas Bruchstückhaftem wieder zu finden. Und während sie sich auf der Suche nach dem Musical als Chor ihrer Trauer hingeben, die Abwesenheit des Vorgestellten gekonnt leugnen, sich wütend beschweren und schließlich Ihre Zerrissenheit verhandeln, verwirklichen sie nebenbei ein ganz anderes Musical aus eben jenen Bruchstücken. Denn wie auch der Chor singend erkennt: YOU NEVER WANT A SERIOUS CRISIS TO GO TO WASTE!

GOOD ADVICE ~ Ein Chor ringt um Fassung.

Premiere: 5. April 2021 | 19 Uhr. Der Stream ist durchgängig anzuschauen bis 8. April über: studionaxos.de
Der Stream ist kostenfrei zugänglich. Solidarisches Preissystem.


Konzept / Text / Regie: Kim Willems
Textdramaturgie: Meret Kiderlen
Bühne & Ausstattung: Till Korfhage
Musikalische Gestaltung: Richard Millig
Regie- & Produktionsassistenz: Eva Streit
Lichtdesign: Frithjof Gawenda

Performance: Cornelia Niemann, Stephan Dorn, Simon Zeller, Greta Knorr, Helene Dueker, Asja Mahgoub

Mit Dank an Katharina Speckmann und Philipp Scholtysik

Eine Produktion der willems&kiderlen GbR in Kooperation mit studioNAXOS. Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main und das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst.

Über willems&kiderlen

willems&kiderlen ist der Name für das Regieduo bestehend aus Kim Willems und Meret Kiderlen, die sich 2014 während ihres Studiums der angewandten Theaterwissenschaften in Gießen gegründet haben und seither in Kooperation mit anderen Künstler*innen, sowohl in der freien Theaterszene als auch an Stadttheatern, Theaterperformances und Stadtraum-Inszenierungen realisieren. Unsere theatral-performative Arbeitsweise ist geprägt von dem Wunsch, gesellschaftliche Phänomene spielerisch auf der Bühne zu untersuchen und das Widersprüchliche zu wahren. Das Theater interessiert uns gleichermaßen als Illusionsmaschine und als Ort des Denkens und des offenen Versuchs. Mittels unserer Verfahrensweise des Perspektivwechsels stellen wir das Verhältnis des Einzelnen zum Allgemein-Gesellschaftlichen auf die Probe. Unsere Stücke sind konfrontativ, spielen mit der Affektion und suchen die Zuschauer*innen als Teilhaber*innen der Aufführungssituation auf. Den Stoff unserer Arbeit entwickeln wir aus ‘Fundstücken’, durch Interviews, gesellschaftliche Vor-Bilder und selbst verfasste Texte. Ästhetisch sind wir an chorischen, strengeren Formen interessiert, in denen wir es stets auf das Aufblitzen von Eigenheit der beteiligten Akteure anlegen.

Über Kim Willems

Kim Willems ist Theatermacher und arbeitet als Regisseur, Performer und Autor in verschiedenen Kooperationen. Nach zweijährigen Assistenzen bei Matthaei & Konsorten, Ingo Toben und Amelie Niermeyer am FFT und am Düsseldorfer Schauspielhaus, sowie einem Filmstipendium an der Filmwerkstatt Kaiserswerth, studierte er am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und schloss 2015 mit einem Master of Arts in performativer Praxis das Studium mit der Performance „Der verschwundene Mensch oder die Leere hinter dem Bart“ ab. (Aufführungen im Künstlerhaus Mousonturm). In Gießen studierte er unter anderem bei Heiner Goebbels, Laurent Chétouane, Chris Kondek, Georg Seeßlen und Viviane de Muynck.

Von 2011 bis 2018 war er Teil des Theaterkollektivs Eliza Rescue Team, deren Arbeit „Der souveräne Mensch. Warum Juwelen glänzen und Kieselsteine grau sind“ im Rahmen des Körber Studio Junge Regie Festivals 2013 am Thalia Theater in der Gaußstraße gezeigt und mit dem Jurypreis sowie dem Publikumspreis prämiert wurde.

2014 gründete er zusammen mit der Regisseurin Meret Kiderlen das Label willems&kiderlen. Unter diesem Label sind mehrere Theaterperformances in Dresden, Frankfurt, Magdeburg und Moers

entstanden wie “Die Natur der Kinder”, dass 2017 bei den hessischen Theatertagen am Staatstheater Darmstadt gezeigt wurde, das Mehrgenerationen Stück “Unser Erbe”, die hörbare Stadtrauminszenierung “UTOP89” am Theater Magdeburg, die Stadtraum Inszenierung “NISCHEN” am Schlosstheater Moers (2020) sowie das Hörspiel ‚Utop89‘ mit dem Deutschlandfunk Kultur (2020/21).

Im Rahmen der FLUX Künstlerresidenzen forschten willems&kiderlen in einem auf drei Jahre angelegtem Projekt zum Stadt-Land-Verhältnis und dem intergenerationalen Erbe im Odenwald in Kooperation mit der Mittelpunktschule Gadernheim von 2018-2020.

Seit 2017 arbeitet er außerdem gemeinsam mit M O N S T R A und realisiert dort Performances für ein generationsübergreifendes Publikum in Frankfurt. Bisher entstanden sind dort “Alice sagt Senf ist ein Vogel.” (2017), “Monstermorphosen” (2018), “Monstra in Love” (Karfunkel Preisträger 2019) und ihre aktuelle Produktion “Stimmt das? Ein Experiment“.

Seit 2012 initiiert er regelmäßig Performance- und Stadtraum-Projekte mit Kindern und Jugendlichen in Bildungskontexten und Kultureinrichtungen mit regelmäßiger Unterstützung von den Förderprogrammen Kulturkoffer & Kultur macht stark.

2017 war Kim Willems Teilnehmer des Weiterbildungsprogramm für Kunstschaffende “Kunst Rhein Main” am Mousonturm in Frankfurt. Seit mehreren Jahren geht er zudem Lehraufträgen am Zentrum für zeitgenössisches Theater und Performance für Kinder und Jugendliche an der Universität Koblenz-Landau für das Modul ‘Ästhetische Bildung’ und an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock nach.

Kim Willems lebt in Frankfurt am Main mit Arbeitssitz im Atelier Frankfurt

Über studioNAXOS

studioNAXOS ist ein freies Produktionshaus für zeitgenössisches Theater, Performance und Musik in der Frankfurter Naxoshalle. Es entstand 2014 aus dem Zusammenschluss von Studierenden der Hessischen Theaterakademie und hat sich in Zeiten großer Raumnot der Theaterschaffenden in Frankfurt als freies Produktionshaus in der Stadtgesellschaft und darüber hinaus einen Namen gemacht. Produktionen aus dem studioNAXOS-Produktionsverbund waren in den letzten Jahren bei allen wichtigen deutschen Newcomer-Festivals vertreten (Körber-Festival, Radikal Jung, Out Now! Festival, Fast Forward Festival, Impulse Festival etc.) und wurden in zahlreiche andere Theater zu Gastspielen eingeladen. studioNAXOS kooperiert außerdem mit vielen lokalen Partnern*innen und Förderinstitutionen und wird von der Stadt Frankfurt institutionell gefördert. Seit 2018 ist studioNAXOS im deutschlandweiten Netzwerk Freier Theaterhäuser (NFT) und seit 2020 ein assoziierter Partner der Hessischen Theaterakademie (HTA). Mehr Infos auf www.studionaxos.de. studioNAXOS wird getragen vom Naxos-Bund zur Förderung junger Künstler*innen aus Hessen e. V.