studioNAXOS: Premieren MIMICREATURES und PROJECT-FAIL

studioNAXOS: Mimicreatures (© Horvat)

Anfang Juni wird es auf der digitalen Bühne von studioNXAXOS zwei Premieren geben.

Die Performance Mimicreatures“ – Premiere 4. Juni 20 Uhr – nimmt die Zuseher*innen mit in eine imaginäre Parallelwelt in einem Grenzbereich zwischen der erdrückenden Enge der eigenen vier Wände und der schwindelerregenden Weite des virtuellen Raumes. Die Arbeit der fünf-köpfigen Künstlerinnen-Gruppe um Lisa Horvath, nährt sich aus dem Verlangen nach Kollaboration, Nähe und Austausch und verarbeitet dabei auch den schmerzhaften Verlust von Körperlichkeit und Materialität in einer radikal lustvollen Auseinandersetzung mit Material, Körper, Raum und den Möglichkeiten von Kamera und Bildschirm. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Prinzip der Mimesis, einer Form wechselseitiger Anerkennung durch Imitation, Reflexion und Affinität.

Das Stück Project.Fail“, das am 7. Juni hat und bis 10 Juni über studionaxos.de zu sehen sein wird, wurde von den zwei brasilianischen, in Frankfurt am Main lebenden Künstlerinnen Alice Nogueira und Ana Clara Montenegro konzipiert. Ausgangspunkt war eine praktische und theoretische Recherche über die Bedeutungen des Misserfolgs in unserer heutigen Gesellschaft.


MIMICREATURES

Die digitale Performance „Mimicreatures“, die von 4.- 6. Juni auf der Website des Studio-Naxos zu erleben ist, nimmt die Zuseher*innen mit in eine imaginäre Parallelwelt in einem Grenzbereich zwischen der erdrückenden Enge der eigenen vier Wände und der schwindelerregenden Weite des virtuellen Raumes.

Die Arbeit der fünf-köpfigen Künstlerinnen-Gruppe um Lisa Horvath, nährt sich aus dem Verlangen nach Kollaboration, Nähe und Austausch und verarbeitet dabei auch den schmerzhaften Verlust von Körperlichkeit und Materialität in einer radikal lustvollen Auseinandersetzung mit Material, Körper, Raum und den Möglichkeiten von Kamera und Bildschirm. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Prinzip der Mimesis, einer Form wechselseitiger Anerkennung durch Imitation, Reflexion und Affinität.

Die Zuseher*innen begegnen drei Kreaturen – Cyborgs in denen das monströse und kybernetische mit der menschlichen Verletzlichkeit verschmilzt. Entstanden aus einer persönlichen Auseinandersetzung mit den individuellen, gegenwärtigen psycho-sozialen Zuständen der Künstlerinnen, reflektieren die großformatige Masken der „Mimicreatures“ nicht nur eine aktuelle Realität im Pandemie-Gestehen, sie stehen auch für eine Form der Mimesis: der Imitation durch Verkleidung. So schützen Masken in einem psychologischen und physiologischen Sinn. Sie bilden eine Barriere zwischen unserem Selbst und einer potenziell gefährlichen, äußeren oder inneren Welt. Doch diese Masken tun auch das Gegenteil, sie kehren die inneren Zustände, Gefühle und Empfindungen nach Außen und fungieren dabei wie ein Vergrößerungsglas. Diese Kreaturen aus dem Inneren werden zu Gefährtinnen. Indem sie nach draußen gekehrt werden und ihnen eine materielle Existenz gegeben wird, führen sie uns nach drinnen, wo es sicher und warm ist. Sie sind das Andere, das wir selbst sind.

Am Ende des filmischen Teils, gibt es die Möglichkeit des Austausches und Gesprächs in einem virtuellen Raum, in dem die Zuseher*innen selbst nochmal ein stückweit in die Welt des gesehenen Films eintauchen können.

Konzept, Produktion, Masken, Kostüm, Bühne, Postproduktion: Lisa Horvath
Choreographie und Performance: Eng Kai Er, Ana Clara Montenegro, Lisa Horvath
Musik: Sara Trawöger
Kamera, Licht: Merthe Wulf

In Kooperation mit studioNAXOS, gefördert von der Hessischen Kulturstiftung und der Hessischen Theaterakademie.

Premiere 4. Juni 2021 um 20 Uhr.
Anzuschauen bis 6. Juni über die Seite: studionaxos.de
Eintrittspreis: solidarisches Preissystem


studioNAXOS: Project-Fail
©studioNAXOS

PROJECT.FAIL

Das Stück „Project.Fail“, das am 7. Juni 2021 im studioNAXOS Premiere hat, wurde von den zwei brasilianischen, in Frankfurt am Main lebenden Künstlerinnen Alice Nogueira und Ana Clara Montenegro konzipiert. Ausgangspunkt war eine praktische und theoretische Recherche über die Bedeutungen des Misserfolgs in unserer heutigen Gesellschaft. Die Künstlerinnen erstellten eine Sammlung von Definitionen für den Begriff Misserfolg, darunter: Mangel an Erfolg, Mangel an wünschenswerten Merkmalen, sich in einem Zustand des „Nicht-Funktionierens“ befinden, sich selbst oder andere enttäuschen und die eigenen Ziele nicht erreichen. Alle diese Begriffsdefinitionen zeigten, dass das Scheitern immer in direktem Zusammenhang mit Erzählungen von Erfolg steht, die die „richtige Form“ vorgeben und von jemandem aus der Vergangenheit definiert wurde.

Daher begann das Künstlerduo ein Verständnis dafür zu entwickeln, welche Narrative als „richtig“ angesehen werden, und verwandelte sie dann in ein Spiel, um das Scheitern zu provozieren. Diese Spiele werden auf der Bühne (oder vor der Kamera) in einem Format inszeniert, das zwischen virtuellen und analogen Realitäten steht und die Performer selbst zu Wesen macht, die sowohl Menschen als auch Avatare sind und sich ständig gegenseitig zum Misserfolg oder Erfolg herausfordern.

Die Beziehung zwischen den Performerinnen ist für das Stück ebenso wichtig wie die Beziehung zwischen ihnen und einer unsichtbaren Maschine, die die ganze Zeit präsent ist und als Leiter des Spiels gilt. Der/Die Zuschauer*in mag sich fragen wer hinter der Maschine steckt, ob es eine reale Person, ein Computersystem, ein*e Politiker*in, ein*e Wissenschaftler*in oder unser eigenes kollektives Bewusstsein ist. In jedem Fall spielen sie gemeinsam ein intensives Spiel, das die Realität, wie wir sie kennen, in Frage stellt und unsere Konzepte über zeitgenössische Themen wie soziale und geschlechtliche Ungleichheiten, Umweltkatastrophen und postkoloniale Diskussionen hinterfragt.

Als ersten Schritt, um diesen Prozess mit einem Publikum zu teilen, entwickelten die Künstlerinnen im Jahr 2020 eine interaktiv-digitale Arbeit namens Project.Fail ERROR 404. Diese Arbeit wurde auf verschiedenen Festivals gezeigt und gewann den Network Culture Award beim 34. Stuttgarter Filmwinter Festival im März 2021. Die Künstlerinnen betrachten beide Versionen dieser Arbeit als komplementär, weil sie mit unterschiedlichen Medien arbeiten und eine unterschiedliche Beziehung zum Publikum aufbauen.

Konzept und Performance: Alice Nogueira und Ana Clara Montenegro
Dramaturgie: Alice Nogueira
Sprecher: Sven Rausch
Kamera und Videoschnitt: Talisa Frenschkowski und Simon Lenzen
Lichtdesign: Carina Premer
Ton-Bearbeitung: Jannis Wulle
Tonaufnahme: Felix Schwarzrock
Regie-Assistenz bei den Dreharbeiten: Rodrigo Andreolli
Foto: Talisa Frenschkowski
Die Produktion entstand in Kooperation mit studioNAXOS. Gefördert im Rahmen des Kulturförderprogramms „Hessen kulturell neu eröffnen”.

Premiere 7. Juni 2021 um 20 Uhr
Anzuschauen bis 10. Juni über die Seite: studionaxos.de
Dauer: 50 Minuten
Eintrittspreis: solidarisches Preissystem


Lisa Horvath

absolvierte ihr Studium der Bühnen- und Kostümgestaltung in Graz und studiert zurzeit Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Sie ist als freischaffenden Künstlerin vor allem als Bühnengestalterin aktiv, bewegt sich aber mit Installationen sowie photographischen und audiovisuellen Arbeiten auch im Bereich der bildenden Kunst, wobei sie die Genre-Grenzen gerne verschwimmen lässt. Sie kollaborierte mit verschiedenen freien Gruppen und Künstler*innen und als Ausstatterin an Theatern. Von 2013-2016 verwirklichte sie drei Produktionen mit ihrem Kollektiv Spielraum-Ensemble. 2015 erhielt sie den Outstanding Artist Award des Bundeskanzleramtes, Österreich.
lisahorvath.at

Sara Trawöger

hat 2015 den Bachelorstudiengang Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien absolviert und studiert nun im Master Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und im Master Zeitbasierte Medien an der Kunstuniversität Linz. Sie ist Drummerin der Band “La Sabotage” und tritt seit 2019 mit ihrem elektronischen Soloprojekt „Abrupt“ auf. Zudem ist sie als Musikerin in verschiedenen Theatern und Performance-Projekten aktiv.

Eng Kai Er (Kai)

wurde 1984 in Singapur geboren. In Großbritannien studierte sie zunächst Natural Science und schließlich Infection Biology in Schweden. Zurück in ihrer Heimat Singapur begann sie schließlich ihre professionelle Karriere als Künstlerin. Seit 2019 studiert sie Choreographie und Performance an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und hat damit schließlich gefunden was sie tatsächlich interessiert. Kai arbeitet als Solo-Künstlerin und in kleinen Kollektiven. Ihre Arbeiten sind humorvoll, persönlich, sanft.
kaifishfish.tumblr.com

Ana Clara Montenegro

arbeitet mit Tanz im Zusammenspiel mit verschiedenen Disziplinen wie etwa Theater, Performance, Film und Kunst im öffentlichen Raum. Sie studierte Social Communication und Scenic Arts in ihrem Herkunftsland Brasilien und aktuell Choreographie und Performance an der JLU in Gießen. Sie war Mitglied des Kollektivs 16 Mulheres e ½ in Sao Paulo, dass sich mit Tanz als politisches Statement beschäftigt. Als Performerin arbeitete sie mit verschiedenen Choreograph*innen, u.a. Paula Rosolem, Jan Deck, Daniel Schauf, Rene Alejandro Hurai Mateus, Alice Nogueira, Maristela Estrela und Luciana Schwinden. Als Pädagogin unterrichtet sie zeitgenössischen Tanz und Improvisation in Gießen und Frankfurt.

Merthe Wulf

arbeitete nach ihrem Abitur 2016 für zwei Jahre am Theater Tempus Fugit in Lörrach und absolvierte dort die Grundlagenausbildung Theaterpädagogik BuT. Seit 2018 studiert sie Angewandte Theaterwissenschaften in Gießen und organisierte in diesem Rahmen in einem Team von Studierenden 2019 das Theaterfestival „Theatermaschine“. Seit September 2019 betreut sie zusammen mit anderen die Probebühnen des Instituts und ist besonders interessiert an der Arbeit mit Licht und Video im Bühnenkontext.

Alice Nogueira

ist eine brasilianische Theaterregisseurin, Performerin und Dramaturgin, die in Deutschland lebt. Seit 2005 ist sie künstlerische Leiterin und Dramaturgin des brasilianischen Kollektivs Coletivo Cronópio. Sie schrieb und inszenierte das Stück Favor beber o leite, senão estraga, das mit 2 Förderungen für die Entstehung und Präsentation ausgezeichnet wurde. Das Stück wurde von 5 Theatern in São Paulo sowie in weiteren 15 Städten gezeigt. Auch mit Coletivo Cronópio schrieb und inszenierte sie (instruções para compor uma peça) – Se for viver, leia antes, gezeigt von 5 Theatern in der Stadt São Paulo.
Im Jahr 2020 erhielt sie zusammen mit Ana Clara Montenegro das Projektstipendium für Einzelkünstler*innen im Rahmen des Kulturförderprogramms “Hessen kulturell neu eröffnen”, für die Entwicklung und Uraufführung des Stück Project.Fail in 2021. Von diesem Projekt wurde auch eine Version für die Plattform YouTube erstellt, die den Namen Project.Fail: ERROR 404, die mit dem 34° Stuttgarter Filmwinter in der Kategorie Culture Network Expanded Media ausgezeichnet wurde. Außerdem wurde er auf dem VViP Festival in Frankfurt am Main und auf dem Proposal for the Circumstances Festival in Gießen 2020 gezeigt.
Als Performerin nahm sie an zwei aktuellen Produktionen in Deutschland teil, Alltagsrauschen und Terminal X, beides Arbeiten unter der Leitung des Kollektivs Untere Reklamationsbehörder, von den Künstlern Julia Mihály, Maria Hüber und Tobias Hagedorn.
2019 nahm sie an Unlimited Bodies teil, einem siebentägigen performativen Experiment, das im Rahmen des Performa Festivals in New York City stattfand. Die Performance wurde von Dimitri Chamblas und Sigrid Pawelke idealisiert.
Derzeit nimmt Alice am MA-Studiengang Angewandte Theaterwissenschaft an der JLU Gießen teil. Außerdem hat sie einen Master-Abschluss in Theater an der Universität von São Paulo und einen BA in Theaterregie.

studioNAXOS

ist ein freies Produktionshaus für zeitgenössisches Theater, Performance und Musik in der Frankfurter Naxoshalle. Es entstand 2014 aus dem Zusammenschluss von Studierenden der Hessischen Theaterakademie und hat sich in Zeiten großer Raumnot der Theaterschaffenden in Frankfurt als freies Produktionshaus in der Stadtgesellschaft und darüber hinaus einen Namen gemacht: Produktionen aus dem studioNAXOS-Produktionsverbund waren in den letzten drei Jahren bei allen wichtigen deutschen Newcomer-Festivals vertreten (Körber-Festival, Radikal Jung, Out Now! Festival, Fast Forward Festival, Impulse Festival etc.) und wurden in zahlreiche andere Theater zu Gastspielen eingeladen. studioNAXOS kooperiert mit vielen lokalen Partnern und Förderinstitutionen wie dem Lichter Filmfest oder den Goethe-Festwochen und wird seit 2018 von der Stadt Frankfurt institutionell gefördert. Seit 2018 ist studioNAXOS im deutschlandweiten Netzwerk Freier Theaterhäuser (NFT) und seit 2020 ein assoziierter Partner der Hessischen Theaterakademie (HTA). Mehr Infos unter www.studionaxos.de oder info@studionaxos.de.

studioNAXOS wird getragen vom Naxos-Bund zur Förderung junger Künstler*innen aus Hessen e. V.