Statement von NAXOS zu den Kürzungen im Frankfurter Kulturetat

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Die Nachricht von den Einspar-Forderungen im Kulturbereich von Seiten der Stadt Frankfurt hat uns freie Kulturschaffende irritiert und gänzlich unvorbereitet getroffen. . .
Seit vielen Monaten setzt sich NAXOS dafür ein, die Kulturpolitik von der dringenden Notwendigkeit der Erhöhung der aktuellen Förderung unseres Spielbetriebes zu übe
rzeugen.

Wir wundern uns sehr darüber, dass in diesen Gesprächen bisher kein Signal dafür gegeben wurde, dass Kürzungen im Kulturbereich der Stadt Frankfurt vorgesehen sind. Stattdessen erfahren wir und die Öffentlichkeit von diesem Verhandlungsresultat der Parteien der regierenden Koalition nur mehr oder weniger zufällig durch einen Presseartikel in der Frankfurter Rundschau vom 9. März 2022. Hätte es im Vorfeld eine Vorwarnung zu solch potenziellen und zu erwartenden Pläne gegeben, hätten wir und andere Kulturschaffende als Partner der Kulturpolitik in veränderndem Sinne gegen solche Verhandlungsziele
existenzerhaltende Argumente vorbringen können. Ohne die Enthüllungen durch den bisherigen kulturpolitischen Sprecher der CDU, Herrn Dürbeck, würden wir noch heute von den im finanzpolitischen Raum stehenden Vorhaben nichts erfahren haben. Wie soll das im
Sinne vertrauensbildender Zusammenarbeit zwischen politischer Kulturverantwortlichkeit und Akteur*innen der Kulturarbeit vor Ort zu interpretieren sein?

Dabei gelte es doch gerade in Zeiten von anhaltenden Krisen die Kultur zu stärken und nicht noch weiter zu schwächen.

Während der anhaltenden Pandemie wurde unter massiven Anstrengungen von den Kulturschaffenden u. a. die Präsenz von Theater in der Stadt und ihrer Umgebung am Laufen gehalten. Unter massiven Anstrengungen haben viele freie Kulturschaffende mit ihrer Kunst überhaupt überlebt.

Und im Angesicht von Krieg und Zerstörung sollte doch die kulturelle Aufrüstung unserer Lebensverhältnisse mehr nachhaltige Wirkungen zeitigen, als eine ausschließlich militärische. Sollten wir unsere gefühlte Ohnmacht nicht mit kultureller Potenz kompensieren, die Gemeinschaft, Dialog, Toleranz und Identität stiftet?

Die großen Krisen unserer Zeit haben gezeigt, dass Geld – sogar in umfangreichem Maße – zur Verfügung gestellt werden kann, wenn eine Sache als notwendig und wertvoll für eine Gesellschaft und ihren Zusammenhalt erachtet wird. Warum also muss jetzt eine Kommune wie Frankfurt am Main gerade auf diesem Gebiet Ohnmacht bekunden und uns eines unserer aller Lebensmittel berauben? Das wird sie zwangsläufig tun, wenn sie uns Kulturschaffende zwingt, die anberaumten 9% von unseren Förderungen auf einen Schlag, und das über mehrere Jahre hinweg, einsparen zu müssen.

Ist in diesem Zusammenhang die erneut geplante Evaluation der Freien Theaterszene Frankfurts im Auftrag des Kulturdezernats möglicherweise sogar als eine Maßnahme zu werten, die seit langem in Vorbereitung befindlichen Einsparpläne zu rechtfertigen? Nach dieser ersten, durchaus umstrittenen Evaluation des Jahres 2012 sollte es unserer Meinung dieses Mal aber nicht versäumt werden, nach Einsparmöglichkeiten auch im quantitativen Sinne zu forschen, vor dem Hintergrund von Zielvereinbarungen zwischen dem Kulturamt und den jeweiligen Kulturakteuren vor Ort. Denn: Ständig in die Förderung aufgenommene neue Kulturinitiativen ohne gleichgezogene massive Erhöhungen des Ausgabenbudgets werden nicht zum Erhalt auch der Qualität des gewachsenen Bestandes der Freien Szene insgesamt beitragen können.

Nach den langen Jahren des Aufbaues und Wachsens einer beachtenswerten Freien Szene in enger Zusammenarbeit zwischen Kulturdezernat, Kulturamt und Akteur*innen, sind diese Schritte für letztgenannte äußerst beunruhigend.

Ohne gegenseitige Anerkennung von Entwicklungsvorschlägen zum Nutzen Freien Theatermachens und ihre einvernehmliche Umsetzung in praktisches Geschehen wird es keine ernstzunehmenden Qualitätszuwächse auf dem Gebiet der Anstrengung für Kultur und Kunst in unserer Stadt geben können.

Die Geschäftsführung NAXOS
Willy Praml & Simon Möllendorf