Staatstheater Mainz präsentiert neue Premieren in der Stadt

»Tal der Ahnen« am 17. Juni im Alten Postlager ~ »Eine Sommernacht« am 20. Juni im Innenhof des Landesmuseums Mainz

Staatstheater Mainz ~ Bis bald! (© Andreas Etter)

Das Staatstheater Mainz spielt wieder – und erobert mit dem Theater neue Orte in der Stadt! Die Nachfrage nach den Vorstellungen im Großen und Kleinen Haus ist riesig, die Platzkapazitäten sind aus bekannten Gründen begrenzt. Umso besser, dass weitere Möglichkeiten gefunden wurden, für das theaterhungrige Publikum in Mainz zu spielen. Dank der spontanen und engagierten Unterstützung der Verantwortlichen, sowohl des Landesmuseums als auch des Gutleut, kann die skurrile romantische Komödie Eine Sommernacht im lauschigen Innenhof des Landesmuseums gespielt und mit der spartenübergreifenden Musiktheaterproduktion Das Tal der Ahnen das Alte Postlager zum Zufluchtsort der Cherokee gemacht werden.

In einer Inszenierung von Niklaus Helbling lädt das Ensemble aus Oper und Schauspiel die Zuschauer*innen ein an diesen geheimen Ort, an dem sie schon seit Generationen ihre toten Häuptlinge begraben. So erzählt es ein Bessy-Comic-Heftchen von 1967. Für viele Kinder waren diese Comics mit ihren fiktiven amerikanischen Ureinwohnern ein fast ebenso wichtiger Zufluchtsort wie das Tal für die Cherokee. Gleichzeitig waren sie auch eine Form von kindlicher Revolte gegen Eltern, die solche Hefte für Verderblich hielten.
Auch Franz Kafka war ein Leser von Trivialliteratur. In seiner Erzählung Wunsch, Indianer zu werden beschreibt er einen rasanten Ritt auf einem Pferd. Mit zunehmender Geschwindigkeit lösen sich Zaumzeug und Tier in Luft auf, so als transportiere die Bewegung den Reiter in eine nächste Dimension oder ins Nirwana.
Eine düstere Ahnung schwingt hier mit: Die amerikanischen Ureinwohner finden nicht nur Schutz im Tal, sie sind dort auch dem Tode geweiht. Melancholie gehört zu ihren Geschichten ebenso wie der Impuls zum Kampf, zur Gegenkultur. Als Sinnbild dafür kann der Komponist und Bandleader Frank Zappa gelten, der in den späten 60er und frühen 70er Jahren zur Ikone der Hippiebewegung und Hassfigur des konservativen, religiösen Amerikas wurde.
Niklaus Helbling hat den Abend gemeinsam mit den Musikern Paul-Johannes Kirschner und Dominik Fürstberger kreiert. In ihrem Tal der Ahnen kann man nicht nur Häuptlingen begegnen, sondern auch erleben, wie Opernsänger*innen und Schauspieler*innen zu Rockstars werden.

Ganz neu auf dem Spielplan findet sich die Romantic Comedy Eine Sommernacht von David Craig und Gordon Mclntyre. Die Ensemblemitglieder Maike Elena Schmidt und Daniel Mutlu erarbeiten gemeinsam mit Regisseur Mark Reisig dieses schräg-komische Theater zur Johannisnacht am 20. Juni.
Unter freiem Himmel im Innenhof des Landesmuseums Mainz lernt das Publikum Helena kennen. Eine erfolgreiche Scheidungsanwältin, die zum wiederholten Mal von ihrem verheirateten Liebhaber versetzt wird und sich dort allein mit einer Flasche Wein aufhält. Sie trifft auf Bob, einen unauffälligen Kleinkrimínellen, der auf seinen nächsten Auftrag wartet. Sie sind beide 35, und so wie es aussieht, halten das Leben und diese Nacht nicht mehr viel für sie bereit – also stürzen sie sich in einen betrunkenen One-Night-Stand. Damit könnte die Geschichte zwischen Helena und Bob auch schon zu Ende sein, wenn sie sich am nächsten Tag nicht zufällig wiederbegegnen würden. Helena steht gerade im Brautjungfernkleid auf den Stufen einer Kirche, als Bob mit 15.000 Euro Diebesgut in der Tasche, mit denen er es nicht mehr rechtzeitig zur Bank geschafft hat, an ihr vorbeigeht. Aus einem gemeinsamen Nachmittag wird eine lange, schräg-magische Mittsommernacht, in der sie die gesamten 15.000 Euro auf den Kopf hauen, literweise Alkohol trinken, verschütten, verteilen und in einem Bondage-Club zu esoterischen Erkenntnissen kommen. „Statt Linearität hat dieses selbstironische ,play with songs‘ eine emotionale Logik, die Wiedererkennungslacher im Minutentakt beschert, ohne ins Sentimentale zu driften. Greig spielt federleicht mit den schweren Fragen, die man sich immer mal wieder im Leben stellen sollte. Brillant“, schreibt die Fachzeitschrift Theater heute.

DAS TAL DER AHNEN
Eine imaginäre Prärie mit Werken von Henry Purcell, Franz Kafka, Frank Zappa u.v.m.
Premiere: Mi. 17. Juni, 19.30 Uhr, Altes Postlager, Mombacher Str. 11-15
Musikalische Leitung: Paul-Johannes Kirschner, Dominik Fürstberger
Inszenierung: Niklaus Helbling
Ausstattung: Eugenia Leis
Video: Philipp Haupt
Mit: Maren Schwier, Katharina Uhland; Brett Carter, Dominik Fürstberger, Paul-Johannes Kirschner, Denis Larisch, Johannes Mayer
Weitere Spieltermine: 20., 23., 26., 27. und 30. Juni. sowie 1. Juli

EINE SOMMERNACHT
Von David Craig und Gordon Mclntyre
Premiere: Sa. 20. Juni, 20 Uhr, Innenhof Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51
Inszenierung: Marc Reisig
Ausstattung: Victoria Schrott, Lina Maria Stein
Mit: Maike Elena Schmidt; Daniel Mutlu
Weitere Spieltermine: 20., 21., 25., 26., 27. und 28. Juni, sowie 2., 3. und 4. Juli.

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