Sir Simon Rattle erstmals als designierter Chefdirigent zurück bei Chor und Symphonieorchester des BR

Sir Simon Rattle mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, am 31.01.2021 im Herkulessaal der Residenz. (© BR/Astrid Ackermann)

Was seine Repertoire-Neugierde betrifft, kennt Sir Simon Rattle keine Grenzen. Der lustvolle Einsatz für die Moderne ist für den charismatischen Briten, der am 6. und 12. März zum ersten Mal seit seiner Ernennung zum Chefdirigenten ab der Saison 2023/24 wieder beim Symphonieorchester und Chor des BR am Pult steht, ebenso selbstverständlich wie die Beschäftigung mit Alter Musik.

Mit Werken von Purcell, Haydn, Brahms, Strawinsky, Messiaen, Georg Friedrich Haas und einer Uraufführung von Ondřej Adámek demonstrieren die zwei musica viva-Konzerte am 6. März sowie das Programm am 12. März exemplarisch diese musikalische Vielseitigkeit. BR-KLASSIK überträgt alle drei Konzerte im Radio und im Video-Stream auf BR-KLASSIK Concert (br-klassik.de).

Zwei musica viva-Konzerte an einem Abend! Im ersten Programm am Samstag, den 6. März, um 18.00 Uhr dirigiert Sir Simon Rattle in der Philharmonie im Gasteig die Uraufführung von Ondřej Adámeks Komposition “Where are You?”, bei der die Mezzosopranistin Magdalena Kožená den Solopart übernimmt. In der ewigen großen Frage nach der Existenz Gottes berührt sich Adámeks Werk mit Messiaens “Et exspecto resurrectionem mortuorum” – einem ehernen Klangmonument des Vertrauens auf die christliche Verheißung der Auferstehung.

Als eines der “ersten großen Meisterwerke des 21. Jahrhunderts” und als ein Stück von “unvergleichlicher Klanglichkeit” bezeichnet Rattle Haasʼ “in vain”, das beim zweiten Konzert am Samstag, den 6. März, um 21.30 Uhr im Münchner Herkulessaal auf dem Programm steht. Das Werk spielt mit den Prinzipien von Werden und Vergehen, Licht und Dunkel, Illusion, Täuschung und Vergeblichkeit (“in vain”). Das Motiv der Vanitas schlägt den Bogen zum Barock und Purcells Begräbnismusik für die jung verstorbene Queen Mary II. aus dem Jahr 1695, in der der Chor des BR einen tragenden Part übernimmt.

Sir Simon Rattle:

“In diesen herausfordernden Zeiten müssen wir alle flexibel bleiben, denn einerseits müssen sich die Programme ändern, andererseits sollen sie weiterhin überzeugend sein und einem gewissen roten Faden folgen. Das erste Programm sollte ursprünglich Purcell, Adamek und Messiaen zusammenbringen: Die Trauermusik führte hin zu Adameks Reise zwischen Leben, Tod und anderen Welten, die wiederum zur Auferstehung überleitete, die im Messiaen erforscht wird. Jetzt verläuft die Reise anders: Purcells düsteres Meisterwerk aus dem 17. Jahrhundert bildet den Auftakt zu einem der ersten allgemein anerkannten Meisterwerke des 21. Jahrhunderts: Haas’ ‘in vain’, das mir immer so vorkommt, als würde es die Urmusik erkunden, die VOR dem Beginn des Rheingold gestanden haben könnte. Ungewöhnlich ist ‘in vain’ auch, weil es nicht nur die natürliche Harmoniefolge so gründlich auslotet, sondern auch, weil es teilweise komplett im Dunkeln gespielt wird – eine Herausforderung für uns alle, aber mit einer zutiefst bewegenden Wirkung.
Winrich Hopp, der Künstlerische Leiter der musica viva, hatte die Idee, bei dem großartigen tschechischen Komponisten Ondrej Adamek einen Liederzyklus für meine Frau, Magdalena Kozena, in Auftrag zu geben. Ondrej hat ein Werk vorgelegt, das psychologische und spirituelle Reisen zwischen verschiedenen Welten erforscht und dabei viele verschiedene Arten von Volksmusik und wild variierende Vokaltechniken verwendet. Es erscheint sowohl spannend als auch kraftvoll, und wir sind alle extrem neugierig, wie es tatsächlich klingt! Dass wir solche Programme an einem Tag in zwei Konzertsälen aufführen können, ist den Möglichkeiten Münchens, des BRSO und der stets experimentierfreudigen musica viva-Reihe zu verdanken.”

Sir Simon Rattle

BR-KLASSIK überträgt die musica viva-Konzerte live ab 18.00 Uhr und 21.30 Uhr im Video-Stream auf BR-KLASSIK Concert (br-klassik.de). Im Radio werden die Konzerte am 16. März 2021 (Konzert 1) und 23. März 2021 (Konzert 2) um 20.05 Uhr ausgestrahlt.

Programm mit Brahms, Strawinsky und Haydn

Am Freitag, den 12. März, um 20.30 Uhr ist Sir Simon ein weiteres Mal mit dem BRSO im Video-Stream und im Radio zu erleben. Besonders im Fokus stehen bei diesem Konzert die Bläser: litaneihaft streng in Strawinskys “Bläsersinfonien”, idyllisch und warm leuchtend in Brahmsʼ Zweiter Serenade. Für Haydn und dessen Sinn für musikalische Überraschungen hat Rattle ein besonderes Faible – mit der zündenden C-Dur-Symphonie Nr. 90 präsentieren er und das BRSO ein Musterbeispiel dieses Haydn’schen Esprits.

“Unser zweites Programm mit Brahms, Strawinsky und Haydn zeigt die typische Breite des Repertoires, die die DNA dieses großen Orchesters ausmacht. Interessanterweise wurde der Brahms seit den 1980er-Jahren nicht mehr vom BRSO gespielt, und die Haydn-Symphonie, eines seiner größten Werke, überhaupt noch nie. Eine Herausforderung der ganz anderen Art also, auf die ich mich sehr freue.”

Sir Simon Rattle

Alle Konzertübertragungen mit Sir Simon Rattle auf BR-KLASSIK im Überblick

Die Video-Streams sind nach dem Konzert unbegrenzt auf BR-KLASSIK Concert abrufbar.

Samstag, 6. März 2021, 18.00 Uhr
Video-Livestream aus der Philharmonie im Gasteig auf BR-KLASSIK Concert
Konzertabend im Radio: Dienstag, 16. März 2021, 20.05 Uhr

Ondřej Adámek: “Where are You?” für Mezzosopran und Orchester (Uraufführung)
Olivier Messiaen: “Et exspecto resurrectionem mortuorum” für Holz- und Blechbläser und Metallschlaginstrumente
Magdalena Kožená, Mezzosopran
Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Samstag, 6. März 2021, 21.30 Uhr
Video-Livestream aus dem Herkulessaal auf BR-KLASSIK Concert
Konzertabend im Radio: Dienstag, 23. März 2021, 20.05 Uhr

Henry Purcell: “Funeral Music for Queen Mary” für Chor und Instrumentalisten
Georg Friedrich Haas: “in vain” für 24 Instrumente
Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks
Zoro Babel, Lichtregie

Freitag, 12. März 2021, 20.30 Uhr
Videostream aus dem Herkulessaal auf BR-KLASSIK Concert und Übertragung auf BR-KLASSIK im Radio

Johannes Brahms: Serenade Nr. 2 A-Dur, op. 16
Igor Strawinsky: “Symphonies d’instruments à vents”
Joseph Haydn: Symphonie C-Dur, Hob. I:90