Sharon Kam veröffentlicht Album mit Musik von Paul Hindemith

© Orfeo/hr Sinfonieorchester

Die Klarinettistin Sharon Kam, das hr-Sinfonieorchester Frankfurt unter Daniel Cohen, die Violinistin Antje Weithaas, der Cellist Julian Steckel und der Pianist Enrico Pace teilen alle eine musikalische Leidenschaft: Die Musik von Paul Hindemith.

Für das Label ORFEO haben sie ein Hindemith-Album mit dem Klarinettenkonzert von 1947, dem Klarinettenquartett von 1938, sowie der Sonate für Klarinette und Klavier von 1939 aufgenommen.

Das Album erscheint am 05.11.2021.

Sharon Kam
Foto: Nancy Horowitz

FÜR JEMANDEN, DER MIT SEINER SEELE SPIELT

„Ausdrucksvoll, unterbewertet, wunderbar“ – das sind die drei Worte, mit denen die Klarinettistin Sharon Kam die Musik von Paul Hindemith spontan im Gespräch beschreibt. Sie verbindet viele Erinnerungen mit dieser Musik: „Ich habe Hindemith schon als Kind häufig gehört. Meine Mutter, eine Bratschistin, spielte und hörte ihn oft – er selbst war auch Bratscher und komponierte viel für dieses Instrument. Seine Musik faszinierte mich immer und seine musikalische Sprache berührt mich sehr.“ So ist es seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit für Sharon Kam, die Musik Hindemiths nicht nur live im Konzert zu spielen, sondern auch endlich einmal im Studio aufzunehmen. Das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Daniel Cohen teilt ihr Interesse an Hindemith, sagt sie, und so wählte sie das Ensemble ganz bewusst aus, um mit ihm das Klarinettenkonzert aufzunehmen, im Wissen, „dass sie das Stück fantastisch spielen werden.“ Paul Hindemith wurde 1895 in Hanau geboren und 1963 im nur knapp 20 Kilometer entfernten Frankfurt beerdigt. In Frankfurt ausgebildet, wurde er im Jahr 1915 Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters. So ist es kein Zufall, dass gerade das hr-Sinfonieorchester sich mit seiner Musik eng verbunden fühlt.

Sein Klarinettenkonzert aus dem Jahr 1947 schrieb er allerdings schon im US-Exil und widmete es keinem Geringeren als dem Jazz-Klarinettisten Benny Goodman. „Es ist vor allem das Gespräch zwischen der Klarinette und dem Orchester, das mich immer wieder begeistert“, sagt Sharon Kam über das Stück. „Es beinhaltet alle Ausdrucksmöglichkeiten, ist wunderbar für mein Instrument komponiert und meisterhaft orchestriert. Hindemith wollte sich in Amerika als Komponist etablieren und hat es geschafft ein vollkommenes Stück für Benny Goodman, der damals auch als klassischer Klarinettist einen großen Namen hatte, zu schreiben. Im Stück sind keine Jazz-Elemente zu finden, trotzdem bemerkt man, dass es für einen Meister des Instrumentes geschrieben ist, für jemanden, der mit seiner Seele spielt.“

Auch für das Quartett aus dem Jahr 1938 und die Sonate für Klarinette und Klavier von 1939 sammelte Sharon Kam Hindemith-Liebhaber und enge Freunde um sich. Mit dem Pianisten Enrico Pace spielt sie schon seit Jahren Hindemiths Sonate auf Konzerten und auch mit der Violinistin Antje Weithaas, sowie mit dem Cellisten Julian Steckel, ist Sharon Kam seit vielen Jahren befreundet: „Mit Antje Weithaas habe ich das Quartett schon vor 10 Jahre auf Tournee gespielt. Mit Enrico und Julian habe ich ein gemeinsames Trio. Also war es für mich ganz klar, dass es diese Besetzung sein muss!“

Das Jahr 1938 war für Paul Hindemith ein sehr Einschneidendes. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten emigrierte er zunächst in die Schweiz, später in die USA. Dieses Ereignis spüre man deutlich in seinem Quartett, sagt Sharon Kam. „Es sind keine lustigen Momente darin. Es wirkt wie ein wunderbares, großes Meisterwerk. Sehr melancholisch, überlegt und ernst.“ Dazu steht die Sonate für Klavier und Klarinette, die nur ein Jahr später entstanden ist, schon fast im Gegensatz. Hier kann die Klarinettistin alle Farben und Nuancen ihres Instruments, von der Tiefe bis in die hohen Lagen, von langsam bis fröhlich-schnell komplett aus-kosten. Ein Fest für die Klarinette!

„Ich wünsche mir viel mehr von Hindemith im normalem Konzertbetrieb“, schwärmt Sharon Kam, „Seine Musik sollte zum Kernrepertoire der Klassik gehören. Er hat eine wunderbare Klangsprache und viele seiner Stücke sind fantastisch. Alle drei Werke dieser Aufnahme gehören für mich auf jeden Fall dazu.“


HINDEMITH

Sharon Kam – Klarinette
hr-Sinfonieorchester
Daniel Cohen – Leitung
Antje Weithaas – Violine
Julian Steckel – Cello
Enrico Pace – Klavier

Paul Hindemith (1895-1963)

Konzert für Klarinette und Orchester (1947)
Quartett für Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier (1938)
Sonate für Klarinette und Klavier (1939)

1 CD • C210041
Label: Orfeo
Vertrieb: Naxos Deutschland
Im Handel ab: 05.11.2021

Sharon Kam: sharonkam.de / hr-Sinfoneorchester: hr-sinfonieorchester.de