Semperoper Ballett: Premierenabend »Labyrinth« feiert Ikonen des Modern Dance

Die Dresdner Semperoper (© Matthias Creutziger)

Premiere des vierteiligen Ballettabends »Labyrinth« am 3. November 2018 – mit Stücken von George Balanchine, Martha Graham, Ohad Naharin und einer choreografischen Uraufführung von Joseph Hernandez

Dresden. 26. Oktober 2018. Unter dem Titel »Labyrinth« präsentiert das Semperoper Ballett vier bedeutende, von der School of American Ballett beeinflusste Choreografen, deren Konzeptionen maßgeblich für die Befreiung des modernen Tanzes von traditionell klassischen Ballettvorstellungen stehen. Die vier von Ballettdirektor Aaron S. Watkin zusammengestellten Stücke widmen sich allesamt auf ihre Weise inhaltlich den Irrwegen der menschlichen Psyche; die Quadrologie – ausgehend von den beiden Koryphäen der Ballettgeschichte, George Balanchine und Martha Graham – gipfelt in der Uraufführung von Joseph Hernandez’ Choreografie »Song for a Siren« und lässt die Revolutionierung des zeitgenössischen Tanzes seit den 1940er Jahren bis heute nachvollziehen. 

Der Abend eröffnet mit »Die vier Temperamente« des als Begründer des neoklassischen Tanzes geltenden Georges Balanchine. Seine Arbeiten prägten in der Reduktion von Dekor und Handlungssujet wechselseitig sowohl die amerikanische wie europäische Ballettentwicklung nachhaltig. Bereits bei der New Yorker Premiere vor fast genau 72 Jahren wurde das Stück als Meilenstein des modernen Balletts und als bahnbrechend für die Neufindung des klassischen Balletts erkannt: Kraftvoll, bizarr und den Tanzstil des Musicals zitierend, visualisiert »Four Temptations« – basierend auf der mittelalterlichen Theorie der vier elementaren Charaktere in der menschlichen Natur – auf ekstatische Weise die 1940 in Auftrag gegebene Komposition Paul Hindemiths. Während Hindemiths Musik den Dialog zwischen Klavier und Geigen fordert, entzieht sich Balanchines Choreografie jeglicher Programmatik: Der Tanz antwortet auf die Musik mit einer aus kristallinen Momenten bestehenden Folge wechselnder Soli und Ensembles, die in leidenschaftlich über die Bühne fliegenden Paarkonstellationen gipfelt.

Anschließend führt Martha Graham in den Irrgarten menschlicher Leidenschaften mit dem 1947 entstandenen Tanzstück »Errand into the Maze«. Die Grand Dame des Modern Dance fokussiert das Thema des antiken Mythos vom stierköpfigen Minotaurus auf die Rolle der Ariadne, der Hüterin des Minoischen Labyrinths. Ihre Choreografie beschreibt den furchteinflößenden Weg durch die Dunkelheit als Reise zum Frausein, die Konfrontation mit dem gehörnten Monster als Erwachen der weiblichen Sexualität vor der inkarnierten männlichen Lust. Der sich visuell auf den Ausdruck konzentrierende Kampf der Protagonistin mit den eigenen Dämonen gilt als das wohl populärste Stück Martha Grahams. Basierend auf einem Gedicht von Ben Belitt und musikalisch übersetzt von Gian Carlo Menotti, feierte das Ballett  1947 mit der Choreografin als Ariadne im New Yorker Ziegfeld Theatre seine Premiere und gehört heute zum festen Repertoire der »Martha Graham Dance Company«.

Aus der Schule Martha Grahams hervorgegangen ist auch der israelische Künstler und Hauschoreograf der Batsheva Dance Company, Ohad Naharin, dessen 1985 uraufgeführte Arbeit »Black Milk« programmatisch anschließt. Ursprünglich für ein Frauen-Quintett konzipiert, steigert die ausdrucksvolle Neufassung von 1991 für fünf Tänzer den rauen, archaischen Aspekt des von Energie durchdrungenen Stückes. Marimba-Solist Paul Smadbeck komponierte die Musik für zwei Marimbaphone, welche in der raschen Gegenüberstellung der Tempi und Texturen die Protagonisten in diesem dicht strukturierten Werk bis an die Grenzen ihrer körperlichen Fähigkeiten fordert.

Mit der Uraufführung von Joseph Hernandez’ neuer Choreografie »Songs for a Siren« schließt das Programm. Nach seiner Ausbildung an der School of American Ballet führten die einzelnen Stationen seiner Karriere den Tänzer und Choreografen unter anderem nach New York, Antwerpen und Monte Carlo sowie auch nach Hellerau und Dresden, wo der US-Amerikaner zurzeit lebt. Seine aktuelle Neukreation, für die der amerikanische Komponist Barret Anspach die Musik als Auftragsarbeit schuf, lässt die choreografierte Reise durch das Labyrinth im utopischen Raum und im Jetzt enden.   

Es tanzt das Semperoper Ballett. Es spielt die Sächsische Staatskapelle Dresden unter der Musikalischen Leitung von Nathan Fifield.

Semperoper Ballett: Premiere »Labyrinth« am Samstag 3. November 2018 (in der Semperoper Dresden)
Werkeinführung (kostenlos): 45 Minuten vor Beginn der Vorstellung (im Opernkeller)

Besetzungen:

Die vier Temperamente

Choreografie: George Balanchine
Musik: Paul Hindemith
Kostüme: Frauke Schernau
Licht: Fabio Antoci
Einstudierung: Nanette Glushak

Errand into the Maze

Choreografie und Kostüme: Martha Graham
Musik: Gian Carlo Menotti
Bühnenbild: Isamu Noguchi
Licht: Jean Rosenthal
Adaption Licht: Beverly Emmons
Einstudierung: Blakeley White-McGuire Blakeley White-McGuire, Ben Schultz, Denis Vale

Black Milk

Choreografie: Ohad Naharin
Musik: Paul Smadbeck
Kostüme: Rakefet Levy
Licht: Avi Yona Bueno (Bambi)
Einstudierung: Shahar Biniamini

Songs For a Siren

Choreografie: Joseph Hernandez
Musik: Barret Anspach
Bühnenbild und Kostüme: Yannick Cosso, Jordan Pallagès
Licht: Christoph Schmädicke
Dramaturgie: Juliane Schunke
Musikalische Leitung: Nathan Fifield

Semperoper Ballett
Sächsische Staatskapelle Dresden

Projekt Partner:
Sparkassen-Finanzgruppe Sachsen
Ostsächsische Sparkasse Dresden
Sparkassen-Versicherung Sachsen
LBBW – Landesbank Baden-Württemberg

www.semperoper.de