Schlussbilanz der Burgfestspiele Bad Vilbel 2022

Das Team der Burgfestspiele 2022 (© Eugen Sommer)

Auf einer Pressekonferenz zogen die Burgfestspiele Bad Vilbel jetzt eine Bilanz zur abgelaufenen Spielzeit. Der Bad Vilbeler Bürgermeister Sebastian Wysocki war offensichtlich begeistert von seiner ersten Festspielzeit in diesem Amt. Überzeugend waren in seinen Augen der gesamte Spielplan, die Inszenierungen in ihrer Qualität, das gesamte Umfeld inklusive dem gastronomischen Angebot und bevor er das Wort an den Intendanten, Claus-Günther Kunzmann, weitergab, dankte er dem gesamten Team. Viele Mitwirkende seien nicht zu sehen, jedoch unverzichtbar, um die Burgfestspiele durchführen zu können.

Claus-Günther Kunzmann nahm den Ball gern auf. Knapp 100.000 Gäste seien es geworden, auf Nachfrage schickte er die Zahl „99.000 und ein paar gequetschte“ hinterher. Rückblickend wies er auf die Schwierigkeiten im Herbst 2021 hin. „Was wussten wir denn im Herbst, wie die Zukunft aussehen würde?“ Jetzt könnten die klugen Einwände kommen, das könne man nie wissen. Aber im Herbst 2021 stand der dritte Coronawinter vor der Türe. Eine Planung gestaltete sich durch die zusätzlichen Unbekannten einfach schwieriger. So nahm Kunzmann von vornherein Rücksicht und verzichtete auf das dritte Stück für Kinder auf der Burghofbühne sowie eine weitere Inszenierung im Theaterkeller.

Überraschend mehr Zuschauer als erwartet

Die Inszenierungen

Die Musicalproduktion „Sister Act“ hatte sowohl 2021 als auch 2022 eine 100-Prozent-Auslastung. Christian H. Voss, langjähriger Regisseur bei den Burgfestspielen, zeichnet damit und mit seiner Musicalproduktion für die ganze Familie, „Das Dschungelbuch“, für die beiden erfolgreichsten Inszenierungen der Burgfestspiele verantwortlich.

Das Schauspiel „Mord im Orientexpress“ nach Agatha Christies Kriminalroman wurde in Bad Vilbel überhaupt das zweite Mal auf eine deutschsprachige Bühne gebracht, die Bühnenfassung mit Hercule Poirot als Hauptfigur steht erst seit 2019 zur Verfügung. Adelheid Müther, auch sie eine seit 2011 in Vilbel agierende Regisseurin, konnte mit ihrer Inszenierung das Publikum begeistern.

Shakespeares „Viel Lärm um nichts“, in der Regie von Milena Paulovics, zog das Publikum in den Bann des Theatermachers und Komödienschreibers. Dem Publikum gefiel die leichtfüßige und ironische Mischung von adeliger Überheblichkeit, vom Spiel um Schein und Sein und augenzwinkernden Szenen, in denen es auch um das Sichtbarmachen davon, wie Theatervorgänge funktionieren, geht.

Ebenso punktete das musikalische Theaterstück „Ewig jung“ beim Publikum.

Die noch im Herbst 2021 geäußerte Skepsis, ob es wieder Schul- und Kita-Ausflüge geben könnte, wurde bei beiden Stücken in der Sparte „Theater für Kinder“ (Robin Hood und Das Dschungelbuch) dann doch widerlegt. Mit der Heldengeschichte um „Robin Hood“, dem Schauspiel für alle ab 5 Jahren, konnte Regisseurin Kirsten Uttendorf wieder einmal sowohl das Publikum aus Schulen und Kitas wie auch ganze Familien an den Vorstellungen am Wochenende begeistern.

Hingegen zeigte sich der Intendant ein wenig enttäuscht von dem Zuspruch für die Wiederaufnahme von „Die Comedian Harmonists“. Nachdem für die wunderbar stimmige Arbeit von Regisseur Ulrich Cyran im vergangenen Jahr einige Kartenwünsche nicht erfüllt werden konnten, hatte er die Inszenierung erneut auf den Spielplan gesetzt.

Im Theaterkeller erfreuten sich beide Inszenierungen großer Beliebtheit. Drei Schauspieler, zwei Inszenierungen von den beiden Regisseuren Stephan Bestier („Das Abschiedsdinner“) und Ulrich Cyran („Die Therapie“) blieben von Corona unbehelligt und trugen mit 52 Vorstellungen zur guten Bilanz der Festspiele bei.

Das Gastspielprogramm

Leider blieb das Gastspielprogramm etwas hinter den Erwartungen zurück. Doch es bleibe müßig, über Gründe hierüber zu spekulieren. Vielleicht seien die eigenen Produktionen einfach attraktiver gewesen. Zudem musste Vicky Leandros wegen ihrer Coronaerkrankung die bereits ausverkaufte Vorstellung kurzfristig absagen.

Glücksfälle

Die Burgfestspiele hatten Glück mit dem Wetter (auch wenn das Balou, der Bär im Fellmantel, dies in den Nachmittagsvorstellungen nicht immer unterstreichen würde). Ebenso, so der Intendant, sei er sehr zufrieden, dass alle Arbeitsplätze im Bereich der Technik, der Maske und der Schneiderei besetzt werden konnten. Im Gespräch mit den Kolleg*innen der anderen Festspielorte war die Besetzung bzw. Nichtbesetzung von Stellen hinter der Bühne ein leidiges und wiederkehrendes Thema.

Ende gut, alles gut?

Doch Claus Kunzmann erzählte auch noch andere Geschichten von der Spielzeit. Corona habe keineswegs einen Bogen um die Burg gemacht. Fatal sei gewesen, so der Intendant, dass eine Coronaerkrankung mindestens fünf bis sieben Tage Ausfall des Betroffenen nach sich gezogen habe. So fiel eine Vorstellung vom Dschungelbuch aus und eine von Ewig Jung. Drei Abstecher mit Sister Act konnten nicht stattfinden, eine Vorstellung der Comedian Harmonists konnte in Eppstein nicht gegeben werden. Alle anderen Vorstellungen konnten gespielt werden, indem das Ensemble füreinander einsprang. So oft wie nie gab es Umbesetzungsproben, musikalische Zusatzproben; die Abteilungen der Schneiderei und der Maske mussten Kostüm, Frisuren, Haarteile und Schminke etc. neu anpassen, insbesondere die Änderung bei den Choreographien im Musicalbereich machten schweißtreibende Extraproben für alle notwendig.

Beispielhaft sei die Figur der Schlange KAA erwähnt: Sonja Herrmann erkrankte, Ruth Fuchs aus dem Musicalensemble konnte, da sie im vergangenen Jahr in der Produktion dabei war, übernehmen, doch erkrankte sie dann selbst und die Schlange Kaa wurde von der erfahrenen Regieassistentin Sonja Geiger gespielt. Gleichzeitig fiel der Tiger Shere Khan aus, hier sprang eine Darstellerin von außerhalb ein, die den Tiger im vergangenen Jahr gespielt hatte und zum Glück ein paar Tage Zeit hatte.

Keine Inszenierung blieb verschont, denn mit einer Erkrankung wurden sofort zwei Inszenierungen in Mitleidenschaft gezogen. „Mord im Orientexpress“, „Viel Lärm um nichts“ und „Robin Hood“ konnten über knapp zwei Wochen hinweg nicht in der Originalbesetzung spielen; in den Musicals „Sister Act“ und „Das Dschungelbuch“ mussten kurzfristige Umbesetzungen erarbeitet werden. Für „Ewig jung“ konnte eine Umbesetzung innerhalb weniger Tage nicht durchgeführt werden, dafür sind die Figuren zu skurril und eigenwillig von den einzelnen Schauspielern angelegt.

Kopfschüttelnd bemerkte Claus Kunzmann, dass er noch nie so viele Ansagen vor den Vorstellungen machen musste wie in dieser Spielzeit. Sein Dank gilt dem verständnisvollen Publikum, das die einspringenden Kolleg*innen dann auch gern mit Extraapplaus bedacht hätten.

Das Ensemble

Mit großem Engagement bei den wochenlangen Proben, einer hohen Spielfreude und einem untereinander sehr hoch ausgeprägtem Vertrauen war die gegenseitige Unterstützung groß. In den Notsituationen wurde von heute auf morgen die Rolle der erkrankten Kolleg*innen übernommen und jeder Einspringer konnte sich der Zuwendung des gesamten Ensembles sicher sein. In großer Harmonie und Eintracht standen alle, Ensemble wie die Teams hinter der Bühne, dafür ein, dass möglichst kein Zuschauer, keine Zuschauerin nach Hause geschickt werden musste. Claus Kunzmann kommt förmlich ins Schwärmen, wenn er von diesem Zusammenhalt des
diesjährigen Ensembles spricht.

Das Publikum und seine Treue

Ebenfalls kamen Bürgermeister Wysocki und Intendant Claus Kunzmann noch einmal auf die große Publikumstreue zu sprechen und freuten sich einfach darüber, dass das Gesamtpaket „Ein Abend in der Burg“ so gut angenommen wird. Ablesbar ist dies auch an dem ausgesprochen guten Besuch der Gastronomie, so viele Tischvorbestellungen und die hohe Anzahl der ausgegebenen Essen zeigten dies; auch eine längere Verweildauer der Gäste auf dem Festspielgelände war deutlich zu bemerken.

Der Abbau und die Vorbereitung

Das Pressegespräch zur Schlussbilanz fand in der Burg statt, doch war von der Tribüne bereits nur noch die Hälfte zu sehen, fleißige Hände und viele Akkuschrauber lösten bereits Plane um Plane, die Stühle waren bereits verstaut, die Schirme zusammengefaltet; Ton- und Lichttechnik bauten sorgfältig Scheinwerfer um Scheinwerfer, Lautsprecher um Lautsprecher ab, der Elektriker barg die Kabel: Alles geht in die Überwinterung, auf dass das Material in knapp sieben Monaten wieder aufgestellt werden kann für die Spielzeit 2023.

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