Schlussbilanz 2018 der Burgfestspiele Bad Vilbel: Über 102 000 Zuschauer

Maria ihm schmeckts nicht ~ Burgfestspiele Bad Vilbel: Ensemble (© Eugen Sommer)

Standing Ovations und ein Lichtermeer für die zum wiederholten Male besucherstärksten Festspiele in Hessen!

731 Knicklichter schwangen am Ende der letzten großen Vorstellung im Takt bei der gefühlvollen Zugabe durch das wunderbare Ensemble von „Maria, ihm schmeckt’s nicht“. Eine gelungene Überraschung für alle auf der Bühne, ein verdientes Dankeschön für die 20 Vorstellungen dieser Inszenierung.*

Trotzdem: Seit knapp zwei Wochen legte sich ein leichter Hauch der Melancholie über die Abende bei den Mitwirkenden vor und hinter der Bühne, die ersten DarstellerInnen waren ‚abgespielt‘ und verabschiedeten sich von den Burgfestspielen.

Vorgestern, am Sonntag, dem 9.9.2018, waren es drei Dernièren auf einen Schlag: Auf der Burghofbühne um 12 Uhr die Familienvorstellung „Hänsel und Gretel“, um 18.15 Uhr begann die seit Wochen ausverkaufte Vorstellung von „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ und im Theaterkeller reiste zum letzten Mal Opa Amandus mit „Honig im Kopf“ nach Venedig – sein Applaus besiegelte das endgültige Aus der Spielzeit 2018.

In diesen beiden letzten Wochen gaben die Burgfestspiele noch einmal alles:
Im Schauspiel schaffte die umjubelte Inszenierung „Die Nibelungen“ in der Regie von Milena Paulovics es jedes Mal, die Spannung um Kriemhilds Schicksal so weit zu treiben, dass man in der Burg eine Stecknadel hätte fallen hören können, in der Komödie „Außer Kontrolle“ begann das Glucksen im Publikum bereits nach wenigen Minuten und die Heiterkeit in verschiedenen Frequenzen hörte bis zum Ende der Inszenierung von Adelheid Müther nimmer auf; zählt man Oper und Musical gleichermaßen zum Musiktheater, so zeigt sich die Burg nach wie vor als ‚mittleres‘ Stadttheater, von Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“, inszeniert von Benedikt Borrmann als Oper für die ganze Familie und dem unterhaltsamen Musical „Ein Käfig voller Narren“, das wie nebenbei als Lehrstück über Toleranz gilt, ebenso von Benedikt Borrmann in Szene gesetzt, reicht die Bandbreite; die o.g. Inszenierung „Maria, ihm schmeckt’s nicht“, ist als Schauspiel mit viel Musik annonciert, doch lässt der Regisseur Christian H. Voss die Kategorisierungen einfach hinter sich. Eine Geschichte, weit mehr als ein roter Faden, die exakt an Erzählung und Figuren angepassten Songs, ein überaus spiel- und tanzfreudiges Ensemble zogen …!

Einem so starken Bild von einer Figur wie Pippi Langstrumpf konnte Kirsten Uttendorfs Inszenierung mit ihrem Ensemble und der Neuinterpretation einer Villa Kunterbunt genau die richtigen Bilder entgegensetzen. Bei Peter Pan war es der Zusammenklang der Figuren mit der eigens für die Burg komponierten Lieder – das Team um Christian H. Voss arbeitet seit Jahren äußerst erfolgreich miteinander, damit die Kinder am Ende über die Rückkehr von Wendy und ihren Brüdern nach Hause von Herzen jubeln können.


Dass sich die DarstellerInnen der Sparte „Theater für Kinder“ dann auch noch an den langen Tisch begeben, um ihre Unterschrift auf die ihnen entgegengehaltenen Programmplakate oder Eintrittskarten zu setzen – das ist jedes Mal herzerwärmend für uns, die wir die Kinder dabei beobachten dürfen.

Im Theaterkeller kamen drei Inszenierungen zur Geltung, die unterschiedlicher kaum sein können, aber jede auf ihre Art bei den ZuschauerInnen punkten konnte.
Die Wiederaufnahme des „Tagebuch der Anne Frank“ richtete sich sowohl an Schulen, wenn es vormittags gespielt wurde, als auch an ‚Normalbesucher‘, wenn es abends auf dem Spielplan stand.
Für „Honig im Kopf“ galt es für die Regisseurin Mascha Pitz die Bühnenfassung eines Drehbuchs, d.h. einer filmischen Herangehensweise, umzusetzen, für ‚Der Gott des Gemetzels‘ hingegen gab es eine herausragende Vorlage der französischen Bühnenautorin Yasmine Reza, die der Regisseur Ulrich Cyran lustvoll darbot. Beide Vorlagen erzählen auf ihre Weise jeweils eine gute Geschichte mit Figuren, die man zu kennen glaubt oder sich doch zumindest gut vorstellen kann.

Dass die Wiederaufnahme der Produktion „Ziemlich beste Freunde“ in der Regie von Mascha Pitz ihre zahlreichen Freunde im Publikum gefunden hat, galt zwar als ausgemacht, dennoch weiß man das im Voraus nie so genau, freut sich dann aber um so mehr über die noch im Sommer 2017 getroffene Entscheidung, diese wieder in den Spielplan 2018 aufzunehmen.

Zusammenfassend
Intendant Claus-Günther Kunzmann und Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr danken von Herzen allen Mitwirkenden der Burgfestspiele. Regisseuren und ihrem jeweiligen Team für die Ausstattung der Bühne, die Choreographien, die Kostüme und/oder die jeweils sehr spezifischen Erfordernisse. Hier mag es der Schuh als Showtreppe sein, dort sind es die vielen Requisiten, hier sind es die Tische, die ins Rollen gebracht werden müssen, dort verändert sich das System des Kartenabreißens … Alle Mitwirkende hinter der Bühne, die weit im Vorfeld für die Burgfestspiele tätig sind und alle, die dafür sorgen, dass die über 230 Vorstellungen geräuscharm und störungsfrei ablaufen können, dienen den Burgfestspielen und allen gebührt der Dank der Stadt!

Intendant Claus-Günther Kunzmann freute sich, dass er nunmehr seine 32. Spielzeit gemeinsam mit den Burgfestspielen Bad Vilbel begehen konnte und dass er seit 20 Jahren als Intendant die Spielpläne verantwortet. Bürgermeister Dr. Stöhr bekennt sich dazu, die Planung der Theaterwerkstätten in Dortelweil für die notwendige Verbesserung der Proben und des Bühnenbildbaus nicht aus den Augen zu verlieren.

„Oft sind es die kaum wahrzunehmenden Kleinigkeiten, die auch zum Erfolg der Burgfestspiele beitragen. Der Aufenthalt in und um die Burg ist auch deshalb wichtig, dass das Publikum vollkommen entspannt der Darbietung folgen kann. So werden z. B. im Gastronomiebereich Stehtische angeschraubt, an den Treppen gibt es fluoreszierende Stolpermarkierungen, die Bühnenbilder werden sicherer durch bessere Halterungen. Im Winter steht die Modernisierung des Kartenbüros an, das Mauerwerk der alten Dame Burg wird weiter saniert, der Burggraben muss schöner gemacht werden und dgl. mehr. Die Burg lädt dazu ein, spannendes und unterhaltsames Theater zu erleben und präsentiert sich als Ort einer Kultur, die viele miteinander ins Gespräch bringt. So soll Theater sein.“ merkte der Intendant abschließend an.


*Exkurs:
Tippetoppe sagt Antonio aus „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ zu allem, was ihm außerordentlich gut gefällt. Die leuchtende Idee zum Abschluss war genau das: „tippetoppe“.
Zur Zugabe forderten die Menschen am Technikpult über eine vom Bühnendach heruntergelassene Leinwand die BesucherInnen auf, unter die Sitze zu greifen und eine Knickleuchte herauszuholen. Keiner aus dem Ensemble wusste dies vorher, dass damit der emotionalste Moment der Spielzeit besiegelt war, ist selbstverständlich. Was indes ebenfalls sichtbar wird, ist der gute Zusammenhalt des gesamten Burgfestspielteams! Denn die Idee war geboren, die Knickleuchten bestellt und vorhanden, doch mussten sie ungesehen unter die Sitze geklebt werden – die leisen und fleißigen HelferInnen fanden sich schnell und so gelang die Überraschung eines bunten und stimmungsvollen Bildes eines im Takt wogenden ‚Lichtermeeres’. )

Zu den Zahlen:
Das Ziel, über 100 000 Besucher zu kommen, wurde erreicht. Gezählt wurden insgesamt 102 598.

Im Schauspiel Außer Kontrolle (gut 11.000); Die Nibelungen (knapp 5.000), Ziemlich beste Freunde (5.500) im Musiktheater Ein Käfig voller Narren (gut 16.000), Maria, ihm schmeckt’s nicht (14.600), … für Kinder und die ganze Familie (insgesamt 36 749), Hänsel und Gretel (fast 5500), Peter Pan knapp 14800, Pippi Langstrumpf über 18.500) … im Theaterkeller und diversen Zusatzveranstaltungen insgesamt 4.367. Das Gastspielprogramm abends und sonntags um 12 wurde von genau 9.225 Gästen besucht.
So war die Spielzeit 2018 einfach … tippetoppe!

www.kultur-bad-vilbel.de