Schauspiel Stuttgart & Literaturarchiv Marbach: Lyriktelefon mit Fauser und Lasker-Schüler ab 1. März

LYRIKTELEFON ~ Katharina Hauter ~ Schauspiel Stuttgart ~ Foto: Björn Klein

Jörg Fauser, 1944 geboren, gilt als Enfant terrible, Pionier der deutschen Beat-Literatur, unbeirrbarer Reporter und begnadeter Kolumnist. 1987 – in der Zeit seiner größten literarischen Erfolge – verunglückte er unter ungeklärten Umständen tödlich bei München auf der Autobahn: offenbar war er dort zu Fuß unterwegs. Sein rätselhafter Tod trug mit dazu bei, dass Fauser zum Mythos wurde.

Zu denjenigen, die sich auf Fauser berufen und immer wieder ihn hinweisen gehören Friedrich Ani, Benjamin von Stuckrad-Barre und Michael Köhlmeier. Die meisten von Jörg Fausers Gedichten scheinen direkt auf der Straße, in Bars, in guten und sehr schlechten Hotels geschrieben worden zu sein. Ihr Ton ist rau und direkt, die Sujets sind mitunter obszön. Selten nimmt Fauser ein Blatt vor den Mund, und Tabus scheinen nur dazu da, sie hinter sich zu lassen. Manchmal klingt Fauser aber auch so zärtlich und verletzlich wie nur wenige Lyriker seiner Generation. Und dann wundert man sich nicht, dass Else Lasker-Schüler seine Lieblingsdichterin war.

Heute ist die überragende Bedeutung von Else Lasker-Schüler fast unumstritten. 1869 wurde die Dichterin und Dramatikerin im heutigen Wuppertal geboren. Zu ihren Bewunderern und Freunden zählten Karl Kraus, Franz Marc und Gottfried Benn. In der Weimarer Republik galt sie als Institution, und 1932 wurde ihr der renommierte Kleistpreis verliehen. Als Jüdin musste Else Lasker-Schüler 1933 in die Schweiz fliehen. Von dort reiste sie wiederholt nach Palästina. 1945 starb sie in Jerusalem. 1967 schrieb der 23-jährige Jörg Fauser über Else Lasker-Schüler einen seiner ersten größeren Essays. Dort heißt es: „Ihr Mythos lässt sich so schwer in Fakten eines bürgerlichen Lebens übertragen wie eine orientalische Legende. Die Chronisten haben es schwer mit ihr, die sogar, als sie einen wesentlich jüngeren Mann heiratete, den Schriftsteller Herwarth Walden (ein Name, den sie ihm gab und unter dem er bekannt wurde), ihr Geburtsjahr neun Jahre vordatierte und so, als man ihren 50. Geburtstag feierte, schon fast 60 war. […] Die Durchdringung ihres Lebens mit ihrer Poesie bis zu jener Vollendung, in der eins mit dem anderen unauslöslich verbunden ist, macht – abgesehen von der Gewalt ihrer poetischen Sprache, der Tiefe und der Weite ihrer Imagination, der klassischen Einfachheit ihrer Form – heute so sehr wie eh und je die Faszination ihrer Gestalt und Dichtung aus.“

Der Nachlass von Jörg Fauser und ein bedeutender Teilnachlass von Else Lasker-Schüler befinden sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach a. N. – Im Literaturmuseum der Moderne wird nach dem Lockdown auch weiterhin die Ausstellung „Planet Motzstraße. Else Lasker-Schülers Lebenszeichen aus Berlin“ (dla-marbach.de) mit bislang unbekannten Briefen, Postkarten und Zeichnungen zu sehen sein.

Lyriktelefon Folge 6: Jörg Fausner und Else Lasker-Schüler

1. bis 19. März 2021

Eine Kooperation des Schauspiels Stuttgart mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach

Montag bis Freitag, 17:00 bis 19:00
Terminbuchung unter schauspiel-stuttgart.de (neue Termine werden sukzessive freigeschaltet)

Am Telefon: Boris Burgstaller, Gabriele Hintermaier, Reinhard Mahlberg, Klaus Rodewald, Anke Schubert und Michael Stiller

Über Spenden freut sich weiterhin die Künstler*innen Soforthilfe Stuttgart (kuenstlersoforthilfe-stuttgart.de).