Schauspiel Frankfurt zeigt ab 9. Oktober 2020 »Andorra« von Max Frisch

Schauspiel Frankfurt (© Birgit Hupfeld)

Er sei feige, sagen einige. Gefühllos, andere. Geldgierig. Geil. Warum? »Weil ich Jud bin«, sagt Andri. Aber eigentlich haben die Bürger_innen des Zwergenstaates Andorra gar nichts gegen ihn. Beim Wirt arbeitet er als Küchenjunge. Beim Tischler im Verkauf. Der Lehrer hat ihn bei sich aufgenommen wie einen Sohn. Die Lehrertochter Barblin heiraten, das darf Andri nicht – weil es nicht geht, sagt der Lehrer. Aber sonst ist Andri wie einer von ihnen. Fast. Dann, über Nacht, fallen die Schwarzen ins Land. Treiben die Andorraner zusammen zur Judenschau. Wer keiner ist, hat nichts zu befürchten. Nur der Jude ist dran. Und der Lehrer, in seiner Angst, sagt allen die Wahrheit: Andri ist sein leiblicher Sohn, der Halbbruder Barblins. Andri ist kein Jude. Spielt das eine Rolle? »Plötzlich bist du so, wie sie sagen«, sagt Andri. »Das ist das Böse.« Max Frischs berühmte Parabel handelt vom Judenhass als Alltäglichkeit. Sie zeigt die Mechanismen der Ausgrenzung und Dehumanisierung, die am Anfang aller Gewalt stehen. Damit ist das Stück heute von bestürzender Aktualität.


Andorra

Stück in zwölf Bildern

Von: Max Frisch
Uraufführung: 2. November 1961 (Zürich, Schauspielhaus)
Deutsche Erstaufführungen: 20. Januar 1962 (Düsseldorf, Schauspielhaus; Frankfurt, Schauspiel Frankfurt; München, Münchner Kammerspiele)

Premiere am Schauspiel Frankfurt: 9. Oktober 20 (Großes Haus)

Regie: David Bösch
Bühne: Patrick Bannwart
Kostüme und Video: Falko Herold
Dramaturgie: Alexander Leiffheidt

Mit: Isaak Dentler, Christina Geiße, Stefan Graf, Sarah Grunert, Nils Kreutinger, André Meyer, Sebastian Reiß, Peter Schröder, Michael Schütz, Jonathan Lutz

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