Schauspiel Frankfurt Digital im Februar

Schauspiel Frankfurt (© Birgit Hupfeld)

Seit der Einstellung des Spielbetriebes im November entstehen am Schauspiel Frankfurt digitale Formate wie Kurzfilme, Mitschnitte mit Einblicken in aktuelle Inszenierungen, Podcasts oder Livestreams, die unter der Rubrik »Schauspiel Frankfurt Digital« seit Januar 2021 zu sehen und zu hören sind. Im Februar wird der digitale Spielplan um folgende Formate ergänzt:

Eröffnungsveranstaltung der 10. Frankfurter Positionen

Montag, 1. Februar ab 19.00 Uhr

Das Festival für neue Werke, die 10. Frankfurter Positionen, starten am 1. Februar 2021 mit einer virtuellen Eröffnungsveranstaltung in die ungewöhnliche Jubiläumsausgabe – live übertragen aus dem Bockenheimer Depot in Frankfurt, wo das Festival vor zwanzig Jahren begann.

Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung, in der das Nature Theatre of Oklahoma mit einer Führung hinter die Kulissen einen Live-Einblick in seine Inszenierung »Burt Turrido. An Opera« gibt, gibt es die exklusive Möglichkeit, ein filmisches Werk der Company zu sehen: In Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Mousonturm und dem Schauspiel Frankfurt präsentiert Olymp Film den preisgekrönten Spielfilm »Die Kinder der Toten« (nach Elfriede Jelinek) von Kelly Copper und Pavol Liška.

Elfriede Jelineks Opus Magnum »Die Kinder der Toten« dient Nature Theater of Oklahoma als Vorlage für eine freie filmische Adaption an den Originalschauplätzen rund um die Kindheitsorte der Nobelpreisträgerin. Ein SUPER 8-Ferienfilm aus der Obersteiermark verwandelt sich schleichend in eine Auferstehung »untoter« Gespenster. Die Frage nach der (Un-) Möglichkeit einer adäquaten Aufarbeitung aufgehäufter Schuld durchzieht all jene Terrains – Natur, Kultur, Gesellschaft, Geschichte –, die in der Gegenwart immer noch nationale Identität stiften.

Programm Eröffnungsveranstaltung

1. Februar, 19.00 Uhr
Grußworte
Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin Stadt Frankfurt am Main
Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann, Mitglied des Vorstands der BHF BANK Stiftung
Führung hinter die Kulissen von »Burt Turrido. An Opera« mit Kelly Copper und Pavol Liška (Nature Theater of Oklahoma)
Gespräch über die Produktion und die Frankfurter Positionen:
Kelly Copper und Pavol Liška, Nature Theater of Oklahoma mit Anselm Weber, Intendant Schauspiel Frankfurt und Matthias Pees, Intendant Künstlerhaus Mousonturm

Der Zugang zum Livestream aus dem Bockenheimer Depot ist kostenlos.

schauspielfrankfurt.de

Zusatzprogramm: Filmvorführung

Montag, 1. Februar, ab 20.00 Uhr
»Die Kinder der Toten« (nach Elfriede Jelinek)
Nature Theater of Oklahoma
Spielfilm, Österreich 2019, DCP (Super8), 90 Min., Farbe, 1,33 : 1, Audio 5.1
Regie, Kamera, Drehbuch: Kelly Copper & Pavol Liška
Produktion: Ulrich Seidl Filmproduktion; Verleih Deutschland: Olymp Film
Vimeo on Demand, Ticket 5 € (gültig bis 8. Februar 2021) unter
schauspielfrankfurt.de oder mousonturm.de

Freiraum: Masken_Theater

Drei Kurzfilmpremieren mit Studierenden des Studiojahr Schauspiel
Mittwoch, 3. Februar, 20.00 Uhr

Performer:innen sind scheinbar abwesend unter den unbeweglichen Gesichtszügen einer Theatermaske. Aber stimmt das? Offenbart die Maske nicht gerade das, was sie zu verbergen sucht? Genau diesem Vexierspiel von Zeigen und Verstecken widmet sich Lea Gockel mit den Studierenden Fenna Benetz und Jonathan Lutz des diesjährigen Studiojahrs. Episodenhaft werden kleine Geschichten mit und über das Maskenspiel fantasievoll in Szene gesetzt. Auf spielerische Weise wird so das poetische Paradox der Maske erzählt und ihr Zauber für die Zuschauer:innen erlebbar. Die Kurzfilmreihe startet mit »Hilft Leichtsinn gegen Schwermut?«. Im zweiten Teil untersuchen die beiden Masken:spielerinnen, ob unterirdische Gänge direkt in die Küche führen. Im dritten und letzten Teil gehen sie der Frage nach: »Geht man beim Schlafen durch die Wand?«
Die Maskenbauerin Anna Stoß hat ihre Masken extra für die Freiraum-Reihe des Schauspiel Frankfurt zur Verfügung gestellt.

Alle Informationen unter: schauspielfrankfurt.de

Das Schauspieljahr wird ermöglicht durch die Aventis Foundation und die Crespo Foundation.

Konzept und Regie: Lea Gockel
Performer:innen: Fenna Benetz und Jonathan Lutz
Kamera und Schnitt: Jan Walther
Kamera Mitarbeit: Johann Dück
Maskenbau: Anna Stoß
Theater Masken: Uwe Schlegel
Kostüme: Cosima Winter
Produktionsassistenz: Jule Fendel
Dramaturgie und Mentoring: Julia Weinreich

Ensemble Modern: Schuberts »Winterreise« von Hans Zender

Samstag, 6. Februar, 20.00 Uhr, Livestream
Wiederholungen am 10. und 13. Februar

Am 6. Februar wird von 20.00 Uhr an aus dem Schauspielhaus ein Highlight des Festivals »Frankfurter Positionen« per Livestream übertragen: SCHUBERTS WINTEREISE von Hans Zender mit dem Ensemble Modern und dem Tenor Julian Prégardien. Der unbekannte Winterreisende kreist in sich, in seinen Seelenzuständen von Liebe, Schmerz, Einsamkeit, Orientierungslosigkeit und Entfremdung. Dieses Werk der romantischen Liedkunst (Vertonung von Franz Schubert 1827) gewinnt im Kontext des Leitthemas des diesjährigen Festivals, Auslaufmodell [_ _ _ _ _], und der Pandemie eine überraschende Aktualität.

Tickets über Ensemble Modern (ensemble-modern.com), alle Informationen unter: schauspielfrankfurt.de

»Rund oder Spitz. Weltordnungen«

Jugendtheaterprojekt nach Bertolt Brechts »Die Rundköpfe und die Spitzköpfe oder Reich und reich gesellt sich gern«

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amstag, 13. Februar, 18.00 Uhr

Das Einteilen von Menschen zum Zweck der Abwertung, des Ausschlusses und der Unterdrückung ist Teil einer hierarchischen Ordnung der Welt. Wie funktioniert Rassismus und warum? In seinem »Greuelmärchen« von den Rundköpfen und den Spitzköpfen untersucht Bertolt Brecht diese Frage. Ein inklusives und vielsprachiges jugendliches Ensemble stürzt sich mit Elementen aus Brechts »Lehrstück-Methode« lustvoll in Bilder und Figurenkonstellationen, lässt sich von den Texten und einem Rhythmus treiben. Eigene Erfahrungen und Grundmuster von Rassismus in der Kunstwelt »Jahoo« reiben sich aneinander auf der Suche nach Gemeinsamkeiten in der Vielheit. Eine Covid 19-Quarantäne verhinderte die Premiere im Oktober 2020. Das junge Ensemble will sie nur gemeinsam spielen und hofft auf das Frühjahr 2021. Im Stream zeigen wir den Probenmitschnitt eines Durchlaufs in den Kammerspielen, der nicht explizit für eine Videopräsentation gearbeitet wurde (und damit die Schwierigkeiten einer »mitgefilmten« Theateraufführung aufweist.) Der Mitschnitt wird eine Woche online verfügbar sein.

Konzept und Regie: Martina Droste
Bühne und Kostüme: Michaela Kratzer
Dramaturgische Mitarbeit: Gottfried Kößler
Komposition und Sounddesign: Ole Schmid

Mit: Ayse Alatas, Schlomo Ettling, Lilith Langhammer, Chaula de Lossantos, Alexendre Mbonigaba, Farid Naghshbandi, Ibukun Ayomide Ogunbiyi, Domenica Schröter, Emmanuel Skatchkov, Louis Umbach

Podiumsdiskussion: HANAU – (K)EIN ANSCHLAG AUF UNS ALLE

Donnerstag, 18. Februar, 20.00 Uhr, Livestream aus dem Schauspielhaus

Am 19. Februar 2020 wurden durch einen rechtsterroristischen Anschlag in unserer Nachbarstadt Hanau neun junge Menschen jäh aus dem Leben gerissen: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar, Kaloyan Velkov. Für viele Menschen in Deutschland hat dieser Tag alles verändert. Und doch: Geändert hat sich seitdem viel zu wenig. In einer Podiumsdiskussion mit Aktivist:innen, Politiker:innen und Expert:innen im Schauspiel Frankfurt möchten wir darüber sprechen, was der Anschlag mit uns als Gesellschaft gemacht hat und was seitdem passiert ist – in Hanau, in Deutschland, im Alltag sowie auf politischer und institutioneller Bühne.

Mit: Saba-Nur Cheema (Bildungsstätte Anne Frank), Harpreet Cholia (Initiative 19. Februar Hanau), Sabena Donath (Leiterin der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland), Claus Kaminsky (Oberbürgermeister der Stadt Hanau), Azfar Khan (Leiter kommunale Koordinierungsstelle Anti-Rassismus der Stadt Frankfurt) und Hadija Haruna-Oelker (Moderation)

schauspielfrankfurt.de