Romanischer Sommer „Winter Edition“: Gerhard Richters „Moving Picture (964-3)“ in Köln

Gerhard Richters „Moving Picture (964-3) (Foto: Romanischer Sommer)

Hypnotischer Tauschgang durch Strukturen: Gerhard Richters Moving Picture (946-3) mit Musik von Rebecca Saunders und Live-Performance von Trompeter Marco Blaauw war als Welturaufführung für den Kölner Romanischen Sommer 2020 geplant – dann kam alles anders. Am 11. Und 12. Dezember feiert das multimediale Gesamtkunstwerk nun im Filmforum NRW-Premiere.

Das einzigartige Gesamtkunstwerk – der Film entstand aus 30.000 Sequenzen eines einzigen Richter-Bildes in einer Arbeitsphase von sechs Jahren – mit Live-Soundtrack kommt nun nach Stationen beim Kiyomizu-Tempel in Kyoto und beim Musikfest Berlin im Kölner Filmforum NRW am 11. und 12. Dezember live auf die Bühne.
Gerhard Richters abstraktes Gemälde 964-3, die digitale Inszenierung von Regisseurin Corinna Belz, die Komposition von Rebecca Saunders und die Live-Performance von Marco Blaauw machen das Moving Picture zu einem mehrdimensionalen, komplexen Gesamtkunstwerk. Das Zusammenspiel aus bewegten Bildern aus unzähligen farbigen Streifen in Einheit mit den Klängen einer Trompete lässt das Virtuelle mit der Realität verschmelzen. Das Publikum begibt sich einen raumlosen, fast hypnotischen Tauchgang durch die Strukturen. Die Kombination von Bild und Ton eröffnet eine weitere Dimension und setzt eine sphärische Dynamik in Gang, die zum ständigen Katalysator für visuelle Assoziationen wird.

Zur Entstehungsgeschichte berichtet Regisseurin Corinna Belz, dass der Film auf dem mathematischen Prinzip aus Richters Buch „Geteilt, gespiegelt, Repeated“ beruhe und auf der mathematischen Formel 4096 / 2048 / 1024 / 512 / 256 / 128 / 64 / 32 / 16 / 8 / 4 /2 basiert, unter Einbeziehung der Elemente Zeit, Rhythmus und visuelle Effekte. Belz: „Die Methode der Teilung und Spiegelung wird in einem strengen, rigorosen Zyklus von Wiederholungen auf ein einziges abstraktes Gemälde angewandt, die eine auffällige und unerwarteten Reihe von Mustern ergibt. (…) Die Muster/Farbkombinationen können auch verblüffende organische Phänomene und Insignien verschiedener kulturellen Traditionen/Symbolen haben.“

Am 11. und 12. Dezember kann das Gesamtkunstwerk im Kölner Filmmuseum NRW live erlebt werden, die Aufführungen am 11. November um 17 Uhr und am 12. November um 15 Uhr sind kostenlos, um Spenden wird gebeten.

Reservierungen per Mail ( m.spering@musik-und-konzept.de) oder Telefon unter 0221-552 558.
Einlass jeweils eine Stunde vor Beginn unter den aktuell geltenden Corona-Regeln.


Über den ROMANISCHEN SOMMER KÖLN:

Konzerte bis spät in die Nacht, internationale Künstler und ein Rezeptur-Mix, der den romanischen Raumklang in Musiken aller Genres in besondere Schwingung bringt – das ist der ROMANISCHE SOMMER KÖLN, der seit mehr als dreißig Jahren zu Köln gehört. Das jährliche Festival genießt ein Alleinstellungsmerkmal in Europa: Es bespielt in Köln bis zu zwölf romanische Kirchen bespielen und fand erstmals 1988 statt, nachdem 1985 die Renovierung aller romanischen Kirchen Kölns nahezu abgeschlossen war. 2021 fand der Romanische Sommer „ON AIR“ statt, die Veranstaltung „Moving Picture (964-3)“ ist die einzige Live-Veranstaltung und Schlusspunkt dies Ausgabe.
Veranstaltet wird das Festival von musik + konzept e.V. gemeinsam mit dem Westdeutschen Rundfunk Köln / Kulturradio WDR 3. Der ROMANISCHE SOMMER 2021 wird gefördert von Stadt Köln, Kunststiftung NRW, Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW, dem Förderverein Romanische
Kirchen Köln. Alle Termine der Konzertsendungen auf WDR3 werden auf der Website des ROMANISCHEN SOMMERS aktualisiert. Weitere Informationen zum Festival, den Künstler*innen und den Programmen finden sich unter romanischer-sommer.de.

Gerhard Richter

Gerhard Richter wurde am 9. Februar 1932 in Dresden. Er studierte von 1961 bis 1964 an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf, an der er von 1971 bis 1993 als Professor für Malerei unterrichtete. Richters Werk ist geprägt vom Wechsel zwischen gegenständlichen und abstrakten Bildstrategien. Seine Bilder befinden sich in den Sammlungen bedeutender Museen und wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt. Das Gemälde „Abstraktes Bild ‚Joshua‘ (946-3)“ von 2016 ist Ausgangspunkt des Filmprojekts „946/3 moving picture“ der Regisseurin Corinna Belz, das in Kooperation mit Gerhard Richter entstand. Richter lebt und arbeitet in Köln.
gerhard-richter.com/de/biography

Corinna Belz

Die Filme von CORINNA BELZ u.a. LEBEN NACH MICROSOFT (2001), OTHER AMERICAN VOICES (2002) wurden für den Grimme-Preis nominiert und ausgezeichnet mit dem Filmpreis des Deutschen Anwaltvereins. Ihr erster Film über Gerhard Richters Werk, DAS KÖLNER DOMFENSTER (2007) gewann den World Media Gold Award, GERHARD RICHTER PAINTING wurde 2012 mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet. PETER HANDKE. BIN IM WALD KANN SEIN, DASS ICH MICH VERSPÄTE gewann 2017 den NRW Dokumentarfilm Preis. MOVING PICTURE (946-3) entstand von 2017 bis 2019 in Zusammenarbeit mit Gerhard Richter. Ihr neuer Film UFFIZIEN kommt im Herbst in die Kinos.

CORINNA BELZ studierte Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik und Medien-wissenschaften in Köln und Berlin. Sie hat zahlreiche Filme als Autorin und Regisseurin realisiert, darunter: DIE WIRKLICHEN DINGE PASSIEREN IN DER NACHT, Chantal Akerman und ihre Filme, LEBEN NACH MICROSOFT (2001), OTHER AMERICAN VOICES (2002), nominiert für den Grimme-Preis und ausgezeichnet mit dem Filmpreis des Deutschen Anwaltvereins. Ihr erster Film über Gerhard Richters Werk, DAS KÖLNER DOMFENSTER (2007) gewann den World Media Gold Award für Kunst Dokumentarfilme. Es folgte der Kinodokumentarfilm GERHARD RICHTER PAINTING, der 2012 mit dem Deutschen Filmpreis in Gold ausgezeichnet wurde. Der Film PETER HANDKE. BIN IM WALD KANN SEIN, DASS ICH MICH VERSPÄTE hatte auf dem Filmfestival von Locarno Premiere und gewann 2017 den NRW Dokumentarfilm Preis. Zwischen 2017 und 2019 entwickelte Belz das Projekt MOVING PICTURE (946-3) in Zusammenarbeit mit Gerhard Richter.
Ihr Kinodokumentarfilm UFFIZIEN ist zurzeit in Postproduktion und wird im Herbst in die deutschen Kinos kommen.

Rebecca Saunders

Mit ihrer unverkennbaren und bemerkenswerten Klangsprache ist die in Berlin lebende britische Komponistin Rebecca Saunders eine der führenden internationalen Vertreterinnen ihrer Generation.
1967 in London geboren, studierte sie Komposition bei Nigel Osborne an der University of Edinburgh sowie bei Wolfgang Rihm an der Universität Karlsruhe. Saunders hegt ein großes Interesse an den plastischen und räumlichen Eigenschaften von organisierten Klängen. „chroma I-XX“ (2003 – 2017), „Stasis“ und „Stasis Kollektiv“ (2011/16) sind sich ausdehnende räumliche Kollagen von bis zu 25 Kammermusikgruppen und Klangquellen, die in architektonisch extrem unterschiedlichen Räumen angeordnet sind. „Insideout“, eine 90-minütige Kollage für eine choreographierte Installation, die sie in Zusammenarbeit mit Sasha Waltz schuf, war ihr erstes Bühnenwerk und wurde weltweit über 100mal aufgeführt. 2017 schrieb sie für das Ensemble Musikfabrik, Donatienne Michel-Dansac und Enno Poppe „Yes“, eine 80-minütige räumliche Kompositionsinstallation, die für die architektonisch außergewöhnlichen Räume der Berliner Philharmonie und der Kathedrale St. Eustache (Paris) konzipiert ist.
Seit 2013 schreibt Saunders eine Reihe von Solos und Duos für Künstler, mit denen sie schon viele Jahre eng zusammenarbeitet: „Bite“ (2016) für Bassflöte, „Aether“ (2016) für Bassklarinettenduo, „dust“ (2017/18) für Perkussion, „O“ (2017) für Sopran, „hauch“(2018) für Violine und „Flesh“ (2017/18) für Akkordeon. Gleichzeitig hat sie ihr leidenschaftliches Interesse für konzertante Formen verfolgt und schrieb das Doppelkonzert für Perkussion „Void“ (2014), das Trompetenkonzert „Alba“ (2015) sowie „Skin“ (2016) und „Yes“ (2017), die beiden letzteren für Sopran und großes Ensemble. „Alba“ und „Void“ bilden den Abschluss eines Triptychons, zu dem auch das Violinkonzert
„Still“ (2011) zählt. 2016 wurde „Still“ in erweiterter Fassung in Zusammenarbeit mit dem Choreographen Antonio Rúz, den Tänzern von Sasha Waltz & Guests, Carolin Widman, der Junge Deutsche Philharmonie und Sylvain Cambreling aufgeführt. 2018 wurde ihr Kontrabasskonzert „Fury II“ in Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern und von Emanuel Gat für das „Story Water“ Projekt choreographiert aufgeführt.
Rebecca Saunders Musik wurde bereits von vielen renommierten Ensembles, Solisten und Orchestern gespielt und uraufgeführt, u. a. vom Ensemble Musikfabrik, Klangforum Wien, Ensemble Modern, Quatuor Diotima, Dal Niente, Asko | Schönberg, dem Arditti Quartett, Ensemble Resonanz, Ensemble Recherche, ICE, den Neuen Vocalsolisten, Ensemble Remix und den Sinfonieorchestern des SWR, WDR und der BBC.
Für ihre Kompositionen hat sie zahlreiche international renommierte Preise erhalten, zuletzt den Ernst von Siemens Musikpreis 2019 (bereits 1996 erhielt sie einen der Komponisten-Förderpreise der Ernst von Siemens Musikstiftung), weiter den ARD und BMW musica viva-Preis, den Paul-Hindemith-Preis, den Royal Philharmonic Society Award (2008 für „Stirrings Still“, 2013 für „Fletch“, 2017 für „Skin“, und 2019 für „Yes“) sowie den BASCA British Composer Award (2013 für „Solitude“, 2016 für „Alba“, 2017 für „Skin“, und 2018 für „Unbreathed“), und den GEMA-Musikpreis für Instrumentalmusik. Des Weiteren wurde Saunders mit dem Hans und Gertrud Zender-Stiftungspreis und dem renommierten Mauricio-Kagel-Musikpreis ausgezeichnet. Die CD „…of waters making moan“ des Akkordeonisten Teo Anzellotti, die Saunders titelgebendes Stück enthält, gewann den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2016.
Saunders ist eine gefragte Kompositionsdozentin und unterrichtet regelmäßig bei den Darmstädter Ferienkursen sowie an der Impuls Akademie in Graz. Sie war Professorin für Komposition an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Sie ist Mitglied der Berliner Akademie der Künste und der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden.

Marco Blaauw

Der Trompeter Marco Blaauw verfolgt eine internationale Karriere als Solist und ist darüber hinaus festes Mitglied des Ensemble Musikfabrik in Köln. Ein wichtiger Schwerpunkt seiner künstlerischen Arbeit bildet dabei die Weiterentwicklung seines Instruments und seiner Spieltechniken sowie die Initiierung eines dafür entstehenden neuen Repertoires. Blaauw steht in engem Arbeitszusammenhang mit den etablierten und jüngeren Komponist*innen unserer Zeit. Viele davon haben Werke speziell für ihn und sein Instrument geschrieben, darunter Peter Eötvös, Georg Friedrich Haas, Rebecca Saunders, Wolfgang Rihm und John Zorn. Für seine künstlerische Laufbahn prägend war Karlheinz Stockhausen, mit dem er 17 Jahre lang intensiv zusammengearbeitete.
2015 gründete er das Trompetenensemble The Monochrome Project. In direkter Kommunikation mit La Monte Young präsentierte er dem Publikum europaweit „The Second Dream“ of the „High Tension Line Stepdown Transformer“ in einer Version für acht Trompeten. 2016 initiierte er Global Breath, ein weltweites Forschungsprojekt zur Trompete. Die Ergebnisse aus der ersten Phase dieser Forschung werden 2021 auf einem Global Breath Festival internationale Trompeten-Pioniere unterschiedlicher Genres und kultureller Hintergründe präsentieren, die für das Instrument Trompete ikonische Bedeutung erlangt haben (weiterführende Informationen zu diesem Projekt unter www.globalbreath.net).
Im vergangenen Jahr intensivierte Blaauw seine Zusammenarbeit mit dem Maler Gerhard Richter und der Filmemacherin Corinna Belz und produzierte den Soundtrack zum Film „MOVING PICTURE 946-3“ mit Musik für Trompete und Live-Elektronik von Rebecca Saunders. Ab 2020 wird er dieses Projekt in Festivals, Konzertsälen, Museen und Kunstgalerien vorstellen. Blaauw ist auch als Dozent in internationalen Meisterkursen sehr gefragt, wie zum Beispiel bei den Darmstädter Ferienkursen des Internationalen Musikinstituts Darmstadt, den Stockhausen-Kursen Kürten und der Lucerne Festival Academy.


Veranstaltung: 32. ROMANISCHER SOMMER KÖLN, Winter Edition:
„Moving Picture (964-3)“ von Gerhard Richter

Regie: Corinna Belz, Komposition: Rebecca Saunders, Trompete: Marco Blaauw
Ort: Filmforum NRW, Bischofsgartenstr. 1, 50667 Köln
Termine: 11. Dezember, 17 Uhr; 11. Dezember, 15 Uhr
Karten: Der Eintritt ist frei, Reservierungen werden erbeten unter tel. 0221-552 558 bzw. m.spering@musik-und-konzept.de. Der Einlass erfolgt unter aktuell geltenden Veranstaltungsbedingungen unter Wahrung des Hygienekonzeptes. Um Spenden wird gebeten.