Regina Busch Ensemble zeigt seine neue Produktion »Nitribitt: RELOADED« im Internationalen Theater in Frankfurt/M

Nitribitt: RELOADED ~ Regina Busch Ensemble ~ Foto: Regina Busch Ensemble

Vom 30. Oktober bis 1. November zeigt das Regina Busch Ensemble seine neue Produktion „Nitribitt: RELOADED“ im Internationalen Theater in Frankfurt. Am 1. November 1957 wurde Rosemarie Nitribitt tot in ihrer Wohnung in der Stiftstraße 36 aufgefunden. Was würde sie erzählen, würde sie wiederkehren?

Alle Frankfurter*innen kannten die gut gekleidete junge Frau in ihrem eleganten schwarzen Sportwagen, mit dem sie täglich durch die Innenstadt und um den Frankfurter Hof fuhr: Rosemarie Nitribitt, Frankfurts bis heute berühmteste, geheimnisumwobene Edelprostituierte. Mit ihrem Namen verbindet man viele reiche Herren der damals noch jungen Bundesrepublik Deutschland der 50er Jahre, die zu ihren Stammkunden zählten. Doch ihr Leben nahm ein abruptes Ende, sie starb mit nur 24 Jahren sehr vermögend eines gewaltsamen Todes, der bis heute unaufgeklärt blieb.

In „Nitribitt: RELOADED“ steht nicht der Kriminalfall Nitribitt oder das im Sinne der Regenbogenpresse Sensationelle und Skandalöse im Vordergrund, sondern der Mensch, die Frau, die Lebensgeschichte der Rosemarie Nitribitt. Wer war sie? Und wer sind die vielen anonymen Frauen, die im Bahnhofsviertel der Sexarbeit nachgehen?

Das Frankfurter Rotlicht-Milieu ist über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, jedoch bleiben die dort arbeitenden Prostituierten trotz Legalisierung tabuisiert und anonym. In „Nitribitt: RELOADED“ bekommen sie ein Gesicht und eine Stimme.

Eine Grundlage der Figuren und eigenen Texte des Ensembles in „Nitribitt: RELOADED“ bilden die Interviews der Studie von Margrit Brückner und Christa Oppenheimer: Lebenssituation Prostitution. Sicherheit, Gesundheit und soziale Hilfen. Ulrike Helmer Verlag 2006.

Die derzeitige rechtliche Definition von Prostitution meint die „Bereitstellung sexueller Dienstleistungen gegen Entgelt“. Deutlich wird darin eine Sicht auf den Körper als Ware. Feministische Autorinnen belegen, dass Prostitution primär in Gesellschaften zu finden ist, die das Männliche höher und das Weibliche geringer bewerten. In Gesellschaften, in denen Frauen, zum Beispiel durch eine mutterrechtliche Erbfolge, eine starke ökonomische Position und ein hohes gesellschaftliches Ansehen innehaben, gibt es nach diesen Befunden keine Prostitution.

Prostitution ist also auch Ausdruck ungleicher gesellschaftlicher Geschlechterverhältnisse. Seit den 1980er Jahren hat sich in Deutschland – zunächst in der alten BRD – eine auch international vernetzte Selbsthilfebewegung von Frauen, die der Prostitution nachgehen, entwickelt. Sie setzt sich für eine Entkriminalisierung von Prostitution und für die Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation von Prostituierten ein und hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen der Prostitution in Deutschland verbessert haben. „Corona“ hat die für viele oftmals immer noch prekäre Situation allerdings weiter verschärft. In feministischen Diskussionen treffen vor allem zwei Positionen aufeinander: eine, die Prostitution als berufliche Tätigkeit wie jede andere ansieht, und eine andere, die Prostitution als Ausdruck männlicher Vorherrschaft und Entwürdigung von Frauen kennzeichnet und für ihre Abschaffung plädiert.

Premiere: 30. Oktober 2020 um 20 Uhr
Weitere Aufführungen am:
31. Oktober um 18 und 20:30 Uhr und 01. November um 18 Uhr
Weitere Termine sind für Anfang 2021 geplant.

Ort: Internationales Theater, Hanauer Landstr. 7, 60314 Frankfurt am Main
Tickets über:
internationales-theater.de Regie: Regina Busch
Licht: Jan Hartmann, Thomas Wortmann

Besetzunng:

Rosemarie Nitribitt: Angelika Löfflat
Vera Lagrange: Karin Flaake
Franka Prahl: Heidi Bierwirth
Renate Wolf: Katrin Stichler
Giselle Schmidt: Melek Özdemir
Stadtführerin Liselotte Gral: Helene Schlosser
Bordellbesitzerin Barbara Beluga: Annette Lartey
Zuhälter Peter Prag: Annette Lartey
Jaqueline Moser: Sherry Sattari-Beach

„Nitribitt: RELOADED“ ist Teil des Rahmenprogramms von „Frankfurt liest ein Buch“, das in diesem Jahr „Rosemarie“ von Erich Kuby vorstellt. „Frankfurt liest ein Buch“ findet vom 24. Oktober – 1. November statt.

Das Regina Busch Ensemble
Das Ensemble wurde im April 2008 von Regina Busch gegründet, die als selbstständige Regisseurin und Autorin in Frankfurt lebt und dieses Ensemble bestehend aus professionellen Spielerinnen, wie Angelika Löfflat, sowie semiprofessionellen bzw. Amateurspieler*innen leitet. Das Regina Busch Ensemble spielt mit der aktuellen Produktion nun schon zum 6. Mal im Internationalen Theater Frankfurt. Es arbeitet an anspruchsvollen Texten bzw. Schauspielstücken, die einem Publikum in Frankfurt präsentiert wird. Das Ziel ist eine kontinuierliche Ensemblearbeit, die perspektivisch angelegt ist und etwa eine Produktion in zwei Jahren präsentiert. Hierfür arbeitet sie ausschließlich mit einem professionellen Regieteam zusammen, die Ausstatterinnen Nina Zoller (Dozentin für Bühnenbild HfG Offenbach), Laura Robert und Marielle Sokoll (beide Studentinnen für Bühnenbild, HfG Offenbach), der selbstständigen Sounddesigner Frank Marheineke und der Lichtdesigner Jan Hartmann, Beleuchtungsmeister an der Oper Frankfurt.

regina-busch-ensemble.de