Programm der Frankfurter Positionen 2019 – Festival für neue Werke

© Frankfurter Positionen 2019

Grenzen der Verständigung

Die FRANKFURTER POSITIONEN 2019 stellen die Frage nach der Sprach- und Dialogfähigkeit einer zunehmend polarisierten Gesellschaft


Frankfurt am Main, 14. Dezember 2018. – Zum neunten Mal finden vom 24.01. bis 08.02.2019 die FRANKFURTER POSITIONEN statt. Das Festival für neue Werke präsentiert in zweijährigem Turnus Uraufführungen von der BHF BANK Stiftung eigens in Auftrag gegebener Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler mehrerer Sparten zu einem Thema. Für die Ausgabe 2019 haben sich die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem aktuell viel diskutierten Thema der Verständigungsbereitschaft der politischen Akteure befasst und werfen gemeinsam mit den wissenschaftlichen Referenten der Vortragsreihe des Instituts für Sozialforschung die Frage auf, ob wir in einem „postfaktischen Zeitalter“ leben.

Frankfurter Positionen 2019: FURIA ~ Lia Rodrigues
(© Sammi Landweer)

Eröffnet wird das Programm des Festivals am 24. Januar im Künstlerhaus Mousonturm mit der Uraufführung des neuen Tanzwerks FÚRIA der brasilianische Choreografin Lia Rodrigues, einer der bekanntesten und wichtigsten (bedeutendsten) Choreografinnen Brasiliens. Bewusst hat sie das Probenzentrum ihrer Companhia de Danças nach Maré, in eine der härtesten Favelas Rio de Janeiros verlegt. In ihrer neuen Arbeit wird sie insbesondere die Unterschiedlichkeiten von Menschen und ihrer Körper erforschen. Damit möchte sie die Vielfalt innerhalb von Gemeinschaften zeigen und diese den wachsenden, uniformen und dumpfen Menschenmassen gegenüberstellen, in denen der Verlust demokratischer Errungenschaften droht.

Frankfurter Positionen 2019: Untitled 2018 von Bunny Rogers
(© Bunny Rogers)

Am 25. Januar eröffnet im ZOLLAMT MMK die vom MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST vorbereitete erste institutionelle Einzelausstellung der 1990 in den USA geborenen Künstlerin Bunny Rogers in Europa (26.01.-28.04). In ihrem Werk verschmelzen Affekt, Erfahrung, Identifizierung und Gemeinschaft, Fiktion und Realität, Digitalität und physische Präsenz zu einem gegenwärtigen Subjekt. Weltweite Beachtung haben ihre Videoarbeiten über das Columbine High School Massaker gefunden, ein Thema, welchem sie sich über mehrere Jahre aus immer neuen Perspektiven genähert hat. Bunny Rogers hat ihre Ausstellung in Frankfurt vorbereitet, während sie im aktuellen Wintersemester 2018/2019 eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule inne hat.

Die erste Uraufführung in der Sparte Theater folgt am 26. Januar im Schauspiel Frankfurt: Das neue Theaterstück von Konstantin Küspert, SKLAVEN LEBEN, setzt sich im Kontext des Festival-Themas mit den Echoräumen auseinander, in denen wir uns befinden und Informationen nur selektiv wahrnehmen. Ebenfalls im Schauspiel Frankfurt werden als Gastspiele die Uraufführungsinszenierung von DAS IMPERIUM DES SCHÖNEN von Nis-Momme Stockmann (Schauspiel Stuttgart) und die Probenfassung der Uraufführung DER TEMPELHERR von Ferdinand Schmalz (Deutsches Theater Berlin) gezeigt.

Frankfurter Positionen 2019: Daniel Cremer
(© Melanie Bonajo)

Wiederum im Künstlerhaus Mousonturm wird am 27. Januar aus der Sparte Performance das neue Werk THE MIRACLE OF LOVE / DAS WUNDER DER LIEBE von Daniel Cremer uraufgeführt, in dem dieser unter Zuhilfenahme einer erfundenen Kunstsprache dem Publikum eine vollkommen befriedigende Liebesbeziehung zumutet. Weitere neue Performancearbeiten stellen Susanne Zaun und Marion Schneider mit ES IST DOCH EINE SCHÖNE SACHE, ÜBER KANZLERKANDIDATEN ZU REDEN UND DABEI BLUTWURST ZU ESSEN im Künstlerhaus Mousonturm und Nicolas Henry mit A PLACE IN THE SUN – COSTUMES AND HEROES IN THE POST-COLONIAL ERA im Frankfurt LAB vor.

Weniger an die Grenzen der Verständigung, aber vielleicht an die Grenzen zeitgenössischer Komposition geht Pascal Dusapin gemeinsam mit Claus Guth in ihrer Klanginstallation LULLABY EXPERIENCE, die in regelmäßig stattfindenden Live Acts zu einem szenischen Konzert wird. Dieses Projekt ist eine Koproduktion des Ensemble Modern mit dem IRCAM Paris, dem Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique. Basis dieser Arbeit ist eine App, die vom IRCAM entwickelt wurde und mit der jeder auf der ganzen Welt Wiegenlieder aufnehmen kann.

Unter dem Titel CROSSING ROADS ist nochmals das Ensemble Modern in einem Musiktraditionen und Klangkonzepte verbindenden Konzert (im Künstlerhaus Mousonturm, Konzept von Uwe Dierksen) mit Musikerinnen und Musikern der Initiative Bridges zu erleben, um zum Abschluss des Festivals am 08. Februar zu zeigen, dass sich verschiedene Welten begegnen können, ohne sich gegenseitig den Zauber zu nehmen…

Ein besonderes Festivalereignis ist die LANGE NACHT DER SOZIALFORSCHUNG, die 2017 ein großer Publikumserfolg war. Sie findet am 01. Februar von 19 bis 24 Uhr im MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST statt und bietet Sozialwissenschaften, Kunst und Musik: Das Institut für Sozialforschung (IfS) hat einen Vortragsreigen von 19 bis 24 Uhr konzipiert, bei dem Forscher mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen das Spannungsfeld von Demokratie und Wahrheit untersuchen und in Einzelvorträgen ihre Positionen formulieren. Parallel dazu laden Musiker des Ensemble Modern zu ihrer Interpretation von zwei Werken von Morton Feldman ein. Außerdem wird die Ausstellung von Bunny Rogers während der gesamten LANGEN NACHT DER SOZIALFORSCHUNG zugänglich sein. Bei den Programmpunkten besteht durchgehend kostenloser Einlass und das Restaurant des Museums ist geöffnet.

Alle künstlerischen Positionen des Festivals wurden von unabhängigen Fachjurys ausgewählt. Die Vortragenden der LANGEN NACHT DER SOZIALFORSCHUNG wurden vom Programmbeirat des Instituts für Sozialforschung vorgeschlagen. Das Festivalthema wird von der BHF BANK Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sozialforschung ausgewählt und für das künstlerische und das wissenschaftliche Programm jeweils zugespitzt. „Zur Wahl des Themas Grenzen der Verständigung hat uns die beobachtete Verrohung der Sprache in der gesellschaftlichen Debatte geführt“, sagt Stefan Mumme, Geschäftsführer der BHF BANK Stiftung. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Beitrag in den Medien veröffentlicht wird, der nicht die beängstigende Polarisierung der Gesellschaft beschreibt und fragt, wie der Verbreitung von ‚alternativen Fakten‘ und ‚Fake News‘ entgegengetreten werden kann. Wie kann ein Dialog wiederhergestellt werden, der eine gemeinsame Willensbildung ermöglicht?“

Einen Freiraum und einen Diskussionsraum für solche Positionen zu schaffen, ist für Dietmar Schmid, Vorsitzender des Vorstands der BHF BANK Stiftung der Beweggrund für die Stiftung ein so umfangreiches Festival zu initiieren: „Die Frankfurter Positionen sind von der Überzeugung getragen, dass Offenheit und Vertrauen in die Mittel der Künste und die Aussagekraft von Künstlerinnen und Künstlern ein Wert an sich sind, der Raum zur Entfaltung braucht. Wir fördern einerseits die Kunstproduktion der unmittelbaren Gegenwart und laden andererseits ein, Position zu beziehen im sich vollziehenden gesellschaftlichen Wandel“, sagt Dietmar Schmid. „Gerade angesichts der Schnelligkeit und Vielfalt neuer Entwicklungen sind wir überzeugt, dass die Verbindung aus Analyse und sinnlich erfahrbarer kreativer künstlerischer Arbeit produktiv sein kann und hoffen, dass wir einen Beitrag zur Weiterentwicklung der aktuellen Diskussion leisten können.“

Die Uraufführungen und erstmaligen Präsentationen der FRANKFURTER POSITIONEN 2019 sind im Künstlerhaus Mousonturm, im Schauspiel Frankfurt, im Frankfurt LAB sowie im MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST zu sehen.

Die Frankfurter Positionen sind eine Initiative der BHF BANK Stiftung und für die Ausgabe von 2019 eine Kooperation aus einem Netzwerk mit insgesamt 16 Institutionen: BHF BANK Stiftung – Deutsches Theater Berlin – Ensemble Modern – Frankfurt LAB – Galerie Parisa Kind – Goethe-Universität Frankfurt am Main – Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) Frankfurt am Main – Institut für Sozialforschung (IfS) – Institut de Recherche et Coordination Accoustique/Musique (IRCAM) – Künstlerhaus Mousonturm – MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST– Schauspiel Frankfurt – Schauspiel Stuttgart – S. Fischer Verlag – Staatliche Hochschule für Bildende Künste – Städelschule – Verlag der Autoren

Medienpartner hr2-kultur

www.frankfurterpositionen.de
www.unart.net
bhf-bank-stiftung.de