Premieren am MiR Gelsenkirchen im März & April 22

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Carmen lebt die Freiheit und sie wird sie um jeden Preis verteidigen. Wenn sie liebt, dann ist ihre Liebe stark. Aber ist die Liebe verflogen, zieht auch Carmen davon. Unerhört für das Pariser Publikum der Uraufführung ist in der gleichnamigen Oper aber nicht nur das Portrait einer selbstbestimmten Frau, sondern der zur Schau gestellte Realismus: Carmen ist Arbeiterin, Prostituierte und auch noch eine „Bohème“, eine Roma. Unerhört aus heutiger Sicht ist die Art und Weise, wie sie ihr letzter Liebhaber, Don José, besitzen will. Der zurückhaltende Außenseiter entpuppt sich als hartnäckigster ihrer Verehrer. In Georges Bizets „Carmen“ stehen echte Menschen auf der Bühne, mit allen auch unsympathischen Wesenszügen. Bizets Musik führt aber auch dazu, dass allen menschlichen Fehlern zum Trotz, die stolze Carmen und der krankhaft eifersüchtige Don José sich direkt in die Herzen des Publikums singen. In Rahel Thiels Inszenierung reißt Carmen ihr Publikum Hals über Kopf in einen Strudel der Sehnsüchte, des Freiheitsdrangs und der menschlichen Abgründe.

Amphitryon ist erfolgreicher Feldherr und Mensch, Jupiter ist intriganter Verwandlungskünstler und Gott. Beide begehren die gleiche Frau: Alkmene. Doch Jupiter war zuerst da und hat sich in der Gestalt Amphitryons das genommen, was dieser für sich beansprucht: den Körper seiner Frau. Dabei schickte Amphitryon seinen Diener Sosias voraus, um seine siegreiche Rückkehr anzukündigen. Doch auch dieser muss bei Ankunft in Theben Bekanntschaft mit seinem göttlichen Doppelgänger machen. Merkur, der ihn mit Nachdruck von der Umsetzung des Auftrags abhält, hat schon Bekanntschaft mit Charis, der Frau des Dieners, gemacht. Das Verwirrchaos ist perfekt und schon nach kurzer Zeit hat keiner der vier Protagonisten noch den Überblick über die echte Identität des Gegenübers. Doch aus dem lustigen Verwirrspiel entspinnt sich immer mehr eine Identitätskrise der Figuren. Gepaart mit der Frage nach der Bedeutung von Krieg und den gebrauchten Mitteln zur erfolgreichen Selbstdarstellung inszeniert Regisseur Nis Søgaard Heinrich von Kleists Klassiker „Amphitryon“ als Schau- und Puppenspiel. Unterstützt wird das MiR Puppentheaterensemble von der Art-Pop-Band „We Will Kaleid“, die für den Abend Musik komponiert und arrangiert. Ein Literaturklassiker über die Rolle von Göttern und wie wir sie zum Leben erwecken, der mit seinen Motiven und der enthaltenen Selbstdarstellungswut der Menschen auch heute unbedingte Aktualität besitzt.

Drei Jahre wartet sie auf seine Rückkehr: die Liebe der Geisha Butterfly zu dem Marinesoldaten Pinkerton grenzt an die Obsession. Ihm zuliebe hat sie den Bruch mit ihrer Familie provoziert, doch nun fordert der aus Amerika nach Japan zurückgekehrte Pinkerton das Einzige, was Butterfly und ihn noch verbindet: ihr gemeinsames Kind. Die Katastrophe ist unabwendbar … Madama Butterfly besticht durch ihre genau beobachtete Figurenpsychologie und die von japanischen Originalzitaten durchsetzte zutiefst emotionale Musik. Zum zweiten Mal nach über 25 Jahren setzt sich Regisseurin Gabriele Rech am MiR mit Puccinis Meisterwerk auseinander.

Weiterhin im Programm sind auch im März und April die Produktionen „Hedwig and The Angry Inch“, „Avenue Q“, „Requiem / The Lost Ones“, „Say it with Music!“, „Adam & Eve“.


Carmen

Oper von Georges Bizet
Regie: Rahel Thiel
Musikalische Leitung: Rasmus Baumann
Bühne: Dieter Richter
Kostüm: Renée Listerdal
Licht: Thomas Ratzinger
Dramaturgie: Anna Chernomordik
Premiere: 06. März 2022
Weitere Vorstellung: 11., 13., 20., 27. März; 03., 10., 18., 24., April; 15., Mai; 06. Juni 2022

Amphitryon

Tragikomödie von Heinrich von Kleist
Regie: Nis Søgaard
Bühne: Jelena Nagorni
Kostüm: Amit Epstein
Puppenentwicklung/-Bau: Lili Laube
Musik: We Will Kaleid
Licht: Mario Turci
Dramaturgie: Anna-Maria Polke
Premiere: 26. März 2022
Weitere Vorstellung: 01., 02., 05., 18., 24. April; 15. Mai 2022

Madama Butterfly

Japanische Tragödie in drei Akten von Giacomo Puccini
Regie: Gabriele Rech
Musikalische Leitung: Giuliano Betta
Bühne: Dirk Becker
Kostüm: Renée Listerdal
Chor: Alexander Eberle
Licht: Thomas Ratzinger
Dramaturgie: Hanna Kneißler / Olaf Roth
Premiere: 02. April 2022
Weitere Vorstellungen: 09., 17., 23. April; 20., 22., 28. Mai; 18. Juni

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