Premiere des Doppelabends »The Medium« und »Satyricon« am 15. Juni 2019 im Bockenheimer Depot

Satyricon ~ Oper Frankfurt ~ Trimalchio (Peter Marsh; in der Bildmitte in goldenem Kostüm) und Ensemble (© Barbara Aumüller ~ www.szenenfoto.de)

Zwei musikalisch und inhaltlich verschiedenartige Kurzopern im Rahmen einer abendfüllenden Produktion miteinander zu kombinieren, gehört an der Oper Frankfurt fast schon zur Tradition. The Medium von Gian Carlo Menotti (1911-2007) konnte nach der Uraufführung am 8. Mai 1946 an der Columbia University in New York nicht zuletzt wegen der Fürsprache Arturo Toscaninis in leicht überarbeiteter Fassung einen wahren Triumph am Broadway feiern, wo das Werk ein halbes Jahr lang vor ausverkauftem Haus gezeigt wurde. Menotti, dessen Kompositionen oft als oberflächlich und banal gescholten werden, gelang damit der internationale Durchbruch. Musikalische Anleihen bei Mussorgski, Puccini und auch Debussy sind unüberhörbar. Die von Menotti selbst verantwortete Verfilmung der Oper wurde 1952 in Cannes ausgezeichnet.
Dem Einakter Satyricon von Bruno Maderna (1920-1973) liegt ein Romanfragment des römischen Senators Petronius aus der Zeit 60 n. Chr. zugrunde, das auch Federico Fellini 1969 als Vorlage für seinen gleichnamigen Film wählte. Der italienische Avantgardekomponist Maderna verhehlte in seinem vorletzten Werk nicht, dass er sich aus dem großen Fundus der Musikgeschichte bedient hatte und erhob dies geradezu zum Konzept. So erklingt Vertrautes von Gluck über Verdi, Wagner, Bizet und Puccini bis hin zu Richard Strauss und Kurt Weill, um nur die prominentesten Namen zu nennen. Gleichzeitig ist sein musikalisches Verfahren aber auch als Kritik an der stagnierenden Entwicklung Neuer Musik zu verstehen. Das experimentelle Werk besteht aus 16 Nummern und fünf elektronischen Einspielungen, die in der Abfolge variabel miteinander kombiniert werden sollen. Erst die Produktionen, die der Uraufführung am 16. März 1973 im Circustheater in Scheveningen folgten, wurden dem gesellschaftskritischen Charakter des Werkes gerecht.


The Medium
Oper Frankfurt
Madame Flora (Meredith Arwady)
© Barbara Aumüller ~ www.szenenfoto.de

In The Medium zieht Madame Flora ihren Klienten im Rahmen von Séancen das Geld aus der Tasche. Dabei sind ihre naive Tochter Monica und der stumme Waisenjunge Toby behilflich. Als Madame Flora jedoch selbst mit einer Geistererscheinung konfrontiert zu werden scheint, kommt es zur Katastrophe, an deren Ende Toby sein Leben lassen muss.
In Satyricon laden der römische Emporkömmling Trimalchio und seine Frau Fortunata zum Abendessen ein, in dessen Verlauf alle Spielarten extremer Dekadenz durchlebt werden und der Hausherr sogar seine eigene Beerdigung inszeniert.

Die musikalische Leitung der beiden Kammeropern liegt bei den Frankfurter Kapellmeistern Simone Di Felice (Satyricon) und Nikolai Petersen (The Medium). Während sich der zuerst Genannte in den letzten Jahren zu einem regelrechten Barock-Experten entwickelt hat und nun eine völlig andere Facette seines Könnens zeigen kann, gehören zu Nikolai Petersens jüngsten Frankfurter Dirigaten sowohl Werke Mozarts als auch Peter Eötvös’ Tri sestry.
Es inszenieren Hans Walter Richter (The Medium), der seit 2008 als Regieassistent an der Oper Frankfurt tätig ist und zuletzt große Aufmerksamkeit mit seiner Lesart von Puccinis Madama Butterfly am Theater Münster erhielt, sowie die deutsch-japanische Regisseurin Nelly Danker (Satyricon), zu deren Arbeiten u.a. Frank Schwemmers Robin Hood am Staatstheater Karlsruhe, Mozarts Die Zauberflöte in Osaka (Japan) und zuletzt mehrere Musiktheater-Formate an der Philharmonie Luxembourg zählen.
Einzige Gastsängerin auf der Besetzungsliste ist die amerikanische Altistin Meredith Arwady (Madame Flora in The Medium und Fortunata in Satyricon), die in Frankfurt bisher als Erda und Erste Norn in Wagners Der Ring des Nibelungen sowie als Mrs. Quickly in Verdis Falstaff zu erleben war. Angeführt von Louise Alder (Monica in The Medium) und Peter Marsh (Trimalchio in Satyricon) sind fast alle übrigen Partien mit Mitgliedern des Ensembles sowie des Opernstudios der Oper Frankfurt besetzt.


Premiere an der Oper Frankfurt: 15. Juni 19 (Frankfurter Erstaufführung; im Bockenheimer Depot)

The Medium
Tragödie in zwei Akten
Von: Gian Carlo Menotti

Musikalische Leitung: Nikolai Petersen
Regie: Hans Walter Richter
Bühnenbild: Kaspar Glarner
Kostüme: Cornelia Schmidt
Licht: Jan Hartmann
Dramaturgie: Mareike Wink

Besetzung:

Madame Flora: Meredith Arwady
Monica: Louise Alder
Mrs. Gobineau: Barbara Zechmeister
Mr. Gobineau: Dietrich Volle
Mrs. Nolan: Kelsey Lauritano *

Satyricon
Oper in einem Akt
Von: Bruno Maderna

Musikalische Leitung: Simone Di Felice
Regie: Nelly Danker
Bühnenbild: Kaspar Glarner
Kostüme: Cornelia Schmidt
Licht: Jan Hartmann
Dramaturgie: Stephanie Schulze

Besetzung:

Trimalchio: Peter Marsh
Fortunata: Meredith Arwady
Scintilla: Ambur Braid
Criside: Karen Vuong
Habinnas: Theo Lebow
Eumolpus: Mikołaj Trąbka

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
* Mitglied des Opernstudios


www.oper-frankfurt.de