Pete Smiths »Fliegen lernen« im Societäts-Verlag erschienen

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Fliegen lernen ~ Ein Roadtrip vom Nordend nach Rom

David und Lu(cia) lernen sich in einem Bus nach Rom kennen und anfänglich – so scheint es – verbindet sie nichts. Bald aber entdecken sie jenseits aller Gegensätze auch Gemeinsamkeiten und kommen einander immer näher, bis sie sich schließlich ihr eigentliches Geheimnis offenba-ren. Mit „Fliegen lernen“ hat Pete Smith einen Coming-of-Age-Roman erschaffen, der das unbedingte Streben nach Freiheit, das tiefe menschliche Bedürfnis nach Sicherheit und die verzweifelte Suche nach Nähe und Geborgenheit in unserer heutigen Zeit verdeutlicht.

Die Protagonisten – David und Lucia – könnten unter-schiedlicher kaum sein. David lebt mit seinem Vater und dessen Bruder, seinem Opa und seinem Bruder in einer skurrilen Männer-WG, steht kurz vor seinem Abitur und versucht sein Bedürfnis nach Nähe mit flüchtigen One-Night-Stands zu kompensieren. Seine Leidenschaft gilt der Fotografie und der Galerie der verborgenen Dinge, die er für seinen erblindeten Onkel zu vervollständigen versucht. Lucia wirkt äußerlich wie die perfekte Vorzeigetochter: Sie spielt in einem Jugendorchester und plant, sich für ein Medizinstudium einzuschreiben. In einem Reisebus nach Rom treffen beide schließlich aufeinander. Während David seinen Vater bei der Suche nach einer vermissten jungen Frau begleitet, ist Lu mit ihrem Ensemble zu einem Gast-spiel auf einem renommierten Nachwuchsfestival unter-wegs. Schnell entdecken sie neben ihrer gemeinsamen Kinoleidenschaft auch andere Gemeinsamkeiten und offen-baren sich schließlich den wahren Grund für ihre Reise: David glaubt in Rom seine Mutter zu finden, die vor 13 Jahren unter rätselhaften Umständen verschwand, wogegen Lu sich aus der Umklammerung ihrer eigenen Mutter verzweifelt zu befreien versucht.

Mit „Fliegen lernen“ betritt Pete Smith sowohl stilistisch als auch thematisch gesehen Neu-land. Durch beständige Perspektivwechsel zwischen David und Lu wird der Leser tief in die Gedankenwelt der beiden Jugendlichen hineingezogen, deren zuweilen derbe Sprache und stakkatoartige Dialoge den Roman beinahe expressionistisch verfremden. Ebenso in der Er-zählweise hebt sich der Roman von den bisherigen Werken des Autors ab. Mit viel Empathie für das jugendliche Alter seiner Protagonisten erzählt Smith von den Sorgen und Ängsten, aber auch Träumen und Wünschen Heranwachsender in einer Gegenwart medialer Reizüberflutung. Ein Buch über den Umgang mit den eigenen Ängsten, den Wunsch nach Freiheit, den eigenen Weg zu gehen und den Mut, neues Vertrauen zu fassen.

Pete Smith wurde 1960 als Sohn einer Spanierin und eines Engländers in Soest geboren. An der Universität Münster studierte er Germanistik, Philosophie und Publizistik. Nach seinem Magister-Examen arbeitete er zunächst als Kulturredakteur, bevor er sich als freier Schriftsteller in Frankfurt am Main niederließ. Er schreibt Romane, Erzählungen und Essays. Für seinen Roman „Endspiel“ wurde er 2012 mit dem Robert-Gernhardt-Preis des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Für „Fliegen lernen“ erhielt er ein Stipendium der gleichen Institution.

Pete Smith: Fliegen lernen
Societäts-Verlag 2019
448 Seiten, Broschur
€ 18,00 (D) / € 18,50 (A)
ISBN: 978-3-95542-355-1

societaets-verlag.de

Im Rahmen von OPEN BOOKS 2019 liest Pete Smith am Freitag, den 18. Oktober 19 um 17.00 Uhr im Frankfurter Kapellchen/Römer aus dem Buch.