Outernational: Transtraditional concerts im Berliner radialsystem

#2 Wa & Davul // Konzertfilm

Musik als Geschichte von Wandel und Migration: „Outernational“ ist eine neue transtraditionelle Konzertreihe im radialsystem, die sich auf die Suche nach einer zeitgenössischen, hybriden, globalen Musik ohne Exotismen und Essenzialismen macht.

In Zusammenarbeit mit herausragenden Solist*innen präsentiert „Outernational“ interdisziplinäre Programme, die im radialsystem Premiere feiern und anschließend an verschiedenen Orten in Europa gastieren.

Ergänzt werden die Konzerte mit politischen, sozialen und postkolonialen Fragestellungen im Rahmen von „Outernational Listening Sessions“.

Nach dem Start der Reihe Ende Oktober trafen beim zweiten „Outernational“- Konzert im Dezember Kamilya Jubran, Werner Hasler und Cevdet Erek im radialsystem ohne Publikum aufeinander – die musikalische Begegnung wurde gefilmt: Die palästinensische Musikerin Kamilya Jubran ist eine der prägendsten und einflussreichsten Stimmen der arabischen Avantgarde. Sie durchdringt traditionelle musikalische Einflüsse mit der ihr eigenen Experimentierfreude und spielt dabei mit musikalischen Erwartungshaltungen.

Begleitet von dem Schweizer Trompeter und Elektronikkünstler Werner Hasler begibt sich die Sängerin mit ihrem neuen Programm „Wa“ – was auf Arabisch „und“ bedeutet – in neue musikalische Räume – quadrofonisch verstärkte Texturen, die im nächsten Augenblick in sich zusammenfallen.

Der Musiker und Künstler Cevdet Erek aus Istanbul widmet seine langjährig entwickelte Performance der Davul, einer Bassdrum, die zu den ältesten Trommeln weltweit gehört und in Regionen des östlichen Europas sowie des Mittleren Ostens verbreitet ist. Seine Spielweise ist einzigartig und umfasst komplexe, traditionelle Tanzrhythmen über technoähnliche bis zu sensibel-archaischen Beats. Erstmalig stehen Cevdet Erek und das Duo Jubran/Hasler gemeinsam auf der Bühne – begleitet von Barock- und Renaissanceklängen, die alte Hörräume zwischen Fundament bis Ornament aufspannen…

Das ursprünglich für den 15. Dezember geplante live-Programm wird als Konzertfilm präsentiert und um eine „Outernational Listening Session“ ergänzt, in der sich Prof. Dr. Naika Foroutan, Direktorin und Leiterin der Abteilung „Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik“ am Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung, und die Sozialwissenschaftlerin Esra Küçük, Geschäftsführerin der Allianz Kulturstiftung, mit

Fragen der postmigrantischen Gesellschaft auseinandersetzen.

Elisa Erkelenz

hat französische und deutsche Literatur sowie Kulturmanagement in Bonn, Paris und Hamburg studiert. Nach langjähriger Tätigkeit als Dramaturgin und stellv. Geschäftsführung des Ensemble Resonanz widmet sie sich heute als freie Journalistin, Kuratorin und Dramaturgin klassischer und zeitgenössischer Musik. Unter anderem ist sie für die Donaueschinger Musiktage oder die Elbphilharmonie tätig, kuratiert und moderiert die Philosophiereihe „Bunkersalon“, entwickelt Kinderkonzerte und kuratiert die Konzertreihe „Outernational“. Als Journalistin schreibt sie z.B. für das VAN Magazin, in dem sie mit einem Fellowship von #bebeethoven die Reportagereihe „Outernational“ ins Leben gerufen hat.

Die Sängerin und Oudspielerin Kamilya Jubran

ist seit ihrer Kindheit der klassischen arabischen Musik verbunden. Während ihres Studiums an der Hebräischen Universität in Jerusalem schloss sie sich der palästinensischen Musikgruppe Sabreen an, deren Anliegen es ist, das Bewusstsein für die Bedeutung von Musik und Musikerziehung zu schärfen. Gemeinsam mit Sabreen nahm Jubran vier Alben auf und tourte lokal wie international. Seit 2002 arbeitet sie mit dem Trompeter Werner Hasler zusammen und ist mit ihm im Duo auf der Suche nach musikalischen Ausdrucksformen. Ihr aktuelles Projekt „WA“ (2019) ist bei Everest Records erschienen. Seit 2014 ist sie künstlerische Leiterin des Projekts Zamkana, mit dem sie 2018 die Produktion „SODASSI“ verwirklichte und 2020 in Zusammenarbeit mit La Dynamo de Banlieuesbleues die Musikplattform „Terrae Incognitae“ ins Leben rief.

Werner Hasler

ist Trompeter, Elektroniker und Komponist. Seit 2002 arbeitet er mit der Sängerin und Oudspielerin Kamilya Jubran im Duo, das aktuelle Projekt „WA“ (2019) ist bei Everest Records erschienen. 2009 erhielt er ein Werkjahrstipendium der Kulturstiftung Liechtenstein. Während dieser Zeit komponierte er für das Ensemble the outer string, in dem er mit Vincent Courtois, Carlo Niederhauser, Katryn Hasler, Marie Schmit, Gyda Valtisdottir, Christoph Steiner, Franck Vaillant und Julian Sartorius zusammenarbeitete. Die Arbeiten sind zwischen Installation, Ausstellung und Konzert verortet. Zudem ist er u.a. mit Jon Hassell, Sidsel Endresen, Don Li und dem Ensemble Zampugn aufgetreten. Seit 2012 lehrt Hasler an der Hochschule der Künste Bern im Bereich Music and Electronics.

Dr. Naika Foroutan

ist Professorin für Integrationsforschung und Gesellschaftspolitik an der Humboldt-Universität zu Berlin und leitet dort das Berliner Institut für Integrations- und Migrationsforschung (BIM). Außerdem ist sie Leiterin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM). Sie arbeitet zu Themen wie Migration, Integration und postmigrantische Gesellschaften. Im Jahr 2011 erhielt sie den Berliner Integrationspreis für ihr Eingreifen in die bundesweit kontrovers geführte „Sarrazindebatte“, 2012 den Wissenschaftspreis der Fritz-Behrens Stiftung für exzellente Forschung, und 2016 wurde sie mit dem Höffmann-Wissenschaftspreis für Interkulturelle Kompetenz ausgezeichnet. Ihre aktuelle Monographie „Die postmigrantische Gesellschaft: Ein Versprechen der pluralen Demokratie“ erschien 2019 bei transcript.

Esra Küçük

ist Geschäftsführerin der Allianz Kulturstiftung, eine gemeinnützige Stiftung, die multilaterale Kunst-, Kultur- und Bildungsprojekte in Europa und im Mittelmeerraum initiiert und fördert. Sie setzt sich mit Zukunftsfragen einer Gesellschaft im Wandel auseinander und setzt auf eine chancenorientierte Begegnung mit gesellschaftlichen Diskursen. Bei der Stiftung Mercator entwickelte sie die Idee für das deutschlandweite Bildungsprogramm „Junge Islam Konferenz“, am Maxim Gorki Theater war sie an der Gründung des Gorki Forums beteiligt, ein Diskursort für eine vielfältige Stadtgesellschaft an der Schnittstelle von Kultur, Wissenschaft und Politik.

Outernational

Wie klingt eine Kunstmusik, die sich in Exil und Diaspora ihren multiplen, hybriden Einflüssen stellt? Wie lösen wir hörend Vorstellungen vom Eigenen und Fremden auf? Wie spiegeln Konzertprogramme eine offene Gesellschaft in ihrer Vielstimmigkeit?

„Outernational“ ist eine neue europäische Konzertreihe, die Künstler* innen präsentiert, die sich mit trans-traditioneller Musik beschäftigen: Ob in einer Session zwischen Barock, persischer Klassik und elektronischer Komposition, der Sängerin Kamilya Jubran, die mit einem Streichquartett und einer Komponistin für eine multimediale Performance zusammenkommt, oder mit dem Trickster Orchestra, das Musiker*innen aus verschiedensten Traditionen zu einer neuen Klangsprache verbindet. Sie alle sind auf der Suche nach einer zeitgenössischen, hybriden, globalen Musik, die Exotismen und Essenzialismen vermeidet.

Den Konzerten voran geht eine umfassende künstlerische Recherche, die nicht nur Szenen und aktuelle, musikalische Entwicklungen aufspürt, sondern auch Fragen des „Musicking“, d.h. der Aufführungspraxis und Kontextualisierung, in den Blick nimmt. Ziel ist es, neue Räume für herausragende Künstler*innen fernab des Mainstreams zu öffnen. Sie werden von der Kuratorin Elisa Erkelenz im engen Dialog mit den Künstler*innen entwickelt.

Rund um jedes Konzert entsteht im VAN Magazin Outernational ein eigener, digitaler Schwerpunkt mit Hintergründen zu Musik, Instrumenten und den beteiligten Künstler*innen: van-outernational.com


Di 15 01 2021 19 Uhr: Konzertfilm
Mi 20 01 2021 19 Uhr: Stream „Outernational Listening Session“

Beide Filme werden im radar auf der Website verfügbar sein.

Voice und Oud: Kamilya Jubran
Electronics: Werner Hasler
Davul: Cevdet Erek
Violine: David-Maria Gramse
Gambe: Liam Byrne
Theorbe: Andreas Arend
Licht und Video: Heinrich Horwitz, Rosa Wernecke und Florian Schmuck
Outernational Listening Session: Dr. Naika Foroutan und Esra Küçük
Kuration und Dramaturgie: Elisa Erkelenz

Outernational wird ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, der Allianz Kulturstiftung, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen von BTHVN2020.
Medienpartner ist das VAN Magazin mit der Reportagereihe VAN Outernational.
In deutscher Sprache.
Das nächste „Outernational“-Konzert findet am 02. März 2021 im radialsystem statt.

radialsystem.de