Opernprojekt »Erwartung« und »Die sieben Todsünden« an der Prager Staatsoper

Im Rahmen von „Musica non grata“ – Premiere am 26.11.2021

© Michal Jenik auf Pixabay

Mit einer Doppelaufführung wird am 26. November 2021 an der Prager Staatsoper das Projekt „Musica non grata“ fortgesetzt: Arnold Schönbergs Monodram „Erwartung“ und Kurt Weills Ballett Chanté „Die sieben Todsünden“ werden in einer gemeinsamen Produktion von Barbora Horáková Joly inszeniert und unter der musikalischen Leitung von Jiří Rožeň aufgeführt. Die Rolle der Frau in Schönbergs „Erwartung“ hat die Sopranistin Petra Alvarez Šimková inne, Anna I und II in Weills Werk werden durch die Mezzosopranistin Dagmar Pecková und die Tänzerin Léa Švejdová verkörpert. Weitere Aufführungen folgen am 28. November sowie am 5., 8. und 15. Dezember.

„Die Frau (in der Welt)“ – das Thema ist uralt und hochaktuell. Kurt Weills Ballett Chanté entstand in Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht und dem Choreographen George Balanchine. Es wurde im Juni 1933 in Paris uraufgeführt, die Handlung spielt in den USA. Damit spiegelt es den Lebensweg des Komponisten Weill, der wegen seiner jüdischen Herkunft unter den Nationalsozialisten als verfemter Künstler galt und 1933 Deutschland verließ.

Arnold Schönbergs „Erwartung“ ist dagegen ein Werk des Expressionismus. Das Monodram ist eng mit Prag und der heutigen Staatsoper verbunden: Nachdem das Haus unter dem ursprünglichen Namen „Neues deutsches Theater“ 1888 eröffnet worden war, erlebte es eine Glanzzeit bis 1938, insbesondere unter dem Musikdirektor Alexander Zemlinsky, dessen 150. Geburtstag in diesem Jahr begangen wurde. Zemlinsky leitete die Uraufführung der „Erwartung“ 1924 im Rahmen des Musikfestes der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik.

Die Aufführung der Werke von Schönberg und Weill ist in weiten Teilen eine Prager Produktion: Mit der Regisseurin Barbora Horáková Joly und dem Dirigenten Jiří Rožeň sind zwei Künstler:innen beteiligt, die aus Prag stammen und inzwischen auf internationalen Bühnen zuhause sind. Gleiches gilt für die Sopranistin Petra Alvarez Šimková, die Mezzosopranistin Dagmar Pecková und die Tänzerin Léa Švejdová. Künstlerischer Direktor der drei Prager Opernhäuser ist Per Boye Hansen, Musikdirektor der Prager Staatsoper Karl-Heinz Steffens.

2020 startete der auf vier Jahre angelegte Zyklus „Musica non grata“ in Prag, der an die reiche Prager Musiktradition vor 1938 anknüpft. Mit Unterstützung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag finden zahlreiche Opernproduktionen, Sinfonie- und Kammermusikkonzerte mit Werken von Komponisten tschechisch-jüdisch-deutscher Herkunft statt, die eine besondere Beziehung zu Prag und Tschechien hatten. Neben den Operneuproduktionen des Herbstes fand im August 2021 die Terezín Summer School statt, in der es für Studierende aus Tschechien und Deutschland Konzerte und Workshops zum Themenkomplex der „Entarteten Musik“ im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt gab. Anfang Oktober feierte man in einem Mikrofestival den 150. Geburtstag von Alexander Zemlinsky. Die nächste große Premiere im Rahmen von „Musica non grata“ findet im März 2022 mit Schrekers „Der ferne Klang“ statt.

Weitere Informationen zu „Musica non grata“ finden sich unter: musicanongrata.com

Nationaltheater Prag: narodni-divadlo.cz