Oper Chemnitz vollendet Wagners „Ring des Nibelungen“ mit »Götterdämmerung«

Götterdämmerung ~ Oper Chemnitz ~ v.l.: 1. Norn (Anja Schlosser), 2. Norn (Sylvia Rena Ziegler), 3. Norn (Cornelia Ptassek) (Foto: Kirsten Nijhof)

Premiere „Götterdämmerung“ am 1. Dezember, 16.00 Uhr im Opernhaus Chemnitz

Das außergewöhnliche Projekt der Theater Chemnitz, im Jahr 2018 anlässlich des 875-jährigen Stadtjubiläums alle vier Teile von Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“ als Neuproduktion auf die Opernbühne zu bringen, nähert sich seinem Finale. Vier Regisseurinnen – Verena Stoiber, Monique Wagemakers, Sabine Hartmannshenn und Elisabeth Stöppler – mit je eigenen Ausstatter-Teams stellten sich der Herausforderung, die Musikdramen unabhängig voneinander in individueller Erzählweise und Ästhetik in Szene zu setzen. Nachdem im Februar „Das Rheingold“, im März „Die Walküre“ und im September „Siegfried“ ihre erfolgreiche Premiere erlebt hatten, wird die Premiere „Götterdämmerung“ am 1. Dezember 2018 den fulminanten Schlusspunkt setzen. Ob es am Ende einen „typisch weiblichen“ Blick auf Wagners Meisterwerk gibt, lässt sich dann im Rückblick auf alle vier Inszenierungen möglicherweise beantworten.

Nach dem Liebesrausch von Brünnhilde und Siegfried am Ende des „Siegfried“ lässt der Dichterkomponist sein Opus Magnum mit der „Götterdämmerung“ in ein Weltuntergangsszenario münden. Selbst Erdas Töchter, die drei Schicksal-kündenden Nornen, resignieren angesichts einer degenerierten Natur und Gesellschaft – ohne Kinder, ohne Zukunft. Dem kann auch die Liebe zwischen Siegfried und Brünnhilde nichts entgegensetzen. Von Alberichs Sohn Hagen manipuliert, verspielt Siegfried leichtfertig den Ring, seine große Liebe und jede Chance auf Wiedergutmachung und Rettung der aus den Fugen geratenen Welt. Einzig Brünnhilde, durch Liebe und schmerzvolle Erfahrung gereift, überdauert den Untergang der machtzerfressenen, dekadenten und brutalen Gesellschaft. Durch sie wird die Hoffnung auf eine Zukunft am Leben gehalten.

Die Regisseurin Elisabeth Stöppler, die Bühnenbildnerin Annika Haller und die Kostümbildnerin Gesine Völlm arbeiten zum ersten Mal gemeinsam an der Oper Chemnitz. Das hochkarätige Solistenensemble mit Chemnitz-Debüts von Stephanie Müther als Brünnhilde und Marius Boloş als Hagen sowie einem Wiedersehen mit dem im „Siegfried“ gefeierten Tenor Daniel Kirch und dem im „Rheingold“ als Alberich umjubelten Jukka Rasilainen, der Opernchor und die Robert-Schumann-Philharmonie werden von Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo musikalisch geleitet.

Götterdämmerung
Dritter Tag aus dem Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ von Richard Wagner
Premiere im Opernhaus Chemnitz: 1. Dezember 18 (16.00 Uhr)

Musikalische Leitung: Guillermo García Calvo
Inszenierung: Elisabeth Stöppler
Bühne: Annika Haller
Kostüme: Gesine Völlm
Chor: Stefan Bilz

Besetzung:

Siegfried: Daniel Kirch
Gunther: Pierre-Yves Pruvot
Alberich: Jukka Rasilainen
Hagen: Marius Boloş
Brünnhilde: Stéphanie Müther
Gutrune, 3. Norn: Cornelia Ptassek
Waltraute: Anne Schuldt
1. Norn: Anja Schlosser
2. Norn, Wellgunde: Sylvia Rena Ziegler
Woglinde: Guibee Yang
Floßhilde: Sophia Maeno

Chor und Chorgäste der Oper Chemnitz
Robert-Schumann-Philharmonie

Die Theater Chemnitz danken der Sparkasse Chemnitz für ihre großzügige finanzielle Unterstützung. Diese Unterstützung ermöglicht die Neuproduktion aller vier Teile von Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ innerhalb des Jahres 2018 im Rahmen des Stadtjubiläums „875 Jahre Chemnitz“.

Restkarten für die Premiere sowie für die 2. Vorstellung am 22. Dezember, 16.00 Uhr sind unter Tel. 03714000-430 und www.theater-chemnitz.de erhältlich.

Das Projekt „Der Ring des Nibelungen“

Die Werke Richard Wagners waren stets ein wichtiger Schwerpunkt in der Chemnitzer Operntradition und brachten der Stadt den ehrenvollen Beinamen „Sächsisches Bayreuth“ ein. Das Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ war 1914 erstmalig in Chemnitz zu sehen und zog zuletzt von 2000 bis 2007 Publikum und Fachleute aus Nah und Fern in die sächsische Industriemetropole. 2018, im Jahr des 875. Stadtjubiläums, will die Oper Chemnitz erneut mit einem Leuchtturm-Projekt die Wagnerianer begeistern: Innerhalb nur eines Jahres werden alle vier Teile des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“ als Neuproduktion auf die Bühne gebracht. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der für den Zyklus entscheidende Impuls: die Frau. Frauen nehmen in Wagners „Ring“ zentrale Rollen ein, sind die tonangebenden Figuren – mit höchst unterschiedlichen Zielen. Folgerichtig sind auch vier Regis-seurinnen für die Inszenierung der Tetralogie engagiert worden: Verena Stoiber für „Das Rheingold“ (P: 03.02.2018), Monique Wagemakers für „Die Walküre“ (P: 24.03.2018), Sabine Hartmannshenn für „Siegfried“ (P: 29.09.2018) und Elisabeth Stöppler für „Götterdämmerung“ (P: 01.12.2018). Dabei arbeitet jede Regisseurin mit einem eigenen Ausstatter-Team, so dass jeder Teil der Tetralogie einen separaten und eigenen Blick auf die Geschichte ermöglicht und erst in der Abfolge aller vier Inszenierungen die stückimmanenten Verbindungen offenbart werden.

Im ersten Halbjahr 2019 wird „Der Ring des Nibelungen“ dreimal als Zyklus zu erleben sein.

Januar: 05.01. / 12.01. / 19.01. / 26.01.2019
Ostern: 18.04. / 19.04. / 20.04. / 22.04.2019
Himmelfahrt / Pfingsten: 30.05. / 01.06. / 08.06. / 10.06.2019

Ergänzt werden die zyklischen Aufführungen durch Einführungsvorträge: Begleitend zum Januar-„Ring“ gibt Eske Bockelmann, Experte für klassische Philologie und Germanistik, im Duo mit dem Pianisten Thomas-Michael Gribow im Weltecho Chemnitz unter dem Titel „Eske Bockelmann singt, liest und stellt vor“ sowohl für Wagner-Skeptiker als auch Wagner-Fans Stückeinführungen der besonderen Art. Zu den Zyklen an Ostern und Himmelfahrt / Pfingsten beleuchtet Prof. Dr. Christoph Fasbender von der TU Chemnitz, der seit Jahren die Wagner-Produktionen der Oper Chemnitz begleitet, unterhaltsam und spannend den reichhaltigen Fundus der Literatur, der Wagner als Inspirationsquelle für seinen „Ring“ diente.