Oldenburgisches Staatstheater stellt Spielplan für die kommende Saison vor

Spielplanpräsentation des Oldenburgischen Staatstheaters am 25. April 2019 (Foto: Stephan Walzl)

Generalintendant Christian Firmbach präsentierte heute gemeinsam mit den leitenden Dramaturg*innen, Spartenleiter*innen und GMD Hendrik Vestmann den Spielplan der Saison 19/20.

In der sechsten Spielzeit unter Generalintendant Christian Firmbach legt das Theater in seiner Programmgestaltung Wert auf vielfältige und komplexe Themen und Stoffe und setzt auf Solidarität und Kooperationen zwischen den Kulturschaffenden und –institutionen. So entsteht ein Spielplan mit vielgestaltigen Höhepunkten: Das flausen+BANDEN!-Festival schmiedet Allianzen mit (Performance-)Künstler*innen aus ganz Europa und lädt das Publikum zu neuen Wahrnehmungserfahrungen ein. Die BallettCompagnie Oldenburg erweitert ihr Netzwerk über Mainz und Estland bis nach Korea. In Zusammenarbeit mit dem Hanse-Wissenschaftskolleg führt das Theater die Reihe ‚Writer in Residence‘ fort, die diesmal die Unendlichkeit des Universums betrachtet. Ferdinand von Schirach kehrt nach dem großen Erfolg von ‚Terror‘ mit seinem neuesten Stück zurück, und auch Richard Wagners ‚Der Ring des Nibelungen‘ kommt nun erstmals vollständig in Oldenburg zur Aufführung.

Die Spielzeit 19/20 hält insgesamt 30 Premieren – 13 Uraufführungen, eine Deutsche und zwei Niederdeutsche Erstaufführungen – und 24 Wiederaufnahmen sowie ein umfangreiches Konzertprogramm bereit.

In der Oper wird mit ‚Götterdämmerung‘ erstmals in der 100-jährigen Geschichte der Oldenburger Opernsparte Richard Wagners vierteiliger ‚Ring des Nibelungen‘ vollendet. Das Bühnenfestspiel ist 2020 in drei Zyklen vollständig zu erleben und wird von einem breitgefächerten Zusatzangebot umrankt. Die Barockproduktion richtet diesmal den Blick nach England und verschränkt in der Regie von Tobias Ribitzki die Schicksale von ‚Dido and Aeneas‘ sowie ‚Venus and Adonis‘ zu einem facettenreichen Frauenschicksal. Die konzertante Reihe wird mit Donizettis ‚La Sonnambula‘ fortgesetzt, einem Meisterwerk des Belcanto, dessen Titelrolle für Sooyeon Lee geradezu maßgeschneidert ist. Von einem spektakulären Herrschermord und aufwühlenden Seelenkonflikten erzählt die vielfach ausgezeichnete griechische Regisseurin Rodula Gaitanou in Verdis ‚Un ballo in maschera‘ und gibt damit ihr Deutschlanddebüt. Als weibliche Protagonistin Amelia stellt sich darin die kasachische Sopranistin Lada Kissy als neues Ensemblemitglied vor. Sie singt auch die Titelrolle in ‚Rusalka‘: Die tiefgründige Oper von Antonín Dvorak wird Hinrich Horstkotte als Regisseur und Ausstatter in Szene setzen, der in Oldenburg bereits mit ‚Rigoletto‘ begeisterte. Wer Steven Spielbergs Film ‚Terminal‘ kennt, ahnt, welch abstruse Geschichte die Oper ‚Flight‘ schildert: Jonathan Doves Version dieser wahren Begebenheit gehört mit ihrer ebenso eingängigen wie theatralischen Musiksprache seit 1998 vor allem in den USA zu den gefragtesten zeitgenössischen Opern-Highlights.

Mit dem ‚Ring ohne Worte‘, der orchestralen, gut einstündigen Kurzfassung des monumentalen ‚Ring‘-Zyklus eröffnet GMD Hendrik Vestmann die Konzertsaison 19/20, deren Programmierung nach bewährter Weise auf eine Mischung aus Repertoireklassikern und unbekannteren Werken setzt. So finden sich darin Sinfonien von Rachmaninoff, Sibelius, Mendelssohn und Tschaikowsky sowie die Symphonie fantastique von Berlioz ebenso wie Orchesterwerke der estnischen Komponistin Ester Mägi, von Gottfried von Einem oder Jens Joneleit, dem Artist in Residence der Spielzeit 19/20. In den Solo-Konzerten gastieren u. a. Linus Roth, der als führender Mieczysław Weinberg-Experte dessen Violinkonzert interpretiert und Frederic Belli, der die spannende Mischung aus Jazz, Impressionismus und südamerikanischer Musik des Posaunenkonzerts von Henri Tomasi virtuos umsetzt. Neben den alljährlichen Traditionskonzerten vereinen sich in dieser Spielzeit erneut Staatsorchester-Musiker*innen mit Mitgliedern des Jungen Orchesters Oldenburg zum Patenschaftskonzert. Auf probate Weise setzen die Familien- und Kinderkonzerte ebenso auf Repertoire-Vermittlung wie auf die Neugier am Unbekannten. Das traditionelle Barockkonzert im Schloss vereint Werke bekannter und unbekannterer italienischer Komponisten. Mit großer Liebe zur intimen Form des Musizierens haben die Orchestermusiker*innen ihre abwechslungsreiche Kammerkonzert-Reihe programmiert und die Opernsänger*innen ein vielfältiges Liederabend-Programm zusammengestellt.

Im Schauspiel des Oldenburgisches Staatstheater waren in der vergangenen Spielzeit zahlreiche Produktionen mit überregionaler Geltung zu sehen: Für die Eröffnungsproduktion ‚1984‘, welche auf der Vorschlagsliste für das europaweit bekannte Nachtkritik-Theatertreffen war, reisten Theatermacher*innen aus ganz Deutschland nach Oldenburg, um die Neufassung des Bestsellers in der Regie der Medienkünstlerin Luise Voigt zu sehen. Ebenso konnte mit der Uraufführung ‚Das Haus auf Monkey Island‘von Rebekka Kricheldorf, die in Kooperation mit dem Hanse-Wissenschafts-Kolleg (HWK) in Delmenhorst entstand, ein erfolgreiches Stück neuer Dramatik geschaffen werden. Nicht nur unser Publikum, sondern auch die Fachwelt fand Gefallen an dem Wissenschaftskrimi, der mit einer Einladung zu den Autorentheatertagen nach Berlin belohnt wurde. Mit dem Stück Mission Mars‘, welches ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem HWK entsteht, wird diese Arbeit an neuen Texten für die Bühne in der neuen Spielzeit fortgesetzt. Der Autor Björn SC Deigner schreibt hier an einer Auseinandersetzung über den Traum von fernen Welten und den Albtraum der Welt in uns. Die Regie für dieses Projekt übernimmt im Januar 2020 Kevin Barz, der beim letztjährigen Körber Studio Junge Regie in Hamburg überzeugte Einen neuen Text präsentiert auch Ferdinand von Schirach, der dem Oldenburger Publikum durch sein großes Bühnenexperiment ‚Terror‘ bekannt ist. In seinem Stück mit dem Titel ‚Gott‘ greift er die aktuell leidenschaftlich und sehr kontrovers geführte Debatte um selbstbestimmtes Sterben auf. Das Oldenburgische Staatstheater ist eines der ersten deutschsprachigen Häuser, welches die Aufführungsrechte des Textes erhalten hat. Auch alte und neue Klassiker finden Eingang in den Spielplan: Bertolt Brechts ‚Herr Puntila und sein Knecht Matti‘ soll hierbei ebenso genannt werden, wie ‚Medea‘und ‚Faust‘ (Der Tragödie erster Teil), für den das Oldenburgische Staatstheater ein weiteres Mal das Team um Robert Gerloff für eine Arbeit in Oldenburg gewinnen konnte. Beendet wird der Reigen durch die Fortsetzung des BANDEN!-Festivals, welches bereits vor zwei Jahren die Oldenburger*innen mit neuen performativen Allianzen begeisterte. Erstmals arbeitet BANDEN! 2020 mit dem theater wrede+ und dem Theaterhaus Hildesheim sowie mit den Universitäten Oldenburg, Bremen und Hildesheim zusammen, um die ganze Bandbreite der freien performativen Künste am Theaterwall, am Pferdemarkt und in der Klävemannstraße erlebbar zu machen. Entsprechend des erweiterten Netzwerkes wird das Festival vom 14. bis 17. Mai 2020 wieder Eigenproduktionen und Gastspiele namhafter Künstlergruppen präsentieren, außerdem ein umfangreiches Nachwuchs- und Akademieprogramm sowie natürlich Konzerte, Partys und mehr.

Für die BallettCompagnie Oldenburg steht die Spielzeit 19/20 ganz im Zeichen der Kreation: Sie wird sieben Uraufführungen präsentieren. Antoine Jully lädt dazu fünf zeitgenössische Choreograf*innen ein. So ist die Eröffnungspremiere im Oktober im Großen Haus ein dreiteiliger Ballettabend mit drei Uraufführungen: Der Tänzer Lester René choreografiert ‚Quantum Leap‘, ein Künstlerteam aus Südkorea verbindet in ‚Pierrot Lunaire‘ von Hae-Kyung Lee traditionellen koreanischen Tanz und Instrumente mit zeitgenössischem Tanz und einer Neukomposition von Myung Whun Choi. Antoine Jully kreiert zum ‚Konzert für Kontrabass und Orchester‘ (1948) des estnischen Komponisten Eduard Tubin ‚An den Ufern des Sees‘. Im Januar wird eine abendfüllende Choreografie von Antoine Jully uraufgeführt: ‚Vanitas‘ zur Live-Musik des italienischen Komponisten Salvatore Sciarrino. Zur Premiere im Kleinen Haus im März kreieren zwei Gastchoreografen, der Franzose Guillaume Hulot und der Belgier Jonas Vlerick, ‚OGAMI‘ und ‚Wild Hearts‘. Dazwischen ist die Wiederaufnahme von Antoine Jullys ‚Harmonic Language‘ in neuentworfenen Kostümen zu sehen. Im Mai 2020 gibt es ‚Ballett impulsiv II‘ mit Höhepunkten aus dem Repertoire der BallettCompagnie Oldenburg sowie Ausschnitten aus dem klassischen Ballettrepertoire zu sehen. Die Wiederaufnahme von Antoine Jullys ‚Jurassic Trip‘ rundet diesen Ballettabend ab. Die BallettCompagie Oldenburg steuert mit der Kreation ‚Apartment 7 a‘ von Alessandra Corti auch eine Produktion für das Junge Staatstheater bei. Im Frühsommer 2020 gibt das Ensemble Gastspiele in Wilhelmshaven und am Staatstheater Mainz. Im Gegenzug begrüßen wir am 06.06.2020 tanzmainz mit ‚Soul Chain‘ von Sharon Eyal in Oldenburg.

Im Jungen Staatstheater beschäftigen sich die Stücke der kommenden Spielzeit mit jenem unangenehmen Gefühl, das jeder von uns kennt: Angst. „Angsthase, Pfeffernase morgen kommt der Osterhase!“ Wer kennt ihn nicht, diesen fiesen Sprechgesang, der immer dann ertönt, wenn einem sowieso schon das Herz in die Hose gerutscht ist. Marc Becker fragt sich und uns in seinem neuen Stück ‚Keine Panik!‘, welche Berechtigung Angst in unserer heutigen zivilisierten Welt noch hat. In einer Art theatraler Verhaltenstherapie untersucht er, wie Angst überwunden werden kann oder in welchen Momenten sie vielleicht doch ganz nützlich ist. In Felix Saltens Meisterwerk ‚Bambi‘ erleben wir das Aufwachsen eines Rehkitzes zwischen Idylle und der stetigen Gefahr, die im Wald lauert. Eike Hannemann erzählt Bambis Lebensgeschichte in Form eines Live-Hörspiels. In unserem Familienstück ‚Der gestiefelte Kater‘ steht der junge Hans nach dem Tod seines Vaters vor dem angsteinflößenden Nichts. Zum Glück hat der alte Müller ihm aber eine äußerst begabte Mieze vermacht. In Finegan Kruckemeyers märchenhaften Stück ‚Eine lacht, eine weint, eine bleibt‘ werden drei Schwestern im Wald ausgesetzt und stehen vor der schwierigen Entscheidung, wie sie ihr Leben fortan alleine gestalten sollen. Die Choreografin Alessandra Corti fragt sich in ihrem Stück ‚Apartment 7a‘, wie es wohl wäre, ohne Eltern, Geschwister oder die Oma zu wohnen? Stephanie Twiehaus und Christoph von Bernuth schließlich entführen die jungen Zuschauer*innen in ihrem Opern-Pasticcio ‚Orpheus und die Zauberharfe‘ in die schaurige Unterwelt. Ganz schön aufregend das Ganze. „Augen auf und durch“ lautet daher die Devise der kommenden Spielzeit im Jungen Staatstheater.

Die Theaterpädagogik legt den Schwerpunkt auf das Thema Transformation. Das Thema wird die Theaterpädagogische Fachtagung bestimmen und sich auch in der zweisprachigen Kinderclub-Produktion ‚The little lantern‘ von Ghassan Kanafani und der inklusiven Arbeit eines der Jugendclubs zeigen. Insgesamt werden neun Theaterclubs – drei Kinderclubs inkl. Platt’n‘Studio, fünf Jugendclubs inkl. Tanz- und Niederdeutscher Club und ein Erwachsenenclub – Produktionen erarbeiten und präsentieren. Die theaterpädagogische Abteilung wird in der Spielzeit 19/20 auch die Übersetzung von Theaterstücken in Gebärdensprache vorantreiben und erstmals Termine über die gesamte Spielzeit verteilt anbieten. Die erfolgreiche Netzwerkarbeit mit Institutionen in und um Oldenburg wird weiter vertieft. Kooperationspartner sind der Verein Jugendkulturarbeit, die Evangelische Bildungsstätte Rastede und die Kulturetage Oldenburg

Der neue Spielplan des Niederdeutschen Schauspiels versteht sich als ein Brückenschlag zwischen Tradition und Gegenwart. Durch die Stückauswahl wird ein Bogen gespannt von norddeutschen Volksdichtern und nostalgischen Stoffen bis hin zu aktuellen Themen und Autor*innen der Gegenwart. Gleich zu Anfang schickt das Seemannsgarn ‚Hein Godenwind‘ nach dem gleichnamigen Roman von Gorch Fock sein Publikum auf große Fahrt. Die Theaterfassung von Hans Balzer spielt in einer typischen Hafenkneipe und erzählt die fantastischen Geschichten des alten Seebären Hein Godenwind. Regisseurin Anja Panse (‚Paulette‘) bringt mit ‚Hein Godenwind‘ ein Märchen für Erwachsene auf die Bühne – mit Akkordeonklängen, Klaviermusik und Seemannsliedern. Das Stück ‚De Ruum-Maaten‘, eine Übertragung des englischen Originals ‚The Roommate‘ von Jen Silverman, unternimmt das Experiment der Zweisprachigkeit von Platt- und Hochdeutsch auf Augenhöhe. Zwei Frauen – Sharon und Robyn, beide Mitte 60, sehnen sich jede nach einem Neuanfang. Als sie zusammenziehen, treffen zwei Welten und zwei Sprachen aufeinander und bewirken impulsive Begegnungen. Zwei große Rollen und eine außergewöhnliche Besetzung: Die Oldenburger Kammerschauspielerin Elfi Hoppe kehrt in der Rolle der Robyn auf die Bühne des Staatstheaters zurück und die „Plattdeutsch-Native-Speaker“ Rita Martens aus dem Ensemble der August-Hinrichs-Bühne verkörpert Sharon auf ihre eigene unnachahmliche Art. Mit ‚Teemlich beste Frünnen – Ziemlich beste Freunde‘ wird die Reihe der Filmadaptionen fortgesetzt, die beim Publikum großen Zuspruch gefunden hat. Wegen der großen Nachfrage wird ‚De letzte Smökerin‘ mit Petra Bohlen auch in 19/20 weiter in der Bar der Exerzierhalle und auf Tour im Oldenburger Umland zu sehen sein.

Die Sparte 7 versteht sich auch in der Spielzeit 19/20 wieder als Zukunftslabor und Versuchsfeld gleichermaßen. Die mit „Demokratisierung von Theater“ überschriebene Sparte löst die Grenzen der einzelnen Theaterdisziplinen auf und bietet Oldenburger*innen, Kooperationspartner*innen und Mitarbeiter*innen die Möglichkeit, gemeinsam Veranstaltungen mit den unterschiedlichsten Formaten zu planen.
Neben dem flausen+BANDEN-Festival, das auch für die Sparte 7 einen Programmschwerpunkt bilden wird, gibt es mit ‚The Black Performance‘ des deutsch-niederländischen Künstlerkollektivs BOSMOS einen akustischen Theaterabend, dessen Dramaturgie von Raum, Musik, Bühnenelementen und Licht bestimmt wird. Ein Abend, der die Sinne auf ganz besondere Weise anspricht.
Zu den Erfolgsformaten der Sparte 7 gesellen sich in der Spielzeit 19/20 ein Tanz für Moneten mit dem Salonorchester des Oldenburgischen Staatstheaters, das Late-Night-Bingo an der Theaterbar, die Slam-Reihe ‚It’s not the medium, it‘s the slam‘ in Kooperation mit dem Kulturbüro des Studentenwerkes der CvO Universität Oldenburg sowie ‚Die Zauberkugel‘, bei der Gäste auf der Bühne umgestaltet werden und ihren großen Hit aufführen dürfen. Im Rahmen der Reihe Diskursgewitter beschäftigen wir uns in Anlehnung an die „Region Nordwest – Erklärung der Vielen“ mit der Kunst- und Kulturfreiheit, der Demokratie und den Aufgaben und Grenzen von Kunst.

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