»Oh ooh, it’s Internal« von Arian de Vette im Kunstverein Friedrichshafen

Ausstellungsansicht: "Oh ooh, it’s Internal" von Arian de Vette, Courtesy: Arian de Vette und Kunstverein Friedrichshafen, Fotograf: Kilian Blees

Der Kunstverein Friedrichshafen präsentiert Oh ooh, it’s Internal bis zum 27. Juni 2021 die erste institutionelle Einzelausstellung des niederländischen Künstlers Arian de Vette. Der 1989 in Rotterdam, Niederlande, geborene Künstler hat Bildende Kunst an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam studiert und Bildende Kunst Keramik/Glas am Institut für Keramik und Glas Kunst, Höhr-Grenzhausen. Außerdem war er Resident an der Rijksakademie van beeldende kunsten, Amsterdam, und ist derzeit Emerging Artist-Stipendiat des Mondriaan Fund.

Arian de Vette schöpft aus dem Fundus der modernen Bildhauerei und insbesondere aus jener ab den 1950er Jahren. Dies spiegelt sich wider sowohl in der Verwendung mannigfaltiger Werkstoffe und Medien wie Text oder Video als auch in dem immer präsenten Bezug zum Raum. Der installative Charakter seiner Ausstellungen zielt auf die physische und psychische Aktivierung des Betrachters, wobei der ästhetische Eigenwert des Materials zahlreiche Assoziationen und Emotionen hervorruft.

Die Spannbreite der zum Einsatz kommenden Werkstoffe reicht von Keramik und Metall bis hin zu Fiberglas, Stoffen, Vinyl und verschiedenen Gebrauchsgegenständen. Für die Werke de Vettes ist eine ausgeprägte Körperlichkeit kennzeichnend, die sich zwischen Abstraktion und Figuration bewegt und die Dualität dieser beiden Grenzbereiche untersucht.

Für seine Einzelausstellung Oh ooh, it’s Internal im Kunstverein Friedrichshafen hat der Bildhauer mit 11 Arbeiten einen neuen Werkblock geschaffen, der die Räumlichkeiten des Kunstvereins als Ausgangspunkt nimmt. Die entstandene raumgreifende Installation vereint Skulpturen mit digitalen Collagen.

Dünne, drahtige Skulpturen schlängeln sich, filigranen, anthropomorphen Wesen gleich, den Boden entlang und die Wände hoch. If only you could lose your mind to come back to your senses (I) (2021) hat wulstige Fortsätze, die Assoziationen an Gliedmaßen evozieren. Bei Untitled (2021) kommen Drähte, die an Adern erinnern, unter artifiziell glänzenden Häuten hervor. Die Drähte durchbohren die Häute bis zur Oberfläche und dehnen sich in ihre Umgebung aus. Die plastischen Oberflächen wirken einerseits glänzend und künstlich, andererseits organisch. Ihre Farben, die an eine verwaschene Herbstpalette erinnern, wecken Assoziationen an die Vergänglichkeit allen Seins. Die Skulpturen mit ihren Fortsätzen und Gliedmaßen erscheinen wie erstarrte Existenzen, deren Signale in dem sie umgebenden immateriellen Raum verhallen. Alles hält sich in einem merkwürdigen Schwebezustand zwischen Stabilität und Instabilität.

Die Textarbeiten haben ihren Ursprung in Aquarellen, Notizen, Zeichnungen sowie in eigens verfassten oder gefundenen Texten. Eingescannt, vergrößert und fragmentiert wurden diese skizzenhaften Aufzeichnungen zu digitalen Collagen kombiniert. Diese Arbeiten spielen mit der Wahrnehmung des Betrachters. Denn zunächst meint man, vor Aquarellen oder Zeichnungen zu stehen und erst beim genauen Hinsehen wird erkennbar, dass man es mit digitalen, gedruckten Collagen zu tun hat. Irgendwo zwischen klar umrissenen Worten und fragmentiertem Gemurmel verwenden diese Collagen Sprache als reines Material. Inhalt, Bedeutung und Sinn treten in den Hintergrund, sodass sie vielmehr den Resonanzraum der Skulpturen erweitern. Ähnlich wie bei den Skulpturen scheint die Kommunikation jedoch gestört zu sein und die Worte ins Leere zu verlaufen. Dieses Gefühl vermitteln insbesondere Textfragmente wie Sssunset set set set sun sun sun set oder Sunnn rise Rise Rise Rise sun sun rise, die sich wie eine gesprungene Schallplatte – oder eben der ermüdende Kreislauf des Alltags – immerzu wiederholen.

Die Ausstellung wird großzügig vom Generalkonsulat des Königreichs der Niederlande und der Stichting Stokroos Stiftung gefördert.

Sobald es die im Infektionsschutzgesetz vorgegebenen Inzidenzzahlen erlauben, ist die Ausstellung unter Einhaltung der jeweils geltenden Hygieneregeln zugänglich.
Informationen zum Kunstverein Friedrichshafen finden Sie auch auf der Website kunstverein-friedrichshafen.de.