Offenbach-Jahr in Köln und Region Sept. bis Dezember

Pressekonferenz der Kölner Offenbach-Gesellschaft am 9. September 19 ~ vlnr: Louwrens Langevoort, Intendant der Kölner Philharmonie und Geschäftsführer der KölnMusik GmbH // Claudia Hessel, Koordinationsleiterin Offenbach-Jahr und Vorstand Kölner Offenbach-Gesellschaft // Franz-Josef Knieps, Vorsitzender der Kölner Offenbach-Gesellschaft // Anna Herbst, Sopran © Ralf Jürgens

Nachdem sich tout Köln Anfang 2019 fragte: „Wer ist dieser Mann?“, kennen mittlerweile nahezu alle die Antwort: Jacques Offenbach, geboren vor 200 Jahren in Köln, Schwergewicht der leichten Muse. Im Zweifelsfall haben die Kölner mittlerweile nicht nur zum Teufelsgalopp mitgeklatscht, sondern ihn sogar selber getanzt. Große Kunst muss nicht wehtun – aber alle ahnen: Es gibt weit mehr von Jacques Offenbach zu entdecken als die unsterbliche „Barcarole“.

Die Kölner Offenbach-Gesellschaft begibt sich im zweiten Halbjahr des Jubiläumsjahres mit einer Vielzahl an Partnern auf die Suche nach dem unbekannten Jacques Offenbach.Und zu entdecken gibt es noch viel im großen wie im kleinen Format, sowie in der dritten Ausgabe des Magazins der Kölner Offenbach-Gesellschaft JACQUES #3, das am 9.September veröffentlicht wurde.

Allein über 140 Bühnenwerke hat der Orpheus vom Rhein geschrieben, die zum größtenTeil heute vergessen sind. Zu Unrecht. So steht eines seiner grandiosen, seit seiner Zeit auf den Opernbühnen dieser Welt nicht mehr aufgeführten Stücke prominent als deutsche Erstaufführung auf dem Spielplan der Oper Köln: „Barkouf“ – eine Oper um einen Hund als Machthaber–ein noch heute hochaktuelles Stück.Premiere ist am 12. Oktober.

Der Einakter „Un Mari à la Porte“ aus dem Jahr1859 war ein Kassenschlager seiner Zeit –in Deutschland kommt er erstmals in französischer Originalsprache auf die Bühne. Verantwortlich dafür zeichnet eine Koproduktion der französischen Kammermusik-Institution Pro Quartet mit dem Conservatoire national supérieur de musique et de danse de Paris, die am 18. und 19. November szenisch im Düsseldorfer Landtag (18.11.) sowie in der Hochschule für Musik und Tanz Köln, mit Unterstützung der Kölner Offenbach-Gesellschaft.

Ein großer Gegenspieler Offenbachs war Richard Wagner. Dass die beiden mehr verbindet als die Tatsache, Zeitgenossen zu sein, zeigt Concerto Köln bei einem Konzert Wagner und Offenbach in der Kölner Philharmonie am 20. Oktober. Unter der Leitung von Kent Nagano wird der Meister von Bayreuth dem Meister des Boulevards gegenübergestellt. Man darf auf ungeahnte Perspektivierungen gespannt sein.Das Kulturradio WDR3 überträgt das Konzert sowie eine ergänzende, prominent besetzte WDR-Podiumsdiskussion am 20.Oktober.

Auf der Entdeckungsreise des Programms wird klar, wie sehr der Komponist des Pariser Lebens ein Kölner war. Am22. September um 11 Uhr in der Kölner Philharmonie wird das im Jahreskonzert des Kölner Männer-Gesang-Vereins zu erfahren sein, der, 1842 gegründet, in seinen Anfangsjahren mehrfach musikalischer Partner Jacques Offenbachs war. Und so werden die Sänger von heute als Original-Klangkörper in einem(fast) originalen Programm einer vielgestaltigen Mission zwischen Operette und Revolution nachgehen – insbesondere mit der ersten Aufführung seit 1848 des von Offenbach in Köln und für Köln geschriebenen Bürgerwehrliedes.

Jenseits der Bühne ist am 10. September Offenbachs Werk im Kölner Dom zu erleben, wenn Domorganist Winfried Bönig bei den Orgelfeierstunden 2019 seine Musik erklingen lässt. Am 29. September lässt das Liederprogramm „Le Langage des Fleurs“ mit sechs Blumen-Liedern im Spiegel französischer Lieder eine kammermusikalisch-intime Facette im Vokalwerk Offenbachs im WDR Funkhaus mit der Sopranistin Karola Pavone aufscheinen.

Zwei weitere Raritäten kommen als Eigenproduktionen der Kölner Offenbach-Gesellschaft frisch aus den Archiven auf die Bühne: Ein Familienalbum aus den 1830er-Jahren, angelegt von Jacques Offenbachs Vater, dem Synagogenkantor Isaac Offenbach, steht im Mittelpunkt eines Abends am 17. Oktober im WDR Funkhaus am Wallraffplatz. Die Sammlung wurde erst kürzlich wissenschaftlich aufgearbeitet und enthält Lieder und Gesänge, die zuhause in der Glockengasse zum Zeitvertreib musiziert wurden – darunter auch die ersten Kompositionen des jungen Jacques Offenbach. Eine veritable Neuentdeckung und ein ganz neuartiger Ausflug in Kölns musikalische Vergangenheit -mit Dana Marbach (Sopran), Izhar Elias (Biedermeiergitarre), und Marie-Luise Marjan (Lesung).Das Projekt wird finanziert von der Kunststiftung NRW.

Die zweite musikalische Wiederentdeckung ist das Purimspiel „Ester, Königinnvon Persien“ von Isaac Offenbach. Am jüdischen Feiertag Purim steht die Welt Kopf–ein Vergleich mit dem Karneval liegt nahe. In der jüdischen Welt wird Purim ausgelassen gefeiert, mit heiteren Singspielen. „Ester“ aus dem Jahr 1833 war offenbar für den Haus gebraucht der Offenbachs bestimmt. Ab13. November wird zum ersten Mal eine musikalisch vollständig rekonstruierte Version dieses Stückes in einer Regiearbeit von Thomas Höft öffentlich zu sehen und zu hören sein.

Möglich werden solche Ausgrabungen erst durch Wissenschaft und Forschung. Köln hat in Sachen Offenbach die Nase vorn: Denn der weltgrößte Archivalien-Bestand zu Jacques Offenbach befindet sich im Historischen Archiv der Stadt Köln, das deshalb ab 24. Oktober die Ausstellung „Von Jakob zu Jacques – Der Kölner Offenbach“ in der Kirche Herz Jesu am Zülpicher Platz zeigt. Die Ausstellung mit zahlreichen Originaldokumenten aus der Feder Offenbachs geht den Wurzeln des jungen Jakobs in seiner Heimatstadt Köln nach, aber auch dem Bild des großen Jacques, das sich mit- und nachlebende Kölnerinnen und Kölner von ihm machten und machen. Auch die Ausstellung des Kölnischen Stadtmuseums in Kooperation mit der Kölner Offenbach-Gesellschaft wird weiter zu sehen sein. Der Begleitband ist über das KSM zu beziehen.

Neben ausgesprochenen Raritäten runden viele weitere Annährungen an Offenbach das Jubiläums Programm ab. Ein Orchesterkonzert mit dem Ensemble Les Lumiéres „Paris –Köln –Berlin“ mit Werken von Bizet, Offenbach und Brucham 25. September in der Kölner Flora zeigt das hörenswerte instrumental-orchestrale Schaffen des Komponisten im Spiegel seiner Zeitgenossen. Die Volksbühne am Rudolfplatz hat am 21. und 22. September eine Offenbachiade in Kooperation mit Burkard Sondermeier und seiner Camerata auf dem Programm sowiean selber Stelle ein „Offenbach-Panoptikum“ mit Konrad Beikircher und Hilary Griffithsam 15. Oktober. Seitdem 4. September bis zum 27. Oktober ist Offenbach „Zwesche Kölle un Paris“ auch im Hänneschen-Theater zu erleben. Im Kabarett-Theater Klüngelpütz ab 1. November ist der „Jacques vom Rhein“ zu Gast. Ebendort trifft die Pianistin Laia Genc auf ihn in einer Boulevard-Operette, Spielstart 1. November.Das Literaturhaus Köln hat mit Unterstützung der Kölner Offenbach-Gesellschaft Autoren zu einer literarischen Auseinandersetzung mit Jacques Offenbach eingeladen, zu hören am 14. November.Am 4. und 5. Dezember HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN À TROIS –Oper im Taschenformat.Michael Quast singt, spielt und tanzt Werke von Jacques Offenbach allein, am Tisch mit einer Partitur, begleitet von Rhodri Britton am Flügel und seiner Schauspieler-Kollegin Sabine Fischmann.

Unter dem Schlagwort „Offenbachs Maschinen“ holt im neuen Schuljahre in Musikvermittlungsprojekt Offenbachs musikgewordene Technologie-Faszination in die Lebenswirklichkeit von Schülern. Das Projekt der Kölner Offenbach-Gesellschaft e.V. zusammen mit der Kaiserin-Theophanu-Schule in Köln Kalk und dem BAUTURM Theater verbindet Alexa und Siri fächerübergreifend mit Offenbachs Olympia und seinem großen maschinellen Panoptikum aus verschiedensten Bühnenwerken. Neben eigenen Umsetzungen sind die Schüler an mehreren Terminen zu Musiktheater-Aufführungen von „Hoffmanns Erzählungen“ in das Bauturm-Theater eingeladen. Unterstützt wird das Projekt von der RheinEnergie Stiftung.

Der Abschluss des Kölner Offenbach-Jahres rückt dann am 16. Dezember ins Visier und verspricht gleichzeitig, ein Höhepunkt zu werden. Bevor der Staffelstab des Jubiläumsjahres an die benachbarte Beethoven-Stadt Bonn übergeben wird, steht eine echte Premiere mit einer Neuinszenierung „Die beiden Tauben“auf dem Programm, beruhend auf Offenbachs „Die beiden Blinden“ –wofür Moritz Eggert und Dramaturg Patrick Hahn verantwortlich zeichnen. Auf dem Rhein geht es per Schiff Richtung Süden nach Bonn zum Beethoven-Festjahr. Und ganz zuletzt wartet die Kölner Akademie am 27. Dezember mit einem Epilog in der Kölner Philharmonie auf: Die Einakter TRAFALGAR SUR UN VOLCAN (1855)und das sehenswerte Spätwerk POMME D’API (1873), eine echte Perle aus dem großen Offenbach-Schatzkästchen,beschließen dann das Offenbach-Jahr in Köln und Region. YES, WE CANCAN!KÖLNCANCAN!

DAS OFFENBACH-JAHR IN KÖLN UND REGION

2019 jährt sich der Geburtstag Jacques Offenbachs, einem der berühmtesten Söhne Kölns, zum 200. Mal. Unter dem Motto: „Yes We CanCan“ widmet die Stadt dem Erfinder der Operette ein ganzes Jahr voller Veranstaltungen in Musik, Theater, Tanz und Literatur, organisiert von der Kölner Offenbach Gesellschaft. Höhepunkt war das Offenbach-Festival PIFF PAFF PUFF im Geburtstagsmonat Juni mit zahlreichen Veranstaltungen rund um die Musik von Jacques Offenbach. Das Offenbach-Jahr 2019 wird gefördert von der Stadt Köln, dem Land NRW, dem LVR, der RheinEnergie-Stiftung sowie den beiden Hauptsponsoren RheinEnergie und der Sparkasse KölnBonn.

DIE KÖLNER OFFENBACH-GESELLSCHAFT

Die Kölner Offenbach-Gesellschaft initiiert und organisiert den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen und der Stadt Köln, Veranstaltern, Förderern, Künstlern und Freunden von Jacques Offenbachs Werk mit einem Jahr voller Überraschungen, Neuentdeckungen und musikalischen Highlights. Die Kölner Offenbach-Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben und Wirken von Jacques Offenbach stärker ins Bewusstsein der Stadt Köln und der Region zu bringen.

yeswecancan.koeln / koelner-offenbach-gesellschaft.org