Österreichischer Bundespräsident Van der Bellen eröffnete 74. Bregenzer Festspiele

Bregenz, 17.7.2019: Eröffnung der Bregenzer Festspiele 2019 (Foto Copyright: Bregenzer Festspiele / Lisa Mathes)

Staatsoberhaupt sprach über politische Macht und den Klimawandel
Im Mittelpunkt der Festspiele steht die Verdi-Oper „Rigoletto“ als Spiel auf dem See

Bregenz, 17.7.19. Präsident Alexander Van der Bellen hat am Mittwoch mit der Mahnung zu einem sorgsamen Umgang mit politischer Macht und einem Appell hinsichtlich des Klimawandels die 74. Bregenzer Festspiele eröffnet. Die Festgäste spendeten ihm großen Applaus, auch für sein Verhalten nach dem Auftauchen des „Ibiza-Videos“. Den künstlerischen Auftakt des Festivals bildet am Abend die Premiere von Rigoletto.

Der Bundespräsident machte nicht die Kunst zum Inhalt seiner Rede. Vielmehr nahm er das „Ibiza-Video“ und seine im Bezug auf das Video getroffene Feststellung „So sind wir nicht“ als Ausgangspunkt für seine Worte. Wer durch demokratische Wahl in eine Machtposition gekommen sei, den sollte man daran erinnern, dass „damit eine Verpflichtung einhergeht, mit dieser auf Zeit geliehenen Macht sorgsam umzugehen“, mahnte Van der Bellen. Die gegebenen Herausforderungen – als drängendste führte Van der Bellen den Klimawandel („eigentlich ist das ein Euphemismus“) an – ließen sich nur gemeinsam und mit großen Anstrengungen lösen, betonte das Staatsoberhaupt.

„Wir alle werden uns aus unserer Komfortzone herausbewegen müssen“, stellte Van der Bellen fest, damit aus dem Klimanotstand nicht eine Klimakatastrophe werde. Die Jugend gehe dabei mit positivem Beispiel voran und sage uns etwas Richtiges: „Ihr riskiert unsere Zukunft und letztlich unser Leben!“ Er sei aber sehr zuversichtlich, dass dieses Bewusstsein bei den meisten von uns wachse. Am Ende seiner Rede hoffte Van der Bellen, dass die heute Jüngsten im Publikum im Alter zurückblicken und sagen können: „Ja, es waren Probleme, Herausforderungen, Opportunitäten, ja, wir haben es geschafft“.

Auch Kulturminister Alexander Schallenberg unterstrich den Wert der Gemeinsamkeit. Er schilderte Festspiele als einen Ort der Selbstvergewisserung, „dass es auf unserem europäischen Kontinent etwas über alle Sprach- und Landesgrenzen hinweg Gemeinsames, etwas Verbindendes gibt, das ist die Kunst“. Und wenn uns Don Quijote an eine Sache erinnere, dann daran, dass nicht alle unsere Kämpfe gleichermaßen sinnvoll seien. Die sprichwörtlichen Mühlen des Don Quijote seien heute wohl die allzu oft hasserfüllten Debatten im öffentlichen Raum und in den Social Media. Und so drohe am Ende auf der Strecke zu bleiben, „was uns allen gemeinsam am teuersten sein sollte: die Suche nach Wahrheit. Der Blick für das Gemeinsame, für das Verbindende auf diesem Kontinent. Die Toleranz. Und der Respekt vor unserem Nächsten. Egal, ob online oder offline, egal, ob wir der gleichen Meinung sind oder uns ideologische Welten trennen“, so Schallenberg.

Konkret würdigte der Minister die Bregenzer Festspiele als „etwas ganz Besonderes“, als eine „Bühne, die längst zur künstlerischen Visitenkarte, ja zum Aushängeschild Österreichs in der ganzen Welt geworden ist“. Für ihn persönlich seien Festspiele wie eine Oase, in der man auftanken und sich inspirieren lassen könne. Und es seien auch Treffpunkte, an denen Menschen aus allen Ecken und Enden der Welt für einige Tage zusammenkommen, sich kennenlernen und austauschen.

Festspielpräsident Hans-Peter Metzler hatte schon vor der Rede des Bundespräsidenten Bezug auf die Folgen des „Ibiza-Videos“ genommen, indem er Van der Bellen dankte: „Sie haben uns in den letzten Wochen gezeigt, wie wichtig das Amt des Bundespräsidenten ist, Sie haben uns auch gezeigt, wie richtig unsere Verfassung ist“. Dafür gab es großen Applaus. Er bezeichnete es als das „Charakteristische der Bregenzer Festspiele, dass sie in bewährtem Rahmen noch neue, überraschende und überzeugende Antworten finden – Sie werden es erleben – auf das Was, das Wie, das Weshalb und das Wozu von Kunst“. Wohin sich unser Land bewege, sei auch eine Frage des Kulturverständnisses. Kulturverlust bedeute zwangsläufig einen Verlust an Humanität. Als Rezept für ein funktionstüchtiges Nervensystem einer Zivilgesellschaft – das sage er „Jahr für Jahr“ – nannte Metzler: „wesentliche Förderung von Bildung und von Wirtschaft über den Kulturbereich“.

Mit und über Kunst ein volkswirtschaftlicher Faktor sein zu wollen, sei nicht nur legitim, sondern oft zwingend notwendig. „Es gelingt hier!“, sagte Metzler für das Bregenzer Festival. Das Unternehmen „Bregenzer Festspiele“ stehe solide da und plane solide. Gemeinsam erkenne man Realitäten und schöpfe Visionen aus. So gehöre auch zur kulturpolitischen Vernunft und Weitsicht, dass in den nächsten Jahren Festspielhaus, Bühne und Tribüne saniert werden – die Instandsetzung soll von 2021 bis 2023 erfolgen, gerechnet wird mit Kosten von 55 Mio. Euro.

Wie in den vergangenen Jahren präsentierten sich die Verkaufszahlen der Bregenzer Festspiele schon vor Festival-Beginn in bestem Licht. Für die insgesamt 27 Vorstellungen von Giuseppe Verdis Rigoletto auf der Seebühne, für die 192.000 Tickets aufgelegt wurden, sind nur noch Restkarten erhältlich. Dasselbe gilt für Jules Massenets Don Quichotte, die Oper im Festspielhaus feiert am Donnerstag Premiere. Insgesamt stehen 80 Veranstaltungen auf dem Programm, für die 215.000 Tickets ausgegeben werden.

Die live im TV übertragene Eröffnung überzeugte durch Kurzweiligkeit und profitierte vom Humor des Bundespräsidenten und den Darbietungen der Festspiel-Künstler. Van der Bellen ging in seiner launigen Art immer wieder in direkten Kontakt mit dem Publikum. Besonders gut kam wie im Vorjahr Moderator Nikolaus Habjan an, der mit seiner Rigoletto-Handpuppe und subversiven Ansagen für beste Unterhaltung sorgte. Ebenso prägend wie die Reden waren für die Eröffnungszeremonie aber die Auszüge von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Festspielprogramm. So gab es unter anderem mehrere Darbietungen aus Rigoletto – darunter eine von Habjan kunstvoll gepfiffene Interpretation von „La donna è mobile“ – aber auch eine aus Don Quichotte. Ebenfalls zu sehen und zu hören waren Ausschnitte aus den anderen Produktionen wie Bernhard Langs Umsetzung von Arthur Schnitzlers Der Reigen, der szenischen Darbietung von Jakob Noltes Don Quijote (nach Miguel de Cervantes) und Peter I. Tschaikowskis Eugen Onegin.

74. Bregenzer Festspiele 2019 von 17. Juli bis 18. August

Spiel auf dem See: Rigoletto von Giuseppe Verdi
Im Festspielhaus: Don Quichotte von Jules Massenet

Weitere Informationen, gesamtes Programm und Tickets unter: bregenzerfestspiele.com