Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen (5. Juli)

Bregenz am 4.7.2019: Bregenzer Festspiele ~ Operndirektorin Susanne Schmidt (Foto: Dietmar Mathis)

„Miteinander harmonieren und sich darstellerisch fordern“

Fünf Fragen an… Susanne Schmidt!


Bregenz, 5.7.19. Bei der Premiere von Rigoletto am 17. Juli wird Vladimir Stoyanov die Titelrolle singen, als Gilda und Herzog von Mantua werden Mélissa Petit und Stephen Costello auf der Seebühne zu sehen sein.
Insgesamt 27 Mal steht Giuseppe Verdis Oper in drei Akten bei den Bregenzer Festspiele in diesem Jahr auf dem Programm. Das ist nur mit Mehrfachbesetzungen zu bewerkstelligen. Wer aber singt wann – und wer entscheidet? Operndirektorin Susanne Schmidt gibt die Antworten.

Warum sind die tragenden Rollen des Spiels auf dem See gleich dreifach besetzt?

Wir spielen im Schnitt sechs Vorstellungen pro Woche. Wenn man die nur doppelt besetzt hätte, müssten die Protagonisten jede zweite Nacht singen und insgesamt drei Mal in der Woche – das ist für so schwergewichtige Partien zu viel, zumal bei unserem sehr hohen Qualitätsanspruch. Wenn jeder topfit ist, kann er oder sie das machen, aber bei uns kommt dazu, dass sie jeden Abend andere äußere Bedingungen vorfinden. Es kann sich auch jemand verkühlen. Man sitzt einfach ruhiger, wenn man weiß, bei drei Leuten hat man jemanden, der das abdecken kann. Man ist da nicht sofort auf Grundeis mit den Nerven. Es passt von der Belastung her auch besser, weil der Einzelne normalerweise nur alle drei Nächte dran ist.

Nach welchen Kriterien erfolgt die Zusammensetzung eines Abends von Rigoletto, des Herzogs und der Gilda?

Dass sie miteinander harmonieren und sich darstellerisch fordern. Das ist so ein Punkt, was die Mischung angeht. Und es geht auch darum, wer mit der Seebühne, mit dem großen Raum und den Bedingungen wie zurechtkommt. Viel laufen und trotzdem viel singen, sich mit den Elementen auseinandersetzen, sich von denen aber nicht ablenken lassen … Das alles findet man erst nach ein paar Tagen Proben heraus.

Wer entscheidet letztlich über die Besetzung der einzelnen Aufführungen?

Das sind unsere Intendantin Elisabeth Sobotka und ich in ganz engmaschiger Absprache mit dem kreativen Team. Der Regisseur sagt, ob das umgesetzt wird, was er sich erträumt, und der Dirigent sagt, ob er den Eindruck hat, der Sänger kann ihm auch über diese enorme Distanz folgen. Und wir sind auch immer mit dem Regieteam im Gespräch, das mitkriegt, wie gut die Künstler mit der Gesamtsituation zurechtkommen. Ob die sich bis an den Rand gefordert fühlen, da nimmt man für den Premierenabend wegen der Nervosität eher Abstand, oder ob jemand richtig tiefenentspannt da genau seinen Ort findet. Das können einem die Leute, die ganz nah dran sind, manchmal noch besser sagen.

Das war ausschlaggebend für die Premierenbesetzung – wie geht die Einteilung bei den folgenden Vorstellungen weiter?

Wo es möglich ist, versuchen wir die Protagonisten im Intervall 1, 2, 3 singen zu lassen, also dass jeder jeden dritten Tag an der Reihe ist. Wir drehen später etwas das Muster, damit jeder auch mal an einem Samstag, Sonntag singt oder einem Dienstag, Mittwoch, die in manchen Jahren weniger gut besucht sind. Dieses Jahr ist das überhaupt kein Thema, weil fast alles ausverkauft ist. Grundsätzlich ist zu sagen, dass alle Besetzungen gleichwertig sind, es geht also nicht um besser oder schlechter.

Das Publikum erfährt also sehr früh, wer an einem bestimmten Abend für sie singen und spielen wird?

Genau. Ich habe diese Woche an die Künstler die Liste aller Vorstellungen verschickt. Jetzt warte ich auf die Rückmeldungen, ob ich irgendeine Doppelbelastung übersehen habe. Es gibt ein paar wenige Sänger, die auch in Don Quichotte, im Orchesterkonzert oder in der Kammermusik singen. Da versuche ich, davor und danach immer ein bisschen Luft zu halten. Sobald das steht, geht die Liste ans Management, an die Kommunikation und den Vertrieb. Nächste Woche sollten die Besucher die jeweiligen Besetzungen komplett auf unserer Website finden. (ami)


Bregenzer Festspiele Tonsystem BOA 2.0
Foto: Lisa Kloos

Neue Klangwelten für Bregenzer Festspiele ~ Das Tonsystem am See erlebt eine bedeutende Weiterentwicklung

Bregenz, 5.7.19. Die Bregenzer Festspiele und ihre Seebühne sind nicht nur für opulente Bühnenbilder und außergewöhnliche Inszenierungen bekannt, auch das Klangerlebnis steht für höchste Qualität.
Zur Premiere von Rigoletto kommen mit BOA 2.0 die ersten Schritte des weiterentwickelten Tonsystems Bregenz Open Acoustics (BOA) zum Einsatz, das 15 Jahre lang erfolgreich im Einsatz war.

Dadurch soll Besuchern des Spiels auf dem See weiterhin beste Tonqualität geboten werden, außerdem werden die tontechnischen Geräte auf den neuesten Stand gebracht. Das Publikum kann so in einzigartige Klangwelten eintauchen.

Technische Quantensprünge

„Seit Einführung von BOA im Jahr 2005 haben sowohl in der Digitaltechnik als auch in der Tontechnik Quantensprünge stattgefunden. Wir waren bislang auf einem weltweit sehr hohen Niveau“, sagt Wolfgang Urstadt, technischer Leiter der Bregenzer Festspiele, „aber durch den heutigen Stand der Technik ergeben sich neue Möglichkeiten, was das bewährte Richtungshören und die akustische Raumsimulation betrifft.“

29 neu positionierte Lautsprecher-Masten in drei unterschiedlichen Höhen wurden rund um die Seetribüne errichtet. Sie ersetzen das bisherige Lautsprecher-Band und sorgen für einen ausgewogenen Klang in allen Bereichen des Zuschauerraums.

Das Herzstück von BOA 2.0 bildet ein neues Ton-Mischpult mit hochinnovativer Computertechnologie. Damit können Richtungshören, Effektbeschallung und akustische Raumsimulation bestmöglich zur klanglichen Einheit verwoben werden, erläutert Urstadt. „Außerdem ist es für unser Technikerteam wichtig, mit dem neuen Tonsystem für zukünftige Entwicklungen offen bleiben zu können.“

Wie wichtig die Technik für eine gelungene Aufführung ist, unterstreicht auch Intendantin Elisabeth Sobotka: „Die Bregenzer Seebühne war immer schon ein Ort nicht nur der künstlerischen, sondern auch der technischen Innovationen.“

2,5 Millionen Euro für Premiumprodukt

Bei der Wahl für das neue Tonsystem haben sich die Bregenzer Festspiele nach einem mehrjährigen Sondierungsprozess für das Unternehmen Müller-BBM mit Sitz in Planegg bei München entschieden. Müller-BBM zählt mit seinem elektronischen Raumakustiksystem Vivace, das auf die besonderen Gegebenheiten der Seebühne adaptiert wird, zu den international renommiertesten Anbietern.

„Als Premiumveranstalter stand für uns außer Frage, auf den neuesten Stand der Technik zu setzen, um die bisher unvergleichlich hohe Tonqualität noch einen weiteren Schritt zu steigern. Dafür investieren die Bregenzer Festspiele rund 2,5 Millionen Euro“, sagt Michael Diem, kaufmännischer Direktor.

Bester Klang auf 7.000 Plätzen

Technisch gesehen besteht die Herausforderung seit jeher darin, für jeden einzelnen der rund 7.000 Seebühnenbesucher das Klangerlebnis aus verschiedenen Tonquellen synchron mit dem Bühnen-Geschehen sicherzustellen. Dabei muss die Schall–Laufzeit berücksichtigt werden. Sie spielt bei einer Tribünenbreite von 90 Metern und einer Tiefe von 46 Metern eine physikalisch bedeutende Rolle. Außerdem ist für die digitale Koordination und Steuerung eine hohe Rechnerleistung Voraussetzung.

Doch bei aller technischer Notwendigkeit und technologischer Herausforderung behalten alle Beteiligten stets ein Ziel im Auge: Den Besuchern des Spiels auf dem See einen wunderschönen Opernabend zu bereiten mit einem herausragenden und weltweit einzigartigen Klangerlebnis.


„Rigoletto“ in der Sprache der Jugendlichen ~ Instagram & Co: das etwas andere „Programmheft“ als bemerkenswerte Matura-Arbeit

Bregenz, 5.7.19. Zugegeben, die Welt der Oper hat bei den meisten Jugendlichen einen schweren Stand. Dass eine Oper aus dem Jahr 1851 dennoch bei der heutigen Teenager-Generation das Feuer entfachen kann, beweisen Schülerinnen der Handelsakademie (HAK) Bregenz eindrucksvoll mit einem sehr speziellen „Programmheft“ zu Rigoletto.

„Rigoletto
behandelt ein sehr aktuelles Thema“, stimmen Hannah, Fabienne, Laura und Denise überein, „Rigoletto steht für eine alte Form von #metoo, die Unterdrückung der Frauen und den Ehrbegriff.“ Die vier Jugendlichen haben vor wenigen Wochen ihre Schulkarriere erfolgreich mit der Matura gekrönt und waren Schülerinnen des Ausbildungsschwerpunktes Kulturmanagement der 5. Klassen der HAK Bregenz. In diesem Rahmen wählten sie als Herausforderung, Verdis Opernstoff in Form und Sprache ihrer Altersgenossen zu „übersetzen“. Unter anderem wird die Handlung in einem Instagram-Chat zugespitzt. Empört wirft der Graf von Monterone in die Gruppe: „Du (Anm.: gemeint ist der Herzog von Mantua) hast meine Tochter so wie all deine anderen Checks auch nur verarscht, und du, Rigo, hast ihm noch dabei geholfen“, worauf Rigoletto anfangs noch abwiegelt: „Mach doch nicht so einen Stress, alles fresh.“

Die Broschüre ist optisch bewusst an einen Laptop angelehnt, um auch so die Aktualität des Problems aufzuzeigen, „außerdem passt es gut zu uns Jugendlichen, da wir uns über alles im Internet informieren“, schreiben die vier Maturantinnen in ihrer Einleitung. Durch die Ringheftung Ringbindung werden das Surfen und Scrollen über den Bildschirm eines aufgeklappten, stylischen MacBooks simuliert.

Macho, Vamp oder Mauerblümchen?

Auch eine Probe aufs Exempel steht an: Für Burschen ein „Macho-Test“, während sich die Mädchen der Frage „Vamp oder Mauerblümchen?“ stellen. Diese Tests seien bei den Mitschülern „besonders gut angekommen“, berichtet Roswitha Winsauer-Fink, die als HAK-Lehrerin die Matura-Arbeit betreute. „Vorgabe hier war eine gedruckte Broschüre, um Jugendlichen eine Brücke zu bauen und herauszufinden, ob eine ,verstaubte Oper’ etwas mit der Gegenwart zu tun hat. Format, Layout, alle kreativen Ideen kamen dabei von den Jugendlichen. Da steckt viel Kopfarbeit drin!“ Aber auch jede Menge zeitliches Engagement zwischen dem Erstmeeting mit Nina Wolf, der Projektleiterin von crossculture bei den Bregenzer Festspielen, und der Übergabe an das Grafikbüro zur Finalisierung und Druck.

Hannah, Fabienne, Laura, Denise sowie Jessica als hochtalentierte Illustratorin haben Bemerkenswertes geleistet. Davon können sich alle Rigoletto-Fans überzeugen: Das etwas andere „Programmheft“ ist im Shop der Bregenzer Festspiele für drei Euro zu erwerben. Die jungen Besucherinnen und Besucher der crossculture night am 13. Juli erhalten es zum Vorzugspreis von zwei Euro.

Die Bregenzer Festspiele sind seit über zehn Jahren Partner des Ausbildungsschwerpunktes Kulturmanagement an der HAK Bregenz. (ami)



Historische Stoffe mit aktuellen Themen ~ Pressetag I zu „Rigoletto“ und „Don Quichotte“

Bregenz, 5.7.19. Beim Pressetag I der Bregenzer Festspiele erlebten Medienvertreter aus dem In- und Ausland den Endspurt zu den bevorstehenden beiden Premieren aus nächster Nähe. Dreizehn Tage vor der Eröffnung der 74. Festspielsaison konnten sie Proben zum Spiel auf dem See Rigoletto sowie zur Oper im Festspielhaus Don Quichotte besuchen. Bei Pressekonferenzen sprachen neben ausgewählten Künstlern außerdem Intendantin Elisabeth Sobotka und der kaufmännische Direktor Michael Diem.

Der Vorverkauf läuft sehr gut: Rund 90 Prozent der Tickets für Rigoletto sind verkauft, bei Don Quichotte sind es circa 80 Prozent. „Wir erwarten 230.000 Gäste“, berichtete Diem. Vor allem nach dem 5. August seien noch Karten für die Seebühne erhältlich. Das weltweit angesehene Klangkonzept BOA (Bregenz Open Acoustics) wird derzeit weiterentwickelt. Dabei spiele nicht nur die technische Komponente eine Rolle, wie Sobotka deutlich machte: „Es geht für uns um die Frage, wie wir auf dieser Bühne ein Stück erzählen. Wir wollen nicht bloß übertragen, sondern Klangräume schaffen.“

Rigoletto

Erstmals ist die im Jahr 1851 entstandene Oper Rigoletto von Giuseppe Verdi auf der Bregenzer Seebühne zu sehen. Dass es die richtige Entscheidung war, habe die Intendantin auch bei ihrer Anfrage an Philipp Stölzl gemerkt: „Er hat keine Sekunde gezögert.“ Der Münchner, der für Regie, Bühnenbild und Licht verantwortlich ist, erlebe nach eigener Aussage hier „the time of my life“. Er fühlt sich in der Kulisse des Bodensees sehr wohl: „Die Natur lädt den kreativen Prozess auf.“
Das gilt nicht erst bei der Vorstellung, sondern bereits während der derzeitigen Arbeit an der Oper.“ Für ihn ist die Geschichte das Stück zur Me-Too-Debatte. „Die Themen von Macht- und sexuellem Missbrauch haben nichts von ihrer Aktualität verloren“, erklärte der 52-Jährige, der als Regisseur von Musikvideos (Rammstein, Madonna, Die Toten Hosen) sowie von Spielfilmen wie Nordwand oder Der Medicus bekannt wurde.

Hinein in die Zirkuswelt

Dirigent Enrique Mazzola schätzt das große gegenseitige Vertrauen mit dem Regieteam. Er empfindet das Stück als „irre Herausforderung,“, besonders für die stark geforderten Sängerinnen und Sänger. Eine von ihnen ist die französische Sopranistin Mélissa Petit, die die Rolle der Gilda – Rigolettos Tochter – übernimmt. Sie war bereits vor zwei Jahren hier als Micaёla in Carmen und mag, dass sie in ihrem Part viel Platz für eigene Interpretation hat.

Handstand-Akrobat Lukas Aue, der mit der britischen Kompanie Wired Aerial Theatre zusammenarbeitet, sieht seine Aufgabe darin, die Leute in die Zirkuswelt hereinzuholen. Selbst führt er ein kleines Theater mit 70 Plätze. Der 100-fachen Zuschauerzahl bei den Bregenzer Festspielen will er mit einem entsprechenden Plus an eigener Energie begegnen.

Don Quichotte

Eine Opernrarität ist Don Quichotte (1910), eine Comédie héroïque aus der Feder von Jules Massenet. Sie ist dreimal im Großen Saal des Festspielhauses zu erleben. Damit gehe für die Intendantin ein Traum in Erfüllung. „Im Zentrum steht eine Figur, die sich die Welt selbst spannend und wichtig macht“, sagte Elisabeth Sobotka. Die über 400 Jahre alte Geschichte über den weltberühmten „Ritter von der traurigen Gestalt“ erscheine vielen etwas aus der Zeit gefallen. Umso glücklicher ist sie, dass das Leading Team um Dirigent Daniel Cohen und Mariame Clément (Regie) sie „zu etwas Heutigem gemacht hat.“

Wann ist ein Mann ein Mann?

Clément hat festgestellt, dass es die Sehnsucht nach Männern, die noch echte Männer sind, bereits im 17. Jahrhundert gab. Damals schuf Miguel de Cervantes die literarische Vorlage. Sie reizt der „extrem reiche Stoff über einen Helden, der gleichzeitig lächerlich ist.“ Bei ihrem Quichotte gibt es keine Angst vor Gefühlen, Männer dürfen auf der Bühne weinen. Jules Massenet sah sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt, „Frauenmusik“ zu komponieren. Daniel Cohen sieht die Musik als sehr sentimental, gleichzeitig aber „unglaublich gut geschrieben für Orchester.“

Gábor Bretz empfindet seine Titelrolle als „Traumpartie für einen Bass, die unglaublich Spaß macht. Wir sind auf dem richtigen Weg zur Premiere.“ Mit ihm auf dem Podium war Sopranistin Léonie Renaud, die neben ihrer Hosenrolle als Pedro in Don Quichotte auf der Seebühne (Gräfin Ceprano) zu sehen ist. Sie stammt vom Genfer See – ein Umstand, der am Bodensee Heimatgefühle weckt: „So fühle ich mich hier nicht verloren.“

Aufbau in Episoden

Die Inszenierung von Mariame Clément ist eine Zeitreise in Episodenform. „Jeder Akt kann für sich selbst stehen. So kommt die Geschichte richtig zur Geltung. Für den Preis eines Tickets bekommen Sie vier Opern“, sagte Clément lachend.

Rigoletto ist an 27 Abenden zwischen dem 17. Juli und 18. August auf der Seebühne zu erleben. Die Hausoper Don Quichotte feiert ihre Premiere am 18. Juli, weitere Vorstellungen gibt es am 21. und 29. Juli. Tickets und Informationen unter bregenzerfestspiele.com sowie Telefon 0043 5574 4076. (tb)


Wiener Symphoniker
Foto: Andreas Balon

Jan Nast wird neuer Intendant der Wiener Symphoniker

Bregenz, 5.7.19. Die Mitgliederversammlung der Wiener Symphoniker hat in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat des Orchesters den deutschen Orchestermanager Jan Nast als Nachfolger Johannes Neuberts zum neuen Intendanten bestellt. Antreten wird Nast die Stelle am 1. Oktober 2019.

Jan Nast ist derzeit Orchesterdirektor der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Hier hat er in der Ära von Giuseppe Sinopoli begonnen und später mit Christian Thielemann als Chefdirigenten zusammengearbeitet. Außerdem hat Nast die Staatskapelle zum Residenz-Orchester der Salzburger Osterfestspiele gemacht. Der ausgebildete Hornist und Kulturmanager begann seine Karriere als Orchestergeschäftsführer beim Philharmonischen Orchester Freiburg im Breisgau.

„Die Symphoniker sind das erste Orchester der Stadt Wien, sie strahlen international nicht nur durch ihre weltweiten Auftritte und ihre Konzerte im Wiener Konzerthaus und im Musikverein, sondern auch durch ihre Präsenz bei den Bregenzer Festspielen, im Theater an der Wien und bei den Wiener Festwochen“, sagt Jan Nast. „Ich kenne kaum ein Orchester mit einer derartigen Publikumsbindung, nicht zuletzt durch seine Musikvermittlung, und bin der festen Überzeugung, dass dieser Klangkörper das Potenzial hat, den musikalischen Reichtum Wiens in höchster musikalischer Qualität zu verkörpern und die Menschen für die Musik zu begeistern. Ich freue mich auf den gemeinsamen Weg mit dem Orchester, das von Wilhelm Furtwängler, Herbert von Karajan oder Carlo Maria Giulini geleitet wurde, das derzeit von Philippe Jordan und von 2021 an von Andrés Orozco-Estrada geführt wird. Für mich sind die Begeisterung und die Leidenschaft der Musiker der Grund, gemeinsam mit ihnen neue Horizonte zu erkunden.“

„Mit Jan Nast ist es gelungen für mein Orchester einen Mann von internationaler Erfahrung und ausgezeichnetem Ruf zu gewinnen. Ich freue mich gleichermaßen, dass ich mit ihm mein Abschlussjahr als Chefdirigent der Wiener Symphoniker durchführen kann und dass mit ihm auch eine seriöse und vielversprechende Perspektive für die Zukunft gefunden wurde“, kommentiert der amtierende Chefdirigent der Wiener Symphoniker Philippe Jordan die Entscheidung.

„Mit Jan Nast konnte ein international erfahrener wie anerkannter Orchesterfachmann für Wien gewonnen werden“, erklärt die Wiener Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler. „Ich bin davon überzeugt, dass Nast die unter Johannes Neubert begonnene Positionierung der Wiener Symphoniker als weltweit rezensiertes ALiga Orchester weiterführt und beglückwünsche daher unsere Musikerinnen und Musiker ausdrücklich zu ihrem neuen Intendanten.“

Thomas Schindl, Orchestervorstand der Wiener Symphoniker ergänzt: „Mit Jan Nast konnte ein erfahrener, in der internationalen Musikwelt äußerst angesehener und bestens vernetzter Orchestermanager zum Intendanten verpflichtet werden. Wir begrüßen diese Bestellung sehr. Neben seinen Qualifikationen, Erfahrungen und Kompetenzen haben uns vor allem seine Pläne und Ideen für die Zukunft der Wiener Symphoniker begeistert. Dass es gelungen ist, den Manager eines der weltweit führenden Orchester zu gewinnen, reflektiert auch, wie sehr wir in den vergangenen Jahren an Renommee und Strahlkraft gewonnen haben. Gemeinsam mit unserem aktuellen Chefdirigenten Philippe Jordan, dem kommenden Chefdirigenten Andrés Orozco-Estrada und unserem neuen Intendanten Jan Nast kann die positive Entwicklung des Orchesters der letzten Jahre so kontinuierlich vorangetrieben werden. Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit.“

Vakant wurde die Stelle durch den Wechsel des amtierenden Intendanten Johannes Neubert zum Orchestre National de France nach Paris zur Spielzeit 2019-20. Die Bestellung Jan Nasts erfolgte auf Empfehlung einer 10-köpfigen Expertenjury, die auf Initiative von Veronica Kaup-Hasler eingesetzt wurde. Mitglieder der Findungskommission waren:
Prof. Dr. Rudolf Streicher – Aufsichtsratsvorsitzender der Wiener Symphoniker
Mag. Arne Forke – Büro der amtsführenden Stadträtin Mag. Veronica Kaup-Hasler, Referent
Prof. Dr. Franz Patay – Mitglied des Vereins der Wiener Symphoniker – Vereinigte Bühnen Wien GmbH, Geschäftsführer
Mag. Thomas Angermair – Mitglied des Vereins der Wiener Symphoniker – Kanzlei DORDA, Rechtsanwalt, Partner
Dr. Elisabeth Freismuth – Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Sonderbeauftragte der Frau Bundesministerin
Dr. Artemis Vakianis – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, kaufmännische Vizepräsidentin
Prof. MMag. Julia Purgina – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien, Studiengangsleiterin Saiteninstrumente
Christoph Lieben-Seutter – HamburgMusik GmbH – Elbphilharmonie, Geschäftsführer und Generalintendant
Thomas Schindl – Orchestervorstand Wiener Symphoniker
Josef Eder – Orchestervorstand Wiener Symphoniker

Insgesamt 55 Bewerbungen sind eingegangen: 40 männlich und 15 weiblich. 34 stammten aus dem Inland, 21 Personen haben sich aus dem Ausland beworben. (ws)


Video-Serie Künstlereingang Folge 4: Von Technik und Träumen

Immer freitags: kleine Szenen abseits der großen Bühnen

Für Neugierige und all jene, die schon immer mal durch den Künstlereingang ins Festspielhaus gelangen wollten, öffnen die Bregenzer Festspiele in der gleichnamigen Serie per Video ihre Backstage-Pforten.

Von Probenstart bis Ende der Festspielzeit lässt jeweils freitags ein Kurzfilm auf die kleinen Szenen abseits der großen Bühnen blicken. Mitwirkende vor und hinter den Kulissen erzählen in rund zwei Minuten ihre ganz persönlichen Erlebnisse.

Auf der Homepage des Festivals unter bregenzerfestspiele.com stehen die Videos jeweils ab Freitagnachmittag zum Ansehen bereit.


Die Bregenzer Festspiele 2019 finden vom 17. Juli bis 18. August statt. Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com und Telefon 0043 5574 4076.