Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen (5. August)

Madame Butterfly: Lautsprecher (© Bregenzer Festspiele / Screenpix)


Stetes Feilen an der Technik ~ Madame Butterfly

Nicht nur Inszenierung und musikalische Interpretation punkteten beim Publikum, auch das ausgefeilte Tontechnik-System der Seebühne erhielt viel Anerkennung.

Mit BOA 2.0 (Bregenz Open Acoustics) bieten die Bregenzer Festspiele dem Publikum ein weltweit einzigartiges Klangerlebnis unter freiem Himmel. Das für Madame Butterfly erarbeitete Sounddesign stammt von Alwin Bösch und Clemens Wannemacher in enger Abstimmung mit Dirigent Enrique Mazzola.

Das Spiel auf dem See ist nicht nur für opulente Bühnenbilder und außergewöhnliche Inszenierungen bekannt, auch das Klangerlebnis steht für höchste Qualität. Das Tonsystem BOA begeisterte bei seiner Einführung vor 16 Jahren gleichermaßen Publikum und Fachwelt. In einem mehrjährigen Prozess wurde es zu BOA 2.0 weiterentwickelt. Masten seitlich zur Seebühne sowie rings um die Tribüne mit Lautsprechern auf drei unterschiedlichen Höhen versorgen jeden einzelnen der rund 6.900 Sitzplätze mit dem gleichen Klangerlebnis.

Zusätzlich wurden Lautsprecher unter einzelnen Sitzreihen im Zentrum des Besucherbereiches angebracht. Auch im Bühnenbild selbst sind 45 Lautsprecher vorhanden, unsichtbar fürs Zuschauerauge. Denn das Publikum soll nicht davon abgelenkt werden, wie und wo die Bregenzer Festspiele die Magie des perfekten Klangs entfalten. Insgesamt sorgen bei Madame Butterfly 340 Lautsprecher für den perfekten Klang.

Synchron sehen und hören

Ein enormer technischer Aufwand ist dafür notwendig, mit der hochinnovativen Computertechnologie des neuen Tonmischpults als Herzstück und beeindruckender Rechnerleistung im Server-Hintergrund. Es geht schließlich darum, in den riesigen Dimensionen von Seebühne und Tribüne die akustischen, also physikalischen Gegebenheiten mit den Eigenschaften des menschlichen Gehörs in Einklang zu bringen. Experten könnten sich stundenlang in der Schilderung der entsprechenden Details verlieren. Lassen wir Clemens Wannemacher, Leiter der Tonabteilung, wenigstens kurz zum entscheidenden Gesetz der ersten Wellenfront ausholen. Es besagt: Wir ordnen als Hörende alle, auch zeitverzögerte Schallsignale jener Richtung zu, aus der das erste Signal bei uns eintrifft. „Folglich sollte es bei einer Musiktheateraufführung von dort kommen, wo wir die Sängerin oder den Sänger optisch wahrnehmen. Dieses sogenannte Richtungshören haben die Bregenzer Festspiele bereits seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt.“

Laienhaft ausgedrückt, entscheiden aber auch die Schallreflexionen über Wohlklang oder Dissonanz – beispielsweise jene, die vom Boden ausgehen. Hier kommen weitere mehr als 40 Lautsprecher ins Spiel als nächste Stufe des qualitativen Hörgenusses. Sie werden über nicht weniger als 96 verschiedene Kanäle angesteuert. „Auch hier geht es um die Synchronisation von Sehen und Hören: Die unterschiedlich langen Wege, die der Schall zwischen den verschiedenen Quellen auf der Seebühne und den weit auseinander liegenden Sitzplätzen auf der Tribüne zurücklegen würde, müssen überbrückt werden“, erklärt Wannemacher. Um diese Herausforderung an einer Zahl festzumachen: 70 Millisekunden beträgt die Verzögerung, mit der ein Ton aus der vorderen Mitte der Seebühne bei der entferntesten Reihe mit darunter verbauten Lautsprechern ankommt, gegenüber jener, die sich am nächsten befindet. 70 Millisekunden klingen nach sehr wenig, sind in Wirklichkeit jedoch deutlich wahrnehmbar.


In der Waschküche von Madame Butterfly

Seit 26 Jahren sorgt Sieglinde Masnetz dafür, dass sich das Ensemble in seiner zweiten Haut wohlfühlt.

Sieglinde Masnetz ist bei den Bregenzer Festspielen seit Jahrzehnten für saubere Kostüme zuständig
© Bregenzer Festspiele / Dietmar Mathis

Am Höhepunkt einer Saison beschäftigen die Bregenzer Festspiele bis zu 1500 Menschen. Die meisten davon bekommen die Besucher nicht zu Gesicht. Sie sorgen im Hintergrund für den reibungslosen Ablauf. Oder, das träfe es bei Sieglinde Masnetz genauer, im Untergrund. Seit 26 Jahren können sich Mitwirkende und Orchester auf sie verlassen, mit frischer Wäsche die Bühne oder den Orchestergraben zu betreten.

„Das Haus steht schon genau so lange, wie ich hier arbeite“, weist Sieglinde Masnetz auf die Umstände hin, die sie hierher, in einen nur durch eine Oberlichte mit der Außenwelt verbundenen Raum unterhalb der Zuschauertribüne geführt haben. Vieles, so auch die Wäscherei, war ausgelagert, bevor 1996/97 das umgebaute Festspielhaus und die erweiterte Tribüne in Betrieb gingen. Dann gab es erstmals auch den Platz, um bestimmte Tätigkeiten selbst ausführen zu können, die wahrscheinlich nur ein, zwei von hundert Besuchern in den Sinn kommen. Sieglinde Masnetz bringt ihren Einsatz kurz und bündig auf den Punkt: „Ich wasche und bügle.“

Es ist halb neun am Morgen. Draußen, zweimal ums Eck, vor einem Seiteneingang, hängen auf Kleiderstangen cremefarbene Bodys der Tänzerinnen. An einem anderen Ständer trocknen zehn schwarze Hemden der Wiener Symphoniker. „Regen kommt! Egal?“, werden wir im Gespräch von einem Mann unterbrochen, der nur kurz den Kopf zur Tür hereinsteckt und offenbar in Eile ist. „Na!“, sagt Sieglinde. Schnell rollen wir die Wäscheständer zu uns in den nüchtern, geweißten Raum unter der Tribüne.

Bis zur Aufführung von Madame Butterfly am Abend hätte die Wäsche noch mehr als genug Zeit zu trocknen. An einem anderen Tag wäre Sieglinde – jeder kennt und nennt sie nur beim Vornamen – jedoch schon längst auf dem Weg nach Hause in Hard. Die 74-Jährige hätte längst Feierabend. Nur für unser Gespräch ist sie später als sonst gekommen und länger geblieben. „Sonst steh ich um halb drei auf und arbeite dann von vier bis acht.“ Dieses Frühaufstehen wäre jetzt, nach Beginn der Bregenzer Festspiele, nicht nötig. Doch sie sei es gewohnt. Denn während der Phase der Proben ist es notwendig, noch zu nachtschlafender Zeit als eine der Ersten ins Festspielhaus zu kommen: „Wenn die Proben um neun am Vormittag beginnen, da muss die Wäsche vom Vortag ja schon wieder gewaschen und gebügelt sein …“

Das ist „die Wäsche“ genau? Selten sind es die Oberteile der Kostüme. Die benötigen in der Regel eine Spezialbehandlung. Vor allem handelt es sich um die maßgefertigte Unterwäsche des Ensembles, auch um die Lagen dazwischen. Wie aufwendig oder empfindlich diese Wäschestücke sind, am Ende des Tages auch wie schweißtreibend – das ist von Produktion zu Produktion unterschiedlich. Die Handtücher, mit denen sich Sänger und Tänzer hinter der Bühne abtupfen, auch sie landen bei Sieglinde.

Alles muss zur bestimmten Zeit griffbereit wieder an seinem Platz sein. Anlieferung, das Beladen der mittleren und großen Waschmaschen und Trockner, das Bügeln oder auch ein eiliger Zwischenstopp in der hauseigenen Schneiderei zur Reparatur, das erfordert ein kleines internes Logistiknetzwerk. Sieglinde ist darin seit 26 Jahren ein wichtiger und verlässlicher Knotenpunkt. Stimmt es, dass sie nach dieser Saison endgültig aufhört? „Ich weiß es noch nicht. Mal schau’n“, sagt sie und nestelt mit den Fingern an einem Hemd vor sich herum. Sie will keine langen Geschichten erzählen. Sie will ihre Arbeit fertig machen, die ihr sichtlich ans Herz gewachsen ist. 


Alles Gute zum Geburtstag, Bregenzer Festspiele!

Gestern sind die Bregenzer Festspiele 76 Jahre alt geworden.

Am 4. August 1946 wurde die erste Bregenzer Festwoche mit einem Festgottesdienst und einer offiziellen Eröffnungsfeier in der damaligen Sporthalle eröffnet. Neben einem Mozart-Abend im Gondelhafen als erstes Spiel auf dem See gab es zahlreiche Musik- und auch Sportveranstaltungen.

Mozarts Singspiel Bastien und Bastienne wurde am 5. August 1946 im Bregenzer Gondelhafen als erstes Spiel auf dem See aufgeführt. Auch damals, als es noch keine Seebühne gab, hatte der Bodensee eine tragende Rolle gespielt. Das Singspiel wurde auf zwei Kieskähnen aufgeführt – einer für die Bühnenaufbauten, der andere für das Orchester. Die Besucher haben vom Ufer aus zugesehen. Das Wetter war gut, denn andernfalls wäre „die Verlegung der Veranstaltung bei Schlechtwetter in die Sporthalle (…) durch Böllerschüsse und Radiomeldung zwischen 18 und 19 Uhr bekanntgegeben“ worden.

76 Jahre später hat das Spiel auf dem See nichts von seinem Zauber verloren. Heute wie damals begeistern die Festspiele ihr Publikum unterm Sternenhimmel.

75 weitere spannende Anekdoten aus 76 Festspieljahren finden Sie im Potpourri der Zahlen und Fakten, die ganze Entstehungsgeschichte in der Chronik der Bregenzer Festspiele oder unter bregenzerfestspiele.com.

Auf viele weitere Jahre!


Ganz Bregenz ist im Festspielfieber

Die Bregenzer Festspiele sind in vollem Gange und die ganze Stadt feiert mit. Nicht nur ums Festspielhaus ist der Zauber der Bregenzer Festspiele zu erkennen, auch die Innenstadt steht ganz im Zeichen von Madame Butterfly. Die Straßen sind mit Fähnchen geschmückt, aus den Schaufenstern blitzen Schmetterlinge und Kirschblüten, auf den Speisekarten sind besondere Festspielleckereien zu finden.

Festspielfieber
© Bregenzer Festspiele / Anna Dobler

Kreative Bastelarbeiten

Die bunt dekorierten Straßen verleiten zu einem Spaziergang durch die Bregenzer Innenstadt. Neben schönen schlichten Schaufenstern, wie beim Modehaus Sagmeister, wo zwischen Kleidung japanische Kirchblüten zu sehen sind, gibt es dort auch aufwendige Bastelarbeiten zu entdecken.

In der Römerstraße gibt es vor dem Geschäft „Römer VII“ sogar eine lebensgroße an Cio-Cio-San angelehnte Figur, sowie im Schaufenster Butterflybilder zu sehen. Auch die „Buchhandlung Brunner“ hat das Schaufenster ganz im Sinne der diesjährigen Opernproduktion mit japanischen Figuren und Bildern geschmückt. Passend zur momentanen Hitzewelle haben sich sowohl Baschnegger als auch Lumpis für eine Dekoration mit bunten japanischen Fächern entschieden.

Festspielfieber
® Bregenzer Festspiele / Anna Dobler

Süße Blickfänge

Das Café Götze hat mit einer liebevollen Nachbildung des Bühnenbildes einen ganz besonderen Hingucker geschaffen. Auch die Schokoladenmanufaktur Xocolat hat sich ganz Giacomo Puccini verschrieben: Im Schaufenster wird eine eigens kreierte Madame Butterfly-Schokolade mittels japanischen Schirmen, Figürchen und Kirschblüten beworben. Für opernbegeistere Pralinenliebhaber gib es speziell vom Spiel auf dem See inspirierte Sorten.


Festival-Potpourri

Verwandlung: Vor jeder Madame Butterfly Vorstellung verwandelt sich Annalisa Stroppa unter anderem mittels einer grauen Perücke zu Suzuki, der Dienerin und Vertrauten von Cio-Cio-San. instagram.com

#bregenzergeschichten: Seit 25 Jahren zeichnet Gunnar Tschabrunn die Wiener Symphoniker bei Proben und Konzerten bei den Bregenzer Festspielen. Auf diesem Bild klar zu erkennen: Conductor in Residence Enrique Mazzola: twitter.com

Dankbarkeit: Mit diesem Bild bedankt sich Valentin Uryupin, der Musikalische Leiter der Hausoper Sibirien nach der letzten Vorstellung bei seinen Kollegen und den Bregenzer Festspielen: instagram.com

Fürstlich: Patrik Reiter, hier als Fürst Yamadori, teilt ein Bild von seinem spektakulären Auftritt, bei dem er in einer Sänfte übers Wasser getragen wird: instagram.com

Ausblick: Das tut sich in den nächsten Tagen

Madame Butterfly

Giacomo Puccinis Madame Butterfly ist weiterhin regelmäßig im Programm der Bregenzer Festspiele – die Vorstellungen beginnen jeweils um 21.00 Uhr. Für die Saison 2022 sind alle Karten ausverkauft. Vereinzelt sind Restkarten verfügbar. Der Vorverkauf für das kommende Jahr startet am 3.10.2022. Weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com

Wiener Symphoniker – ganz persönlich

Am 6.8.2022 um 19.30 Uhr findet im Seefoyer die zweite Veranstaltung der Reihe Wiener Symphoniker – ganz persönlich statt. Ohne Frack und ohne Dirigent präsentiert das Ensemble Symphonikerblås der Wiener Symphoniker ihre Lieblingskompositionen. Ganz nah, ganz anders, ganz persönlich. Tickets und weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com

Musik & Poesie

In Fly Ganymed liest Nikolaus Habjan am 7.8.2022 um 19.30 Uhr eine bewegende Flüchtlingsgeschichte, die der österreichische Schriftsteller Paulus Hochgatterer aus der Sicht eines Kindes geschrieben hat. Musikalisch begleitet wird er von Kyrre Kvam, der in eigenen Kompositionen die folgenschwere Reise des Protagonisten rahmt. Tickets und weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com

Orchesterkonzerte

Das dritte Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker findet am 8.8.2022 um 19.30 Uhr im Großen Saal des Festspielhauses statt. Unter der Leitung von Dirigentin Marie Jacquot werden Werke von Peter I. Tschaikowski, Dmitri Schostakowitsch und Nikolai Rimski-Korsakow aufgeführt. Tickets und weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com

Konzert im KUB

Am 9.8.2022 um 21.00 Uhr lädt die belgisch-irische Komponistin Éna Brennan gemeinsam mit Musikerinnen und Musikern des Symphonieorchesters Vorarlberg zum Konzert im KUB ein. Weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com


Die Bregenzer Festspiele 2022 finden von 20. Juli bis 21. August statt. Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com Telefon 0043 5574 407 6.