Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen (17.06.)

Madame Butterfly ~ Bregenzer Festspiele (© Bregenzer Festspiele / Michael Csar)


„Wir haben viele Jahre auf diesen Tag hingearbeitet“: Start der Proben zu Madame Butterfly

Jetzt wird es ernst. Und fühlt sich doch ganz leicht an. Während unten im Foyer eine Schülergruppe zur Führung durch das Bregenzer Festspielhaus empfangen wird, gibt es im Parkstudio ein Stockwerk höher erst recht ein großes Hallo. Die Künstlerinnen und Künstler, die an Madame Butterfly teilnehmen, treffen zum Probenauftakt aufeinander. Manche kennen sich aus früheren Jahren. Nach dem formellen Teil am Registrierungs-Stand schnappen sie sich ein Croissant, dazu einen Kaffee oder Fruchtsaft und plaudern angeregt an Stehtischen.

„Der letzte und wichtigste Schritt“

Kurz darauf geht es in der Seegalerie, wiederum eine Etage höher, weiter. Zur Rechten liegt der glitzernde Bodensee und nicht zuletzt das bereits jetzt beeindruckende Bühnenbild. Es kribbelt. Jede und jeder stellt sich kurz vor; vom Tontechniker über die Sopranistin bis zu Tänzern und der Kostümabteilung. Elisabeth Sobotka ist die Vorfreude deutlich anzusehen und anzuhören. „Das ist der beste Tag des ganzen Jahres. Viele Jahre haben wir auf ihn hingearbeitet. Nun kommt der letzte und wichtigste Schritt“, sagt die Intendantin. Wie dieser im Hinblick auf die Inszenierung konkret aussehen soll, erläutert Regisseur Andreas Homoki.

Ohne Kompromisse

Einige sehen Puccinis Oper als Kammerspiel: So stark konzentriert sich die Handlung auf die junge Japanerin Cio-Cio San (Spitzname Butterfly) und den amerikanischen Leutnant Pinkerton. Wie ist diese intime Stimmung auf diese große Bühne zu transportieren? Für Homoki ist diese Konstellation kein Widerspruch: Die emotionale Energie sei immens – und damit das Stück auf der Seebühne richtig. Er schwärmt von der Figur Cio-Cio San als „großer, kompromissloser Heldin. Selbst um den Preis ihres Lebens hält sie an ihrer Würde, ihrer Selbstbestimmung fest.“ Die Uraufführung des Stückes war im Jahr 1904, die darin verhandelten Themen sind aktuell geblieben. Es geht um Kolonialismus, Rassismus – „um die Frage, wie wir mit aufeinandertreffenden Kulturen umgehen“.

Gereifter Künstler

Homoki wäre fast vor 25 Jahren schon einmal in Bregenz tätig geworden. Damals hatte Alfred Wopmann, Elisabeth Sobotkas Vorvorgänger als Intendant der Bregenzer Festspiele, bei dem aufstrebenden Künstler angefragt. Rückblickend betrachtet ist Homoki froh, dass er erst jetzt am bzw. im Bodensee inszeniert. „Damals stand ich am Anfang meiner Karriere und mir war angesichts der Dimensionen hier etwas bange. Gerade auf der Seebühne braucht es jede Menge Fähigkeiten und Erfahrung.“ Ein Vierteljahrhundert und etliche eigene Inszenierungen später fühlt sich der Intendant des Zürcher Opernhauses gut gerüstet – und sprüht vor Energie für Madame Butterfly.

Madame Butterfly feiert am Mittwoch, 20. Juli Premiere. Weitere 25 Vorstellungen folgen bis zum 21. August.


Fünf Fragen an … Martin Deuring von Die Schurken

Die Schurken (© Gerhard Klocker)

„Wollen zeigen, dass man agil und freudvoll ins Alter gehen kann!“

Mit dem Ensemble Die Schurken (Martin Schelling, Klarinette, Stefan Dünser, Trompete, Goran Kovacevic, Akkordeon, Martin Deuring, Kontrabass) haben die Bregenzer Festspiele schon wiederholt zusammengearbeitet. Zuletzt 2019 bei der musikalisch-theatralischen Zeitreise Paris! Paris! Zeit – konkret die Vergangenheit und damit die Erinnerung – spielt auch in der neuen Produktion Vergissmeinnicht eine zentrale Rolle. Am Sonntag ist Premiere.  

Ihr seid Musikvermittler. Warum jetzt ein Stück mit dem Thema Demenz?

Wir sind bald 25 Jahre Musikvermittler und einfach mal draufgekommen, dass wir für unser Zielpublikum, die Kinder, uralte Männer sind! Dann haben wir im Tourbus – denn ganz vieles passiert bei uns im Tourbus! – gesagt, wir thematisieren das und wollen aber zeigen, dass man aktiv, agil und freudvoll ins Alter gehen kann. Zeigen: Die haben großen Spaß auf der Bühne, die leidenschaftlich musizieren und haben Freude an dem, was sie tun! Bei der Beschäftigung mit dem Thema Alter sind wir übereingekommen, dann müssen wir auch das Thema Demenz mit hineinnehmen. Denn es betrifft indirekt viele Kinder, wenn die Oma, der Opa, der Onkel, wer auch immer, an Demenz erkranken.

Musik und eine Krankheit unter ein Dach zu kriegen, war das eine besondere Herausforderung?

Das Außergewöhnliche war dieses Mal, dass wir zuerst das Thema und die Geschichte hatten und dann die passende Musik gesucht haben. Sonst ist es umgekehrt. In der realen Welt ist es so, dass Musik einen emotionalen Wiedererkennungswert hat. Dass Musik berührt, das gefällt uns, das ist was wir als Musikvermittler wollen. Wir haben also gezielt nach Musik gesucht, die eine bestimmte Sinngebung erfüllen könnte. „La vita e bella“ aus dem bekannten Benigni-Film kommt zum Beispiel ein zentraler Stellenwert bei Vergissmeinnicht zu. Und dann haben wir Marcus Nigsch gefragt, ob er uns die Musik komponiert, die uns noch gefehlt hat.

Ihr, die „uralten Menschen“ seid zwischen Anfang 50 und Anfang 60. Dann müsste bei es bei Vergissmeinnicht eigentlich Musik etwa aus den 80er Jahren sein …

In unserem Fall handelt es sich um eine betreute Wohngemeinschaft, in der sich drei um ihren dementen Freund kümmern. Sie wissen natürlich, dass er klassischer Musiker war. Dadurch bringen wir – die anderen drei – jene Musik, an die er sich erinnert.

Gibt es die eine zentrale Botschaft in eurem neuen Stück?

In einem Satz ist es schwierig zu beantworten. Die Freunde gestalten die Zeit so, dass sich der kranke Mensch wohl fühlt und so möglichst stressfrei durch den Tag kommt. Und dazu zeigen wir eine Möglichkeit. Wenn wir ein solches Stück machen, dann muss es auf dem neuesten Stand der Demenzforschung sein. In Kooperation mit der Aktion Demenz können wir super Begleitmaterial mitgegeben.

Es erwartet uns also kein Happy End?

Doch, es gibt ein Happy End. Aber welches, wird noch nicht verraten. Trotz des Themas Demenz ist Vergissmeinnicht ein Musikvermittlungsstück. Die Schurken sind Musikvermittler. Da sind wir in unserer Kernkompetenz. Durch das engagierte lebendige Musizieren berühren wir die Kinder in ihrer Kreativität auf einer Ebene, wo wir sie in Resonanz zu bringen versuchen. Dann kann jedes Kind herausnehmen, was es möchte.


Festival-Potpourri

Home Sweet Home: Auf Instagram zeigt Tenor Lukasz Zaleski (B. F. Pinkerton) stolz sein neues Zuhause für die nächsten zwei Monate: die Seebühne: instagram.com

Ready to Rumble: Yamadori (Patrik Reiter) und Onkel Bonze (Levente Páll) sind startklar. Am Montag begannen die Proben zu Madame Butterfly auf der Seebühne, von der die beiden grinsende Grüße senden: instagram.com

Favorite Window: Auch Scott Hendricks freut sich, wieder zurück an seinem „Lieblingsfenster“ in der Kantine des Festspielhauses zu sein. Der Bariton ist dieses Jahr als Gleby in der Oper im Festspielhaus Sibirien zu erleben: instagram.com


Die Bregenzer Festspiele 2022 finden von 20. Juli bis 21. August statt.
Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com Telefon 0043 5574 407 6.