Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen (16. Juli)

Eröffnung der Bregenzer Festspiele 2019 (© Bregenzer Festspiele / Dietmar Mathis)

Der Große Saal füllt sich wieder
Bassbariton Miklós Sebestyén steht bei Rigoletto und Nero auf der Bühne
Fünf Fragen an Schauspielerin Brigitte Urhausen
Wer singt wann und warum?
Emanuele Scorcellettis Blick hinter die Rigoletto-Kulisse ist zurück
Festival-Potpourri
Ausblick: Das tut sich in den nächsten Tagen


Der Große Saal füllt sich wieder

Bregenz, 16.7.21. Die 75. Bregenzer Festspiele werden am 21. Juli 2021 feierlich eröffnet. Den geladenen Gästen im Saal und dem TV-Publikum werden die Höhepunkte der diesjährigen Festspiel-Produktionen präsentiert. Während die Eröffnung im Großen Saal uneingeschränkt über die Bühne geht, kann der traditionelle Festspielempfang und die Übertragung am Vorplatz dieses Jahr leider nicht stattfinden.

Die Eröffnung der Bregenzer Festspiele ist eine organisatorische Herausforderung – Gäste werden geladen, Kamerateams organisiert, Mitwirkende koordiniert und weitere Aufgaben von einer Vielzahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen. Die Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Ablauf des Festaktes werden aber speziell dieses Jahr gerne in Kauf genommen, wenn es endlich wieder heißen kann: „Ich erkläre die Bregenzer Festspiele für eröffnet!“

Volles Haus im Großen Saal

Dank der Lockerungen und eines ausgearbeiteten Präventionskonzepts können gut 1600 Gäste aus Wirtschaft, Kultur, Politik und des öffentlichen Lebens die Eröffnungsveranstaltung im Großen Saal besuchen. Wie in den Vorjahren führt Puppenspieler Nikolaus Habjan als Conférencier durch das Programm, das einen Großteil der Produktionen der diesjährigen Festspiel-Saison vorstellt. Ergänzt wird das musikalische Rahmenprogramm durch Reden des Festspiel-Präsidenten Hans-Peter Metzler, der Staatssekretärin Andrea Mayer und des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen.

Sicher ist sicher

Während die Gäste im Großen Saal die Eröffnungsfeier in gewohntem Ausmaß erleben können, musste der Festspielempfang am Platz der Wiener Symphoniker Corona-bedingt abgesagt werden. Auch die Live-Übertragung aus dem Festspielhaus wird vor Ort dieses Jahr nicht stattfinden. Festspielfans können den Festakt aber im Fernsehen und Radio mitverfolgen. ORF 2, 3sat, vorarlberg.ORF.at und ORF Radio Vorarlberg übertragen die Festspiel-Eröffnung live.

Kulinarik-Angebot und offener Vorplatz

Dass der Festspielempfang und die Übertragung am Vorplatz heuer nicht stattfinden können, bedeutet aber nicht, dass das kulinarische Angebot mit Eröffnungsatmosphäre dieses Jahr ausfällt. Wer auf das Flair vor Ort nicht verzichten möchte, ist mit einem 3-G-Nachweis eingeladen, in das Festzelt und die buehnedrei am Platz der Wiener Symphoniker einzukehren. (kp/pf)


Miklós Sebestyén
(© Bregenzer Festspiele / Ralph Larmann)

Einsatz mit großer Freude

Bassbariton Miklós Sebestyén steht bei Rigoletto und Nero auf der Bühne

Bregenz, 16.7.21. In der vergangenen Woche standen zehn Bühnenorchesterproben in zwei unterschiedlichen Produktionen auf seinem Plan: vormittags Nero, am Abend Rigoletto. Jede Menge zu tun, zumal die Proben auf der Seebühne bis Mitternacht dauern. Dennoch ist Miklós Sebestyén, der 1979 in Budapest geboren wurde und heute im Kreis Starnberg lebt, die Freude an seiner Arbeit ins Gesicht geschrieben. Zum einen sind solche „Doppelbelastungen“ in der Branche nichts Ungewöhnliches. In einem Ensembletheater etwa ist es gang und gäbe, mehrere Rollen gleichzeitig auszufüllen und zu proben.

Zum anderen nimmt er in Bregenz, wo der Bassbariton vor zwei Jahren debütierte, diesen Rhythmus gern in Kauf: „So viel Spaß im Beruf wie hier hatte ich noch nie. Das liegt auch am Umgang der Festivalleitung mit uns Künstlern und an der entspannten Stimmung mit meinen Kollegen. Viele kenne ich von 2019. Ich fühle mich ein bisschen wie im Sommerlager.“

Ausgeklügelte Technik in beiden Produktionen

Dass die Bühnenbilder auf der Seebühne spektakulär und komplex sind, sieht man auf den ersten Blick. Doch in dieser Hinsicht ist auch Nero, die Oper im Festspielhaus, nicht zu unterschätzen. Drei kreisförmige Komponenten drehen sich, teilweise gegengleich und knapp aneinander vorbei. „Man muss die Abläufe gut kennen und richtig aufpassen, wenn die Drehungen starten. Aber die Szenerie funktioniert wunderbar, ist klug konzipiert und wird auch dem Publikum gefallen“, sagt Sebestyén, der in Nero den Soldaten Tigellino verkörpert.

Mehr Luft, gleich viel Kraft

Beim Spiel auf dem See werden die Stimmen durch Mikrofone verstärkt, bei der Oper im Festspielhaus nicht. Wird dadurch die Singtechnik eine andere, ist unterschiedlich viel Kraft nötig? „Nein. Man singt, wie man singt. Für mich ändert sich dadurch nichts. Abgesehen davon, dass man bei den größeren Distanzen auf der Seebühne natürlich mehr Luft braucht.“ Einen Vorteil der Mikrofone bei Rigoletto sieht er darin, dass er sich beim Singen mehr zu seinem Partner oder seiner Partnerin drehen kann und dennoch das Publikum jeden Ton perfekt hört. Schauspielerisch seien die Möglichkeiten mit Verstärkung auch größer – zumal das Regieteam nicht an fixen Vorgaben klebe, sondern gerne einige Freiheiten bei der Ausgestaltung der Rolle lasse. Am See ist er – wie vor zwei Jahren – der Auftragsmörder Sparafucile.

Hoch über dem Bodensee

Gerne hätte er eine Szene wie seine Kolleginnen, die die Figur der Gilda spielen. Ihnen ist es vorbehalten, im Ballon in 15 Metern Höhe über dem See zu schweben und zu singen. Das wäre genau das Richtige für den Höhenliebhaber und Kletterfan. Doch er hat erfahren, dass er vielleicht außerhalb der Vorführungen einmal für eine „Privatfahrt“ einsteigen darf. Darauf freut er sich schon jetzt. Und auf seine Auftritte zuvor erst recht.

Nero feiert am 21. Juli (19.30 Uhr) Premiere. Tags darauf folgt die Wiederaufnahme-Premiere Rigoletto. Karten und Informationen unter bregenzerfestspiele.com sowie Telefon 0043 5574 4076. (tb)


„Hätte man auf die Frauen gehört …“ Fünf Fragen an Schauspielerin Brigitte Urhausen

Bregenz, 16.7.21. Brigitte Urhausen kennt das TV-Publikum seit zwei Jahren als Tatort-Kommissarin in Saarbrücken. Mit der Koproduktion Michael Kohlhaas kommt die Luxemburgerin erstmals nach Bregenz.

Regisseur Andreas Kriegenburg lässt das Stück bewusst, wie er sagt, von zwei Frauen erzählen. Gegenüber der Novelle rücken Frauen weit mehr in den Vordergrund. War diese weibliche Zurechtrückung mit ausschlaggebend für Sie, bei dieser Produktion mitzumachen?

Es gab mehrere Gründe, warum ich bei diesem Projekt zugesagt habe. Es ist ja auch eine Koproduktion mit den Les Théâtres de la Ville de Luxembourg, und ich hatte große Lust, einmal mit Andreas Kriegenburg zu arbeiten. Es gab ein erstes Treffen, wo er ganz klar gesagt hat, dass er die weibliche Sicht hervorheben möchte, dass er überhaupt kein Interesse daran hat, dass die Frauen Nebenrollen spielen und untergehen in dieser Männerwelt. Es ist nun mal eine sehr männerlastige Novelle. Es gibt nicht viele Frauen, sie kommen auch nicht groß drin vor, haben aber wichtige Funktionen. Es sind sehr starke Frauen. Wenn man auf die Frauen gehört hätte, wäre das alles anders ausgegangen.

Das Deutsche Theater Berlin hat keine Besetzungsliste veröffentlicht. Steckt da eine bestimmte Absicht dahinter? Sollen die Besucher im Ungewissen bleiben, ob Sie die Lisbeth, die Frau von Kohlhaas spielen oder die Wahrsagerin?

Nein, das hat damit zu tun, dass mit Ausnahme von Max Simonischek als Kohlhaas es vor Probenbeginn definitiv keine Besetzung gab. Es kommen ja so viele Figuren vor … wir haben sie gemeinsam um den Tisch herum gelesen, Andreas Kriegenburg wollte unsere Stimmen hören, das hat sich alles erst entwickelt. Dass ich die Lisbeth spiele, hat sich erst nach ein paar Tagen ergeben. Obwohl sehr an der Kleist’schen Sprache festgehalten wird, ist es keine klassische Dialog-Theateraufführung. Es ist sehr viel Prosa, es ist chorisch … Mit tollen Bildern!

Welche Sicht auf die Person Michael Kohlhaas überwiegt für Sie: Opfer oder Täter?

Es gab zwei Phasen. Als ich die Novelle gelesen habe und auch noch am Anfang der Probezeit, habe ich ihn noch komplett als Opfer gesehen. Dieses tief empfundene Gefühl von Ungerechtigkeit und dass so Rachegefühle entstehen können, das kann ich menschlich total nachvollziehen. Natürlich muss irgendwann der Punkt kommen, wo man sich sagt: Jetzt steht es in keinem Verhältnis mehr, vor allem ab dem Moment, wo er seine ganze Familie für die Sache opfert. Er ist letztendlich beides, Opfer und Täter.

Unzweifelhaft auf der Seite der Guten stehen Sie als Hauptkommissarin Esther Baumann im Saarbrücker „Tatort“. Wie kam es dazu und wird man durch eine so populäre Rolle dem Theater untreu?

Es hat sich ergeben, wie es sich bei uns Schauspielern sehr oft ergibt: Ich hatte eine Nebenrolle im vorletzten Tatort mit Devid Striesow als Kommissar. Das war mit Regisseur Christian Theede, der dann quasi auch das neue Team zusammengestellt hat. Damit kannten mich alle, ich war bei denen auf dem Schirm und bekam eine Einladung zum Casting – das hat dann geklappt.

Für eine Frau habe ich relativ spät angefangen mit Film und Fernsehen. Natürlich versuche ich, mir einen Namen zu machen. Durch den „Tatort“ spüre ich, dass es ein bisschen mehr wird, man erfährt mehr Aufmerksamkeit. Doch für mich will ich das Theater nicht aufgeben, es ist mir viel zu wichtig … eigentlich bin ich Theatermensch.

Sie standen 2020 für eine Folge der ARD-Serie „WAPO Bodensee“ vor der Kamera, die noch nicht ausgestrahlt ist, kommen jetzt zu den Bregenzer Festspielen. Hatten Sie vorher jemals mit dem Bodensee was zu tun?
Ich muss ehrlich sagen, überhaupt nicht. Für den Dreh für die „WAPO Bodensee“ war ich das erste Mal in meinem Leben am Bodensee und musste feststellen: Warum eigentlich nicht früher? Es ist wirklich wunderschön! Ich habe mir gedacht, da könnte man einmal Urlaub mit den Kindern machen. Auch die Bregenzer Festspiele waren mir ein Begriff, aber war nie dort. Es wird somit eine große Premiere für mich in allen Hinsichten, deshalb freue ich mich auch sehr darauf.

Michael Kohlhaas ist vom 23. bis 25. Juli im Theater am Kornmarkt zu sehen. Tickets und Informationen unter bregenzerfestspiele.com sowie Telefon 0043 5574/4076. (ami)


Wer singt wann und warum?

Hinweis Besetzungslisten

Bregenz, 16.7.21. Traditionell verpflichten die Bregenzer Festspiele beim Spiel auf dem See mehrere Sängerinnen und Sänger für einzelne Rollen. Bis zu vier Mitwirkende wechseln sich in einem Rotationssystem ab. Das schützt die Stimme vor Überbelastung und gewährleistet damit höchste Gesangsqualität.

Wer die verschiedenen Gruppierungen auswählt und welche Faktoren in die Entscheidungsfindung miteinfließen, erklärt Susanne Schmidt im Interview von 2019 (pressefoyer.at).

Für die Premiere wurde folgende Besetzung festgelegt: Als Rigoletto wird Vladimir Stoyanov auf der Bühne stehen, des Hofnarrens Tochter Gilda wird von Ekaterina Sadovnikova verkörpert. Long Long übernimmt die Rolle des Herzogs von Mantua. Das ganze Premieren-Ensemble sowie die Besetzungen weiterer Vorstellungen finden sich unter bregenzerfestspiele.com/de/besetzungslisten21 . (kp/pf)


Zirkushafte Welt vor der Linse ~ Emanuele Scorcellettis Blick hinter die Rigoletto-Kulisse ist zurück

Bregenz, 16.7.21. In Zusammenarbeit mit dem Festspiel-Sponsor Leica kam der weltberühmte Fotograf und Fotojournalist Emanuele Scorcelletti 2019 nach Bregenz, um das Leben hinter der Bühne der Rigoletto-Aufführung festzuhalten. Als Meister der Behind-the-Scenes-Aufnahmen war Scorcelletti der ideale Fotograf um die akrobatische Welt von Stölzls Rigoletto in Bregenz festzuhalten.

Festspielgäste können die spektakulären Bilder, die hinter den Kulissen des Spiels auf dem See entstanden sind, ab Montag, den 19. Juli 2021 wieder im Showroom des Festspielhauses betrachten. Die speziellen Eindrücke, die Scorcelletti mit 25 ausgewählten Bildern präsentiert, zeigen die Rigoletto-Mitwirkenden bis 22. August 2021 in einer Welt zwischen Traum und Wirklichkeit.

Wer schon vor Beginn der Ausstellung mehr über die Hintergründe von Scorcellettis Arbeit in Bregenz erfahren will, findet ein Making-of Video auf dem YouTube Kanal von Leica (youtube.com) und einen ausführlichen Bericht aus dem Jahr 2019 im Pressefoyer. (pf)


Festival-Potpourri

Immer wieder Rigoletto – Vladimir Stoyanov wird diesen Sommer zum zweiten Mal in der Rolle des Rigoletto zu sehen sein. Auf Instagram präsentiert sich der Rigoletto-Sänger in vollem Kostüm und Maske.

Von Prag nach Bregenz – Seit 2010 wirkt der Prager Philharmonische Chor bei diversen Produktionen der Bregenzer Festspiele mit. Auch heuer residiert der Chor wieder in Bregenz – aktuell bereiten sich die Sängerinnen und Sänger intensiv auf die Premieren von Rigoletto und Nero vor. 

„Good to be working again“ – Mezzosopranistin Rinat Shaham freut sich auf die bevorstehenden Rigoletto-Vorstellungen. Auf Instagram gibt die Maddalena-Sängerin einen Vorgeschmack auf ihre Rolle.


Ausblick: Das tut sich in den nächsten Tagen

Im Rahmen des Probenbesuchs für Jugendliche können Schülerinnen und Schüler sowie Studierende zwischen 14 und 26 Jahren die Orchesterhauptprobe von Rigoletto besuchen. Tickets sind für 5 Euro erhältlich.Infos und Tickets gibt es unter: bregenzerfestspiele.com

Die Gesprächsreihe Festspielfrühstück bietet die Möglichkeit, Künstlerinnen und Künstler der Bregenzer Festspiele an drei Sonntagen näher kennenzulernen. Das erste Festspielfrühstück findet am 18. Juli 2021 um 9.30 Uhr mit Rigoletto-Regisseur Philipp Stölzl im Seefoyer des Festspielhauses statt. Infos und Tickets gibt es unter: bregenzerfestspiele.com

Die diesjährige Festmesse findet am 18. Juli 2021 um 10.00 Uhr in der Pfarrkirche St. Gebhard statt. Den musikalischen Rahmen bildet Johann Michael Haydns Missa sub titulo Sancti Leopoldi, aufgeführt vom Symphonieorchester Vorarlberg und den Damen des Bregenzer Festspielchors. In St. Gebhard sind nur begrenzte Parkplätze verfügbar. Infos und Tickets gibt es unter: bregenzerfestspiele.com

Am Tag der Wiener Symphoniker lässt sich das „Orchestra in Residence“ hautnah in der Bregenzer Innenstadt erleben. Bei freiem Eintritt wird am 18. Juli 2021 an drei Standorten – Kornmarktplatz, Kunsthaus Bregenz und Nepomukkapelle – ab 15.30 Uhr ein buntes Programm mit verschiedenen Ensembles der Wiener Symphoniker geboten. Weitere Infos und das Programm zum Download gibt es unter: bregenzerfestspiele.com

Am 21. Juli 2021 um 10.30 Uhr werden die 75. Bregenzer Festspiele feierlich eröffnet. Auf dem Programm steht eine Auswahl an Stücken aus verschiedenen Produktionen der diesjährigen Festspiel-Saison. Die Eröffnung kann in TV und Radio live mitverfolgt werden.

Die Premiere von Arrigo Boitos Nero findet am 21. Juli 2021 um 19.30 Uhr statt. An insgesamt drei Terminen wird die Oper im Festspielhaus unter der musikalischen Leitung von Dirk Kaftan aufgeführt. Auf der Webseite der Bregenzer Festspiele gibt es Tickets und weitere Infos. bregenzerfestspiele.com

Das Spiel auf dem See feiert nach einjähriger Pause am 22. Juli 2021 um 21.15 Uhr Wiederaufnahme-Premiere. Giuseppe Verdis Rigoletto wird dieses Jahr insgesamt 28 Mal aufgeführt. Tickets und weitere Infos zum Spiel auf dem See gibt es auf der Webseite der Bregenzer Festspiele. bregenzerfestspiele.com