Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen (13. August)

Spencer Britten (© Brent Calis)

Fünf Fragen an Tenor Spencer Britten
Die Welt der Klänge am Computer
„Brass eroico“: Junge Talente mit Festspielerfahrung
Ausblick 2022: Von Bregenz geht es ostwärts
Komödienwahnsinn trifft Uraufführung
SWR 4 Meet and Greet: „Rigoletto“ ganz persönlich
Festival-Potpourri
Ausblick: Das tut sich in den nächsten Tagen


Fünf Fragen an Tenor Spencer Britten

Klassische Rollen neu interpretieren

Die Italienerin in Algier ist eine der drei Komischen Opern von Gioachino Rossini, die als Film vermutlich Screwball-Komödien von Billy Wilder geworden wären: mit romantischen Verwicklungen, witzigen Dialogen und viel Tempo. Eine zentrale Figur dieser Opera buffa ist der Sklave Lindoro. Hier wird er vom Tenor Spencer Britten verkörpert, der sein Debüt bei den Bregenzer Festspielen feiert. Er ist auf diese Rolle bestens vorbereitet – nicht zuletzt durch die vorherige Arbeit mit Kammersängerin Brigitte Fassbaender im Opernstudio. Sie führt bei Die Italienerin in Algier auch Regie.

Was haben Sie im Opernstudio gelernt?

Brigitte Fassbaenders Erfahrung aus einer so langen und großen Karriere ist für junge Sänger wie mich unschlagbar. Es ist ein großes Plus, dass sie sich der Regie zugewandt hat. So können wir direkt von ihr lernen, was Sänger brauchen. Sie kennt unsere Situation ja selbst bestens. Ihre intuitive Inszenierung macht es uns leicht. Ich habe sie in Berlin bei einer Meisterklasse an der Staatsoper Unter den Linden kennengelernt.

Der Lindoro scheint Ihnen zu liegen, wie das Opernstudio gezeigt hat. Eine Journalistin hat Sie sogar als „geborenen Rossini-Tenor“ bezeichnet. Was muss man speziell für Die Italienerin in Algier oder beispielsweise Der Barbier von Sevilla mitbringen?

Diese Einschätzung schmeichelt mir sehr. Wichtig ist, dass man Koloraturen und hohe Töne beherrscht. Außerdem sind ein gewisses komödiantisches Talent und ein gutes Gespür für die Figuren wichtig.

Was für eine Figur ist Lindoro?

Er ist ein klassischer Belcanto-Tenor: Er sehnt sich immer nach Liebe und vermisst seine Isabella. Ich möchte über diese typische Rolle hinausgehen und meinen Interpretations-Spielraum nutzen. Brigitte Fassbaender hat mir viel Freiraum gegeben, die Rolle selbst zu entdecken und eigene Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch der schauspielerische Teil, den ich sehr genieße. Ich komme ursprünglich aus dem Musical-Fach.

Sie sind ein sehr vielseitiger Künstler…

Ich mag Oper, Operette, Musiktheater. Seit ich ein Kind bin, möchte ich auf der Bühne stehen. Meine musikalische Reise startete in einem Chor. Als Sechsjähriger begann ich mit Tanztraining. Ohne die Pandemie hätte ich ein Engagement als Tänzer in West Side Story gehabt. Brigitte Fassbaender hat das aufgegriffen und etwas Tanz in meine Rolle hier integriert (lacht). Mein Schwerpunkt liegt aber mittlerweile auf Oper.

Nach den Festspielen kehren Sie nach Vancouver zurück. Was nehmen Sie aus Bregenz mit nachhause?

Zunächst einmal den Eindruck, wie schön es hier ist. Ich bin zum ersten Mal in Österreich und wüsste nicht, wie ich den Sommer besser verbringen könnte – mit dem See und der Möglichkeit, hier das zu tun, was ich liebe. Junge Künstler werden wie Profis behandelt. Bei einem Belcanto-Experten wie Jonathan Brandani, dem musikalischen Leiter bei Die Italienerin in Algier, habe ich eine Menge über diese Gesangskunst gelernt.

Die Italienerin in Algier feiert am Montag, 16. August 2021 im Theater am Kornmarkt Premiere. Weitere Vorstellungen folgen am 18., 20. und 21. August, jeweils um 19.30 Uhr.

(tb)


Die Welt der Klänge am Computer

Orgel Wind
© KoenigsFreunde

Wie die Orgel für die Oper Wind ist auch deren Steuerung eine Neuentwicklung. Die Innovation stammt von Thomas Hummel, Musikinformatiker im Experimentalstudio des SWR.

In einen Wald aus Klängen und Geräuschen wird diesen Sommer das Publikum von Alexander Moosbruggers Oper Wind eintauchen. Orgelpfeifen in unterschiedlichen Größen machen – wirklichen Bäumen gleich – die Werkstattbühne zur klingenden Traumwelt des Poliphilo. 172 Orgelpfeifen arrangieren die bildende Künstlerin Flaka Haliti, der Komponist sowie die Experten von Rieger-Orgelbau zu einem geheimnisvollen Raum für Mitwirkende und Publikum.

Die Zahl 172 erinnert an die 172 Holzschnitte, die das der Oper zugrundeliegende Renaissance-Buch Hypnerotomachia Poliphili zum Gesamtkunstwerk machen. Die 172 Orgelpfeifen aus Metall und Holz, eine jede unterschiedlich in Klang und Größe, haben nicht nur die Orgelbauer der Firma Rieger viel Denk- und Handarbeit gekostet. Auch die Informatik war gefordert.

An den Schnittstellen zwischen Informatik und Musik arbeitet Thomas Hummel, Musikinformatiker und Forscher im Experimentalstudio des Festspielpartners SWR. Er begleitete den Entstehungsprozess des Werkes von Beginn an. Zur Unterstützung von Alexander Moosbrugger entwickelte Thomas Hummel, der selbst Komposition studiert hat, ein Orgel-Simulationsprogramm. Für die Aufführung erarbeitete der Informatiker die Steuerung des Instrumentes. Auf der Werkstattbühne wird er mit elektronischen Befehlen dafür sorgen, dass das Instrument die von Alexander Moosbrugger geschaffene Musik in gewünschter Form wiedergibt.

Eine Orgel wird simuliert

Eine virtuelle Doppelgängerin der Orgel zu schaffen, war notwendig, „weil der Prototyp dieser neuen Orgel ja noch nicht aufgebaut war, als wir mit der Produktion begonnen haben“, sagt Hummel. „Mit der Simulation konnte der Komponist auch ohne das Instrument arbeiten.“ Eine Orgel könne man klanglich virtuell ersetzen, sagt der Informatiker, „schwieriger ist es bei den Ventilöffnungen, die können wir nur zu 50 Prozent simulieren.“

Den Klang der Ventilöffnungen nachzuahmen, war die Hauptaufgabe bei diesem außergewöhnlichen Projekt. Die Herausforderung bei der Entwicklung dieser elektronischen Feinsteuerung ist das Ausschöpfen des gesamten Klangspektrums einer Orgelpfeife. Im Unterschied zur mechanischen Orgel, bei der eine Taste ganz oder gar nicht gedrückt wird, können die Ventile über den Computer „nur ein ganz kleines bisschen oder auch ganz geöffnet werden“, erklärt Thomas Hummel. „Je nach Öffnungsgrad der Ventile entstehen dann sehr ungewöhnliche Klänge.“

Was einfach klingt, war für den Informatiker aber Knochenarbeit. Denn um den tatsächlichen Klängen oder Geräuschen nahezukommen, müsse man den Grad der Ventilöffnung ganz genau kontrollieren können. „Ich musste also etwas programmieren, um den Öffnungsgrad der Ventile hörbar zu machen.“ Dafür fehlte dem leidenschaftlichen Datensammler aber das notwendige Klangmaterial.

Die Virtualisierung der Musiker

Thomas Hummel griff neben Audiodateien von Alexander Moosbruggers Berliner Orgel auf Material aus seiner eigenen Sample-Datenbank zurück. Für conTimbre, sein virtuelles Orchester der Neuen Musik, hatte Hummel über die Jahre mehr als 87.000 Klänge und über 4.000 Spieltechniken für 160 Musikinstrumente gesammelt.

„Virtualisierung der Musiker“ nennt er seine Sammlung scherzhaft. Für Wind wurde er bei den virtuellen Bläsern fündig. „Die ganz leicht geöffneten Ventile von Alexanders Orgel hörten sich für mich an wie der gehauchte Klang von Holzbläsern, von Flöten und Klarinetten.“ Der Tüftler mischte Orgel und Holzbläser, „nach einigen Wochen Arbeit hat die Simulation schließlich funktioniert.“

Für die Steuerung der Ventilöffnung galt es, eine Software zu entwickeln, die ohne riesige Datenmengen jede einzelne der 172 Orgelpfeifen natürlich klingen lässt. „Da hatte Corona sogar was Gutes“, sinniert Hummel, „durch den Ausfall der Konzerte hatte ich Zeit, über Möglichkeiten zur Vereinfachung nachzudenken und dann alle Problemfelder abzuarbeiten. So konnte ich eine Feinsteuerung für dieses neue Instrument entwickeln“.

Keine Nerds, sondern Musiker

Thomas Hummel und sein Kollege Maurice Oeser werden die Aufführungen von Wind als Klangregisseure mitgestalten. Die Synchronisation von Computer und Ensemble gehört zu ihren Aufgaben. Sie werden dafür verantwortlich sein, dass Klänge und Orgelsequenzen im richtigen Augenblick ausgelöst werden. Sehr viel Konzentration erfordere diese Arbeit, sagt Hummel: „Als Klangregisseur muss man sehr gut hinhören und sehr gut Partitur lesen können. Man muss alle Instrumente und die Musikerinnen und Musiker sehr genau kennen.“ Man sei Teil des Ensembles: „Es ist, als würde man ein Instrument nur mit dem Kopf spielen.“

Thomas Hummel und Maurice Oeser sind aber nicht die Nerds im Hintergrund. Sie verstehen sich als „Musiker, die mitmusizieren“. Sie werden für Wind auf der Bühne klassische Live-Elektronik-Parts gestalten, über ihre Computer Klänge erzeugen und verfremden. Und damit die geheimnisvolle Welt des Poliphilo noch ein bisschen rätselhafter machen.

Aus: Festspielzeit – Das Magazin der Bregenzer Festspiele, Ausgabe 4/2021 / Text: Jutta Berger


„Brass eroico“: Junge Talente mit Festspielerfahrung

David, Samuel und Jana Schmid
© Bregenzer-Festspiele / Katharina Prochart

Am 15. August 2021 findet um 11.00 Uhr das Abschlusskonzert des Brass eroico Blasmusik-Camps statt. Die Absolventinnen und Absolventen des Camps werden im Festspielhaus ein buntes Programm aus verschiedenen Epochen aufführen. Teil des großen Blasorchesters sind Saxophonistin Jana (17) und die Trompeter David (15) und Samuel (13) Schmid. Das Musizieren auf einer großen Bühne kennen die drei Geschwister bereits – 2017 und 2018 standen sie als Teil des Kinderchores von Carmen auf der Seebühne.

Mit dem Konzert im Festspielhaus findet am Sonntag der Höhepunkt des 5. Internationalen Blasmusik-Camps statt. Die ganze Woche lang sind die über 70 Musikerinnen und Musiker mit den Proben für das Abschlusskonzert beschäftigt.

Musizieren mit den Profis

Jeden Vormittag erarbeiten zehn Musiker der Wiener Symphoniker in Registerproben das Programm mit den Teilnehmenden des Blasmusik-Camps. Aus diesen Stimmproben mit den Profimusikern nehmen Jana, David und Samuel besonders viel mit: „Unsere Dozenten sind alle richtig nett. Man bekommt viele hilfreiche Tipps – und es ist interessant, wenn sie von ihren Erfahrungen im Orchester erzählen. Man kann gut mit ihnen reden, sie sind sehr hilfsbereit, das ist ziemlich cool!“, erzählt Jana. Am Nachmittag findet unter der Leitung von Martin Kerschbaum dann täglich eine Tutti-Probe mit dem gesamten Orchester statt.

Insgesamt zehn Stücke wird das Blasorchester im Festspielhaus aufführen – darunter Werke von Giuseppe Verdi und Arrigo Boito. Die Geschwister haben jeweils ihre eigenen Favoriten unter den Stücken: „Mir gefallen die schnellen, fetzigen Stücke am besten, die sind sehr cool!“, sagt Trompeter Samuel. Janas Favorit ist die Symphonic Overture von James Barnes, weil da der mächtige Klangkörper des Orchesters besonders gut zutage trete. Für David ist es das Glenn Miller-Medley: „Das ist so eine Swing-Nummer mit Stücken, die ziemlich bekannt sind. Die Trompete hat da meistens die Melodie – und ich mag es, bekannte Stücke zu spielen!“

Einmalige Erlebnisse bei den Festspielen

Die Geschwister sind bereits echte Bühnenprofis: 2017 und 2018 durften sie als Sängerin und Sänger im Kinderchor bei Carmen Festspiel-Luft schnuppern. Mit Kostümen und Maske vor 7.000 Leuten auf der Seebühne singen – eine einmalige Erfahrung für die Jugendlichen: „Die Bregenzer Festspiele kennt jeder, und wenn man sagen kann – ich hab‘ da mal mitgesungen, ist das schon toll!“ Den Carmen-Kinderchor gibt es zwar nicht mehr, die Jugendlichen singen aber weiterhin begeistert in ihren Klassen- und Schulchören.
Rigoletto hat Jana und David auch gut gefallen, in der Vorstellung haben sie sich ein wenig in ihre Carmen-Zeit zurückversetzt gefühlt: „Man kennt die Bühne von Carmen noch – es ist zwar alles umgebaut, aber man erkennt zum Beispiel einen Eingang noch und wo wir raufgerannt sind. Das ist ziemlich lustig!“

Mit Musik aufgewachsen

Dass die drei Geschwister so musikalisch sind, ist angesichts ihres familiären Backgrounds kaum verwunderlich: jedes Mitglied der achtköpfigen Familie spielt ein Instrument, die Eltern sind ebenso wie Jana, David und Samuel im Musikverein Lochau tätig. Über den Vorstand des Musikvereins sind sie letztlich auch zum Blasmusik-Camp gekommen.

Jana kann sich sogar vorstellen, mit der Musik in eine professionelle Richtung zu gehen. Sie studiert Saxophon am Vorarlberger Landeskonservatorium und schließt nächstes Jahr ab. „Vielleicht mache ich danach weiter – Instrumental- und Gesangspädagogik zum Beispiel. Genau weiß ich es noch nicht, aber ich würde auf jeden Fall gerne etwas mit Musik machen!“ Zunächst freut sie sich aber einmal darauf, am Sonntag live vor Publikum spielen zu dürfen: „Endlich wieder – nach der langen Pause!“ (kp)


Ausblick 2022: Von Bregenz geht es ostwärts

Die Tage des Narrenkopfes sind gezählt: Noch 9 Rigoletto-Vorstellungen, bis der Publikumsliebling seine Augen für immer schließt – und damit das Ende der diesjährigen Festspiel-Saison einläutet. Ende August beginnen auf der Seebühne die Abbau-Arbeiten, um Platz für die Kulisse von Madame Butterfly zu schaffen.

Der imposante Narrenkopf weicht einem Bühnenbild von Michael Levine, der mit feinen Landschaftsmalereien japanisches Flair auf die Bregenzer Seebühne zaubern wird. Giacomo Puccinis Madame Butterfly wird am 20. Juli 2022 ein Jahr später als ursprünglich geplant Premiere feiern. Im Mittelpunkt steht die japanische Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly, deren tragische Geschichte voller Liebe, Hoffnung und Sehnsucht heute zu den berühmtesten und meistgespielten der Operngeschichte zählt. Die musikalische Leitung von Madame Butterfly übernimmt Enrique Mazzola, Regie führt Andreas Homoki.

Von Japan nach Russland

Während das Spiel auf dem See auf eine Reise nach Japan einlädt, führt die Oper im Festspielhaus nach Sibirien. Im Zentrum der gleichnamigen Oper von Umberto Giordano steht die Kurtisane Stephana, die ihrer wahren Liebe Vassili in ein sibirisches Straflager folgt. Russische Klänge – von der Zarenhymne bis zum volkstümlichen Lied der Wolga-Schlepper – sind in die mitreißende Musik Giordanos eingeflochten.
Zwischen Madame Butterfly und Sibirien besteht bereits seit über 100 Jahren eine Verbindung: Giordanos Verismo-Oper wurde 1903 an der Mailänder Scala uraufgeführt – und diente damit als Ersatzwerk für die verschobene Premiere von Puccinis Madame Butterfly.

Russische Motive im Großen Saal

Das Russland-Thema wird in den Orchesterkonzerten weitergeführt – Meisterwerke russischer Komponisten wie Peter I. Tschaikowski und Dmitri Schostakowitsch werden im Großen Saal des Festspielhauses erklingen. Das erste Orchesterkonzert bietet zudem eine Rarität aus Japan: Passend zur malerischen Kulisse von Madame Butterfly entführt Malika Kishinos Konzert für Koto und Orchester in die Welt des japanischen Saiteninstruments.

Während bei der Orchestermatinee am 31. Juli 2022 mit Ludwig van Beethoven (Leonore Ouvertüre Nr. 3) und Richard Wagner (Siegfried, dritter Aufzug) deutsche Komponisten am Programm stehen, wird das russische Thema im dritten Orchesterkonzert am 8. August 2022 wieder aufgegriffen: Neben der Aufführung von Peter I. Tschaikowskis Romeo und Julia und Dmitri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 Es-Dur tauchen die Wiener Symphoniker unter Dirigentin Marie Jacquot in die märchenhafte Welt aus Tausendundeine Nacht ein, die Nikolai Rimski-Korsakow in seiner Scheherazade op. 35 erschafft.

Auch das Orchesterkonzert mit dem Symphonieorchester Vorarlberg steht im Zeichen russischer Komponisten – es erklingen Werke von Igor Strawinski (Chant funèbre), Sergej Prokofjew (Konzert für Violine und Orchester Nr. 1 D-Dur op. 19) und Peter I. Tschaikowski (Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 65).

Der Karten-Vorverkauf startet am 4. Oktober 2021. Weitere Informationen zu Produktionen und Terminen finden sich auf der Website der Bregenzer Festspiele. Das Ticket Center ist nach Ende der diesjährigen Festspiel-Saison für sechs Wochen geschlossen und ab 4. Oktober 2021 wieder besetzt.(kp)

bregenzerfestspiele.com


Komödienwahnsinn trifft Uraufführung

Die Italienerin in Algier im Theater am Kornmarkt und Wind auf der Werkstattbühne

Bregenz, 12.8.21. Nach 22 erfolgreichen Spieltagen blicken die Bregenzer Festspiele voll Vorfreude den letzten großen Premieren der Jubiläumssaison entgegen. Zum Abschluss der 75. Festspiele stehen auf der Werkstattbühne Alexander Moosbruggers traumwandlerische Oper Wind und im Opernstudio am Kornmarkt Gioachino Rossinis Die Italienerin in Algier auf dem Programm. Die insgesamt sieben Aufführungen der beiden Werke versprechen ein kontrastreiches, spannendes Abschluss-Programm.

Bevor Rigolettos Narrenkopf auf der Seebühne seine Augen für immer schließt, verbleiben noch zehn Tage – und ebenso viele Vorstellungen des Spiels auf dem See. Das mehrfach besetzte Ensemble aus internationalen Künstlerinnen und Künstlern kann dabei weiterhin für erstklassigen Operngenuss garantieren. Im Jahr 2021 haben bereits etwas mehr als 120.000 Besucherinnen und Besucher Philipp Stölzls Inszenierung des Spiels auf dem See erlebt. Bisher gab es keine Regenabsage zu verbuchen.

Uraufführung zwischen Traum und Wirklichkeit – Wind von Alexander Moosbrugger

Eine Oper über das vielleicht schönste Buch der Welt (Umberto Eco) – das bieten die Bregenzer Festspiele im Jahr 2021 ihrem Publikum. Von 19. bis 21. August wird in drei Vorstellungen jeweils um 20.00 Uhr die von Alexander Moosbrugger komponierte Oper Wind auf der Werkstattbühne aufgeführt. Inspirationsquelle für die Oper war das 1499 gedruckte Buch Hypnerotomachia Poliphili, das vermutlich vom Dominikanermönch Francesco Colonna verfasst und mit Holzschnitten und Schriftkunst bildlich gestaltet wurde. Darin erzählt der Autor von der Suche des Poliphilo nach seiner geliebten Polia. Im Traum eröffnet sich ihm eine faszinierende Welt aus Gärten, fantastischen Wesen und erstaunlichen Bauten. Dabei bleibt alles Erlebte flüchtig wie ein Windstoß.

Der aus dem Bregenzerwald stammende Komponist Alexander Moosbrugger und die bildende Künstlerin Flaka Haliti nahmen sich genau dieser Thematik an: der Wind dominiert hier die Musik. Mit einzigartigen Gesangspassagen, die an das Echo eines Luftstroms erinnern, und einem Ensemble aus bis zu neun Meter langen Orgelpfeifen wird ein Klangraum erschaffen, der in der bisherigen Festspielgeschichte seinesgleichen sucht. Die räumliche Verteilung der 172 Orgelpfeifen in der Werkstattbühne soll für das Publikum den Eindruck erzeugen, „im Instrument zu sitzen“. Zu erleben sind die Sopranistin Hanna Herfurtner, der Bariton und Countertenor Hagen Matzeit, drei Gesangsolisten des Klangforums Heidelberg, die beiden Erzählenden Anna Clementi und Jürgen Sarkiss sowie das renommierte französische Streichquartett Quatuor Diotima. Für die Klangregie sorgt Thomas Hummel vom SWR Experimentalstudio, die szenische Einrichtung übernahm Leonora Scheib.

Ein einzigartiger Bühnenraum

Die in Prishtina (Kosovo) geborene bildende Künstlerin Flaka Haliti entwarf für die Werkstattbühne einen Raum für das audio-visuelle Gesamterlebnis. Die Holzschnitte der Hypnerotomachia Poliphili bildeten für sie eine wichtige Inspirationsquelle. Die meterhohen Orgelpfeifen werden dabei zum Traumwald, der zum Ausgangspunkt für Poliphilos Reise wird.

Wie ein Wirbelwind – Die Italienerin in Algier

Als „organisierte und vollkommene Verrücktheit“ wurde Die Italienerin in Algier einst vom französischen Kritiker Marie-Henri Beyle bezeichnet. Und tatsächlich kennzeichnet die turbulent-rasante Oper in zwei Akten aus dem Jahr 1813 eine ins Absurde gesteigerte Handlung und Musik.

Dabei ist es den Protagonisten doch eigentlich ernst mit ihren Anliegen. Mustafa, der Herrscher über Algier, will seine reizlose Frau Elvira loswerden, indem er sie mit seinem Lieblingssklaven Lindoro verkuppelt. Ein naiver Plan, der sich am Ende als Trugschluss erweisen wird, ist Lindoro doch unsterblich in die hinreißend schöne Italienerin Isabella verliebt. Diese ist mittlerweile mit einem Schiff in Algier gestrandet und versucht mit dreistem Kalkül und viel Kaltschnäuzigkeit ihren Lindoro vom Hof des Mustafa zu befreien.

Kreuzfahrt-Flair statt orientalischem Hofstaat

Die Regisseurin Brigitte Fassbaender und ihr Ausstatter Dietrich von Grebmer lassen in ihrer Inszenierung die Handlung auf einer Yacht spielen. Bereits 2018 setzten sie Rossinis Der Barbier von Sevilla im Rahmen des Opernstudios am Kornmarkt höchst erfolgreich in Szene. Mit Jonathan Brandani als Dirigenten ist ein leidenschaftlicher und innovationsfreudiger Verfechter des Belcanto-Repertoires mit an Bord. Premiere ist am 16. August um 19.30 Uhr im Theater am Kornmarkt; die weiteren Vorführungen finden am 18., 20. und 21. August statt.

Ausblick 2022: Madame Butterfly und Sibirien

Als Spiel auf dem See wird kommendes Jahr Giacomo Puccinis Madame Butterfly an insgesamt 25 Abenden aufgeführt. Als Oper im Festspielhaus wird Sibirien (1903) von Umberto Giordano zu sehen sein. Die beiden Werke kreuzten bereits vor über 100 Jahren ihre Wege, als Giordanos Verismo-Oper für die verschobene Premiere der Butterfly an der Mailänder Scala aufgeführt wurde. Die musikalische Reise nach Russland setzt sich auch bei den Orchesterkonzerten fort – neben Musik von Richard Wagner und Ludwig van Beethoven stehen auch einige Werke russischer Komponisten wie Peter Tschaikowski und Dmitri Schostakowitsch auf dem Programm.

Die Bregenzer Festspiele 2021 finden von 21. Juli bis 22. August statt, Karten und Informationen unter www.bregenzerfestspiele.com sowie Telefon 0043 5574 4076. Im Jahr 2022 dauert die Festspielsaison vom 20. Juli bis 21. August. (ag/red)


SWR 4 Meet and Greet: „Rigoletto“ ganz persönlich

Bregenz am 10.08.2021: SWR 4 Gewinner besuchen die Bregenzer Festspiele
© Bregenzer Festspiele / Dietmar Mathis

Zehn glückliche Hörerinnen und Hörer von SWR4 Baden-Württemberg gewannen einen exklusiven Nachmittag ganz im Zeichen von Rigoletto: Auf dem Programm standen eine Führung hinter die Kulissen der weltweit größten Seebühne, ein Meet and Greet mit Künstlerinnen und Künstlern des Spiels auf dem See, ein 3-Gänge-Menü sowie Karten für die Vorstellung von Rigoletto.

Bei strahlendem Sonnenwetter ging der Ausflug hinter die Kulissen der Bregenzer Festspiele am Dienstagnachmittag los – die Führung durch das Festspielhaus und auf der Seebühne startete für die zehn Gewinnerinnen und Gewinner am Platz der Wiener Symphoniker.

Künstlerinnen und Künstler hautnah

Im Anschluss an die Führung erhielten die Opern-Fans bei einem exklusiven Meet and Greet die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre mit Künstlerinnen und Künstlern von Rigoletto auszutauschen. Der künstlerische Betriebsleiter Michael Csar moderierte das Gespräch mit Scott Hendricks (Rigoletto-Sänger), Janna Wohlfarth (Zirkusartistin) und Daniel Hackenberg (Regieassistent und Abendspielleitung) und lud die Gäste ein, selbst in Dialog mit den Künstlerinnen und Künstlern zu treten.

Scott Hendricks kann durch seine 16-jährige Festspiel-Erfahrung einiges berichten – etwa von den besonderen Herausforderungen auf der Seebühne, der einmaligen Atmosphäre und einer besonderen Energie, die hier jeden Abend zwischen Mitwirkenden und Publikum entsteht.  Auch Janna Wohlfarth und Daniel Hackenberg erzählten aus dem Festspiel-Alltag und standen den interessierten Festspiel-Gästen Rede und Antwort.

Die Kooperation zwischen SWR4 Baden-Württemberg und den Bregenzer Festspielen besteht seit dem Jahr 2005 – der Südwestrundfunk bietet seinen Hörerinnen und Hörern seit 16 Jahren die Chance, exklusive Einblicke hinter die Kulissen der Bregenzer Festspiele zu erhalten.

Mit „Caro nome“ auf die Seebühne

Nicht zum ersten Mal in Bregenz, aber erstmals zu Gast bei den Bregenzer Festspielen ist Familie Morlock aus dem Schwarzwald. „Als wir vom Gewinnspiel gehört haben, haben wir uns gedacht: Wir sind doch vor zwei Jahren schon einmal an der Seebühne vorbeigeradelt! Jetzt sind wir wieder hier und schon richtig gespannt auf die Vorstellung von Rigoletto!“, freute sich Herr Morlock.

Dass Familie Morlock und die weiteren acht Gewinnerinnen und Gewinner zu Gast bei den Bregenzer Festspielen sind, haben sie nicht ausschließlich dem Glück zu verdanken. Nur wer Gildas berühmte Arie („Caro nome“) richtig benennen konnte, kam in die engere Auswahl für die begehrten Meet and Greet-Tickets.

Vor Beginn der Vorstellung gab es zur Stärkung noch ein 3-Gänge-Menü im Gastronomiezelt am Platz der Wiener Symphoniker. Der Höhepunkt des ereignisreichen Abends folgte um 21.00 Uhr – bei perfekten Wetterbedingungen öffnete sich der imaginäre Vorhang für Giuseppe Verdis Rigoletto. (kp)


Festival-Potpourri

Damit zur Uraufführung von Alexander Moosbruggers Wind am 19. August 2021 alles bereit ist, wird auf der Werkstattbühne eifrig am Orgelaufbau gearbeitet. Die 172 Orgelpfeifen werden so verteilt, dass das Publikum mittendrin sitzt und die Töne aus allen Richtungen erklingen.

Standing Ovations im Festspielhaus – Nikolaus Habjan, die Musikbanda Franui und nicht zuletzt die betagte Puppen-Diva Lady Bug begeisterten vergangenen Mittwoch das Festspiel-Publikum im Großen Saal. Das Motto des Abends: Alles nicht wahr! Foto auf Instagram: instagram.com

Zeit ist relativ – besonders wenn es sich um zeitlose Musik handelt. Ganz in diesem Stil zeigte sich das Ensemble The Present im Rahmen des Konzerts im KUB vergangenen Dienstag. Einflüsse aus Alter und Neuer Musik wurden miteinander verbunden und vermittelten so neue Möglichkeiten des Ausdrucks. Kunsthaus Bregenz auf Instagram. instagram.com

Die Tage des Rigoletto sind gezählt: Bis zum Ende der Festspiel-Saison 2021 bleiben dem Hofnarren noch neun Vorstellungen. Danach heißt es Abschied nehmen – und Platz machen für die Kulisse von Madame Butterfly. Vladimir Stoyanov auf Instagram: instagram.com


Ausblick: Das tut sich in den nächsten Tagen

Nach der Uraufführung im Juni wird Ihr seid bereits eingeschifft von Silvia Costa am 13., 14. und 15. August 2021 erneut zu sehen sein. Das Stück an der Schnittstelle von Theater und bildender Kunst wird an jeweils unterschiedlichen Veranstaltungsstätten – Festspielhaus, vorarlberg museum und Vorarlberger Landestheater – aufgeführt. Die Vorstellungen sind bereits ausverkauft. Weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com

Giuseppe Verdis Rigoletto bleibt weiterhin am Programm der Bregenzer Festspiele – mit Ausnahme von Montag findet das Spiel auf dem See täglich statt. Noch insgesamt neun Mal wird Rigoletto zur Aufführung gebracht. Tickets und weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com

Das dritte und letzte Festspielfrühstück findet am 15. August 2021 um 9.30 Uhr im Seefoyer statt. Zu Gast ist Hanna Herfurtner (Konzert im KUB und Wind), Stefan Höfel moderiert. Das Seefoyer öffnet bereits um 9.00 Uhr zum Frühstück, das Gespräch selbst dauert von 9.30 Uhr bis 10.15 Uhr. Kostenlose Zählkarten und weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com

Am 15. August 2021 findet um 11.00 Uhr die Brass eroico Orchestermatinee statt. Im Rahmen von crossculture kommen junge Blasmusikerinnen und -musiker aus unterschiedlichen Ländern nach Vorarlberg, um im Festspielhaus gemeinsam Werke von Giuseppe Verdi, Arrigo Boito und Ludwig van Beethoven aufzuführen. Tickets und weitere Informationen zu Brass eroico: bregenzerfestspiele.com/

Gioachino Rossinis spritzige Oper Die Italienerin in Algier, die von den jungen Sängerinnen und Sängern des Opernstudios erarbeitet wurde, feiert am 16. August 2021 um 19.30 Uhr im Theater am Kornmarkt Premiere. Tickets und weitere Infos: bregenzerfestspiele.com

Am 19. August 2021 um 20.00 Uhr wird Wind uraufgeführt. Die zeitgenössische Oper von Alexander Moosbrugger wird insgesamt dreimal auf der Werkstattbühne zu sehen sein. Tickets und weitere Informationen: bregenzerfestspiele.com