Neuigkeiten von den Bregenzer Festpielen (24. Juni)

Die Italienerin in Algier ~ Bregenzer Festspiele ~ Ensemble ~ © Bregenzer Festspiele / Karl Forster


Fünf Fragen an Spencer Britten, Tenor in der Oper Die Italienerin in Algier

Mit einem Jahr Verzögerung ist Die Italienerin in Algier zu sehen, eine Art Vorbote der Bregenzer Festspiele vor deren offizieller Eröffnung. Damit stehen – neben Armida im August – heuer zwei Produktionen des Opernstudios auf dem Festspielprogramm.

Intendantin Elisabeth Sobotka geht es in diesem Format darum, „jungen Sängerinnen und Sängern in einer hochprofessionellen Umgebung bei ihrer persönlichen und beruflichen Entwicklung zu helfen“. Und dabei eine Inszenierung zu erarbeiten, die dem Publikum Freude bereitet. Wie 2021 führt Kammersängerin Brigitte Fassbaender Regie bei Rossinis rasanter Italienerin in Algier. Und wie im Vorjahr ist Spencer Britten mit von der Partie. Bei seinem Debüt in Bregenz verkörpert er den Sklaven Lindoro.

Spencer Britten
(© Brent Calis)

Im vergangenen Jahr musste die Produktion am Tag der geplanten Premiere wegen des positiven Coronatests eines Ensemblemitglieds verschoben werden. Was hat sich in der Zwischenzeit bei dir getan?

Das vergangene Jahr wurde weiter durch COVID durcheinandergewirbelt, mit zahlreichen schnellen Um -und Neubesetzungen. The show must go on! Ich bin in einer Premieren-Produktion in der Staatsoper Unter den Linden in Berlin aufgetreten. Direkt danach bin ich ganz kurzfristig in Pilsen bei Die Sache Makropulos eingesprungen. Auf Tschechisch vor einem tschechischen Publikum zu singen, war wieder sehr aufregend. Außerdem ging es für mich darum, mich nach der Zeit im Opernstudio um neue Engagements als freischaffender Künstler zu kümmern. Eine herausfordernde, aber auch aufregende Aufgabe. Es stehen coole Projekte bevor!

Was hast du im Opernstudio gelernt?

Brigitte Fassbaenders Erfahrung aus einer so langen und großen Karriere ist für junge Sänger wie mich unschlagbar. Es ist ein großes Plus, dass sie sich der Regie zugewandt hat. So können wir direkt von ihr lernen, was Sänger brauchen. Sie kennt unsere Situation ja selbst bestens. Ihre intuitive Inszenierung macht es uns leicht.

Nun beginnen erneut die Proben für Die Italienerin in Algier. Musst du dafür wieder bei Null anfangen oder ist der Großteil der Arbeit schon getan und es geht nur noch um Feinabstimmungen?

Beim Einstudieren der Rolle muss ich definitiv nicht wieder ganz von vorne anfangen. Wenn ich eine große Rolle wie diese vorbereite, nehme ich mir gerne Zeit. So bleiben mir die Inhalte noch länger im Kopf. Das Schöne daran, zu einer vertrauten Rolle zurückzukehren, ist die Möglichkeit, tiefer in sie einzutauchen. Sowohl musikalisch als auch schauspielerisch kann man neue Facetten entwickeln – je nachdem, wie man seinen Part interpretiert.

Wie interpretierst du denn deine Rolle?

Lindoro ist ein klassischer Belcanto-Tenor: Er sehnt sich immer nach Liebe und vermisst seine Isabella. Ich möchte über diese typische Rolle hinausgehen und meinen Interpretations-Spielraum nutzen. Brigitte Fassbaender hat mir viel Freiraum gegeben, die Rolle selbst zu entdecken und eigene Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch der schauspielerische Teil, den ich sehr genieße. Ich komme ursprünglich aus dem Musical-Fach.

Der Lindoro scheint dir zu liegen, wie das Opernstudio gezeigt hat. Eine Journalistin hat dich sogar als „geborenen Rossini-Tenor“ bezeichnet. Was muss man speziell für Die Italienerin in Algier oder beispielsweise den Barbier von Sevilla mitbringen?

Diese Einschätzung schmeichelt mir sehr. Wichtig ist, dass man Koloraturen und hohe Töne beherrscht. Außerdem sind ein gewisses komödiantisches Talent und ein gutes Gespür für die Figuren wichtig.

Die Italienerin in Algier feiert am Freitag, 8. Juli Premiere. Weitere Vorstellungen folgen am 10. und 12. Juli, jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Kornmarkt.


Junge Festspiele: Endlich wieder selbst kreativ und aktiv sein!

Fest des Kindes
(© Bregenzer Festspiele / Anja Köhler ~ andereart.de)

Buntes Vermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche

Nach zwei Sommern mit großen Entbehrungen für ihre jüngsten Fans drücken die Bregenzer Festspiele 2022 die Restart-Taste. Noch vielfältiger als vor Corona ist das Kinder- und Jugendprogramm. Geblieben ist aber selbstverständlich die Devise: Nicht nur zuzuhören, sondern auch selbst kreativ mitzuwirken als wichtiger Bestandteil bei Junge Festspiele.

Dabei dreht sich nicht alles, aber natürlich vieles um Madame Butterfly, das neue Spiel auf dem See. Die gut gebuchten Opernworkshops laden dazu ein, die Puccini-Oper aus dem Blickwinkel der Darstellenden zu erleben. „Jeder Schüler und jede Schülerin übernimmt eine Rolle aus Madame Butterfly und erhält die Gelegenheit, gemeinsam mit den Theaterpädagogen des ,Opernschlüssels’ die Figuren aus ihrer Sicht zum Leben zu erwecken“, schildert Nina Steinschaden-Wolf den ungefähren Ablauf der zweistündigen Opernworkshops. „In eine Rolle, in ein Kostüm schlüpfen um aus sich herauszugehen!“, bringt es die Verantwortliche von Junge Festspiele auf den Punkt. Die Opernworkshops beginnen am 30. Juni und dauern bis 7. Juli.

Höhepunkt des bunten Vermittlungsprogrammes ist erneut die crossculture night am 16. Juli, wenn die Bregenzer Festspiele wenige Tage vor der Premiere von Madame Butterfly eine der Schlussproben für Jugendliche zwischen 14 und 26 Jahre öffnen. Bereits tagsüber besteht die Möglichkeit, in zahlreiche Theaterbereiche hineinzuschnuppern und selbst Teil der faszinierenden Opernwelt zu werden bei Workshops, geführten Touren oder anderen Aktivitäten. Festspiel-Intendantin Elisabeth Sobotka freut sich gerade dieses Jahr ganz besonders auf die Jungen Festspiele: „Wir hatten ja wirklich zwei Jahre keine Möglichkeit, dieses wichtige Publikumssegment zu erreichen. Dabei brauchen Kinder und Jugendliche eine Auseinandersetzung untereinander, miteinander und mit der Bühne, um überhaupt reagieren zu können, um überhaupt die Leidenschaft für Musiktheater, für Musik oder für Theater zu entwickeln.“

Auch das vorarlberg museum und das Kunsthaus Bregenz halten an diesem Tag die Türen für die Kinder und Jugendlichen geöffnet, um Kunst und Kultur erlebbar zu machen. Und auf dem Vorplatz des Festspielhauses spielen Bands und Arthur – The Sportical entführt akrobatisch-theatralisch ins Reich des sagenumwobenen Königs. Allzu viel soll noch nicht verraten werden, außer dass die Trendsportart Parkour dabei eine große Rolle spielen wird und die Teilnehmenden von der österreichischen Stuntfrau und Parkour-Ikone u.a. von Pamela Forster koordiniert werden.

Unmittelbar zuvor, in der Woche vom 11. bis 15. Juli kommen auch die 6- bis 11-Jährigen voll und ganz auf ihre Kosten. Beim Fest des Kindes tauchen sie in die vielfältige Welt des Musiktheaters ein. Nina Steinschaden-Wolf: „Gemeinsam erschaffen sie in den Kreativwerkstätten Tanz, Gesang, Kostüm und Bühne ihr eigenes Stück und präsentieren dieses am Ende der Woche vor Publikum. Das Stück heißt Schmetterling flieg! und das Besondere in diesem Jahr ist: Die Schlussaufführung vor den Eltern, Verwandten und Freunden findet erstmals in der Werkstattbühne statt. Das heißt: Die Kinder stehen wirklich auf einer ,richtigen Bühne’ und erleben mit, wenn zuvor Licht, Sound, Requisiten und all das extra für sie vorbereitet und installiert werden.“

2022 gibt es endlich wieder viel zu entdecken und zu erforschen für das junge Publikum. Nicht zuletzt für alle Technik-Freaks bei den Backstage-Führungen bis 21. August, die spannende Einblicke in den künstlerischen Betrieb der Bregenzer Festspiele auf der Seebühne und im Festspielhaus erlauben.

Ganz neu ins Leben gerufen wurde dieses Jahr mit den Wiener Symphonikern die Orchesterakademie Bregenz in Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium. Junge Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 17 und 27 Jahre arbeiten eine Woche lang mit dem Dirigenten Daniel Cohen an einem fulminanten Konzertprogramm, das am 14. August um 11 Uhr im Festspielhaus zu hören sein wird.

Infos & Anmeldung: jungefestspiele@bregenzerfestspiele.com, Telefon +43 5574/407-6.

Über Junge Festspiele

Vormals crossculture, ist Junge Festspiele der neue Name für das Kinder- und Jugendprogramm der Bregenzer Festspiele. Es wurde 1997 ins Leben gerufen. Damals stand Porgy and Bess auf dem Spielplan. Seither haben über 100.000 Kinder und Jugendliche an der Veranstaltungsreihe teilgenommen. Nina Steinschaden-Wolf leitet das Programm seit 2013 und setzt Jahr für Jahr neue Akzente: „Ich denke, gerade in dieser Zeit ist es besonders wichtig, dass man auch den Kopf frei bekommt und sich mal mit ganz was anderem auseinandersetzen kann.“


Judith Salzmann vom Verein der Freunde der Bregenzer Festspiele: „Wir sind die Wurzeln der Festspiele in der Region“

Die Bregenzer Festspiele faszinieren die Unternehmerin Judith Salzmann seit ihrer Jugend. Als neue Vorsitzende im Verein der Freunde will sie die Verwurzelung in der Region stärken: „Die Festspiele sind aus einer Bürgerbewegung entstanden und haben diesen Bezug zur Region nie verloren.“

Mit leuchtenden Augen erzählt Judith Salzmann von der Veranstaltung am Vorabend: „Alle waren beseelt von dieser intensiven Atmosphäre, dem Einblick in die Probenarbeit, der Musik, den persönlichen Begegnungen mit den Künstlerinnen und Künstlern. Da kommen die Seelen in Schwingung!“ Ihre Begeisterung ist spürbar. Mit den Gönnerinnen und Gönnern des Cercle der Bregenzer Festspiele hat Salzmann die musikalischen Proben zur Oper Armida besucht. Es war die erste Veranstaltung des Cercle seit Beginn der Pandemie und gleichzeitig die erste, die Judith Salzmann als Vorsitzende des Vereins der Freunde der Bregenzer Festspiele organisiert hatte.

Seit November hat die 57-jährige Unternehmerin diese Funktion inne. Die Bregenzer Festspiele faszinieren die Unternehmerin Judith Salzmann seit ihrer Jugend. Als neue Vorsitzende im Verein der Freunde will sie die Verwurzelung in der Region stärken: „Die Festspiele sind aus einer Bürgerbewegung entstanden und haben diesen Bezug zur Region nie verloren.“ 1.100 Mitglieder zählt der Verein, darunter viele, die als Förderer oder Mitglieder des Cercle besondere Unterstützung leisten. Mit einem Beitrag von über 300.000 Euro ist der Verein ein wichtiger Geldgeber der Festspiele. Doch die finanzielle Unterstützung ist nur eines der Ziele, die sich Salzmann gesetzt hat.

Was verbindet Sie mit den Bregenzer Festspielen?

Die Bregenzer Festspiele haben mich schon als junge Frau fasziniert. Mein Vater, ein Seilbahnplaner, hat im Sommer Kunden eingeladen und ich durfte sie zu den Aufführungen begleiten. Ich habe erlebt, wie begeistert sie waren, das war auch für mich ansteckend. Alfred Wopmann hat damals das Programm umgekrempelt und die Bregenzer Festspiele gemeinsam mit Franz Salzmann, meinem Onkel, neu ausgerichtet. Deshalb waren die Festspiele natürlich auch in unserer Familie ein großes Thema.
Nach dem Studium in Wien bin ich nach Bregenz zurückgekommen, da waren die Festspiele für mich ein Höhepunkt. Kultur, wie man sie sonst nur in der Großstadt findet.

Was ist Ihnen da speziell in Erinnerung geblieben?

Ich mag junges, experimentelles Programm, wie es vor allem auf der Werkstattbühne zu finden ist. Dem würde ich gerne noch stärker zur Geltung verhelfen. Auch die selten gespielten, manchmal anspruchsvollen Opern im Festspielhaus faszinieren mich sehr. Die Mischung mit dem klassischen Programm und den Inszenierungen auf der Seebühne machen für mich die Bregenzer Festspiele aus.

Haben Kunst und Kultur in Ihrem Leben immer schon eine so große Rolle gespielt?

Seit meiner Jugend, ja. Neben meiner Familie und meinem Beruf ist Kunst und Kultur mein drittes großes Interesse. Ich war zehn Jahre lang im Vorstand des Freundevereins des Vorarlberger Landestheaters. Ich genieße auch sehr die spannenden Führungen im Kunsthaus Bregenz, die die KUB-Freunde organisieren. Es ist ein Privileg, dass wir solche Kulturinstitutionen in Bregenz haben, und ich habe immer versucht, einen Beitrag zu leisten, dass dieses Angebot in möglichst breite Kreise der Gesellschaft transportiert wird.

Das ist sicher auch eine Aufgabe des Vereins der Freunde der Bregenzer Festspiele. Was sind dort Ihre Ziele?

Die Festspiele sind nach dem Zweiten Weltkrieg als Initiative von Bregenzer Bürgerinnen und Bürgern entstanden. Sie haben diesen Bezug nie verloren. Die Festspiele sind nicht irgendein Festival, das zufällig in Bregenz stattfindet. Unsere Vision ist es, diese Verbindung, diese Verwurzelung zu stärken und dabei die nächste Generation zu erreichen. Das ist im Vorstand unsere gemeinsame Vision. Wir möchten, dass dieses Gefühl erhalten bleibt: „Wir sind die Festspiele!“.

Welche Aktivitäten werden Sie dazu setzen?

Wir treten als Team auf mit einem super Mix aus vier erfahrenen, bestehenden Mitgliedern und drei neuen. Wir haben uns die Frage gestellt: Warum bin ich gerne Freund – also Mitglied im Freundeverein? So entwickeln wir gerade ein adaptiertes Programm. Es soll Erlebnisse bieten, die man sich nicht kaufen kann – genau wie gestern Abend beim Probenbesuch von »Armida«.

Welche Ziele verfolgen Sie konkret?

Wir haben eine gemeinsame Vision, aus der heraus wir unsere Angebote an die Mitglieder im Verein der Freunde entwickeln. Es wäre natürlich schön, wenn die Zahl der Freunde steigt und wir die Festspiele finanziell noch stärker unterstützen können. Dazu möchten wir auch Menschen in anderen Regionen ansprechen, etwa in Wien. Gleichzeitig wissen wir, dass wir hier von einem hohen Niveau starten.

Fotos Probenbeginn „Madame Butterfly“

Am Montag, 13.6.22, starteten die Proben zum Spiel auf dem See Madame Butterfly.

Fotoprobe Madame Butterfly, Bregenzer Seebühne am 21.06.2022
(© Bregenzer Festspiele / Dietmar Mathis)
Fotoprobe Madame Butterfly, Bregenzer Seebühne am 21.06.2022
(© Bregenzer Festspiele / Dietmar Mathis)
Fotoprobe Madame Butterfly, Bregenzer Seebühne am 21.06.2022
(© Bregenzer Festspiele / Dietmar Mathis)
Fotoprobe Madame Butterfly, Bregenzer Seebühne am 21.06.2022
(© Bregenzer Festspiele / Dietmar Mathis)

Festival-Potpourri

Evening stage: Einen ersten Vorgeschmack, in welch wundersame Farben und Bilder sich das Bühnenbild von Madame Butterfly verwandeln kann, zeigt Celine Byrne (Cio-Cio San) auf Instagram: instagram.com

Eindrücke von Conductor in Residence Enrique Mazzola: instagram.com

Vorarlberger Songwriterinnen Debut: Nach vier Jahren crossculture-Teilnahme freut sich Philomena dieses Jahr nun laut ihrem Instagram Post: „das erste Mal mit meiner eigenen Musik die Bühne rocken!“ zu dürfen: instagram.com


Die Bregenzer Festspiele 2022 finden von 20. Juli bis 21. August statt.

Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com, Telefon 0043 5574 407 6.