Neues Album mit den Violins of Hope – Gedenken an die jüdischen Musiker*innen

Jaap Nico Hamburger (© Reuben A. Hamburger)

Der Komponist Jaap Nico Hamburger ehrt den 75. Gedenktag der niederländischen Befreiung mit zwei mitreißenden Sinfonien, die die menschliche Widerstandskraft im Angesicht des Krieges thematisieren. Auf den Aufnahmen erklingen die „Violins of Hope“, Instrumente von Holocaustopfern

Der kanadische Komponist Jaap Nico Hamburger veröffentlicht am 6. November 2020 die Kammersinfonien Nr. 1 und 2 beim Label Leaf Music. Beide Sinfonien sind dem Gedenken an Menschen gewidmet, die im 2. Weltkrieg ihr Leben verloren

Das Album umfasst die Sinfonie Nr. 1 “Remember to Forget”, aufgeführt vom Ensemble Caprice unter der Leitung von Matthias Maute, und die Sinfonie Nr. 2 “Children’s War Diaries”, aufgeführt vom Orchestre Métropolitain de Montréal unter Leitung von Vincent De Kort.

Für die Aufnahme der Sinfonie Nr. 2 spielten die Mitglieder des Orchestre Métropolitain auf den Violins of Hope: alte Instrumente, die jüdischen Musiker*innen gehörten und den Holocaust, die Pogrome und Konzentrationslager überstanden haben. Die Violins of Hope sind Sinnbild für die Ungerechtigkeit und das Leid, das Millionen von Opfern erlitten haben, gleichzeitig sind sie ein starkes Symbol für Widerstandsfähigkeit und das Überleben und Erinnern.

Das erste Stück des Albums, die Sinfonie Nr. 1 “Remember to Forget”, ist Kammersinfonie und Oper ohne Worte zugleich. Inspiriert wurde Jaap Nico Hamburger von der Biografie des Komponisten György Ligeti. Ligeti überlebte den Holocaust, als Teil einer ungarisch-jüdischen Familie verlor er seinen Vater und seinen Bruder in Auschwitz. Der repressive Charakter des kommunistischen Regimes in der Sowjetunion schränkte seine Kreativität als Komponist stark ein und zwang ihn, sich auf “Volksweisen für die Massen” zu konzentrieren. Ligeti entkam dem Kommunismus, indem er sich unter einem Postsack in einem Zug nach Wien versteckte. Heute zählt er zu den wichtigsten Komponisten seiner Zeit. Hamburgers “Remember to Forget” schildert eine Reise von der Gefahr in die Sicherheit und reflektiert über Ligetis Leben. Er möchte die Zuhörer ermutigen, unter allen Umständen Kraft aus dem Leben zu schöpfen.

Hamburgers Sinfonie Nr. 2 “Children’s War Diaries” ist eine originelle, energiegeladene Veröffentlichung mit unerwarteten Wendungen. Diese Komposition geht auf die erschütternde, unvorhersehbare Natur des Krieges ein, die über eine Millionen Kinder während des Holocausts erlebten. Gleichzeitig vermittelt die Sinfonie die Hoffnung und den Optimismus, den diese Kinder verspürten. Hamburgers Sinfonie Nr. 2 wurde inspiriert von fünf Tagebüchern von Jugendlichen, die während des Zweiten Weltkriegs getötet wurden. Auch fand der Komponist Inspiration bei einem Besuch in Yad Vashem in Jerusalem, der Kindergedenkstätte zu Ehren der 1,5 Millionen gestorbenen jüdischen Kinder. Wie der Komponist beschreibt, kam ihm noch während des Besuchs der Gedenkstätte die Idee und die Grundstruktur des Werkes.

Auf dieser Jerusalem-Reise begleitete Jaap Nico Hamburger seine Mutter Jannie Moffie-Bolle, die auf der Reise ihre Autobiografie “Ein Himmel ohne Vögel” vorstellte, in der sie ihre eigene Zeit in mehreren Konzentrationslagern, darunter auch in Auschwitz-Birkenau, schilderte.

Die Uraufführung der Sinfonie Nr. 2 “Children’s War Diaries” fand am 2. November 2019 in der Maison symphonique de Montréal im Rahmen eines Konzerts vom Montreal Holocaust Museum (MHM) statt. Bei dieser Premiere leitete der niederländische Dirigent Vincent De Kort das Orchestre Métropolitain durch Jaap Nico Hamburgers elektrisierendes Werk, bei diesem Konzert entstand die Aufnahme für das Album.

Im Rahmen der Weltpremiere wurde außerdem ein eindringlicher Film des kanadischen Filmemachers Tarique Qayumi gezeigt. Der preisgekrönte kanadische Filmemacher schuf diesen bewegenden Film über kleine Kinder, die den Schrecken des Krieges ausgesetzt sind.

Jaap Nico Hamburger veröffentlichte am 21. August sein erstes Klavierkonzert. Es wurde in der Maison symphonique de Montréal aufgenommen und mit dem Pianisten Assaff Weisman und dem Orchestra Métropolitain de Montréal unter der Leitung von Vincent de Kort eingespielt. Obwohl es an große Werke von Prokofjew und Schostakowitsch erinnert, ist es ein einzigartiges Werk unter den kanadischen Klavierkonzerten und modernen klassischen Kompositionen.

Jaap Nico Hamburger ist der derzeitige Composer in Residence am Mécénat Musica in Montréal. Seine Arbeiten umfassen Kompositionsaufträge für das Turning Point Ensemble, Ensemble Caprice, dem Jerusalem Baroque Orchestra und einen Beitrag für das Projekt “400 Jahre niederländische Tastenmusik”. Zuletzt wurde er von der niederländischen Regierung und den Vereinten Nationen beauftragt, ein neues Konzert für Harfe und Orchester zu komponieren, das im Jahr 2021 von Lavinia Meijer und dem Royal Concertgebouw Orchestra uraufgeführt wird.

Zuvor hat Hamburger unter anderem Sinfonien, Solokonzerte, Kammermusikwerke und Aufträge für den Discovery Channel und das niederländische Fernsehen komponiert. Gegenwärtig ist er Associate Composer des Canadian Music Centre und Präsident und CEO von Orange Music Inc, einer Musikproduktionsfirma in Vancouver.



Termin:
6. November 2020 Album Veröffentlichung „Kammersinfonien Nr. 1 & 2“

Track List
1). Chamber Symphony No. 1, Op. 9 “Remember to Forget”: I. Andante
2). Chamber Symphony No. 1, Op. 9 “Remember to Forget”: II. Vivace
3). Chamber Symphony No. 2 “Children’s War Diaries”: I. May 1940
4). Chamber Symphony No. 2 “Children’s War Diaries”: II. May 1941
5). Chamber Symphony No. 2 “Children’s War Diaries”: III. May 1943
6). Chamber Symphony No. 2 “Children’s War Diaries”: IV. May 1944
7). Chamber Symphony No. 2 “Children’s War Diaries”: V. February 1945

jaaphamburger.com / leaf-music.ca