Neue »Winter Streams« der Komischen Oper Berlin – weiterhin kein Spielbetrieb

Es kündigte sich bereits in den letzten Wochen an, inzwischen ist es amtlich: Nach der aktuellen Verordnung des Berliner Senats vom 26. November 2020 und nach intensiven Gesprächen zwischen Kultursenator Dr. Klaus Lederer und den Berliner Bühnen muss die Komische Oper Berlin alle Vorstellungen bis einschließlich 22. Dezember 2020 offiziell absagen. Mit dem Blick auf das derzeitige Infektionsgeschehen in Berlin geht der Kultursenator derzeit zudem davon aus, dass eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs vor Ende Januar eher unwahrscheinlich ist. Daher wird der Vorverkauf für alle Vorstellungen bis einschließlich 29. Januar 2021 gestoppt. Die Premiere am 30. Januar, Johann Strauss’ Der Zigeunerbaron in einer Neuproduktion von Tobias Kratzer ist weiterhin geplant. Die Proben dazu beginnen in der nächsten Woche.

Um dem Publikum digital etwas Abwechslung aus dem Repertoire zu bieten, wird kurz vor den Festtagen der Online-Spielplan wieder aufgenommen. Bei den »Winter Streams« werden drei herausragende Produktionen jeweils als Wiederaufnahme präsentiert.
Den Auftakt macht am 20. Dezember Cendrillon in einer Inszenierung von Damiano Michieletto aus dem Jahr 2016, gefolgt von Les Contes d’Hoffmann (2015) am 27. Dezember und Semele (2018) am 3. Januar 2021, beides in Inszenierungen von Barrie Kosky. Alle drei Produktionen gehen am Erstaustrahlungstermin jeweils um 19 Uhr unter komische-oper-berlin.de online und sind einen Monat lang verfügbar.


Streaming-Highlights

Barock-Oratorium, Märchen-Oper und ein »Opéra fantastique« – das erwartet die Zuschauer*innen der Komischen Oper Berlin bis Januar im Online-Spielplan.

Cendrillon
Komische Oper Berlin 2015/2016
© Monika Rittershaus

So, 20. Dez, 19:00 Uhr: Cendrillon | Wieder im Stream!

Der bekannte Aschenputtel-Stoff in seiner französischen Fassung als hochromantische Oper: Jules Massenet schuf Cendrillon an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und traf den Nerv einer Zeit radikaler gesellschaftlicher und technischer Umbrüche, in der die Sehnsucht nach kleinen Fluchten aus einer Wirklichkeit, die die Menschen überfordert, ins schier Unendliche wuchs. Er konzentrierte sich in seiner zauberisch-traumhaften Version der Geschichte ganz auf das gefährdete Glück des Liebespaares. Regisseur Damiano Michieletto erzählte 2016 die Fabel von Mädchen, Märchenprinz und Tanz im »gläsernen Pantoffel« für ein erwachsenes und junges Publikum: als Teil der neidvoll-harten Realität einer Ballettschule, in der die Leistungsansprüche der Erwachsenen auf die Träume von jungen Menschen treffen – und in der nach einem Unfall der Prima Ballerina Märchenhaftes geschieht. Die musikalische Leitung der aufgezeichneten Premieren-Vorstellung lag in den Händen von Henrik Nánási.

»Ein großer Abend ist hier gelungen, fern vom konventionellen Cinderella-Kitsch«, urteilte Der Tagesspiegel anlässlich der Premiere.

Besetzung: Nadja Mchantaf (Cendrillon/Aschenputtel), Agnes Zwierko (Madame de la Haltière), Karolina Gumos (Le Prince Charmant), Mari Eriksmoen (La Fée) u. a.

Cendrillon ist ab 20. Dezember 2020 einen Monat lang als Stream verfügbar.


Les Contes d’Hoffmann
Komische Oper Berlin 2015/2016
© Monika Rittershaus

So, 27. Dez, 19:00 Uhr: Les Contes d’Hoffmann | Wieder im Stream!

Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky inszenierte Jacques Offenbachs Les Contes d’Hoffmann 2015 als verstörenden Albtraum eines Künstlers, der sich in den eigenen Fantasien verliert. Mozarts Don Giovanni wird in Hoffmanns gesteigertem Empfinden zum Ausgangspunkt einer vom Wahnsinn getriebenen Reise durch bizarre Welten. Seine abgöttische Bewunderung für die Sängerin der Donna Anna gebiert immer neue Frauenbilder: die seelenlose Puppe Olympia, die todkranke Sängerin Antonia, die herzlose Kurtisane Giulietta. Die drei Frauengestalten, oft von mehreren Sängerinnen dargestellt, werden verkörpert von nur einer Sopranistin: Nicole Chevalier, die für ihre herausragende Leistung mit dem FAUST-Theaterpreis 2016 als beste Sänger-Darstellerin ausgezeichnet wurde und die die Partien auch in der für Anfang dieser Spielzeit geplanten Wiederaufnahme hätte übernehmen sollen.
Gesungen wird die Opéra fantastique im Haus an der Behrenstraße in französischer Sprache mit deutschen Zwischentexten aus der Feder E.T.A. Hoffmanns. Das Werk ist in einer Fassung zu erleben, die auf einen frühen Entwurf Offenbachs zurückgeht und mit Texten Hoffmanns ergänzt wird. In Koskys Inszenierung ist zum ersten Mal in der 130-jährigen Aufführungsgeschichte der Oper die Titelpartie in den ersten beiden Akten mit einem Bariton besetzt – so wie Offenbach es ursprünglich vorgesehen hatte. Am Pult steht bei der Premierenaufzeichnung Stefan Blunier.

Anlässlich der Premiere kam Deutschlandfunk zu dem Fazit: »… ein grandioser Theaterabend, der die Obsessionen dieses Hoffmann herausstellt, wie besessen er diesen verschiedenen Frauenfiguren hinterherirrt und sich dort verirrt in seiner eigenen Phantasie …«

Besetzung: Uwe Schönbeck (Hoffmann 1), Dominik Köninger (Hoffmann 2), Edgaras Montvidas (Hoffmann 3), Nicole Chevalier (Stella/Olympia/Antonia/Giulietta), Karolina Gumos (La Muse/La mère d’Antonia), Dimitry Ivashchenko (Lindorf/Coppélius/Le docteur Miracle/Dapertutto) u. a.

Les Contes d’Hoffmann ist ab 27. Dezember 2020 einen Monat lang als Stream verfügbar.


Semele
Komische Oper Berlin
© Monika Rittershaus

So, 3. Jan, 19:00 Uhr: Semele | Wieder im Stream!

Als Georg Friedrich Händel im Februar 1744 dem Publikum in Covent Garden sein neuestes Oratorium, Semele, präsentierte, zeigte sich selbst die liberale Londoner Bürgerschaft ob des schlüpfrigen Sujets leicht irritiert. Erwartet hatte es an dieser Stelle einen biblischen Stoff – der Fastenzeit entsprechend. Letztlich ließ sich das Publikum aber von der saftigen Handlung und Händels mit reichen Chören durchwirkten Musik überzeugen.
Zur Handlung: Jupiter entführt an ihrem Hochzeitstag seine Geliebte, die Königstocher Semele. Juno, die eifersüchtige Gattin des Göttervaters, setzt alles daran, der hemmungslosen Affäre ein Ende zu setzen. Getarnt als deren jüngere Schwester Ino überredet sie Semele, Jupiter dazu zu bringen, sich in seiner wahren göttlichen Gestalt zu zeigen. Nur so könne Semele die ersehnte Unsterblichkeit erlangen. Semeles Ehrgeiz ist schließlich stärker als Jupiters Widerstand und ihr Schicksal besiegelt: In den sengenden Strahlen des Gottes verbrennt sie zu Staub.
Die Produktion von Semele aus dem Jahr 2018 ist Teil der erfolgreichen Barockopern-Serie der Komischen Oper Berlin. Angeführt von Nicole Chevalier in der Titelpartie ist unter der musikalischen Leitung von Barockspezialist Konrad Junghänel ein hochkarätiges Ensemble – darunter Allan Clayton als Jupiter – in einer Inszenierung von Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky zu erleben. Das Oratorium in englischer Sprache gehört, wenngleich in Deutschland selten gespielt, weltweit zu den populärsten Werken des Komponisten.

Auch hier gab es viel Lob von den Kritiker*innen: »magische Momente« [Berliner Zeitung], »tief traurig und tief beeindruckend« [rbb inforadio], »ein ausnahmslos großartiges Ensemble« [taz] – um nur einige zu nennen.

Besetzung: Philipp Meierhöfer (Cadmus, König von Theben), Nicole Chevalier (Semele, seine Tochter), Katarina Bradić (Ino, ihre Schwester), Allan Clayton (Jupiter, König der Götter), Ezgi Kutlu (Juno, seine Frau) u. a.

Semele ist ab 3. Januar 2021 einen Monat lang als Stream verfügbar.

komische-oper-berlin.de