Neue Pläne für die Gastronomie im und um das Staatstheater Mainz

Außenansicht des Staatstheater Mainz (© Andreas Etter)

Das Staatstheater Mainz übernimmt ab Januar 2020 die Mitarbeiterkantine und die Foyerbewirtung. Außerdem wird das Theater das HDW bis Sommer 2020 übergangsweise betreiben – und hofft auf eine dauerhafte Bespielung mit Theater und Gastronomie aus einer Hand.

„Zum 4. Januar übernehmen wir als Staatstheater Mainz die Gastronomie des Theaters, das gilt sowohl für die Kantine als auch für die Foyer- und Pausenbewirtung sowie die gastronomische Betreuung und Planung von Veranstaltungen und Empfängen. Hierfür wurde mit Martin Joham ein erfahrener Gastronom als Leiter der Gastronomie eingestellt.

Damit nach Schließung des Restaurants PUR und des HDW die Theaterbesucher*innen weiterhin rund um ihren Theaterbesuch ein gastronomisches Angebot zur Verfügung haben, wird das Staatstheater Mainz übergangsweise bis zum Sommer 2020 das HDW in der bewährten Einrichtung betreiben. Die Räumlichkeiten des PUR werden während der dringend nötigen Sanierung der Theaterkantine übergangweise für die Mitarbeiter*innen als Kantine genutzt. Darüber hinaus ist hierfür kein neuer Gastronomiebetrieb geplant. Vielmehr werden im Zuge des Umbaus des Foyers die Kapazitäten dafür genutzt, die Garderoben- und Foyersituation im Großen Haus für die Besucher*innen zu verbessern, räumlich neu zu gestalten und so die Aufenthaltsqualität rund um den Theaterbesuch zu erhöhen.

Außerdem hat sich das Staatstheater Mainz darum beworben, das Restaurant HDW langfristig zu betreiben und neu zu bespielen. Diese Entscheidung und das damit verbundene Konzept für eine kreative Weiterentwicklung von Gastronomie und Theater aus einer Hand und in engem Zusammenspiel basiert auf der Überzeugung, dass ein solcher Ort im Zentrum von Mainz eine Bereicherung für die Stadt und die Region wäre. Der Theaterbesuch würde damit noch stärker zu einem Gesamterlebnis.

Das Staatstheater Mainz hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum kommunikativen Treffpunkt der Stadt entwickelt. Die Besucher- und Abonnentenzahlen steigen stetig und es gibt das spürbare Bedürfnis der Theatergänger*innen, sich auch rund um die Vorstellung zu begegnen und auseinanderzusetzen. Das ist ablesbar an der großen Präsenz bei Einführungen, Nachgesprächen und Diskussionsrunden und an der angeregten Kommunikation in den Pausen und nach den Vorstellungen. Für die künstlerische Leitung und alle Kolleg*innen im Haus ist die Idee eines Theaters als öffentlicher Ort, wo die Bürger*innen aus Stadt und Region zum lebhaften Gespräch zusammenkommen, von größter Wichtigkeit.

Das Herz der Stadt Mainz schlägt im Zentrum, auf dem Markt und auf dem Gutenbergplatz. Und dieser Herzschlag kann noch kräftiger werden, wenn die Entwicklung der Ludwigstraße und des Gutenbergplatzes sich auch darauf fokussiert, ein kultureller und kulinarischer Anziehungspunkt zu werden.

Der große Besuchererfolg des Staatstheater Mainz lässt sich mit der Mischung aus Internationalität und regionaler Verbundenheit erklären, die hier gelebt wird und die dem entspricht, was in einer offenen Gesellschaft ‚Heimat‘ definiert. Internationale Künstlerinnen und Künstler bereichern das Ensemble, der Blick öffnet sich hinaus in die Welt – und zugleich geht es immer auch um die Auseinandersetzung mit den Geschichten, die vor der Haustür gespielt haben und spielen. Das schafft Identifikationsmomente, die niemanden ausschließen und der Globalisierung Verbundenheit entgegensetzen. Zum zweiten lässt sich die Liebe der Mainzer*innen zu ihrem Theater mit der Lust an der Auseinandersetzung begründen, hier ist der Platz, an dem gestritten und geschwärmt, verhandelt und diskutiert wird. Und das geht am besten bei gutem Essen und gutem Wein.

Dafür bietet das HDW in direkter Nachbarschaft zum Theater die perfekten Voraussetzungen: Hier können Besucher*innen des Theaters und Sänger*innen, Tänzer*innen, Regisseur*innen, Schauspieler*innen etc. einander begegnen.

Der bereichernde Einfluss von Theater und HDW wäre ein wechselseitiger. Die Räumlichkeiten ermöglichen nach Umbau und Sanierung zum einen, mit kleineren Formaten das direkt gegenüberliegende Theater inhaltlich und ästhetisch anzubinden. Mal eng, mal lose verknüpft mit dem Spielplan gäbe es hier einen wunderbaren Ort für Lesungen, Liederabende, Talk-runden, literarische Salons und vieles mehr. Und während man in die Theatersäle keine Getränke mitnehmen darf, ließe sich bei diesen Abenden das kulinarische mit dem künstlerischen Erlebnis direkt verbinden. Zum anderen kämen all die Gäste, die in erster Linie das HDW als sehr gutes Restaurant mit hervorragender regionaler Weinkarte besuchen, vollkommen zwanglos und niedrigschwellig in Kontakt mit dem Theater.

Und auch ganz praktisch hat ein Miteinander aus HDW und Staatstheater enorme Vorteile und damit Synergieeffekte:

– Die Terrasse zwischen Theater und HDW, die bislang in drei separate Einzelbereiche aufgeteilt ist, kann künftig aus einer Hand bewirtschaftet werden. Das spart Personal, ist übersichtlich und lässt eine einheitliche Gestaltung und Bewerbung zu.

– Für die immer zahlreicher werdenden Anfragen von Besuchergruppen, Firmen und Sponsoren bietet sich künftig eine für jede Zielgruppe adäquate räumliche Lösung für eine entspannte Einstimmung und einen kulinarisch bereichernden Ausklang zu jedem Theaterbesuch.

– Die für diese Gruppen sehr attraktive Räumlichkeit Glashaus (ehemals Mollers) kann dann für Sonder- veranstaltungen vor und nach Vorstellungen über die Küche und das Personal im HDW effektiv mitbespielt werden.

– Die Küche in der Kantine kann über die Küche im HDW qualitativ besser und effektiver mitbetreut werden.

– Phasen von nötigen Personalspitzen können effektiv ausgeglichen werden.

– Durch die zeitlich versetzten Personalbedarfe für Einlass, Garderobe und Platzanweiser (vor der Vorstellung), Pausengastronomie sowie Bewirtung und Garderobenausgabe nach der Vorstellung ist ein deutlich effektiverer Personaleinsatz möglich.

– Die Räumlichkeiten im ersten Obergeschoss des HDW können künftig für die Einführungen im Vorfeld aller Vorstellungen des Großen Hauses genutzt werden. Damit würden die bislang im Hauptfoyer untergebrachten Vorträge aufgewertet, auch da die Zuschauer*innen hier schon ein gutes Glas Wein trinken oder auch eine Kleinigkeit essen können. Die Besucher*innen, die nicht zur Einfüh- rung kommen, können sich künftig im Foyer aufhalten, ohne dass Einführung und Foyerbewir- tung einander, wie bislang, wechselseitig stören.

– Es entsteht für jede*n Besucher*in die Möglichkeit, den Theaterbesuch so zu gestalten, dass seine / ihre gastronomischen Wünsche vor, während und nach der Vorstellung individuell erfüllt werden können. Selbstverständlich können Pausenreservierungen vorgenommen werden.

– Das Staatstheater hatte in der zurückliegenden Spielzeit 2018/19 insgesamt etwa 236.000 Besucher. Dadurch, dass diese einerseits gezielt auf das gastronomische Angebot angesprochen werden können und andererseits bekannt ist, wann welche Vorstellung beginnt, endet und wie viele Besucher*innen in der jeweiligen Spielstätte erwartet werden, ist eine sehr effektive und ansprechende Angebots- und Personalplanung möglich.

Wir hoffen sehr, dass es so perspektivisch zukünftig zu einer langfristigen echten Bereicherung für alle Besucherinnen und Besucher sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen kann. Es ist die Kultur, die uns als Menschen ausmacht: die Freude am Denken, die Lust am Genuss und der Spaß an der Begegnung mit anderen. Welch einmalige Chance, all dies miteinander vereinen zu können! Dazu wollen wir in der Stadtmitte einladen und so das Mainzer Lebensgefühl feiern und fortschreiben.“

staatstheater-mainz.de