Musikfestspiele Potsdam Sanssouci 2022 meldeten sich mit einem Paukenschlag zurück

Die Geisterinsel ~ Musikfestspiele Potsdam Sanssouci ~ © Stefan Gloede / Musikfestspiele Potsdam Sanssouci

Am gestrigen Sonntag feierten die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci ihr Finale mit einem großen Open Air an der Maulbeerallee. Mehr als 12.000 Besucher sind den Verlockungen zu musikalischen INSELN gefolgt, die Auslastung betrug 85,5%. Damit konnten die Musikfestspiele nach zwei Jahren Corona-Pause die sonst vorherrschende Kulturmüdigkeit durch ein attraktives Programm durchbrechen und sich mit einem Paukenschlag, klangvoll und in vielfältigen Formaten, bei ihrem Publikum zurückmelden.

Die Saison 2023 setzt unter dem Motto »In Freundschaft« auf Herzensbindungen und Wahlverwandtschaften in der Musik.

INSELN war das Motto vom 10.-26. Juni, und auch die letzten Stars sind inselerfahren: Das Ensemble Ars Longa de la Habana aus Kuba lockt mit einer folkloristisch abgeschmeckten und auf die Mythenwelt Mittelamerikas ausgerichteten »Indian Queen« von Henry Purcell an die atmosphärisch illuminierten Treppen des Orangerieschlosses – und das bei bestem Wetter und passend tropischer Wärme – wie während der vergangenen zwei Wochen insgesamt.

Die Musikfestspiele Potsdam Sanssouci konnten sich nach zwei Jahren Corona-Pause mit einem Paukenschlag in der Festivallandschaft zurückmelden. Das Programm mit allein fünf Opernproduktionen unterschiedlichster Couleur, einem starken Auftakt in der Stadtmitte, kostbaren Kammermusikmomenten in den historischen Schlössern und Gärten von Potsdam-Sanssouci und Kirchen sowie einer Vielzahl von ausgesuchten Festspielveranstaltungen auf den Inseln der Stadt und des Umlands fand eine begeisterte Zustimmung beim Publikum. Mehr als 12.000 Besucher folgten den Verlockungen paradiesischer Eilande abseits der Klischees. Das entspricht einer Auslastung von 85,5%. Damit war bei den Musikfestspielen von der sonst weithin herrschenden Kulturmüdigkeit nichts zu spüren; vielmehr konnten sie erneut die starke Rückbindung an »ihr« Festspiel-Publikum unter Beweis stellen.

»Das war unser Kultursommer-Beitrag zur Reaktivierung der Musikbegeisterung – und das ist uns geglückt. Das schafft man nur mit einem starken Team und in diesen Zeiten ist es nicht selbstverständlich, ein Team dieser Größe zu haben. Danke!«, fasst Heike Bohmann, Geschäftsführerin der Gesellschaft, die Festspielsaison zusammen.

Und Musikfestspiel-Intendantin Dorothee Oberlinger ergänzt: »Endlich war es in diesem Jahr nach zwei Jahren harter Einschränkungen wieder möglich, die Festspiele live und ohne Kompromisse an all den besonderen Spielorten des UNESCO Welterbes stattfinden zu lassen. Die Künstler:innen aus aller Welt und unser Publikum waren gleichermaßen enthusiastisch und voller Tatendrang, mit uns gemeinsam auf vielfältige Insel- Expedition zu gehen.«

Zusammengefasst fanden 68 Veranstaltungen in 17 Tagen statt, davon 37 Konzerte, 8 Musiktheaterproduktionen, 16 Führungen und 7 Hörvermittlungsprojekte an Kitas und Schulen. Mehr als 500 Künstler aus 15 Ländern, darunter neben Spanien, Italien und Frankreich auch der Schweiz, der Ukraine, Russland, Peru, Kolumbien, Argentinien und Kuba waren der Einladung der Musikfestspiele gefolgt. Unter den Stars der Alten Musik, die bei den Festspielen Segel setzten, waren Les Arts Florissants mit Paul Agnew, Ann Hallenberg, Sophie Juncker und Margherita Maria Sala mit dem Ensemble Il Pomo d’Oro, Anna Herbst und Les Passions de l‘Âme, das Huelgas Ensemble und Paul van Nevel, L’Arlequin Philosophe und Pedro Memelsdorff, sowie von der spanischen Halbinsel Al Ayre Español und Eduardo López Banzo, das Euskal Barrokensemble und Enrique Solinís, L’Apothéose mit Lucía Caihuela und das Orquesta Barroca de Sevilla.

Als Coup erwies sich das Open Air »Händels Zauberinseln« zur Eröffnung: Arien auf höchstem Niveau vor dem wieder erstandenen barocken Ensemble »verwandelten den Alten Markt in eine italienische Piazza« (MAZ). Die »wunderbare Konzeption« (PNN) war »fast zu schön, als dass man es ertragen kann« (FAZ) und bescherte den Musikfestspielen »einen zusätzlichen Triumph an diesem lauen Sommerabend« (MAZ). Das Eröffnungskonzert »Aufbruch nach Kythera« des Ensembles Les Arts Florissants entführte das Publikum mit »Eleganz und vornehmer Perfektion« (MAZ) zur »magischen Nacht auf der Zauberinsel«.

Großen Applaus und Kritikerlob erntete die von den Musikfestspielen wiedererweckte Oper von Giuseppe Scarlatti »I portentosi effetti della Madre Natura« in moderner Erstaufführung. Erlebt wurde die »Entdeckung eines musikalisch faszinierenden Werkes« (Scherzo, ESP), die der Intendantin »hoch anzurechnen« sei (Der Tagesspiegel). Für das »vergessene Prachtstück […] legte sie ein Niveau vor, das zu toppen kaum möglich sein dürfte.« (MAZ). »Das Publikum würdigte diese Insel der musikalischen Glückseligkeit mit lang anhaltendem Beifall« (Scherzo, ESP). Mit ihrer »Entdeckung […] landete Dorothee Oberlinger bei den Musikfestspielen […] einen Volltreffer« (nmz) und sie zeige »wie überraschend und intelligent die Musikfestspiele auch in der Leitung von Dorothee Oberlinger den Weg fortsetzen« (FAZ). »Ja, diese lustige Petitesse macht Laune« (Brugs Klassiker), »Experten und Publikum sind gleichermaßen verzückt« (MAZ). Ebenfalls als moderne Erstaufführung hatte am gestrigen Samstag, 25.6., Carlo Pallavicinos Oper »Le Amazzoni nell‘ isole fortunate« Premiere. Christophe Rousset leitete Les Talens Lyriques in der Inszenierung von Nicola Raab.

Die Konzerte in der Friedenskirche folgten nach dem Eröffnungskonzert den Mythen griechischer Inseln (»Ariadne auf Naxos und Kreta«), den Höhepunkten der Musikgeschichte auf der Pariser Île de la Cité (»Notre-Dame de Paris«), legendären Entdeckungen (»Der Weltumsegler«) und dem spanischen Barock (»Von Mallorca nach Madrid«). Die historischen Säle Ovidgalerie, Raffaelsaal und Palmensaal, wurden erneut mit feinster Kammermusik zum Leben erweckt, darunter Werke aus mittelamerikanischen Bibliotheken (»Barock auf Hoher See«), französische Suiten (»Cembalo für die Insel«), britische Grounds (»The Mad Lover«), venezianische Sonaten (»Delizie di Venezia«), italienische Concerti (»Generation Golf«) und spanische Kantaten (»Spanier in Arkadien«), wobei der »Beifall des Pulikums sich zu Ovationen steigerte« (PNN).

Ein besonderes Augenmerk in diesem Jahr galt entsprechend dem Motto den kleinen und abgeschiedenen Konzertorten, darunter Schloss Caputh, Schloss Schönhausen und der Heilandskirche Sacrow – zu deren Konzert man sogar zu Schiff gelangte.

Die Lust am Experiment zeigte sich in ungewöhnlichen Konzertformaten, vom Eröffnungsfest auf der Freundschaftsinsel, einem Stationenkonzert zur Geschichte der Pfaueninsel, einem Club-Konzert aus der Zeit David Bowies in West-Berlin 1977, einem Paddelkonzert, einer Südsee-Reise zwischen barocken Arien und Schlagern, sowie dem Variantenreichtum des Fahrradkonzerts, das einmal ganz um Potsdams Insel führte. Lunchkonzerte mit hervorragenden Nachwuchsensembles und ein Konzertprojekt mit Probenwochenende der Jungen Philharmonie Brandenburg machte auf den exzellenten Musiker-Nachwuchs aufmerksam.


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