Musical »Hairspray« ab Freitag am Staatstheater Nürnberg

Hairspray ~ Staatstheater Nürnberg ~ Marja Hennicke, Thomas Hermanns, Andreas Zaron, Ensemble ~ Foto: Pedro Malinowski

Ab Freitag, 7. Januar entführt das Broadwaymusical „Hairspray“ sein Publikum im Nürnberger Opernhaus in das Baltimore des Jahres 1962.

Die „Corny Collins Show“ ist das Zentrum von Tracys Welt. Jeden Tag präsentieren die „Nicest Kids in Town“ im Lokalfernsehen die neuesten Tanzschritte. Einmal dabei zu sein, ist Tracys großer Traum. Doch dafür scheint sie zu dick und zu unangepasst.

Als sie beim Nachsitzen die coolen Tanzschritte der schwarzen* Mitschülerinnen und Mitschüler kennenlernt, sieht sie ihre Chance gekommen. Keine Chance bekommen dagegen ihre neuen Freundinnen und Freunde, denn sie dürfen in der Fernsehshow wegen der herrschenden Rassentrennung gar nicht erst auftreten. Aber Tracy gibt sich damit nicht zufrieden.

„Hairspray“, basiert auf dem gleichnamigen Kultfilm von John Waters, der als künstlerischer Pionier der Queerkultur gilt. In der Regie und Choreografie von Melissa King setzt das Musical ein fulminantes Statement gegen jede Form der Diskriminierung.

Hairspray
Staatstheater Nürnberg
Hans Kittelmann, Thomas Hermanns, Annakathrin Naderer, Marie-Anjes Lumpp, Marja Hennicke, Gaines Hall, Benjamin Sommerfeld, Ensemble
Foto: Pedro Malinowski

„Oberflächlich betrachtet ist das Musical einfach nur eine gut gemachte Komödie mit toller Musik“, sagt Regisseurin Melissa King. „Doch die Autoren haben es geschafft, über viele Themen zu sprechen, die heute leider immer noch aktuell oder – durch die sozialen Medien – noch aktueller sind: LGBTQ+-Rechte in der Figur von Edna, Rassismus gegenüber Schwarzen, Feminismus und Body-Shaming in der Figur von Tracy. Wo findet man schon ein Musical, in dem ein dickes Mädchen aus der unteren Mittelschicht die Heldin ist? Tracy ist ein durch und durch optimistischer Mensch, sie bewertet ihre Mitmenschen nicht nach dem Äußeren und hat den Wunsch und die Kraft, sich für andere einzusetzen und die Welt zu verändern.“

Am Beispiel einer scheinbar so harmlosen Angelegenheit wie einer Musiksendung im Nachmittagsprogramm eines Lokalsenders bringt „Hairspray“ dem Publikum einen schwierigen Teil der US-amerikanischen Geschichte auf unterhaltsame Weise nahe: die bis 1964 „legalisierte“ Diskriminierung von Schwarzen. „Die Leute sollen das Theater mit einem schönen Gefühl verlassen“, so Melissa King, „aber trotzdem anfangen, nachzudenken, miteinander über Themen zu sprechen, die möglicherweise unangenehm sein könnten, und offener gegenüber anderen zu sein“. Auch wenn das Happy End eine Utopie ist, so ist doch die Botschaft dieses Musicals eindeutig: Es ist ein Appell für gegenseitigen Respekt – unabhängig von Hautfarbe, Konfektionsgröße oder Geschlecht.

„Hairspray“ feiert die 60er Jahre: Die Mode, die Frisuren und natürlich die Musik. Dabei ist Letztere nicht bloßer Selbstzweck, sondern integraler Bestandteil der Handlung: die Musik, das Tanzen sind die Ausdrucksmittel der Jugendlichen, es ist ihre Sprache. Komponist Marc Shaiman bedient dabei verschiedene Stile der 60er Jahre, vom Motown Blues bis zum funky Groove. Für Regisseurin Melissa King, die gleichzeitig auch für die Choreografien verantwortlich zeichnet, macht diese Ineinandergreifen von Musik und Szene die Qualität dieses Musicals aus.

In den Hauptrollen stehen in Nürnberg u.a. Marja Hennicke als Tracy sowie Entertainer und „Quatsch Comedy Club“-Gründer Thomas Hermanns als ihre Mutter Edna auf der Bühne.


*„schwarz“ oder „Schwarz“?

Die Großschreibung des Adjektivs „Schwarz“, die von vielen Initiativen und Verlagen verwendet wird, bezieht sich nicht auf eine Hautfarbe, sondern steht „für die Verbundenheit durch ähnliche Rassismus-Erfahrungen“ (Amnesty International) und meint damit alle Menschen, die rassistisch diskriminiert werden. Das Staatstheater Nürnberg hat sich bewusst entschieden, „schwarz“ unter bestimmten Umständen klein zu schreiben. Das Musical „Hairspray“ spielt 1962 in den USA, als die Rassentrennung in den Südstaaten noch gesetzlich festgeschrieben war. Es galt die so genannte „One-Drop-Rule“: Jeder, der einen schwarzafrikanischen Vorfahren hatte, galt als „black“. Dass jenseits dieser offiziellen Diskriminierung auch andere Gruppen Rassismus-Erfahrungen machen mussten, steht außer Frage. Das Musical behandelt jedoch explizit diesen „legalisierten“ Rassismus. Gemeinsam mit den Darstellerinnen und Darstellern der Motormouth-Community hat das Staatstheater Nürnberg deswegen beschlossen, die Kleinschreibung zu verwenden, wenn es explizit um die Situation der Rassentrennung im Amerika der 60er Jahre geht, wo die Inszenierung verortet ist. Das Staatstheater geht davon aus, dass das Publikum den Appell des Musicals für einen respektvollen Umgang miteinander ins Heute übertragen und auf alle Menschen beziehen wird.


Zur Person:

Die Musikalische Leitung haben Guido Johannes Rumstadt und Christian Reuter übernommen, beide seit vielen Jahren am Staatstheater Nürnberg tätig.

Nach „West Side Story“ übernimmt Melissa King, assistiert von Samantha Turton, bei „Hairspray“ abermals Regie und Choreografie. King studierte Politikwissenschaft an der renommierten Yale University. Nach ihrem Diplom arbeitete sie als Tänzerin in verschiedenen zeitgenössischen und Modern-Tanzkompanien. Sie bewies ihr darstellerisches Talent in großen Musicalrollen wie Anita in „West Side Story“, Aldonza in „Man of La Mancha“, Mae in „Street Scene“ u.v.a. Nach Engagements als Choreografie-Assistentin und Dance Captain ist sie heute als Choreografin tätig. Binnen kurzem avancierte sie zu einer der führenden Choreografinnen der deutschsprachigen Musicalszene, nachdem sie für ihre erste choreografische Arbeit in Deutschland („West Side Story“ am Nationaltheater Mannheim) von der Zeitschrift „Opernwelt“ als beste Nachwuchschoreografin ausgezeichnet worden war. Engagements führten sie u.a. an das Berliner Theater des Westens, an die Komische Oper Berlin, das Gärtnerplatztheater München, an die Volksoper Wien, nach St. Gallen, Linz und die Staatsoper Hannover. Melissa King wurde immer wieder mit Ur- und Erstaufführungen betraut. Zunehmend arbeitet sie auch als Regisseurin, u.a. in St. Gallen, in Bad Hersfeld („Show Boat“) und am Theater Dortmund („Hairspray“). Melissa King arbeitet neben dem Musiktheater auch für Schauspiele, Varieté, Galas, Musikvideos, Werbung, Industrieshows und Film/Fernsehen. Außerdem ist sie Mitglied der Jury beim „Bundeswettbewerb Gesang“. Am Staatstheater Nürnberg choreografierte sie u.a. „Catch Me If You Can“ und war sowohl für Choreografie als auch Regie bei „Singin‘ in the Rain“ verantwortlich.

Das Bühnenbild entwarf Knut Hetzer. Der Berliner studierte angewandte Malerei an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Nach Stationen als Ausstattungsassistent beim Hessischen Rundfunk sowie Ausstattungsleiter an den Landestheatern von Esslingen und Salzburg arbeitet er seit 1987 freischaffend als Bühnenbildner. Engagements führen ihn u.a. an das Residenztheater München, das Nationaltheater Mannheim, das Aalto Theater Essen, das Raimundtheater in Wien, den Friedrichstadtpalast Berlin, das Landestheater Linz, die Opernhäuser in Graz und Zürich, an das Theater St. Gallen und die Bad Hersfelder Festspiele. Knut Hetzer arbeitet in allen Theatersparten und hat Schauspiel, Oper, Tanztheaterproduktionen und Musicals ausgestattet. Am Staatstheater Nürnberg entwarf er zuletzt das Bühnenbild für den Musical-Klassiker „West Side Story“.

Judith Peter zeichnet für die Kostüme verantwortlich. Die Kölnerin studierte Modedesign an der Fachhochschule Trier und an der Universidad Politécnica in Madrid. Seit ihrem Abschluss arbeitet sie als freischaffende Kostümbildnerin in Musiktheater- und Schauspielproduktionen an internationalen Bühnen, u.a. in Bogota, Wien, Linz, Oslo, Mannheim, Nürnberg und Hannover. Außerdem entwarf Judith Peter Kostüme für verschiedene Fernseh- und Videoproduktionen und stattet seit 1995 die Gastspiele von „Cäcilia Wolkenburg“ an der Oper Köln aus. Mit dem Regisseur Matthias Davids gastierte sie u.a. an der Staatsoperette Dresden, am Staatstheater Hannover, am Landestheater Linz, an der Oper Graz und an der Volksoper Wien. Eine langjährige Zusammenarbeit verbindet sie ebenfalls mit Melissa King, in deren Rahmen sie das Kostümbild u.a. für die gemeinsamen Produktionen bei den Bad Hersfelder Festspielen („Show Boat“), am Theater Dortmund („Hairspray“) und am Staatstheater Nürnberg („Singin‘ in the Rain“, „West Side Story“) entwarf.


Hairspray

Musical

Von: Marc Shaiman
Texte von: Scott Wittman und Marc Shaiman

Premiere am Staatstheater Nürnberg: 7. Januar 22 (Opernhaus)

Musikalische Leitung: Christian Reuter, Guido Johannes Rumstadt
Regie und Choreografie: Melissa King
Choreografische Assistenz: Samantha Turton
Bühne: Knut Hetzer
Kostüme: Judith Peter
Licht: Thomas Schlegel
Sound-Design: Stefan Witter
Dramaturgie: Wiebke Hetmanek

Besetzung:

Tracy Turnblad: Marja Hennicke
Edna Turnblad: Thomas Hermanns
Wilbur Turnblad: Hans Kittelmann
Penny Pingleton: Annakathrin Naderer
Corny Collins: Gaines Hall
Link Larkin: Benjamin Sommerfeld
Velma von Tussle: Sophie Berner
Amber von Tussle: Marie-Anjes Lumpp
Seaweed J. Stubbs: Malcolm Quinnten Henry
Inez: Dapheny Oosterwolde
Motormouth Maybelle: Deborah Woodson
Prudy Pingelton u.a.: Johanna Schoppa
Mr Pinkey, Mr Spritzer u.a.: Andreas Zaron
Cindy Watkins: Anneka Dacres
Peaches: Meimouna Coffi
Pearl: Taryn Nelson Di Capri
Duane: William Briscoe
Gilbert: Ngako Keuni / Giovanni Menig
Stooie: Danilo Brunetti / Mayowa Arikawe

Nicest Kids (Studentinnen und Studenten der Bayerischen Theaterakademie August Everding):
Shelley: Danai Simantiri
Brenda: Anna Angelini
Tammy: Salomé Ortiz
Lou Ann: Roberta Monção
Sketch: Jakob Brüll
IQ: Wolfram Föppl
Brad: Leopold Lachnit
Fender: Johannes Summer

Staatsphilharmonie Nürnberg
Statisterie des Staatstheaters Nürnberg

Weitere geplante Vorstellungen im Januar 2022: So., 09.01.2022, 19 Uhr, So., 16.01.2022, 15.30 Uhr – Änderungen vorbehalten, tagesaktuelle Informationen auf der Webseite im Spielplan.

Aktuelle Programm-Informationen und Tickets: staatstheater-nuernberg.de
Tel.: 0180-1-344-276 (Festnetz 3,9 Ct./Min., Mobil bis zu 42 Ct./Min.)