Mozartwerke mit Yannick Nézet-Séguin mit Mitgliedern des Chamber Orchestra of Europe im Festspielhaus Baden-Baden

Yannick Nézet-Séguin (© Etheridge)

Dass Yannick Nézet-Séguin mit Musikerfreunden und dem Chamber Orchestra of Europe seine Zelte in Baden – Baden aufschlägt, macht die Welterbestadt zur Sommerhauptstadt – „La Capitale d‘ Été“.

Neben den großen Sinfoniekonzerten mit Brahms und Farranc gibt es bei den Sommerfestspielen 2022 auch Zeit und Raum für Kammermusik – mit Yannick Nézet-Séguin am Flügel. Am Samstag, 16. Juli tauscht der Weltstar den Taktstock mit dem Flügel und musiziert als Primus inter pares mit Freunden des Chamber Orchestra of Europe Werke von Wolfgang Amadeus Mozart.

Nézet-Séguin macht mit Musikerinnen und Musikern des Chamber Orchestra of Europe Kammermusik auf Augenhöhe – etwas, das auch sein Dirigat auszeichnet. Am vorletzten Tag der Sommerfestspiele spielen Yannick Nézet-Séguin, Lorenza Borrani und Lucy Gould an den Violinen, Bratschist Nimrod Guez und Cellist Richard Lester Werke von Wolfgang Amadeus Mozart.

Tiefsinnige Sommerträume

Das Adagio h-Moll KV 540 aus dem Jahr 1788 ist in den Worten des Mozart-Forschers Alfred Einstein einer „der vollendetsten, empfundensten, trostlosesten“ Sätze, „die Mozart je komponiert hat“. Tatsächlich wirkt das Stück aufgrund seiner Zerrissenheit und der sprachähnlichen Melodik wie ein düsterer Grabgesang. Ganz anders im Tonfall ist das im Herbst 1782 entstandene A-Dur-Klavierkonzert KV 414, das Mozart bewusst so komponierte, dass man es auch „a quattro, nämlich mit 2 Violinen, 1 Viole und Violoncello“ aufführen kann. Eingeleitet wird es von einem schwerelosen Allegro, bevor Mozart im zweiten Satz dem kurz zuvor verstorbenen Johann Christian Bach ein musikalisches Denkmal setzt: Im Hauptthema zitiert er die ersten vier Takte einer Ouvertüre, die der Bach-Sohn zu dem Opern-Pasticcio „La calamità dei cuori“ komponiert hatte. Mozart, damals noch im Knabenalter, könnte das Werk während eines London-Aufenthalts kennengelernt haben, bei dem er Johann Christian Bach regelmäßig traf und viel von ihm lernte.

Den Konzertabschluss bildet ein recht frei komponiertes Rondo, in dem Mozart souverän seiner Phantasie zwischen den „Regeln der Kunst“ Freiräume erobert.

Die Fantasie c-Moll KV 475 beginnt, so der Musikwissenschaftler Hermann Abert mit einem „tief resignierten, schicksalsschweren Unisonomotiv, dem sofort zwei schmerzliche Seufzer antworten“, gefolgt von einer „Träumerei von wunderbarem Tiefsinn, die durch die entlegensten Tonarten dahingleitet.“

Auch das 1785 komponierte Klavierquartett KV 478 in Mozarts Schicksalstonart g-Moll beginnt mit impulsiver Geste und einem gewagtem Oktavsprung abwärts, als habe der Komponist in schneller Bewegung einen imaginären Vorhang beiseite ziehen wollen.

Von der MET nach Baden-Baden

Der in Montreal geborene Dirigent und Pianist Yannick Nézet-Seguin ist Musikalischer Leiter der Metropolitan Opera in New York, des Philadelphia Orchestra und des Orchestre Métropolitain von Montreal und hat mit führenden europäischen Ensembles zusammengearbeitet. Sein letzter Auftritt im Festspielhaus die von Fachpresse und Publikum bejubelte konzertante Aufführung des „Rheingolds“ vor wenigen Wochen im April dieses Jahres. Als Companion of the Order of Canada trägt Yannick Nézet-Séguin Kanadas höchste zivile Auszeichnung, zudem ist er Ehrendoktor mehrerer Universitäten und der Dirigent zählt zum erlesenen Kreis der Ehrenmitglieder des Chamber Orchestra of Europe.

Das Chamber Orchestra of Europe ist an keinen Standort und auch an keine feste Spielstätte gebunden und kommt ohne Chefdirigenten aus. Die Mitglieder kommen aus ganz Europa, sowie den USA, Israel und Australien zu gemeinsamen Projekten zusammen. Flexibilität, Wendigkeit und Reiselust sind in die DNA dieses Orchesters eingeschrieben. Elan, Spannkraft, markante Klangfarben und gemeinsames musikalisches Atmen bestimmen die Spielkultur der rund sechzig Mitglieder, bestehend aus Solisten und Stimmführern namhafter Klangkörper, renommierten Kammermusikern und Musikprofessoren. Im Mai 1981 fand das Gründungskonzert des Orchesters in London unter der Leitung von Claudio Abbado statt und auch die erste gemeinsame Europatournee 1982 erwies sich als voller Erfolg. Von Beginn an wurde das Orchester von Partnerschaften mit großen Dirigenten und Solisten geprägt. Claudio Abbado war ein wichtiger Mentor der ersten Jahre, genauso wie Nikolaus Harnoncourt und Bernard Haitink. Zurzeit arbeitet das Orchester eng mit Yannick Nézet-Séguin und András Schiff zusammen. Neben dem Festspielhaus Baden-Baden ist das Chamber Orchestra of Europe regelmäßig im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin, in den Philharmonien in Paris, Köln und Luxemburg, Concertgebouw Amsterdam und in der Alten Oper Frankfurt zu Gast. Konzertreisen führen es bis in den Nahen Osten und in die Vereinigten Staaten.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101