Modulares Konzept für eine kontrollierte Rückkehr von Zuschauern und Gästen zu Veranstaltungen vorgestellt

© Sebastian Gößl from Pixabay

Schrittweise Rückkehr von Zuschauern und Gästen ~ Ein integrierter Ansatz für Kultur und Sport

– 20 renommierte Experten und Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen haben ein gemeinsames modulares Konzept mit Blick auf eine kontrollierte Rückkehr von Zuschauern und Gästen zu Veranstaltungen entwickelt

– Bundesweite Unterstützung durch mehr als 40 führende Einrichtungen und Organisationen aus den Bereichen Kultur und Sport

– Ein umfangreiches und differenziertes Basiskonzept könnte zunächst eine Nutzung von 25 bis 40 Prozent der Gesamtkapazität an den Veranstaltungsorten ermöglichen – weitere Maßnahmen wie fachärztliche Hygienekonzepte und umfassende Teststrategien könnten auch mehr Gäste und Zuschauer zulassen

Eine breit angelegte Initiative aus Experten und Wissenschaftlern sowie Kultur und Sport hat ein umfassendes Konzept vorgelegt, das die Teilnahme von Zuschauern und Gästen an kulturellen und sportlichen Veranstaltungen unter strengen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen wieder ermöglichen könnte. Mit ihrem Konzept präsentieren die etwa 20 beteiligten Wissenschaftler und Experten sowie mehr als 40 Kultur- und Sportinstitutionen erstmalig einen branchenübergreifenden, datenbasierten Ansatz und damit einen differenzierten Beitrag zur Diskussion um angemessene Wege aus dem Lockdown. Das Konzept entstand unter Mitwirkung von namhaften Experten unter anderem aus den Fachbereichen Infektiologie und Virologie, Raumlufttechnik, Gesundheitsökonomie, Sportmedizin und Kultur sowie Rechtswissenschaften.

Umfangreiches und differenziertes Maßnahmenpaket ermöglicht kontrollierte Öffnung

Der Ansatz stellt verschiedene Modelle sowohl für Indoor- als auch für Outdoor-Veranstaltungen vor. Diese basieren jeweils auf einem Basiskonzept und können mittels weiterer Schritte ausgebaut werden, um die Zahl der Zuschauer und Gäste pro Veranstaltung schrittweise zu erhöhen.

Basiskonzept:

Indoor: Eckpunkte für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen umfassen unter anderem die Erstellung eines Hygiene- und Infektionsschutzkonzeptes, eine Gesamtauslastung von maximal 25-30 Prozent zur Einhaltung der allgemeinen Abstandsregeln, personenbezogene Tickets zum Kontaktmanagement, eine durchgehende Maskenpflicht, ein Ausschankverbot von alkoholischen Getränken bei Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Besuchern sowie ein dezidiertes Konzept zur An- und Abreise von Zuschauern und Gästen.

Outdoor: Für Freiluftveranstaltungen geht das Konzept bei vergleichbaren Maßnahmen von einer möglichen Auslastung von 35 bis 40 Prozent der Kapazität aus. Im Amateur- und Breitensport schlagen die Autoren zudem eine „Bagatelluntergrenze“ vor, die bei Veranstaltungen mit ausreichend Flächen eine Sonderregelung vorsieht. Bei Einhaltung der Maskenpflicht und eines erweiterten Abstands sowie Kontaktmanagement durch technische Lösungen wie Apps könnten personenbezogene Tickets in diesem Bereich damit überflüssig werden.

Sowohl für Veranstaltungen in geschlossenen Räumen als auch für Freiluftveranstaltungen sieht das Basiskonzept zudem bestimmte Sitzplatzschemata vor, die die Einhaltung der Mindestabstände gewährleisten. Das Basiskonzept kann mit vertretbarem Aufwand und mit begrenzten finanziellen Ressourcen von jeder Spielstätte bei der Entwicklung eines Hygienekonzeptes umgesetzt werden. Das könnte insbesondere auch kleineren Einrichtungen in Kultur und Sport einen pragmatischen Weg zurück in einen geregelten Vorstellungs- und Spielbetrieb ermöglichen.

Fachärztliche Hygienekonzepte:

An Indoor-Veranstaltungsorten mit großen Räumen und moderner Lüftungstechnik sowie ebenso bei Outdoor-Veranstaltungen ist – über das Basiskonzept hinaus – auch eine höhere Zuschauerzahl machbar. Für eine weitere Erhöhung der Auslastung empfehlen die Autoren ein fachärztliches Hygienekonzept als einheitlichen Standard.

Maximalmodell“ mit Teststrategie:

Auf Basis neuer Diagnostikmöglichkeiten soll die Erweiterung der Zugangsmöglichkeit zu Veranstaltungen umgesetzt werden – bis hin zu einer möglichen Vollauslastung von Opern, Konzerten und Sportereignissen. Zu diesem Zweck könnte die Kultur- und Sportbranche unter anderem Zuschauern und Gästen einen Antigentest am Veranstaltungsort zur Verfügung stellen sowie digitale Portale zur Unterstützung des Kontaktmanagements fördern.

Mitwirkende im Autorenkreis u.a.:

Marcel Altenburg, MSc MA, Prof. Dr. Lutz Fritsche, Prof. Dr. Barbara Gärtner, Dr. Florian Kainzinger, Prof. Dr. Martin Kriegel, Prof. Dr. Tim Meyer, Prof. Dr. Peter Raue, Prof. Dr. Wolfgang Schade, Dr. Georg-Christian Zinn


Dieser Leitfaden wird vom Deutschen Bühnenverein unterstützt. Dazu Bühnenvereinspräsident Dr. Carsten Brosda: „Mit diesem Leitfaden, der von renommierten Wissenschaftler*innen erarbeitet wurde, zeigen wir einen Weg zurück in ein Stück kultureller Normalität. Das Virus wird uns als Gesellschaft noch länger fordern, daher ist es wichtig, dass wir parallel zum Infektionsschutz und zur Impfung Wege aufzeigen, wie Theater und Orchester auf Grundlage klarer Hygienekonzepte und technischer Vorkehrungen, sobald es das Infektionsgeschehen erlaubt, wieder kontrolliert öffnen können. So werden die künstlerischen Impulse möglich, die wir gerade auch jetzt so dringlich brauchen.“

buehnenverein.de

Auch der Friedrichstadt-Palast Berlin unterstützt das heute vorgestellte Konzept „Schrittweise Rückkehr von Zuschauern und Gästen: Ein integrierter Ansatz für Kultur und Sport“. Dazu Dr. Berndt Schmidt, Intendant: „Endlose Schließungen im Kunstbetrieb können keine politische Antwort auf Corona sein. Auch eine Pandemie eröffnet Spielräume. Daher unterstützen wir die Initiative und hoffen, eine notwendige politische Debatte anzuregen. Es geht nicht darum, dass ab sofort wieder Veranstaltungen mit Publikum stattfinden. Fundierte Konzepte brauchen zeitlichen Vorlauf und organisatorische Vorbereitungen. Daher wäre es zu spät, sich damit zu beschäftigen, wenn die Öffnung absehbar ist. Für die Entwicklung intelligenter Öffnungskonzepte ist ‚Fahren auf Sicht‘ keine Option.“

palast.berlin

Martin Woelffer: „Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass der Vorhang bald wieder hochgehen kann.“

Seit November sind Kultureinrichtungen in der Pandemie zum zweiten Mal geschlossen – obwohl es keinen Hinweis darauf gab, dass Inszenierungen Superspreader-Events gewesen seien. In der Komödie am Kurfürstendamm gab es nach dem Neustart im August 2020 keinen Ansteckungsfall. Die ergriffenen Hygienemaßnahmen haben gewirkt. Trotzdem hat Theaterchef Martin Woelffer die Notwendigkeit, im zweiten Lockdown auch die Theater wieder zu schließen, um Kontakte zu minimieren, eingesehen.
„Nun, wo die Infektionszahlen gesunken sind und das Impfen begonnen hat, wünsche ich mir von ganzem Herzen, dass der Vorhang bald wieder hochgehen kann, und wir wieder für unser Publikum da sein können“, sagt Martin Woelffer, „So geht es nicht nur mir. Deswegen freue ich mich sehr, dass sich viele Berliner Bühnen wie die Deutsche Oper, das Deutsche Theater, der Friedrichstadt Palast, die Volksbühne, das Berliner Ensemble, sasha waltz & guests, die Berliner Philharmoniker oder das Gorki und auch der Deutsche Bühnenverein gemeinsam für eine Konzeption stark machen, in der es darum geht, wie ein Neustart nach dem zweiten Lockdown für Theater und Konzerthäuser aussehen könnte. Sehr gut finde ich, dass dieser Leitfaden auch von Sportverbänden wie dem Deutschen Fußballbund oder dem Deutschen Volleyball-Verband, Festivals wie das Lollapalooza Berlin oder Veranstaltungslocations wie die verti music hall mitgetragen wird.“

komoedie-berlin.de