Michael Sanderling wird ab 2021/22 Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters

Michael Sanderling (© Vera Hartmann)

Michael Sanderling wird seine Tätigkeit als neuer Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters mit Beginn der 216. Saison des traditionsreichen Klangkörpers aufnehmen. Der gebürtige Berliner mit Jahrgang 1967 wurde vom Trägerverein Luzerner Sinfonieorchester einstimmig gewählt. Er wird die Nachfolge des aktuellen Chefdirigenten James Gaffigan antreten.

Die Zusammenarbeit zwischen Michael Sanderling und dem Luzerner Sinfonieorchester währt schon über ein Jahrzehnt. Erstmals dirigierte Sanderling das Luzerner Sinfonieorchester 2010 in einem Programm mit Werken von Schubert und Brahms; 2014 ein weiteres Projekt mit Partituren von Weill und Schostakowitsch. Im März 2019 leitete er zwei Programme in Luzern sowie die «Residenz» des Luzerner Sinfonieorchesters am Tongyeong Festival (Südkorea), in denen ein breites Repertoirespektrum von Beethoven, Brahms, Rachmaninoff sowie Holliger und Ysang Yun zu hören war. Im Mai 2019 übernahm Sanderling in Luzern kurzfristig die Leitung von Abonnementskonzerten mit der 5. Sinfonie von Schostakowitsch.

Als im August 2019 das Ende der langjährigen und äusserst erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem aktuellen Chefdirigenten James Gaffigan bekannt gegeben wurde, erstellte die Intendanz im Auftrag des Vorstands Trägerverein Luzerner Sinfonieorchester ein Anforderungsprofil für den zukünftigen Chefdirigenten und begann den internationalen Dirigentenmarkt zu sondieren. Zahlreiche Interessensbekundungen von erstklassigen Dirigenten trafen ein, die als Gradmesser für die heutige Ausstrahlung des Orchesters zu deuten sind.

Gleichzeitig war die Aufnahme von Gesprächen mit Michael Sanderling naheliegend: Durch die vertiefte Zusammenarbeit im Frühling 2019 entstand eine wunderbare musikalische Vertrautheit und Bekanntschaft. Der Entscheid zur Berufung von Michael Sanderling entstand auf dieser exzellenten Basis sowie nach intensiven Gesprächen über die Zukunftsperspektiven des Klangkörpers und stützt auf der einhelligen Meinung des Orchesters ab, dass Michael Sanderling die ideale Person für den Chefdirigentenposten ist.

Der zukünftige Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters deckt nicht nur das bestehende Kernrepertoire des Luzerner Sinfonieorchesters mit höchster Kompetenz ab, er steht als grosser «Sinfoniker» auch für eine weitere Entwicklung des Klangkörpers in Richtung des spätromantischen Repertoires wie Bruckner, Mahler und Strauss. Michael Sanderling geniesst international eine hohe Reputation und passt somit zur Ausstrahlung des Luzerner Sinfonieorchesters mit seiner weltweiten Tournee- wie auch Aufnahmetätigkeit.

Michael Sanderling hat ein grosses Interesse an der Oper, eine wertvolle Eigenschaft angesichts der wichtigen Partnerschaft des Luzerner Sinfonieorchesters mit dem Luzerner Theater. Dank seiner pädagogischen Erfahrung wird Sanderling auch wertvolle Beiträge zum Kampus Südpol machen können, die Zusammenarbeit mit der Musikhochschule HSLU unterstützen und das Potenzial des neuen Probenhauses und Zentrums für Kinder- und Jugendprojekte zur Entfaltung bringen.

Als langjähriger Chefdirigent der Dresdner Philharmonie hat sich Michael Sanderling international einen hervorragenden Namen erarbeitet. Seine Beiträge zur Entwicklung der Dresdner Philharmonie zu einem führenden internationalen Klangkörper wie auch zur vollständigen Renovation des Dresdner Konzerthauses waren essentiell. Mit den Gesamteinspielungen der Sinfonien von Beethoven wie auch von Schostakowitsch legte er eine mit Höchstnoten besprochene Dokumentation dieser Zusammenarbeit vor. Als Gast-Dirigent erstklassiger Klangkörper wie der Berliner Philharmoniker konnte Sanderling in den letzten Jahren ebenfalls große Erfolge feiern.


Pierre Peyer (Präsident Trägerverein Luzerner Sinfonieorchester), Michael Sanderling (zukünftiger Chefdirigent), Numa Bischof Ullmann (Intendant Luzerner Sinfonieorchester) (©Vera Hartmann)

Luzerner Sinfonieorchester

Das Luzerner Sinfonieorchester ist das Residenzorchester im renommierten KKL Luzern. Als ältestes Sinfonieorchester der Schweiz hat es internationale Anerkennung erlangt und wird als eines der führenden Schweizer Orchester wahrgenommen. Stark verankert in der weltweit bekannten Musikstadt Luzern, bietet es mehrere eigene Konzertzyklen an und organisiert das Festival Zaubersee – Kammermusikfestival russischer Musik in Luzern. Als Opernorchester des Luzerner Theaters begleitet es dessen Musiktheaterproduktionen. Seit der Saison 2011/12 ist James Gaffigan Chefdirigent des Luzerner Sinfonieorchesters.

Pierre Peyer, Präsident Trägerverein Luzerner Sinfonieorchester zur Berufung von Michael Sanderling:

«Die Aufführung der 5. Sinfonie von Schostakowitsch an den Konzerten vom 15. und 16. Mai 2019 im KKL Luzern waren für mich unvergessliche Erlebnisse und Beispiele der nicht beschreibbaren Magie, die Musik in uns Menschen auslösen kann. Michael Sanderling, der für dieses Erlebnis zusammen mit unserem glänzend disponierten Orchester verantwortlich war, hatte mich völlig gepackt. In den folgenden Gesprächen durfte ich ihn näher kennenlernen. Seine überlegene und tiefgründige Persönlichkeit hat mich sehr beeindruckt. Dazu war es Michael Sanderling auch gelungen, das ganze Orchester für sich zu begeistern, was für mich eine ganz wesentliche weitere Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist. Schliesslich konnte ich mich auch vergewissern, dass sich seine Zielsetzungen mit den unsrigen decken, so dass für mich und den Vorstand klar war, dass das Luzerner Sinfonieorchester mit Chefdirigent Michael Sanderling einen weiteren Schritt in eine erfolgreiche Zukunft machen wird. Darauf freue ich mich!»

Intendant Numa Bischof Ullmann zur zukünftigen Zusammenarbeit mit Michael Sanderling:

«Die Art, wie die Berufung von Michael Sanderling zustande gekommen ist, kann fast nicht geplant werden – sie hat fast schon den Charakter einer Fügung. Ich freue mich ausserordentlich auf die Zusammenarbeit mit Michael Sanderling. Wir kennen uns schon lange und schätzen unsere Arbeit gegenseitig. Dies sind wichtige Voraussetzungen für eine tolle Partnerschaft. Im Wissen, dass Michael Sanderling der absolute Wunsch-Chefdirigent des Orchesters ist, blicke ich der Ära Sanderling mit grosser Zuversicht entgegen. Seine breiten Repertoirekenntnisse, seine interpretatorische Deutungstiefe ebenso wie seine internationale Ausstrahlung werden die nächste Ära des Luzerner Sinfonieorchesters prägen. Michael Sanderling ist gleichwohl «Kammermusiker» wie «Sinfoniker» wie wir ihn für die weitere Entwicklung des Luzerner Sinfonieorchester zu einem erstklassigen Klangkörper genau gesucht haben.»

Michael Sanderling zu seiner zukünftigen Tätigkeit als Chefdirigent in Luzern:

«Ich freue mich sehr, das Luzerner Sinfonieorchester, diesen renommierten Schweizer Klangkörper zwischen Tradition und Innovation, zukünftig als Chefdirigent leiten zu dürfen. Begeistert und inspiriert bin ich von den reichhaltigen und visionären Aktivitäten dieses vielfältigen Orchesters und dem Team um Numa Bischof Ullmann, und so freue ich mich sehr auf eine neue künstlerische Epoche, die mich nicht nur mit den hervorragenden Musikerinnen und Musikern des Luzerner Sinfonieorchesters und den besonders motivierten Mitarbeitenden der Verwaltung dauerhaft zusammenbringen wird, sondern auch mit all den Menschen, die dieses Orchester in Luzern, im In- und im Ausland erleben, schätzen und unterstützen. Gemeinsam und verstärkt werden wir uns auf den Weg machen, die entwickelte und gewachsene Qualität und Intensität noch internationaler bekannt werden zu lassen. Es wird eine musikalisch spannende Zeit!»

Biographie Michael Sanderling

Michael Sanderling zählt zu den herausragenden Dirigenten seiner Generation. Er zeichnet sich insbesondere durch seine aussergewöhnliche musikalische Integrität und Tiefe aus und hat sich für seine objektive Annäherung an die Musik international einen Namen gemacht. In Berlin geboren, begann er seine Karriere als Cellist, bevor er sich mehr und mehr dem Dirigieren zuwandte. Der überaus vielseitige Künstler hegt eine besondere Leidenschaft für transparenten Klang, differenzierteste Dynamik und klare Strukturen.
Im Juli 2019 beendete Michael Sanderling nach acht höchst erfolgreichen Jahren seine Tätigkeit als Chefdirigent der Dresdner Philharmonie. In diese Ära fallen die Einspielung sämtlicher Sinfonien von Ludwig van Beethoven und Dmitri Schostakowitsch sowie 345 Konzerte in 78 Ländern. Darüber hinaus ist Michael Sanderling musikalischer Partner vieler hervorragender Orchester. Mit dem Gewandhausorchester Leipzig, dem Tonhalle-Orchester Zürich, den Münchner Philharmonikern, dem Helsinki Philharmonic Orchestra, dem Orchestre de Paris, dem Konzerthausorchester Berlin, dem Orchestre National du Capitole de Toulouse, dem Toronto Symphony Orchestra, dem Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra, dem Guerzenich Orchester Köln und den Sinfonieorchestern des SWR und des WDR ist Michael Sanderling als Gastdirigent eng verbunden.
Kürzlich dirigierte er erstmals die Berliner Philharmoniker, die St. Petersburger Philharmoniker und das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam. Demnächst wird er das San Francisco Symphonyrchestra, das Indianapolis Symphony Orchestra, das Seattle Symphony Orchestra und das BBC Scottish Symphony Orchestra dirigieren.

Als Operndirigent trat er an der Oper Köln mit der Neueinstudierung von Sergej Prokofjews «Krieg und Frieden» sowie in Philip Glass’ «The Fall of the House of Usher» in Potsdam in Erscheinung. Der gebürtige Berliner ist einer der wenigen, der aus dem Orchester heraus eine höchst erfolgreiche Dirigentenkarriere verwirklichen konnte. Mit 20 Jahren wurde er im Jahre 1987 Solo-Cellist des Gewandhausorchesters Leipzig unter Kurt Masur, von 1994-2006 war er in gleicher Position im Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin tätig. Als Violoncello-Solist gastierte er u.a. beim Boston Symphony Orchestra, beim Los Angeles Philharmonic und beim Orchestre de Paris. Mehrere CDs mit Werken von Dvorak, Schumann, Schostakowitsch, Prokofjew und Tschaikowski repräsentieren sein Schaffen als Cellist. Seit 2010 tritt Michael Sanderling nur noch in Ausnahmefällen als Violoncello-Solist öffentlich in Erscheinung.

Als Dirigent trat Michael Sanderling Jahr 2000 in einem Konzert des Kammerorchesters Berlin erstmals an das Dirigentenpult – und fing Feuer. Als Sohn des legendären Kurt Sanderling mit dem Dirigentenhandwerk von klein auf vertraut, übernahm Michael Sanderling immer mehr Dirigate und wurde 2006 zum Chefdirigenten und künstlerischen Leiter der Kammerakademie Potsdam ernannt.

Eine Herzensangelegenheit ist Michael Sanderling die Arbeit mit dem musikalischen Nachwuchs. Er unterrichtet als Professor an der Musikhochschule Frankfurt/Main und arbeitet regelmässig mit dem Bundesjugendorchester, dem Jerusalem Weimar Youth Orchestra, der Jungen Deutschen Philharmonie sowie mit dem Schleswig-Holstein-Festivalorchester zusammen. Von 2003 bis 2013 war er der Deutschen Streicherphilharmonie als Chefdirigent verbunden. Sein musikalischer Horizont reicht von Bach und Händel über Beethoven und Schostakowitsch bis hin zu inzwischen zahlreichen Uraufführungen.

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