»Madame Butterfly« erstmals auf der Seebühne: Puccini-Oper eröffnet 76. Bregenzer Festspiele

Programmvorstellung Bregenzer Festspiele 2022 ~ Axel Renner, Elisabeth Sobotka, Hans-Peter Metzler, Andreas Homoki, Michael Diem ~ © Bregenzer Festspiele / Anja Köhler (andereart.de)

Zwei Frauenschicksale auf der Seebühne und im Festspielhaus, zwei Mal experimentelles Musiktheater auf der Werkstattbühne, zwei Schauspiel-Klassiker und erstmals zwei Opernstudio-Inszenierungen in derselben Saison, darüber hinaus große und kleine Konzerte vom Feinsten: Die Festivalsaison 2022 bietet fünf Sommerwochen lang ein breites, vielfältiges Programm für mehr als 200.000 Besucher.

Den Auftakt bildet das Wiener Burgtheater bereits im April. Mit dem ersten Einblick zum dritten Opernatelierwerk im kommenden Jänner kündigt sich bereits eine Musiktheater-Uraufführung der Saison 2024 an. Regie führt Ex-Intendant David Pountney

Mit der erstmals auf der Seebühne gezeigten Madame Butterfly ist erneut eine Oper des italienischen Komponisten Giacomo Puccini zu Gast. Zuletzt begeisterte in den Saisonen 2015/16 seine Turandot das Festspielpublikum. Die Geschichte um die unglückliche Liebe der japanischen Geisha Cio-Cio-San, genannt Butterfly, eröffnet am 20. Juli 2022 die 76. Bregenzer Festspiele.

Regie führt Andreas Homoki, das Bühnenbild stammt von Michael Levine, Enrique Mazzola dirigiert die Wiener Symphoniker. Derzeit sind für die nächstjährige Saison rund ein Viertel der nahezu 189.000 an 26 Abenden aufgelegten See-Tickets gebucht (inkl. Generalprobe und crossculture night). Es gibt für alle Vorstellungstermine und in allen Kategorien noch genügend Plätze. Das letzte Spiel auf dem See geht zum Saisonende am 21. August 2022 über die Bühne. Insgesamt sind fast 220.000 Tickets aufgelegt.

Tragisch endende Liebe auch im Festspielhaus

Anstatt der im Jahr 1903 verschobenen Uraufführung von Madame Butterfly zeigte die Mailänder Scala die Oper Sibirien. Am 21. Juli feiert das Werk von Umberto Giordano Premiere im Festspielhaus, es folgen zwei weitere Vorstellungen. Regie führt Vasily Barkhatov, die musikalische Leitung hat Valentin Uryupin, den das Festspielpublikum von der Opernstudio-Aufführung Eugen Onegin kennt. Es spielen die Wiener Symphoniker. Auch hier steht mit der Kurtisane Stephana eine Frau im Mittelpunkt, deren Liebe zu einem Mann tragisch endet.

Zwei Mal zeitgenössisches Musiktheater auf der Werkstattbühne

Als Kompositionsauftrag in Koproduktion mit den Schwetzinger SWR Festspielen gelangt Kapitän Nemos Bibliothek zur österreichischen Erstaufführung. Das Musiktheater von Johannes Kalitzke im Libretto von Julia Hochstenbach wird an zwei Abenden auf der Werkstattbühne gezeigt. Es spielt das Ensemble Modern, das gemeinsam mit den Bregenzer Festspielen das zweite im kommenden Sommer auf der Werkstattbühne gezeigte Musiktheaterwerk in Auftrag gegeben hat: Melencolia von Komponistin Brigitta Muntendorf feiert am 18. August seine Uraufführung, es folgt eine weitere Aufführung.

Orchesterkonzerte: Russisch, japanisch sowie Wagner und Beethoven

Die Werke großer russischer Komponisten und das japanische Saiteninstrument Koto warten bei den Orchesterkonzerten der Wiener Symphoniker sowie des Symphonieorchesters Vorarlberg auf die Besucher. Außerdem stehen beim zweiten Orchesterkonzert der Wiener Symphoniker Ludwig van Beethovens Leonore-Ouvertüre Nr. 3 sowie Richard Wagners dritter Aufzug von Siegfried am Programm, es dirigiert Karina Canellakis. Die musikalische Leitung des ersten Konzerts liegt mit Enrique Mazzola beim Dirigenten des Spiels auf dem See, das dritte Konzert dirigiert Marie Jacquot. Die Orchestermatinee mit dem Symphonieorchester Vorarlberg leitet Chefdirigent Leo McFall.

„Ganz persönlich“ präsentieren sich Mitglieder der Wiener Symphoniker in der neuen, gleichnamigen Programmreihe an drei Abenden dem Publikum in kammermusikalischen Besetzungen. Außerdem lädt die Orchesterakademie Bregenz nach einer Woche Probenarbeit mit jungen Musikerinnen und Musikern unter der Leitung von Symphoniker-Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada zur Abschlussmatinee ins Festspielhaus. In Zusammenarbeit mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium soll mit der neu gegründeten Orchesterakademie Bregenz der künstlerische Nachwuchs gefördert werden.

Im Großen Saal des Festspielhauses widmet sich außerdem die Musicbanda Franui gemeinsam mit dem Kabarettduo Maschek dem Stummfilm Fräulein Else aus dem Jahr 1929. Das Film-Remake nach Arthur Schnitzlers Novelle wird dabei nicht nur neu vertont, sondern auch live synchronisiert. 

An drei Abenden lädt erneut Musik & Poesie ins Seestudio zu Schmetterlingseffekte mit Mitgliedern des Ensemble Modern, zu Innenwelten mit Marlis Petersen und zu Fly Ganymed mit Nikolaus Habjan.

Rossini und Haydn laden ins Opernstudio

Gleich zwei Opernstudio-Inszenierungen präsentieren die Bregenzer Festspiele im kommenden Sommer. Mit Die Italienerin in Algier lädt jene Rossini-Oper ins Theater am Kornmarkt, die aufgrund der Corona-Pandemie in der vergangenen Saison kurzfristig abgesagt wurde. Regie führt Brigitte Fassbaender. Die Premiere geht bereits vor Festspielstart am 8. Juli über die Bühne. Währenddessen startet Regisseur Jörg Lichtenstein gemeinsam mit jungen Sängerinnen und Sängern die Probenarbeit zu Joseph Haydns Armida als zweites Opernstudiowerk des kommenden Jahres. Premiere ist am 15. August. Beide Male dirigiert Jonathan Brandani das Symphonieorchester Vorarlberg.

Eine Oper entsteht

Im Frühjahr 2015 ließ der erste Einblick das Publikum in die Entstehung einer Oper blicken. Zwischenzeitlich geht das Opernatelier in seine dritte Runde. Der ehemalige Festspielintendant und britisch-polnische Regisseur Sir David Pountney geht zusammen mit der belgisch-irischen Komponistin, Geigerin und Grafikdesignerin Éna Brennan auf eine Entdeckungsreise hin zu einer neuen Oper. Der erste Einblick zum noch namenlosen Werk lädt am 25. Jänner ins Kunsthaus Bregenz, das seit Anbeginn als Partner fungiert. Die Multikünstlerin ist auch beim Konzert im KUB am 9. August mit Mitgliedern des Symphonieorchesters Vorarlberg zu erleben. Die Uraufführung des Opernatelier-Werks ist für die Saison 2024 geplant.

Burgtheater und Deutsches Theater Berlin zu Gast am Bodensee

„Was würd ich machen, wenn ich König wär?“ Diese Frage rückt William Shakespeare in den Mittelpunkt seines Schauspiels Der Sturm in der erstmals gezeigten Übersetzung von Jakob Nolte. Als Koproduzent ist erneut das Deutsche Theater Berlin zu Gast im Theater am Kornmarkt. Die Inszenierung liegt bei Jan Bosse, zuletzt am Bodensee tätig in der Festspielsaison 2019 als Regisseur von Don Quijote. Bereits im April hebt sich der Vorhang im Festspielhaus: Mit Jean-Paul Sartres Geschlossene Gesellschaft ist das Burgtheater Wien erneut zu Gast bei den Bregenzer Festspielen. Den Klassiker des Existenzialismus inszeniert Martin Kušej, Premiere ist am Karsamstag, die zweite Vorstellung folgt am Ostersonntag.

Junge Festspiele

Auf eine Zeitreise führt die Familienoper im Rahmen der Jungen Festspiele. Ensemble und Symphonisches Orchester des Koproduktionspartners Landestheater Detmold spüren in der Inszenierung von Detlef Heusinger dem Popstar Gioachino Rossini nach. Weiterer Koproduzent ist das SWR Experimentalstudio, als regionaler Kooperationspartner fungiert Superar Vorarlberg. Darüber hinaus kommt das abenteuerliche Konzertstück Vergissmeinnicht mit Die Schurken zur Aufführung sowie Workshops und weitere Angebote für junge Festspielfans.


Die Bregenzer Festspiele 2022 finden von 20. Juli bis 21. August statt. Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com und Telefon 0043 5574 4076.